Die Kulturtechniken Lesen und Schreiben im digitalen Zeitalter


Hausarbeit, 2016

27 Seiten

Anonym


Leseprobe

II. Inhaltsverzeichnis

Hinführung
1.0 Hinführung
1.1 Definitorische Hinführung
1.2 Geschichtliche Hinführung

2.0 Segen oder Fluch?
Die Kulturtechnik des Schreibens im WandelS

3.0 Die Kulturtechnik des Schreibens im Wandel
3.1 Die Automatisierung des Schreibens
3.2 Das multimediale Schreiben
3.3 Das kooperative Schreiben
3.4 Handschrift versus Tastatur

Die Kulturtechnik des Lesens im Wandel
4.0 Die Kulturtechnik des Lesens im Wandel
4.1 Die Automatisierung des Lesens
4.2 Das multimediale Lesen
4.3 Social Reading
4.4 Buch versus E-Book

5. Conclusio

6. Quellenverzeichnis

Die Kulturtechniken Lesen und Schreiben im digitalen Zeitalter

1.0 Hinführung

Unsere Gesellschaft hat sich in den letzten Dekaden weg von einer Industrie- hin zu einer Dienstleistungs- und vor allem Informationsgesellschaft gewandelt. Damit einhergehend erleben wir eine immense Vervielfachung des Wissens bzw. von Informationen, wodurch es auch unteranderem dazu kommt, dass Informationen mittlerweile nicht nur in gedruckter Form vorliegen, sondern möglichst immer und überall digital abrufbar gemacht werden. Demzufolge ist es ebenfalls unerlässlich Wissen selbst auf virtueller Ebene erstellen, bearbeiten und abspeichern zu können. Wir befinden uns gegenwärtig in einem bedeutsamen medialen sowie kulturtechnischen Umbruch, welcher vor allem durch die neuen Medien wie dem Computer und das Internet initiiert wird und sich auf viele Lebensbereiche ausdehnt, so auch auf die Kulturtechniken des Lesens und Schreibens. Die Digitalisierung verändert "aber nicht nur die Prozesse des Lesens und Schreibens als solche, sondern auch die kulturellen Produkte sowie die gesellschaftlichen Praktiken des Umgangs mit ihnen."1 In Folge dessen ist vorauszusehen, dass die digitale Beeinflussung des Lesens und Schreibens sowohl Auswirkungen auf Bereiche des privaten, als auch des öffentlichen Lebens haben wird. Darüber hinaus muss im Hinblick auf den Deutschunterricht festgestellt werden, dass die Schrift bzw. das Schreiben als auch das Lesen die essentiellen Werkzeuge und somit das Fundament des Faches Deutsch darstellen. In Anbetracht dessen sollte zu der Erkenntnis gekommen werden, dass die Auseinandersetzung mit diesem Themenkomplex für das Wissensgebiet Deutsch unabdinglich ist. Die Art und Weise wie wir lesen und schreiben hat bereits begonnen sich merklich zu verändern und wird sich mit fortschreitender Zeit noch weiter intensivieren. Damit Schüler und Schülerinnen auch in Zukunft einen kompetenten Deutschunterricht erfahren können, sollten Überlegungen gemacht bzw. erörtert werden, inwieweit die Digitalisierung unseren Lese- und Schreibprozess beeinflusst und verändert sowie die daraus resultierenden Konsequenzen bzw. Folgen dieses Wandels zu identifizieren.

1.1 Definitorische Hinführung

Im Rahmen der Digitalisierung und der damit verbundenen Veränderung des Lesens und Schreibens tauchen immer wieder eine Vielzahl an Begrifflichkeiten auf, welche es zuvor gilt genau zu erklären beziehungsweise zu terminieren.

