Diese Ausarbeitung handelt von dem intelligenten Management als Habitus der postklassischen demokratisierten Organisation.
Moderne Organisationen sehen sich einer laufenden Variation von Faktoren „materieller, technischer, sozialer, intellektueller, emotionaler und ökologischer Art“, in anderen Worten der geballten Komplexität der modernen Gesellschaft, gegenüber. Nie waren Gegebenheiten volatiler, unsicherer, komplexer, ambivalenter und nie war unser Kontingenzbewusstsein größer – das haben wir auch dem technischen Fortschritt zu verdanken, der uns erlaubt, in neuem Maße Ungewissheiten und in ihrer Folge unendliche Entscheidungs- und Handlungsalternativen aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Verhaltensform ‚Management‘: Vom personalen zum organisationalen Habitus
1.1. Die klassische zielsetzende Organisation absorbiert Unsicherheit an der Spitze
1.2. Weshalb strikte Vereinheitlichung und Macht-Monopolisierung dysfunktional sind
1.3. Warum strikte Macht-Monopolisierung sowieso eine Illusion ist
1.4. Wie also die desillusionierte post-klassische Organisation aussieht
2. Intelligentes Management: Die feine Balance zwischen Rationalität und Irrationalität
2.1. Was ist intelligentes Management als Verhaltensmodus und was setzt es voraus?
2.2. Warum die Versteifung auf explizite Rationalität die intelligente Handlung hemmt oder sogar verhindert
2.3. Warum strikte Rationalität ohnehin eine formale Illusion ist: Das Potenzial von organisationaler Irrationalität angesichts der Handlungspraxis der Spitze
2.3.1. Die Intuition
2.3.2. Die Ideologie
2.4. Wie post-klassische Organisation die komplementären Systeme der Irrationalität und Rationalität zugunsten der Intelligenz nutzen können
3. Welche Strukturbedingungen stellt die intelligente praktische Implementation von dem Habitus ‚Management‘ an die Organisation?
3.1. Demokratisierung relativiert kommunikationsverkürzende Autorität
3.2. Besondere neue strukturelle Erfordernisse für die Formalisierung von Irrationalität
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel von der klassischen, pyramidalen Organisation hin zur post-klassischen, vernetzten Organisation. Das zentrale Ziel ist es, den "organisationalen Habitus" des Managements als Antwort auf eine zunehmend komplexe und ungewisse Umwelt zu analysieren und aufzuzeigen, wie durch das bewusste Zusammenspiel von Rationalität und Irrationalität intelligente Managementpraktiken etabliert werden können.
- Transformation des Management-Verständnisses vom personalen zum organisationalen Habitus
- Die Rolle der Unsicherheitsabsorption in modernen Organisationen
- Kritische Analyse von Rationalität versus Irrationalität (Intuition und Ideologie)
- Strukturbedingungen für die praktische Implementation von intelligentem Management
- Bedeutung von Kommunikation und Diskurskultur bei der Demokratisierung von Führung
Auszug aus dem Buch
2.3.1. Die Intuition
Die strikte Rationalität der klassischen Organisation scheint offensichtlich ineffizient zu sein, insbesondere angesichts komplexer und widersprüchlicher Bedingungen, die kaum in der Tiefe zu erschließen sind. Dementsprechend liegt es nahe, dass Manager, die in der Natur ihrer Funktion mit ebendieser Schwierigkeit konfrontiert sind, zur intelligenten Bearbeitung von Unsicherheit auf andere Praktiken zurückgreifen.
Schließlich sind die unbeantwortbaren Probleme, die an die Spitze getragen werden, jene, an der die generalisierte Vernunft bereits gescheiterten ist. An der Spitze, wo Komplexität, Widersprüchlichkeit, Zeit- und Handlungsdruck am höchsten sind, wird daher nicht auf formales Wissen, sondern auf Fähigkeiten, wie „Sorgsamkeit, Achtsamkeit, [...], Weisheit“ (Ortmann, 2003, S. 82) als Basis situativer Responsivität zurückgegriffen. Auch, wenn Ortmann von Menschen, die „die Lampe anhaben“ und einem vorausgesetzten „Sinn für Handlungsrationalität“ spricht, dann meint er damit keine explizite Expertise, sondern verinnerlichtes Können, eine implizite Entscheidungsintelligenz.
