Die Zinsschranke. Analyse und kritische Würdigung des § 4h EStG


Bachelorarbeit, 2021

49 Seiten, Note: 2.3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Einleitung / Zusammenfassung

1. Grundlagenkapitel
1.1. Entwicklung der Zinsschranke
1.2. Unternehmenssteuerreform
1.3. Schadliche Gesellschafterfremdfinanzierung
1.4. Funktionsprinzip der Zinsschranke
1.5. Untergang des Zinsvortrages

2. Hauptteil
2.1. Leistungsfahigkeitsprinzip & Nettoprinzip
2.2. Missbrauchsbekampfung
2.3. Zins- und Lizenzgebuhren-Richtlinie
2.4. Zinsbegriff
2.5. BEPS
2.5.1. Zusammenspiel von BEPS und § 4h EStG
2.6. Derogationsregeln lex posterior & lex specialis
2.7. Organschaft
2.8. Zinsbegriff
2.9. Uberhohte Fremdkapitalvergutungen
2.10. Rechtsstaats-, VerhaltnismaBigkeits- und Demokratieprinzip
2.11. Begriff des Eigenkapitals
2.12. Vertrag uber die Arbeitsweise der Europaischen Union (AEUV)

3. Schlussteil
3.1. Untersuchungsergebnisse / Schlussfolgerungen

Literaturverzeichnis

Rechtsquellenverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung / Zusammenfassung

Der Handel mit Waren und Dienstleitungen ist Jahrtausende alt, vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Selbst naturliche Grenzen wie Gebirge oder Ozeane wurden dabei stets uberwunden.

Heutzutage sind die Handelswege international miteinander verknupft. Konzerne wie amazon, google, Volkswagen und Co. agieren weltweit und unterhalten dementsprechend in vielen Teilen der Welt Betriebsstatten. Das dabei generierte Steuersubstrat liegt mehr denn je im Fokus zur Einordnung in das internationale Steuerrecht.

So konnen Konzernstrukturen, in denen Muttergesellschaften eine Vielzahl von Tochtergesellschaften unterhalten, schnell unuberschaubar werden und damit auch die Finanzierungen der einzelnen Gesellschaften. Diesen Umstand nutzten Konzerne in der Vergangenheit fur grenzuberschreitende Steuergestaltungen, indem sie Mittels ausgeklugelter Finanzierungsmodelle Zinsaufwendungen als Betriebsausgaben geltend machen konnten.

Dies blieb der deutschen Finanzverwaltung nicht verborgen und so trat mit der Unternehmenssteuerreform 2008 im § 4h EStG die Zinsschranke in Kraft, welche genau diesen Betriebsausgabenabzug der Zinsaufwendungen begrenzen soll.

Seit Einfuhrung 2008 unterliegt die Zinsschranke jedoch immer wieder heftiger Kritik. Beispielsweise ist unklar, wie die Zinsschranke bezuglich des Leistungsfahigkeitsprinzips und des Nettoprinzips in Art. 3 Abs. 1 GG einzuordnen ist. Weiterhin gibt es Kritikpunkte an der Intention der Missbrauchsbekampfung. Sogar der Vorwurf eines Verstoftes gegen Staatsstrukturprinzipien steht im Raum. Dies fuhrte, gerade mit Blick auf ein so komplexes Thema wie internationales Steuerrecht, zur Rechtsunsicherheit in der Anwendung der Zinsschranke, woruber in der Fachliteratur verschiedenste Meinungen Einzug gehalten haben.

Ziel dieser Arbeit ist es daher die Expertenmeinungen aufzuzeigen, diese aufzuarbeiten und schlieftlich die Zinsschranke steuerlich, rechtlich, gesellschaftspolitisch einzuordnen und zu bewerten. Hierzu soll zunachst die historische Entwicklung Thema der Arbeit sein. Ebenso wird geklart, wie die Zinsschranke anzuwenden ist und in welchen Fallen. Weiterhin wird auf und im Zusammenhang zur Zinsschranke stehende Fachbegriffe eingegangen und die Ansichten der Fachliteratur hierzu dargelegt.