Eingangs war bereits davon die Rede, dass die sogenannten neuen Medien die Hauptprotagonisten des medialen- und kulturtechnischen Wandels darstellen. Um diese Begrifflichkeit klären zu können, sollte sich zunächst vor Augen gehalten werden, dass Medien, also im einfachen Sinne technische Übertragungskanäle bzw. Vermittler zur Kommunikation zwischen mehreren Personen/Interagierenden, nach verschiedenen Kriterien klassifiziert bzw. in Gruppen eingeteilt werden. Diese Typologien und Klassifikationen dienen dann dem Zwecke der Systematisierung und der Orientierung sowie des Vergleichs als auch der erleichterten Wahrnehmung von Entwicklungen innerhalb eines Gegenstandbereiches.2 Unter der Klassifikation neue Medien lassen sich, im Sinne eines technisch-orientierten Medienbegriffes, die Tertiärmedien sowie vor allem die Quartärmedien hinzu ordnen. Tertiärmedien charakterisieren sich dadurch, dass sie für die Produktion und Übertragung ihrer Zeichen bzw. Nachrichten als auch deren Empfang ein technisches Gerät benötigen, wie beispielsweise das Radio und Fernsehen. Im Unterschied dazu ist für die Quartärmedien typisch, dass sowohl Sender als auch Empfänger die gleiche technische Basis vorweisen müssen damit sie in der Lage sind zu interagieren. Darüber hinaus ist mit diesen Medien die Bearbeitung von Zeichen/Nachrichten beiderseits raum- und zeitunabhängig möglich, wodurch der Computer und das Internet zu den Paradebeispielen für Quartärmedien avancieren. Um nun wieder eine Brücke zu dem durch die Digitalisierung herbeigerufenen Wandel des Lese- und Schreibprozesses zu schlagen, muss noch der Einbezug der Sekundärmedien erfolgen. Kennzeichnend für diese ist es, dass "die Kommunikationsträger (sprich: Zeichen) einer technischen Herstellung bedürfen, während ihre Aufnahme beim Empfänger ohne technisches Gerät erfolgt.3 Demnach lassen sich darunter vor allem geschriebene und gedruckte Mitteilungen einnorden. Dies lässt uns zu dem Entschluss kommen, dass die Veränderung des Lese- und Schreibprozesses durch die neuen Medien auch durch die Konfrontation bzw. Wechselwirkung zwischen sekundären und Quartärmedien geprägt ist. Abschließend sollte noch erwähnt werden, dass die Begrifflichkeit neue Medien Schwächen aufweist, da diese aufgrund ihrer zeitlich definitorischen Bezeichnung "neuen" Medien in Zukunft, durch die Erscheinung von innovativen neueren Medien, nicht mehr tragbar sein wird, wodurch das Internet als auch der Computer als Symmedien bezeichnet werden sollten, welche ein Integrationsmedium par excellence darstellen, indem sie alle bisherigen medialen Optionen, also Text, Bild, Ton, Film etc. in sich vereinen und wiedergeben können.4 Dies führt außerdem dazu, dass der Computer zum Leit-Medium avanciert, also einem Medium, an welchem sich die anderen Medien orientieren. Diese bisher, durch Massenmedien wie Computer und Internet herbeigeführte, noch nie so stark ausgeprägte Symmedialität spielte und spielt auch eine essentielle Rolle bei der Beeinflussung bzw. Veränderung unserer Kulturtechniken des Lesens und Schreibens.

