Welche Vorwürfe erhob Papst Innozenz IV. gegen Friedrich II. auf dem Ersten Konzil von Lyon im Jahre 1245, welche Beweggründe veranlassten den Papst zu diesen Anklagepunkten?
Als Ausgangspunkt dienen hierbei zwei Quellentexte: die Bannsentenz gegen Friedrich und eine Darstellung des Matthaeus Paris über den Verlauf des Konzils von Lyon.
Die Bannsentenz liefert mit der Aufführung der Anklagepunkte die Grundlage für die Erörterung. Diese werden im Einzelnen untersucht.
Der Bericht von Matthaeus von Paris stellt zwar keinen Zeugenbericht dar, doch gilt er als einer der ausführlichsten Überlieferungen. Paris Ausführungen beruhen wohlmöglich auf den Aussagen von englischen Teilnehmern des Konzils. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass er aus der Sicht eines Benediktiners schrieb und sich oft gegen die Kurie aussprach. Weiterhin wirken die Schilderungen von Paris als fließendes Gespräch, denn er separiert die einzelnen Verhandlungstage nicht voneinander.
Betrachtet man den Forschungsstand so kann festgehalten werden, dass das Konzil von Lyon ein „sorgfältig inszeniertes rechtsförmiges Verfahren“ gewesen sein muss. Der Papst strebte eine Absetzung mit großer Tragweite und vielen Zeugen an.
Widersprüchlich scheinen mir jedoch die Darstellungen über die Tatbestände, die zur Absetzung des Kaisers führten. Weiterhin ist unklar, warum der Papst solch Fülle an Anklagepunkten auflistete und wie er diese zu legitimieren versuchte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.0 Das Konzil von Lyon 1245
2.1 „bulla dispositionis Friderici II. imperatoris“
2.2 Leistung von Meineiden
2.3 Verletzung des Friedens zwischen Kirche und Staat
2.4 Verbrechen des Sakrilegs
2.5 Verdacht der Ketzerei
2.6 Bannspruch
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anklagepunkte, die Papst Innozenz IV. gegen Kaiser Friedrich II. auf dem Ersten Konzil von Lyon im Jahr 1245 erhob, um die Absetzung des Kaisers zu begründen und zu legitimieren.
- Die Analyse der päpstlichen Bannsentenz als juristische Grundlage der Absetzung.
- Die Untersuchung der spezifischen Anklagepunkte: Meineid, Friedensbruch, Sakrileg und Ketzerei.
- Die Auswertung der zeitgenössischen Darstellung des Konzils durch Matthaeus von Paris.
- Die Bewertung der Rolle des Papstes als Stellvertreter Christi und die Ausübung seiner Machtbefugnisse (plenitudo potestatis).
Auszug aus dem Buch
2.4 Verbrechen des Sakrilegs
„Mit voller Sicherheit ist er auch ein Heiligtumsschänder.“, lauteten die Worte des Papstes bezüglich des dritten Anklagepunktes. Im Konkreten erhob Innozenz IV. den Vorwurf, dass Friedrich Gesandte des Papstes - im Besonderen die Prälaten - auf dem Weg zum Konzil angegriffen, verfolgt, festgehalten und beraubt haben soll. Die Gesandten des Papstes versuchten über das Meer zum einberufenen Konzil zu gelangen. Da Friedrich alle Langwege sperren und überwachen ließ, war dies unmöglich. Bei der Seeschlacht von Montechristo eskalierte der Konflikt und hunderte Geistliche wurden von Friedrich gefangen genommen und in Apulien inhaftiert.
Dabei ist offensichtlich nicht die Rede vom hiesigen Konzil, sondern von einem Konzil, welches von Gregor IX. im Jahr 1240 einberufen wurde. Friedrich II. ordnete im September/Oktober 1240 folgendes an:
„Wahrlich, wenn die Unbesonnenheit der Prälaten so groß sein sollte, daß sie gegen unseren Befehl und unser Verbot über Land und See privat oder öffentlich die Reise zur römischen Kurie versuchen sollte, so sollt ihr ihrer Freiheit entgegentreten und ihrer Reise ein offenbares Hindernis entgegensetzen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den historischen Konflikt zwischen Papst Innozenz IV. und Kaiser Friedrich II. ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Anklagepunkte und Beweggründe für die Absetzung.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert strukturiert die vier zentralen Anklagepunkte des Papstes gegen den Kaiser sowie den administrativen Ablauf des Konzils von Lyon.