1. Grundlagenkapitel

1.1. Entwicklung der Zinsschranke

Die Zinsschrank ist ihrer Idee nach im deutschen Steuerrecht kein Novum. Sie ist im § 4h EStG fur einkommensteuerpflichtige Unternehmen geregelt, sowie im § 8a KStG fur korperschaftsteuerpflichtige Unternehmen, welchem eine Vorgangerregelung voraus ging.1

Anlass fur das Zustandekommen der Zinsschranke ist die Tatsache, dass Unternehmen selbst entscheiden konnen, inwieweit sie ihren Kapitalbedarf mit Eigen-oder Fremdkapital decken. Da jedoch Fremdkapitalzinsen in Deutschland als Betriebsausgabe abzugsfahig sind, kam es haufig dazu, dass Unternehmen ihren Kapitalbedarf in Form von auslandischen Darlehen deckten und die zu zahlenden Zinsen als Betriebsausgabe geltend machen konntenund dadurch die steuerliche Bemessungsgrundlage senkten.Diesen Umstand wollte man so nicht mehr zulassen.2

So liegt der Zinsschranke ein Beispiel aus den USA zugrunde. Bereits vor Inkrafttreten des Unternehmenssteuerreformgesetz 2008 gab es eine Norm hinsichtlich der schadlichen Gesellschafterfremdfinanzierung.Entsprechend des § 8a KStG waren Vergutungen fur Fremdkapital als verdeckte Gewinnausschuttungen anzusehen.3 Vergleicht man die Zinsschranke mit dem § 8a KStG in der alten Fassung wird deutlich, dass der Betriebsausgabenabzug uber die schadliche Gesellschafterfremdfinanzierung hinaus bei jeder Finanzierung durch Fremdkapital begrenzt wird.4

Dieser § 8a KStG wurde 1993 als Norm zur Gesellschafterfremdfinanzierung in das Standortsicherungsgesetz aufgenommen, um eben der auslandischen Fremdfinanzierung entgegenzuwirken. So wurden Zinszahlungen an auslandische Darlehensgeber als verdeckte Gewinnausschuttung deklariert, sofern es sich nicht um einen wesentlich beteiligten Anteilseigner handelt.5 Dies gilt fur Bankenfinanzierung gleichermaRen wie fur jeden Fremdkapitalgeber.6 Die unterschiedliche Behandlung von auslandischen und inlandischen Zinseinkunften der Kapitalgeber fuhrte jedoch zu einer Doppelbesteuerung dieser Zinsen.7

Diese Doppelbesteuerung wiederum wertete der EuGH in seinem Urteil vom 12.Dezember 2002 als Diskriminierung und als VerstoR gegen die Niederlassungsfreiheit gem. Art. 43 des EG-Vertrages. Somit wurde der § 8a KStG 2004 angepasst und die Behandlung der Zinseinkunfte fur alle Kapitalgeber vereinheitlicht.8

Zudem fand der § 8a KStG in seiner alten Fassung nur fur Kapitalgesellschaften Anwendung. Dahingegen gibt es bei der Zinsschranke eine wesentliche Anderung, dass der Betriebsausgabenabzug fur jede Rechtsform begrenzt ist. GleichermaRen ist der § 8a KStG in der neuen Fassung im Betriebsausgabenabzug an den § 4h EStG angelehnt. Die Rechtsgrundlage der schadlichen Gesellschafterfremdfinanzierung bleibt hiervon jedoch unberuhrt.9 Der Ausgestaltung der Zinsschranke liegen die Prinzipien des US- amerikanischen Steuersystems zugrunde, welches bereits seit 1989 die Gesellschafterfremdfinanzierung durch die „earnings stripping rules“ begrenzt. Die US-amerikanische Gesetzgebung strebt damit an die Verlagerung des inlandischen Steuersubstrates ins Ausland zu verhindern. Die deutsche Gesetzgebung geht aber daruber hinaus, da im Gegensatz zu den „earnings stripping rules“ die Anwendung nicht auf Korperschaften beschrankt ist, sondern auf jede Geschaftsform Anwendung findet. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Zinsschranke auch auf den Fall zutrifft, wenn Zinsen an gesellschaftsfremde Dritte gezahlt werden, was im US-amerikanischen Recht anders ist.10 Dies gilt sowohl fur nationale, als auch fur internationale Geschaftsvorfalle.11

1.2. Unternehmenssteuerreform 2008

Diese bereits erwahnte Reform bedarf einer genaueren Ausfuhrung, da die Zinsschranke erst durch diese im §4h EStG und den§ 8 KStGin seiner alten Fassung als obsolet einstufte. Mit der Unternehmenssteuerreform 2008 beabsichtigte der deutsche Gesetzgeber Deutschland als Wirtschaftsstandort attraktiver zu gestalten und eine Verlagerung des deutschen Steuersubstrates ins Ausland zu vermeiden.Vor der Unternehmenssteuerreform 2008 war die Ertragsteuerbelastung deutscher Kapitalgesellschaften hoher als bei anderen EU-Kapitalgesellschaften, weshalb Deutschland als Wirtschaftsstandort weniger attraktiv war.12 Aus diesem Grund verringerte der Gesetzgeber die Steuersatze.