1.2 Geschichtliche Hinführung

Um ein tieferes Verständnis für die Veränderungen von Kulturtechniken zu entwickeln, lohnt es sich einen kurzen Blick in die Geschichte bzw. Vergangenheit zu werfen. Unsere Gesellschaft bewegte sich vor dem Siegeszug der Digitalisierung in der Gutenberg-Galaxis in derer, ebenfalls wie heute, ein eminenter medial- und kulturtechnischer Umbruch von statten ging. Grund hierfür war die Entwicklung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg und die sich darauf entwickelnde Ausdifferenzierung und nachfolgende Industrialisierung der Buchproduktion. Im Zuge dessen sank der zeitliche Aufwand sowie die benötigten Ressourcen für die Herstellung eines Buches drastisch ab, wodurch es nun größeren Teilen der Bevölkerung möglich war Bücher zu erwerben, wobei es dadurch unteranderem dazu kam, dass die Alphabetisierung der Gesellschaft signifikant voran getrieben bzw. verbessert wurde und eine Buchkultur entstand. Außerdem wurde durch den Buchdruck "die Produktion des Textes durch den Autor von der Herstellung des Buches als eines Produkts abgetrennt."5 Zuvor stellte die Produktion eines Textes einen einheitlichen Vorgang da, weshalb auch hier ein gewisser Eingriff bzw. Veränderung des Schreibprozesses diagnostiziert werden kann. Die Gutenberg-Galaxis wurde mittlerweile längst von der sogenannten Turing-Galaxis abgelöst, in welcher wir uns zum aktuellen Zeitpunkt befinden. Charakteristisch für diese ist die "automatisierte Verarbeitung von Daten, die programmgesteuerte Produktion oder Manipulation von Texten, Bildern, [...] [etc.] [sowie] die verlustfreie Reproduktion digitaler Daten."6 In Folge dessen haben sich die Kosten für Informationen/Texte nochmals, aufgrund der digitalen Form, drastisch reduziert als auch die zeitliche Aufwendung für die Informationsakquise deutlich verbessert, da für den Datenabruf nur noch wenige Sekunden/Minuten benötigt werden. Darüber hinaus ist die bereits angesprochene Symmedialität ein weiteres bedeutendes Charakteristikum innerhalb der Turing-Galaxie. Weitere Gründe weshalb sich die Digitalisierung bzw. digitale Schrift in unserer Gesellschaft etablieren konnte, ist die Ortsunabhängigkeit, die Globalität, die erleichterte Darstellung von Phänomenen wie beispielsweise eine zum Text begleitend erklärende Animation sowie die Synchronizität.7 Allerdings sollte es sich in das Bewusstsein gerufen werden, dass diese Erleichterungen möglicherweise den Lese- und Schreibprozess nicht nur positiv beeinflussen. Ohne die Zuhilfenahme eines Computers o.Ä. als Schreib- und/oder Lesehilfe sind wir nicht mehr fähig in der Turing-Galaxie frei agieren zu können. Die Codierung von Daten richtet sich demnach nicht mehr an Menschen, sondern an Computern aus. Der Mensch wird durch die vorherrschenden Zustände der Turing-Galaxie in eine digitale Sphäre gezwungen, die es dahin gilt zu untersuchen, ob die letztlich angemerkten Zweifel gerechtfertigt sind oder diese unbegründet sind und aus dem typisch medialen Urquell entspringen, dass es gegenüber neu aufkommenden Medien und dessen Einflussnahme zu stetigen Abwehrreaktionen und kritische Äußerungen kommt.

2. Segen oder Fluch?

Seit Jahrtausenden prägten die Kulturtechniken des Lesens und Schreibens die menschliche Kultur. Trotz dessen, dass diese immer wieder im Zuge von gesellschaftlichen und vor allem durch technische Neuerungen fortdauernd einem Veränderungsprozess unterworfen waren, stagnierte eine Tatsache dennoch. Nämlich, dass Texte stets unmittelbar niedergeschrieben und gelesen werden konnten. Das heißt zwischen dem Verfasser bzw. dem Leser existierte bisher kein weiterer Kanal bzw. kein weiteres Medium. Für die Auseinandersetzung mit Texten wurden lediglich die Augen benötigt. Diese Gegebenheit hat sich nun mit der gegenwärtigen Digitalisierung entscheidend verändert. Texte sind jetzt nicht mehr unmittelbar in sichtbaren Schriftzeichen verfasst, sondern in Form von Binärcodes. In Folge dessen sind wir nun auf Computer angewiesen, welche es uns wieder ermöglichen innerhalb dieser Codes zu agieren, sprich schreiben und lesen zu können. Essentiell wird jetzt das Faktum, dass die digitalen Medien als Medium zwischen uns und den Kulturtechniken des Lesens und Schreibens in Erscheinung treten. In Anlehnung an die Aussage bzw. Erkenntnis von McLuhan "das Medium ist die Botschaft" kann nun geschlussfolgert werden, dass die neuen Medien einen bedeutsamen Anteil daran haben wie wir Texte verfassen als auch lesen. Ein illustrierendes Beispiel hierfür ist ein Brief von Kleist aus dem Jahre 1801 in welchem er wie folgt die Einflussnahme durch "Medien" darstellt." 'Wenn alle Menschen statt der Augen grüne Gläser hätten, so würden sie urteilen müssen, die Gegenstände, welche sie dadurch erblicken, sind grün - und nie würden sie entscheiden können, ob ihr Auge ihnen die Dinge zeigt, wie sie sind [...].' "8. Diese Einflussnahme durch die neuen Medien soll im Folgenden offen gelegt werden, indem zunächst die Kulturtechnik des Schreibens und darauf folgend die des Lesens aufgezeigt wird. Dabei wird besonders auf die bereits identifizierbaren Veränderungen innerhalb jeder Kulturtechnik eingegangen und die daraus resultierenden Vor- und Nachteile bestimmt, sodass herausgestellt werden kann, ob es sich bei dem kulturtechnischen Wandel des Lesens und Schreibens um einen Fluch handelt, damit über diesen aufgeklärt und entgegengewirkt werden kann oder aber um einen Segen der unseren Lese- und Schreibprozess innovativ erweitert und verbessern wird.