2.0 Das Konzil von Lyon 1245: Dieses Kapitel beschreibt die Einberufung des Konzils, die bewusste Wahl des Tagungsortes Lyon und die Zusammensetzung der Teilnehmer.
2.1 „bulla dispositionis Friderici II. imperatoris“: Hier erfolgt eine semantische Untersuchung der Absetzungssentenz und ihrer Gliederung in verschiedene Tatbestände.
2.2 Leistung von Meineiden: Dieses Kapitel behandelt den Vorwurf des Eidbruchs, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis zwischen dem Kaiser und dem Heiligen Stuhl.
2.3 Verletzung des Friedens zwischen Kirche und Staat: Das Kapitel analysiert den Vorwurf der Friedensverletzung, unter Bezugnahme auf den Frieden von San Germano und das Verhältnis zu Papst Gregor IX.
2.4 Verbrechen des Sakrilegs: Hier wird der Vorwurf behandelt, dass der Kaiser päpstliche Gesandte und Prälaten auf dem Weg zu einem Konzil gewaltsam an der Reise gehindert habe.
2.5 Verdacht der Ketzerei: Dieses Kapitel untersucht die Vorwürfe der Missachtung der Schlüsselgewalt sowie der kaiserlichen Sympathien für den Islam.
2.6 Bannspruch: Das Kapitel beleuchtet den abschließenden Urteilsspruch des Papstes und die Anwendung der Rechtsformel ipso facto bei der Absetzung des Kaisers.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Notwendigkeit sowie die rhetorische und rechtliche Strategie des Papstes bei der Absetzung Friedrichs II.
Schlüsselwörter
Friedrich II., Innozenz IV., Konzil von Lyon, Absetzung, Bannsentenz, Zwei-Schwerter-Lehre, Meineid, Sakrileg, Ketzerei, Papsttum, Kaisertum, Matthaeus von Paris, Kirchenrecht, Mittelalter, Machtkampf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt den Konflikt zwischen dem römisch-deutschen Kaiser Friedrich II. und Papst Innozenz IV., der in der Absetzung des Kaisers auf dem Ersten Konzil von Lyon 1245 gipfelte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind das Verhältnis von Kirche und Staat (Zwei-Schwerter-Lehre), die juristische Legitimierung einer päpstlichen Absetzung und die Analyse der gegen den Kaiser erhobenen Vorwürfe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, welche konkreten Anklagepunkte der Papst gegen Friedrich II. vorbrachte und welche Beweggründe ihn zu diesen Anklagen veranlassten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Quellenanalyse. Als primäre Quellen dienen die Bannsentenz gegen Friedrich II. und der Bericht des Chronisten Matthaeus von Paris.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der rechtlichen Kategorisierung der Sünden des Kaisers sowie die detaillierte Analyse der einzelnen Vorwürfe: Meineid, Friedensbruch, Sakrileg und Ketzerei.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind die Bannsentenz, die plenitudo potestatis des Papstes, das Konzil von Lyon, Eidbruch und die Verletzung kirchlicher Privilegien.
Warum war der Ort Lyon für das Konzil so bedeutsam?
Papst Innozenz IV. wählte Lyon bewusst, da es sich im Einflussbereich des französischen Königs befand und somit außerhalb des direkten Machtbereichs von Friedrich II. lag.
Welche Rolle spielte Thaddaeus von Suessa bei den Verhandlungen?
Thaddaeus von Suessa trat als Vertreter und Verteidiger von Kaiser Friedrich II. auf und versuchte, die Vorwürfe des Papstes mittels kaiserlicher Dokumente zu entkräften.
Warum wird der Bericht von Matthaeus von Paris kritisch betrachtet?
Obwohl er eine sehr ausführliche Quelle darstellt, wird er kritisch gewichtet, da er als Benediktiner nicht als neutraler Zeuge fungierte und seine Berichte stark von prokaiserlichen Ansichten gefärbt waren.
Was bedeutet die Rechtsformel „ipso facto“ im Kontext der Absetzung?
Sie bezeichnet eine Rechtsfolge, die unmittelbar durch den Tatbestand selbst eintritt, ohne dass es eines weiteren Vollzugs- oder Bestätigungsaktes bedarf.
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- Anonym (Author), 2021, Absetzung des Kaisers Friedrich II. durch Papst Innozenz IV. auf dem Ersten Konzil von Lyon im Jahre 1245, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1040391