Vor der Unternehmenssteuerreform betrug die Steuerbelastung unter Berucksichtigung der Korperschaft-, Gewerbe-, Einkommen-/ Abgeltungssteuer und Grundsteuer inklusive Solidaritatszuschlag 42 %.13

Nach der Unternehmenssteuerreform betragt die Steuerbelastung bei Absenkung der Korperschaftsteuer auf 15 % und bei Hinzunahme der anderen eben genannten Steuerarten 29,83 %.14

Der Gesetzgeber hat also eine Steuerentlastung von uber 10 Prozentpunkten umgesetzt. Gleichzeitig intendierte man durch die Einfuhrung der Zinsschranke die steuerliche Bemessungsgrundlage auszuweiten.15

1.3. Schadliche Gesellschafterfremdfinanzierung

Der Begriff der schadlichen Gesellschafterfremdfinanzierung ist einer, der ebenfalls einer genaueren Erlauterung bedarf. Von einer Gesellschafterfremdfinanzierung spricht man, wenn Fremdkapital an einem Kapitalnehmer gezahlt wird. Fur diese Zahlung erhalt der Kapitalgeber ublicherweise eine Vergutung und ist zu mehr als einem Viertel am Grund-oder Stammkapital beteiligt. Zu beachten ist hierbei jedoch die sog. „Stand-Alone- Klausel“ gem. § 4h Abs. 2 Satz 1 Buchst. b EStG. Diese besagt, dass Zinsabzugsbeschrankungen dann gelten sollen, wenn der Betrieb Teil des Konzerns ist. Das bedeutet aber weiterhin und im Umkehrschluss, dass diese Finanzierung als schadlich anzusehen ist, wenn gem. §8a Abs. 2 KStG diesem Kapitalgeberbzw. Gesellschaft mehr als 10 % der gesamten Zinsaufwendungen zuflieRen. Will sich die Gesellschaft aus dem Zinsschrankenabzug exkulpieren muss sie nachweisen, dass ihr weniger als die angesprochenen 10 % der gesamten Zinsaufwendungen zuflieRen.16

1.4. Funktionsprinzip der Zinsschranke

Ob die Zinsschranke bei einem Unternehmen zur Anwendung kommt, hangt von einer Reihe von Kriterien ab. So ist in einem ersten Schritt der Zinssaldo zu prufen. Dabei ist auch die Konzernstruktur zu berucksichtigen, da in die Berechnung die Zinsertrage und Aufwendungen aller Anteilseigner einflieften. Es muss im ersten Schritt also gepruft werden, ob ein negativer Zinssaldo vorliegt. Dies ist der Fall, wenn die Zinsaufwendungen grofter als die Zinsertrage sind. In diesem Fall wurde die Zinsschranke zur Anwendung kommen. Man spricht dabei auch vom ersten Zinsabzugsfreibetrag.17

Jedoch gibt es auch Ausnahmetatbestande. So war beispielsweise die Zinsschranke ursprunglich trotz negativen Zinssaldo nicht zur Anwendung gekommen, wenn dieser geringer als einer Mio Euro betrug. Mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz 2009 wurde diese Freigrenze auf drei Mio Euro angehoben.18 Geregelt ist diese Freigrenze im § 4h Abs. 2 S. 1a EStG.