3.0 Die Kulturtechnik des Schreibens im Wandel

Seit jeher zeichnete es die Kulturtechnik des Schreibens aus, dass diese mit Hilfe einer Hand und deren Bewegungen eines Schreibgerätes auf ein Trägermedium wie beispielsweise auf ein Blatt Papier umgesetzt wurde. Beim digitalen Schreiben, also dem vorwiegenden schreiben oder besser gesagt tippen auf einer Tastatur, hingegen werden zum produzieren eines Textes nur noch die Finger bewegt. Etwas überschwänglich könnte allerdings auch gesagt werden, dass das digitale Schreiben immer nur ein Auswählen von Zeichen ist und weniger von produzieren die Rede sein kann.9 Doch nach diesem zunächst einmal augenscheinlichsten Unterschied zum traditionellem Schreiben sollte untersucht werden welche bedeutenden Veränderungen die Digitalisierung bezüglich des Schreibens noch mit sich bringt. Die bisher offensichtlichste und die zugleich vielleicht nicht ganz einfach zu realisierende Neuerung ist die Automatisierung respektive die digitale Unterstützung des Schreiprozesses, welche bereits fest in unseren Alltag Einzug gehalten hat und sich noch weiter ausbauen wird. Ein weiterer eminenter Wandel ist die Entwicklung hin zu multimedialem Schreiben, bei welchem nicht nur wie ursprünglich ein bloßer Text verfasst wird, sondern zu diesem oft noch weitere Gestaltungspunkte wie Grafiken, Bilder, schematisierte Darstellungen, Links, etc. hinzugefügt werden. Die letzte große und bisher in Kinderschuhen steckende Neuerung stellt das soziale bzw. kooperative Schreiben dar, in Folge dessen es nicht nur einen Autor oder Verfasser gibt, sondern mehrere Personen gleichzeitig oder aber zeitnah miteinander interagieren und gemeinsam einen Text schreiben.10 Konklusiv ergibt sich aus den nun benannten Veränderungen ein weiterer wegweisender Trend, welcher die Allgemeinheit gegenwärtig am weitestgehenden betrifft. Die Entwicklung dessen, dass der Mensch immer häufiger digital schreibt als mit der Hand führt uns zu der Annahme, dass die Handschrift immer weiter, zu Gunsten des digitalen Schreibens, verblassen wird. Die daraus entstehende Frage inwieweit die Handschrift ausgedient hat oder aber gar der Tastatur bzw. dem digitalen Schreiben überlegen sein könnte, stellt einen exemplarischen Konflikt zwischen dem traditionellem und digitalen Schreiben dar. Diese Auseinandersetzung gilt es unbedingt ebenso zu klären, da diese Kontroverse mehrere typische Spannungen, welche im Laufe der Digitalisierung des Schreibens gegenüber dem ursprünglichen Schreiben aufgekommen sind, enthält und somit auch beispielgebend für die Veränderung der Kulturtechnik des Schreibens steht.

