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Polizeikontrolle in Deutschland. Selektive Kontrollmechanismen, wahrnehmungsrelevante Konstruktionsprozesse und gewaltsame Eskalationsdynamiken in Zusammenhang mit strukturellem Rassismus

Titre: Polizeikontrolle in Deutschland. Selektive Kontrollmechanismen, wahrnehmungsrelevante Konstruktionsprozesse und gewaltsame Eskalationsdynamiken in Zusammenhang mit strukturellem Rassismus

Thèse de Master , 2021 , 98 Pages , Note: 2,3

Autor:in: Johannes Renner (Auteur)

Sociologie - Politique, Majorités, Minorités
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Résumé Extrait Résumé des informations

Polizeiarbeit ist nur in Wechselwirkung mit der sie umgebenden Gesellschaft zu verstehen. Die Gesellschaft als solches ist in einem stetigen sozialen Wandel begriffen. Politische und kulturelle Rahmenbedingungen müssen bei einer soziologischen Analyse der Polizei berücksichtigt werden, wenn es darum geht die Interaktion zwischen Polizist und Zivilist reflexiv und mehrdimensional einzuordnen. Es ist also eine systemfunktionalistisch vergleichende Rahmung der Polizei in modernen Gesellschaften notwendig. Die Funktion und Wahrnehmung von Polizei ist wichtig, um zu einem einordnenden Verständnis der jeweiligen Akteursperspektiven zu gelangen. Daran anschließend entfalte ich theoretische Perspektiven der Polizeikontrolle, die vor dem Hintergrund kultursoziologischer Wandlungsprozesse zu begreifen sind.

Die theoretische Grundierung der Kontrolle an und für sich bildet den Hintergrund zur folgenden spezifischen soziologischen Analyse selektiver Kontrollmechanismen. In diesem Teil meiner Arbeit werde ich Sequenzen selbstgeführter narrativer Leitfadeninterviews mit Migranten und Polizeibeamten auswerten und als ergänzende Quellen mit bereits vorhandenem empirischem Material verknüpfen. Dadurch verdichte ich empirische Daten interpretativ und generiere (neue) Hypothesen. Die explizite Forschungslücke, die ich mit meiner Arbeit zu füllen hoffe, bezieht sich in erster Linie auf makrosoziologische Einflussfaktoren der Kontrollsituation.

Die Wahrnehmung von Diskriminierung und Rassismus könnte zu einem gewissen Teil durch selbstexkludierende Sozialisationstendenzen, mediale und soziologische Konstruktionsprozesse von Opfer- und Feindrollen-Denken und bewusste Neutralisierungstechniken verzerrt sein. Neben der soziologischen Untersuchung selektiver Kontrollmechanismen und der vorstrukturierenden Konstruktionsprozesse beschreibe ich in dieser Arbeit auch konkrete Abläufe von entsprechenden Situationen. Hierbei tauche ich vor dem makrosoziologischen Hintergrund der Kontrolle tief in situative Eskalationsprozesse ein und erkläre den Ausbruch von Gewalt an ausgewählten Beispielen.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Forschungsvorhaben

2. Gegenwärtiger Forschungsstand

3. Methodisches Vorgehen und Beschreibung des Datenmaterials

4. Polizei in modernen Gesellschaften: Funktion und Wahrnehmung

4.1 Die Rolle der Staatsform

4.2 Wahrnehmungsrelevante Polizeifeindbildkonstruktionen

5. Soziologie der Polizeikontrolle

5.1 Theoretische Perspektiven der (Polizei)Kontrolle

5.2 Selektive Kontrollmechanismen

5.2.1 Sozioökonomische Rasterbildung, Demografie und Verhalten

5.2.2. Etnizität, Raum und Verhalten

5.2.3 Erfahrungswissen, Stereotypenbildung, Sozialstruktur

6. Gewaltsame Eskalationsdynamiken polizeilicher Kontrollen

7. Abschließende Zusammenfassung und Hypothesen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht soziologisch, wie selektive Kontrollmechanismen der Polizei durch strukturelle Einflüsse, institutionelle Erwartungen und interaktive Wahrnehmungsprozesse entstehen, um daraus die Eskalationsdynamiken in polizeilich-zivilistischen Aufeinandertreffen zu erklären und die Debatte um strukturellen Rassismus zu beleuchten.

  • Analyse soziologischer Determinanten polizeilichen Handelns
  • Untersuchung selektiver Kontrollmechanismen (z. B. Ethnic/Racial Profiling)
  • Erklärung von Eskalationsdynamiken in Kontrollsituationen
  • Diskussion der Debatte um strukturellen Rassismus im Polizeiapparat

Auszug aus dem Buch

4.2 Wahrnehmungsrelevante Polizeifeindbildkonstruktionen

Ich habe darzulegen versucht, dass die staatlich-gesellschaftliche Ordnung von entscheidender Bedeutung für die systemische Rolle und für das individuelle Erleben der Organisation Polizei ist. Im Hinblick auf die dieser Arbeit zugrunde liegende wissenschaftliche Rahmung werde ich im Anschluss daran nun auf spezifische wahrnehmungsrelevante Polizeifeindbildkonstruktionen eingehen, die Interaktionsprozesse zwischen Polizeibeamten und Zivilisten möglicherweise vorstrukturieren.