Als weiteren Ausnahmetatbestand ist das Fehlen einer Konzernzugehorigkeit gem. § 4h Abs. 2 Satz. 1b, auch als Stand-Alone-Escape bezeichnet. Dies bedeutet, dass die Zinsschranke nicht angewendet wird, wenn das Unternehmen keinen Konzern angehort. Das ist jedoch nicht immer so. Fur Kapitalgesellschaften gilt nach § 8a Abs. 2 KStG erschwerend, dass, selbst wenn das Unternehmen keinen Konzern angehort, die Zinsschranke dennoch Anwendung findet, wenn ein Gesellschafter wesentlich beteiligt ist, also mit mindestens 25 % und eine (bereits erlauterte) schadliche Gesellschafter- fremdfinanzierung vorliegt, also die Zinszahlungen an einen Gesellschafter mindestens 10 % des negativen Zinssaltos betragen.19

Aber selbst wenn das Unternehmen einem Konzern angehort, kann es durchaus der Fall sein, dass die Zinsschranke dennoch keine Anwendung findet. Die entsprechende Norm wird als Equity-Escape-Klausel bezeichnet und findet sich im § 4h Abs. 2c EStG wieder. Konkret wird die Zinsschranke dann nicht angewendet, wenn die Eigenkapitalquote des Betriebes nicht schlechter ist als die es Konzerns, bzw. ist sogar eine Unterschreitung von bis zu 2 Prozentpunkten zulassig (de-minimis-Regel). Hierfur muss der entsprechende Betrieb allerdings einen Nachweis erbringen.20

Sollte jedoch der Fall eintreten, dass die Zinsschranke zur Anwendung kommt ist es jedoch nicht so, dass gar keine Zinsen als Betriebsausgabe abgezogen werden konnen. Dies sieht der Gesetzgeber als unverhaltnismaftig an. Stattdessen darf das Unternehmen Zinsaufwendungen in Hohe des Zinsertrages, bzw. 30 % des verrechenbaren EBITDA abziehen, was als zweiter Zinsabzugsfreibetrag bezeichnet wird.21

EBITDA steht dabei fur „earnings before interest, tax, depreciation and amortization“ und meint das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.22

Geregelt ist die Anwendung des EBITDA im §6 Abs. 2 Satz 1 und im § 6 Abs. 2a Satz 2 und § 7 EStG.23

Zu beachten ist jedoch, dass sich das EBITDA fur Personengesellschaften und Korperschaften unterschiedlich berechnet. Bei Letztgenannten ist zum Einkommen der Korperschaft ein Verlustabzug, sowie ein Spendenabzug hinzuzuaddieren, was beim EBITDA der Personengesellschaft nicht der Fall ist. Identisch ist bei beiden jedoch, wenn man den steuerpflichtigen Gewinn der Personengesellschaft mit dem Einkommen der Korperschaft vereinfachend gleichsetzt, dass bei diesem die Zinsertrage abgezogen und die Zinsaufwendungenhinzuaddiert werden.24

Wenn also beispielsweise fur ein Unternehmen ein steuerliches EBITDA von 3 Mio. € errechnet wurde, wurde sich hieraus ein abziehbarer Zinsaufwand in Hohe von 900.000 € ergeben, zu dem aber die Zinsertrage, die im Vorfeld abgezogen wurden, nun doch wieder hinzuaddiert werden.

In jedem Fall hat die Anwendung der Zinsschranke zur Folge, wie es auch intendiert ist, dass Teile der Zinsaufwendungen nicht abgezogen werden konnen. Dieser Teil wird als EBITDA-Vortrag bezeichnet und ist im § 8a Abs. 1 Satz 1 KStG geregelt25 bzw. im § 4hAbs. 1 S. 4 EStG.

Dieser EBITDA-Vortrag wird als Zinsvortrag in die kommenden Jahre vorgetragen und kann dann genutzt werden, solange dann nicht auch die Tatbestandsmerkmale der Zinsschranke erfullt sind. In diesem Fall wurde sich der Zinsvortrag immer weiter zeitlich unbegrenzt in die kommenden Jahre nach dem First-in-First-out-Prinzip vortragen.26

1.5. Untergang des Zinsvortrages

Jedoch ist es auch moglich, dass der Zinsvortrag untergehen kann, sowohl teilweise als auch komplett. Dazu bedarf es bestimmter vom Gesetzgeber definierter Ereignisse. So wurde der Zinsvortrag einer Gesellschaft beispielsweise anteilig in Hohe der Beteiligungsquote des Gesellschafters untergehen, welcher die Gesellschaft verlasst.