3.1 Die Automatisierung des Schreibens

Die Automatisierung des Schreibens findet bereits seit nicht wenigen Jahren gerade mit Hilfe von Textverarbeitungsprogrammen statt. "Die elektronische Textverarbeitung stellt einen Quantensprung in der Kulturtechnik des Schreibens dar, weil [...] schreibmaschinenbasierte Schreibprozesse nicht mehr linear-sukzessiven Rahmenbedingungen unterworfen [sind]."11 So kann ein bereits geschriebener Text nachträglich an beliebig gewünschter Stelle erweitert oder verändert werden. Automatisierte Nummerierungen sind Gang und Gäbe, die Autokorrektur ist schon beinahe eine zementierte Voreinstellung und nach Bedarf ist es möglich gar ganze Arbeitsvorgänge vorgefertigt zu übernehmen bzw. selbstständig ohne jegliches Zutun erstellen zu lassen wie beispielsweise die Anlegung eines Inhaltsverzeichnisses, Registers und Abbildungslisten. Desweiteren ist es bereits möglich multilinguale Texte zu verfassen, indem ohne jegliche Sprachkenntnisse das zu Übersetzende einfach in eine Übersetzungssoftware gegeben wird. Aktuell gerade auf grammatikalischer Ebene noch ausbaufähig, aber auch dies wird sich in absehbarer Zeit noch deutlich verbessern. Sollte es dennoch einmal zu Fehlern kommen greift das Schreibprogramm sprachlich normierend dadurch ein, dass es dem Schreibenden Vorschläge bezüglich Rechtschreibung, Grammatik und Stil vor Augen hält. Stiltechnisch gibt es Firmen die diverse Programme anbieten mit welchen gewährleistet werden soll, dass der verfasste Text auch den angestrebten Stil einhält. Beispielsweise ist es mit dem Gendering Add-In für Word möglich kontrollieren zu lassen, ob eine Einhaltung zu geschlechtergerechter Sprache im Text vorliegt.12 Nachdem diese fast schon zur Normalität gewordenen schreibunterstützenden Programme ins Bewusstsein gerufen worden kann festgestellt werden, dass das digitale Schreiben nicht mehr einzig allein vom Initiator des Textes ausgeht, sondern - vom Computer - mitgestaltet wird. Basierend darauf drängt sich die Frage auf inwieweit dies den Schreibprozess beeinflusst. Augenscheinlich ist erst einmal davon auszugehen, dass zumindest das Können und Wissen auf Seiten des Schreibers abnimmt, da dieser in solchem Maße unterstützt wird, dass dieser sich dadurch weniger Gedanken bezüglich seiner Arbeit machen braucht, wodurch es zu einer oberflächlicheren Auseinandersetzung mit dem zu bearbeitenden Text kommt. "Früher wurden Texte gelesen, heute werden sie geskimt, d.h. oberflächlich abgeschöpft. Früher wurde in die Materie eingedrungen, heute wird stattdessen im Netz gesurft (also über Inhalte gegleitet)."13 Musterbeispiel hierfür ist wohl das copy and paste Prinzip, bei dem der Verfasser Wörter oder ganze Textpassagen eins zu eins übernimmt ohne sich damit gedanklich eingehend zu befassen und der daraus resultierenden Konsequenz, dass der zu bearbeitenden Sachverhalt nicht im Kopfe verankert wird.14 Verringert also die Automatisierung des Schreibens die Verarbeitungstiefe und den damit einhergehenden Lernzuwachs? Anfänglich könnte man die Meinungshaltungen von Manfred Spitzer teilen, dass digitale Medien, gerade die Automatisierung des Schreibens, zu mehr Oberflächlichkeit im Umgang mit Texten führen. Allerdings kann bei näherer Betrachtung zum Entschluss gekommen werden, dass unterstützende Schreibprogramme, trotz aller Anschuldigungen, einen Gewinn darstellen, da diese dem Schreiber völlig neue Möglichkeiten der Textproduktion ermöglichen, wie die eingangs erwähnten, die ihm beim traditionellem Schreiben völlig verwehrt blieben. Außerdem stellen gerade die vollständig automatisierten Vorgänge lästig stupide Arbeiten dar, bei welchen der normale Verbraucher auch ohne viel Knowhow diese zu erstellen wüsste, wodurch er sich dann, ohne Nebenschauplätze, außerdem auf das Essentielle in seiner Arbeit fokussieren kann. Desweiteren muss der Verfasser selbst bei den genannten Verbesserungsvorschlägen die Kenntnis besitzen welche Vorschläge richtig sind und zudem passend korrespondierend zu seinem Text sind. Diese automatisiert unterstützenden Programme können also als Werkzeuge angesehen werden. Wenn ich nicht schon vorweg Wissen besitze, also nicht über die Funktionsweise der Werkzeuge Bescheid weiß, ist es mir auch nicht möglich von diesen zu profitieren, im Gegenteil, ich muss ihnen dann gar blind vertrauen und dies wiederrum würde dann zu der Entwicklung nach Manfred Spitzer führen. Diese Feststellung bringt uns, um eine kurze Brücke zur Schule zu schlagen, wieder zu der Überzeugung, dass es Aufgabe des Deutschunterrichts sein muss die Schüler kompetent an das digitale Schreiben heranzuführen, da dies aktuell eher nur zaghaft der Fall ist, sodass es nicht zu den von Manfred Spitzer angeprangerten Befürchtungen kommt, welche zwar übertrieben scheinen, aber dennoch im Bereich des Möglichen liegen, falls Personen ohne Sensibilität und Wissen zum digitalen Schreiben mit automatisierten Schreibprogrammen interagieren.

