Begabtenförderung in der Berufsbildung - Schulische Möglichkeiten im dualen System


Seminararbeit, 2002
14 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Berufspädagogische Grundfragen
2.1 Bildungspolitischer und bildungsorganisatorischer Aspekt
2.2 Begabtenförderung im dualen System der Berufsausbildung
2.3 Schulische Möglichkeiten der Begabtenförderung
2.4 Begabtenförderung durch Beratung

3. Modellversuch im Rahmen der Begabtenförderung

4. Zusammenfassung

5. Literatur

1. Einleitung

„Begabte junge Menschen gibt es nicht nur im Gymnasium und an der Hochschule. Es gibt sie auch in Betrieben ... Die besondere Leistung in der Berufspraxis verdient ebenso Anerkennung und Förderung“ (Bulmahn in ihrer Pressemitteilung zum Fachkongress ’10 Jahre Begabtenförderung berufliche Bildung’ am 24.10.2001 in Berlin).

Ein erster Einstieg in das Thema unter dem Stichwort ’Begabtenförderung’ im Internet ist symptomatisch für die in der Arbeit diskutierte Sachlage. Nur ein verschwindend geringer Anteil der Masse an Informationen betraf den außerschulischen Bereich und nur ein Bruchteil davon bezog sich auf Begabtenförderung in der beruflichen Bildung.

Es zeigt sich bei Betrachtung des Bereichs beruflicher Bildung, dass die Wissenschaft, die Berufspädagogik und die Wirtschaft jeweils ein anderes Verständnis davon haben, wie man berufliche Begabung definiert, identifiziert und wie Begabte gefördert werden können.

Die Frage der Begabtenförderung in der Berufsbildung rückt für mich in den Mittelpunkt, um zukünftig im eigenen Verantwortungsbereich berufliche Begabung besser erkennen und fördern zu können.

Darüber hinaus streben Schüler (und ihre Eltern) in zunehmenden Maße individuell höherwertige Schulabschlüsse in Erwartungen nach höherem Status, höherem Einkommen, besserem Schutz vor Arbeitslosigkeit und besserem Zugang zu betrieblichen Karrierechancen an.

Bei der Recherche für die Hausarbeit habe ich den Eindruck gewonnen, dass in der ehemaligen DDR Ansätze und Aktivitäten zur Begabtenförderung existierten, aber die Begabtenforschung und Begabtenförderung in den Alt-Bundesländern vernachlässigt wurde (Manstetten 1991, I).

In der Arbeit wird der Frage wie man den Begriff der Begabung im beruflichen Bildungswesen verstehen kann anhand ausgewählter Literatur nachgegangen. Es geht weniger um Alternativen zum dualen System, sondern zunächst darum Ansatzpunkte aufzuzeigen, die schon während der Berufsausbildung besonders im schulischen Teil realisiert werden sollten, um die Attraktivität des dualen Systems bezüglich Begabung zu steigern.

Ferner spiegelt sich in der Frage der Begabtenförderung auch die aktuelle Diskussion um Entwürfe zeitgemäßer Allgemeinbildung als Bestandteil der beruflichen Ausbildung wider.

Sondermaßnahmen ’oberhalb’ des dualen Systems werden nicht näher betrachtet, obwohl die Tatsache, dass Ausbildungsordnungen im Sinne von § 25(2) BBiG rein rechtlich als Mindestanforderungen zu verstehen sind (Schaumann 1991, 6) eine Chance und Handlungsmöglichkeiten bieten.

Dazu gibt es inzwischen vielfältige Sondermaßnahmen für Abiturenten, die sich als Alternative zum Hochschulstudium wie auch zum traditionellen dualen System verstehen, obgleich sie dualen Charakter haben. Ihre Besonderheit liegt darin, dass der Theorieanteil nicht wie üblich in der Berufsschule, sondern in Akademien, Hochschulen oder in Spezialklassen und in überbetrieblichen Einrichtungen absolviert wird (Kramer 1991).

Der Begabungsansatz wird in dieser Arbeit nicht mit Blick auf und Prognosemöglichkeiten und relevante Kriterien / Möglichkeiten der Leistungsbeurteilung überdurchschnittlicher Kompetenzen betrachtet, da dies im Seminar hinreichend in Frage gestellt wurde.