Zunächst einmal gibt es eine gesellschaftliche Gruppe, die logischerweise die Polizei als feindlich interpretiert: Delinquenten. Wer beispielsweise in den Bereich der Betäubungsmittelkriminalität involviert ist, wird seine geschäftlichen Transaktionen bevorzugt ohne polizeiliche Intervention abwickeln wollen. Hier kann soziologisch von einer klar antagonistischen sozialen Wirklichkeit ausgegangen werden. Die Polizei ist insofern der natürliche Feind des Normbrechers.

Allerdings gibt es auch Bürger, die ohne Normbruch negative Erfahrungen mit der Polizei sammeln und diese Erfahrungen Abneigung hin zu Feindschaft begründen können. Über diese offensichtliche Konstellation hinaus, können aber auch andere Einflüsse eine Polizeifeindbildkonstruktion begünstigen. Im linksextremen Spektrum ist der Ausspruch A.C.A.B. (All Cops are Bastards) weit verbreitet und beschreibt die Annahme, alle Polizisten seien in letzter Konsequenz als verlängerte Arme kapitalistischer Ausbeutungsstrukturen zu verstehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Forschungsvorhaben: Einführung in das Thema, die Relevanz einer soziologischen Auseinandersetzung mit Polizeigewalt und die Forschungsfrage zu strukturellem Rassismus.

2. Gegenwärtiger Forschungsstand: Überblick über existierende Studien zur Polizeisoziologie, insbesondere zur polizeilichen Kultur, Raumkonstruktion und Stereotypenbildung.

3. Methodisches Vorgehen und Beschreibung des Datenmaterials: Darlegung des interpretativ-verstehenden Forschungsdesigns, basierend auf narrativen Leitfadeninterviews und Videoanalysen.

4. Polizei in modernen Gesellschaften: Funktion und Wahrnehmung: Theoretische Einordnung der Polizei als Organ der staatlichen Exekutive sowie Analyse der Einflüsse auf das gegenseitige Bild von Polizei und Bürgern.

5. Soziologie der Polizeikontrolle: Vertiefende soziologische Analyse, wie Sicherheitsdefinitionen und Kontrollmechanismen den sozialen Raum vorstrukturieren.

6. Gewaltsame Eskalationsdynamiken polizeilicher Kontrollen: Mikrosoziologische Untersuchung von Eskalationsprozessen in Kontrollsituationen anhand von Videoanalysen.

7. Abschließende Zusammenfassung und Hypothesen: Synthese der Ergebnisse, Reflexion der methodischen Limitationen und Formulierung zentraler Hypothesen zur Interaktion.

Schlüsselwörter

Polizeikontrolle, Rassismus, Ethnic Profiling, Eskalationsdynamiken, Polizeisoziologie, Gewalt, Interaktion, Normbruch, Sozialisation, Sicherheitsdiskurs, polizeiliche Kultur, Raumkonstruktion, struktureller Rassismus, Überwachung, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich soziologisch mit den Bedingungen und Dynamiken polizeilicher Kontrollen in Deutschland, insbesondere im Kontext von Rassismus-Vorwürfen und Eskalationsprozessen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Organisation Polizei, selektiven Kontrollmechanismen (wie Ethnic Profiling), der Wahrnehmung der Polizei durch Bürger und den mikrosoziologischen Faktoren, die zu Konflikten führen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu analysieren, wie selektive Kontrollmechanismen entstehen und inwieweit diese durch soziokulturelle Faktoren, Vorannahmen und soziale Konstruktionen die Interaktion zwischen Polizei und Bürgern vorstrukturieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein interpretativ-verstehendes Forschungsdesign angewandt, das narrative Leitfadeninterviews mit Polizisten und Bürgern sowie die soziologische Videoanalyse von Kontrollsituationen umfasst.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen (Funktion der Polizei) erörtert, dann selektive Kontrollmechanismen im Detail analysiert und schließlich reale Eskalationsereignisse mikrosoziologisch untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Polizeikontrolle, Ethnic Profiling, Eskalationsdynamiken, Polizeisoziologie und struktureller Rassismus.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle des "Rassismus-Vorwurfs" in der Interaktion?

Der Autor argumentiert, dass der Vorwurf des Rassismus oft schnell verbalisiert wird, aber komplex mit anderen Faktoren wie sozioökonomischer Lage, Milieu und dem "Kampf um Anerkennung" verknüpft ist, was die objektive Verifizierung erschwert.

Welche Bedeutung haben Videoanalysen für die Arbeit?

Videoanalysen dienen als empirische Grundlage, um mikrosoziologische Interaktionsabläufe in Konfliktsituationen sichtbar zu machen und die Theoriebildung zur Entstehung von Gewalt zu unterstützen.

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Résumé des informations

Titre
Polizeikontrolle in Deutschland. Selektive Kontrollmechanismen, wahrnehmungsrelevante Konstruktionsprozesse und gewaltsame Eskalationsdynamiken in Zusammenhang mit strukturellem Rassismus
Université
University of Stuttgart
Note
2,3
Auteur
Johannes Renner (Auteur)
Année de publication
2021
Pages
98
N° de catalogue
V1040183
ISBN (ebook)
9783346457776
ISBN (Livre)
9783346457783
Langue
allemand
mots-clé
Polizei Rassismus Gewalt Polizeikontrolle Polizeisoziologie
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Johannes Renner (Auteur), 2021, Polizeikontrolle in Deutschland. Selektive Kontrollmechanismen, wahrnehmungsrelevante Konstruktionsprozesse und gewaltsame Eskalationsdynamiken in Zusammenhang mit strukturellem Rassismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1040183
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Extrait de  98  pages
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