[...]


1 Lobin, Henning. Heymann, Sabine. Klawitter, Jana. Leitenstern, Regine (2010): Lesen und Schreiben im digitalen Zeitalter, S. 15-16.

2 vgl. Barsch, Achim (2006): Mediendidaktik Deutsch. Paderborn: Ferdinand Schöningh, S. 16.

3 Barsch, Achim (2006): Mediendidaktik Deutsch. Paderborn: Ferdinand Schöningh, S.17.

4 vgl. Frederking, Volker. Krommer, Axel. Maiwald, Klaus (2012): Mediendidaktik Deutsch. Eine Einführung. 2. Auflage. Berlin: Erich Schmidt Verlag, S. 205-206.

5 Lobin, Henning (2012): Die Digitalisierung von Lesen und Schreiben und deren kulturellen Auswirkungen. Giessen, S. 194.

6 Lobin, Henning (2012): Die Digitalisierung von Lesen und Schreiben und deren kulturellen Auswirkungen. Giessen, S. 196.

7 vgl. Zumbach, Jörg (2010): Lernen mit neuen Medien. Instruktionspsychologische Grundlagen. Stuttgart: Kohlhammer, S. 13-14.

8 Frederking, Volker. Krommer, Axel. Maiwald, Klaus (2012): Mediendidaktik Deutsch. Eine Einführung. 2. Auflage. Berlin: Erich Schmidt Verlag, S. 19.

9 vgl. Lobin, Henning (2014): Engelbarts Traum. Wie der Computer uns Lesen und Schreiben abnimmt. Frankfurt am Main: Campus Verlag, S. 129.

10 vgl. Lobin, Henning (2012): Die Digitalisierung von Lesen und Schreiben und deren kulturellen Auswirkungen. Giessen, 2012, S. 198-199.

11 Frederking, Volker. Krommer, Axel. Maiwald, Klaus (2012): Mediendidaktik Deutsch. Eine Einführung. 2. Auflage. Berlin: Erich Schmidt Verlag, S. 207.

12 vgl. Lobin, Henning (2014): Engelbarts Traum. Wie der Computer uns Lesen und Schreiben abnimmt. Frankfurt am Main: Campus Verlag, S. 133.

13 Spitzer, Manfred (2012): Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen. München: Droemer, S. 70.

14 vgl. Spitzer, Manfred (2012): Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen. München: Droemer, S. 69-70.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Kulturtechniken Lesen und Schreiben im digitalen Zeitalter
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Jahr
2016
Seiten
27
Katalognummer
V1040328
ISBN (eBook)
9783346458599
ISBN (Buch)
9783346458605
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kulturtechniken, lesen, schreiben, zeitalter
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Die Kulturtechniken Lesen und Schreiben im digitalen Zeitalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1040328

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