Im ersten Teil der Arbeit wird kurz auf den bildungspolitischen und –organisatorischen Aspekt eingegangen, um nach der Betrachtung der Begabtenförderung im dualen System der Berufsausbildung Thesen im Rahmen der schulischen und zum Teil auch der betrieblichen Möglichkeiten der Begabtenförderung zu formulieren. Hiernach wird der Aspekt der Begabtenförderung durch Beratung mit Blick auf vorfindbare Beratungsmöglichkeiten gewertet, um es dem zukünftigen Auszubildenden zu ermöglichen auf die Möglichkeiten und Potentiale des dualen Systems, die im zweiten Teil der Arbeit im Rahmen eines Modellversuchs kurz vorgestellt werden überhaupt erst aufmerksam zu werden.

Um sich dem Begriff der Begabung zu nähern kann man den Klafki’schen Bildungsbegriff (1985, 21) durch Begabung ersetzen und eine mögliche Antwort auf besondere Begabung als:

- ein vergleichsweise ausgeprägtes Bewusstsein und vertieftes Wissen in zentralen Gegenwartsproblemen
- ein sich mitverantwortlich fühlen, und zu ihrer Lösung beizutragen
- die Bereitschaft, sich hierfür anzustrengen, d.h. (weiter) zu lernen, sich (weiter) zu qualifizieren

gefunden werden (Fauser 1992, 53).

Die Definition des Begabungsbegriffs und die zuverlässige Identifizierung bzw. Möglichkeit der Förderung ist nach Manstetten (1992, 3 ff) strittig. Eine fachdisziplinmäßige Zuordnung des Problem- und Handlungsfeldes ’Begabung und Beruf’ lässt sich vorab nicht vornehmen, da die beteiligten Disziplinen entweder dem Forschungsfeld ’Begabung und Bildung’ (wie z.B. allgemeine Pädagogik, allgemeine Psychologie, allgemeine Soziologie) oder aber dem Forschungsfeld ’Bildung und Beruf’ (wie z.B. Berufspädagogik, Berufspsychologie, Berufssoziologie) zugeordnet werden können.

Kusch (1995, 7) merkt dazu an, dass das Begabungskonzept für die Erklärung beruflicher Erfolge zunehmend durch den ’Experten’, also eine Person, die eher durch die flexible und kompetente Nutzung ihrer profunden Wissensbasis (auch motorisches Wissen) als durch herausragende intellektuelle Fähigkeiten besticht, ersetzt wird. Er begründet diesen Perspektivwechsel anhand von Alltagsintuition und behauptet nur bei einigen wenigen Berufssparten, z.B. Musikern, besondere Begabung zu erwarten, wohingegen die Versiertheit eines Automechanikers stärker mit langjähriger Berufserfahrung verbunden wird.

Als Arbeitsbegriff eignet sich nach Bals (1992, 30 ff) der Begriff ’besondere berufliche Begabung’ bzw. ’beruflich besonders Begabte’. Er grenzt sich insbesondere vom traditionellen, auf allgemeine Begabung(en) zielenden Terminus ’Hochbegabung’ bzw. ’Hochbegabte’ ab.

Nach Fauser (1992, 51 f.) „kann als besonders begabt gelten, wer:

- über überdurchschnittliche fachspezifische und fachübergreifende Qualifikation verfügt,
- besser als andere bestimmte Einzelsachverhalte in größere Zusammenhänge einordnen kann und ganzheitlich, assoziativ, abstrakt und logisch denken kann,
- besonders team- und kommunikationsfähig ist,
- besonders urteils-, und entscheidungsfähig und verantwortungsbereit ist,
- besonders selbständig, kreativ und flexibel ist,
- dauernd lernbereit ist und engagiert teilnimmt an arbeitsweltlichen und gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen sowie gründlich um ihre Entstehungs-bedingungen und Folgewirkungen für sich selbst und andere bescheid weiß,
- besonders befähigt ist, auf verschiedenste Informationsbestände zuzugreifen, aus der Informationsfülle auszuwählen, Informationen zu bewerten und für konkretes Handeln zu nutzen, kurz: wer über überdurchschnittlich informationstechnische Kompetenzen verfügt.“

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Begabtenförderung in der Berufsbildung - Schulische Möglichkeiten im dualen System
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Berufs- und Betriebspädagogik)
Veranstaltung
Leistungsförderung und - beurteilung
Note
gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V10394
ISBN (eBook)
9783638168304
Dateigröße
361 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Begabtenförderung, Berufsbildung, Schulische, Möglichkeiten, System, Leistungsförderung
Arbeit zitieren
Martin Würfel (Autor), 2002, Begabtenförderung in der Berufsbildung - Schulische Möglichkeiten im dualen System, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10394

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