Diese Entscheidungsintelligenz, welches als oft aus autoritärem Prinzip heraus respektierter Manager-Instinkt allgegenwärtig ist, ist die Intuition. Sie beschreibt die implizite Fähigkeit zur Erlangung und Beurteilung direktem Wissen und Verstehen eines Sachverhalts, ohne das scheinbare Eindringen des rationalen Denkens oder logischer Schlussfolgerungen. (vgl. Sadler-Smith & Shefy, 2004) Sie setzt sich zusammen aus erfahrungsbasierter Expertise und einem unerklärlichen Gefühl, dass sich als solches in körperlichen empfundenen Sinnen, wie einer Ahnung oder ein Bauchgefühl manifestiert (vgl. ebd.). Sie ist das explizite und implizite Produkt von familiären Routinen und einem verinnerlichten Habitus, dem der Entscheidende das Vertrauen in eigene intuitive Fähigkeiten verdankt, die ihm erlauben das Risiko einer Entscheidungslähmung durch Überwältigung zu umgehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Verhaltensform ‚Management‘: Vom personalen zum organisationalen Habitus: Das Kapitel kontrastiert klassische, zentralisierte Hierarchien mit der notwendigen Entwicklung hin zu einem organischen, von allen Mitgliedern getragenen Management-Habitus angesichts steigender Komplexität.
2. Intelligentes Management: Die feine Balance zwischen Rationalität und Irrationalität: Hier wird analysiert, warum strikte Rationalität oft ineffizient ist und wie durch die Integration von Intuition und Ideologie intelligentere und schnellere Entscheidungen getroffen werden können.
3. Welche Strukturbedingungen stellt die intelligente praktische Implementation von dem Habitus ‚Management‘ an die Organisation?: Dieses Kapitel beleuchtet, wie Organisationen ihre Binnenstrukturen anpassen müssen, um durch Kommunikation und eine offene Fehlerkultur Intuition und kollektive Verantwortungsübernahme zu fördern.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass moderne Organisationen ihre Potenziale durch die Abkehr von zentralistischer Machtkonzentration und die formale Einbeziehung des Irrationalen erschließen müssen.
Schlüsselwörter
Organisationaler Habitus, Post-klassische Organisation, Unsicherheitsabsorption, Komplexität, Entscheidungsrationalität, Handlungsrationalität, Intuition, Ideologie, Führung, Netzwerkarchitektur, Organisationale Intelligenz, Intuitive Awareness, Kommunikation, Demokratisierung, Management.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Wandel moderner Organisationen von klassischen, pyramidalen Strukturen hin zu post-klassischen Netzwerkarchitekturen, in denen Management als ein verteilter, organisatorischer Habitus verstanden wird.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Die Arbeit fokussiert auf das Management von Komplexität und Unsicherheit, die Rolle rationaler versus irrationaler Entscheidungspraktiken und die notwendigen strukturellen Anpassungen in Organisationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den "organisationalen Habitus" als Verhaltensmodus zu definieren, der es Organisationen ermöglicht, in einem dynamischen Umfeld kreativ, schnell und effektiv zu handeln.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Reflexion basierend auf Seminareinhalten zur Organisation- und Netzwerktheorie, ergänzt durch Fachliteratur aus den Bereichen Behavioural Business Ethics und Organisationsforschung.
Was steht im inhaltlichen Mittelpunkt der Arbeit?
Im Mittelpunkt steht die These, dass eine rein rational-analytische Entscheidungsfindung in komplexen Systemen oft an ihre Grenzen stößt und durch intuitive und ideologische Anteile – das "Irrationale" – sinnvoll ergänzt werden muss.
Was charakterisiert die post-klassische Organisation?
Sie zeichnet sich durch die Abkehr von der Monopolisierung der Macht an der Spitze aus und erkennt an, dass Komplexität als "paradoxe Einheit einer Vielfalt" nicht reduziert, sondern als Kraftfeld genutzt werden sollte.
Welche Bedeutung hat die Intuition im Kontext des "Intelligenten Managements"?
Intuition fungiert als implizite Entscheidungsintelligenz, die es Managern ermöglicht, in komplexen Situationen schnell zu handeln, ohne in der "Analysis Paralysis" zu verharren.
Was versteht der Autor unter "kommunikativer Rationalisierung"?
Dies ist der Prozess, bei dem Manager ihre intuitiven, schwer zu begründenden Entscheidungen durch Narrative und Story-Telling für die Organisation nachvollziehbar und legitimierbar machen.
Warum ist eine "Demokratisierung" der Führung für moderne Organisationen essenziell?
Da Komplexität in jedem Bereich der Organisation auftritt, ist es dysfunktional, die gesamte Unsicherheitsabsorption auf die Unternehmensspitze zu verlagern; stattdessen müssen alle Mitglieder zur Entscheidungsfindung befähigt werden.
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- Victoria Koch (Author), 2021, Intelligentes Management als Habitus der postklassischen demokratisierten Organisation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1042045