Entsprechend des allgemeinen Gewinnverteilungsschlussels ist der Fehlbetrag auf die Gesellschafter zu verteilen. Dabei werden jedoch seit dem Jahressteuergesetz 2007 die Sonderbetriebseinnahmen und -ausgaben, sowie Erganzungsbilanzen nicht mehr berucksichtigt.Besonderes Augenmerk ist dabei auch auf die Ermittlung der Steuerlast des ausscheidenden Mitunternehmers zu legen, da die Gewinnverteilung nicht aquivalent zur Beteiligungsquote verlauft.27 Ebenso haben Strukturanderungen hinsichtlich der Gesellschafter bei Korperschaften Folgen fur den Zinsvortrag. Hier kann es ebenso zum teilweisen Untergang des Zinsvortrages kommen, wenn innerhalb von funf Jahren mindestens 25 % des gezeichneten Kapitals ubertragen wird. So ist es im § 8c KStG geregelt. Diese Norm gilt gleichermaften fur Mitgliedschaftsrechte, Beteiligungsrechte oder Stimmrechte. Steuerlich wird das fur Korperschaften sonst ubliche Trennungsprinzip durchbrochen.

Nicht nur die Gesellschaftsstruktur kann ursachlich fur Zinsabzugsbeschrankung sein. Auch durch Veraufterung eines Teilbetriebes konnen Zinsvortrage gem. § 15 Abs. 3 Umwandlungssteuergesetz (UmwStG) teilweise untergehen. Demnach ist anhand des gemeinen Wertes veraufterten Teilbetriebes dessen Anteil am Gesamtbetrieb zu ermitteln. Dieser Anteil ist dann als Bezugsgrofte fur die Hohe des anteiligen Untergangs des Zinsvortrages.28

Aber auch ein vollstandiger Untergang des Zinsvortrages ist denkbar. GemaR § 4 h Abs. 5 EStG ist dies der Fall, wenn ein Betrieb aufgegeben oder ubertragen wird. Welche Voraussetzungen erfullt sein mussen, damit steuerrechtlich eine Betriebsaufgabe vorliegt, ist im § 16 Abs. 3 EStG festgelegt. Genannt ist hier beispielsweise die Einstellung der ausgeubten Tatigkeit im Betrieb oder dessen VerauRerung. Jedoch ist diese Einstellung nicht generell Bedingung, die eine Betriebsaufgabe zur Folge hat. Wurde die ausgeubte Tatigkeit ins Ausland verlagert, wurde Deutschland sein Besteuerungsrecht verlieren und folgerichtig den Zinsabzug als Betriebsausgabe versagen. Eine weitere Unterscheidung ist bei Kapitalgesellschaften und gewerblich gepragten Personengesellschaften vorzunehmen. Eine VerauRerung der Betriebsgrundlagen reicht fur das Versagen des Zinsabzuges nicht aus. Fur das Vorliegen einer Betriebsaufgabe bedarf es zusatzlich die Liquidation des Rechtstragers.29

Weiterhin gilt es im Auge zu behalten, dass nach § 8 Abs. 2 KStG Einkunfte derer, die unter das Korperschaftsteuergesetz fallen, als Einkunfte aus Gewerbebetrieb anzusehen sind mit der Folge, dass Korperschaften ein Betrieb auf Grund der Rechtsform darstellen, wodurch eine Betriebsaufgabe und in Folge dessen ein Untergang des Zinsvortrages nur durch Liquidation der Korperschaft erfolgen kann.30

2. Hauptteil

2.1. Leistungsfahigkeitsprinzip & Nettoprinzip

Im Sinne des Rechtsstaates ist es Ziel des deutschen Gesetzgebers nach bestimmten Werten gerecht, also dem geltendem Recht entsprechend, zu besteuern und diese Haltung in Gesetzen auch festzusetzen. So ist das Leistungsfahigkeitsprinzip am GG Art. 3 Abs. 1 angelehnt. Man kann hierbei also vom „verfassungsrechtlichen Prinzipien“ sprechen.31 Gemeint ist hierbei also u.A. der Grundsatz, dass alle vor dem Gesetz gleich sind (idem ius omnibus) oder dass man gem. § 85 AO dem Legalitatsprinzip folgt und somit „Steuern nicht verkurzt, zu Unrecht“ erhebt „oder Steuererstattungen und Steuervergutungen nicht zu Unrecht gewehrt oder versagt“32

Es soll also bei der Besteuerung die wirtschaftliche Leistungsfahigkeit des Steuersubjektes berucksichtigt werden.33

Da der Gesetzgeber genau diese individuelle Leistungsfahigkeit auf der einen Seite berucksichtigen muss, auf der anderen Seite eine aber zunachst einmal eine Methode entwickeln muss diese Leistungsfahigkeit festzustellen, liegt es auf der Hand, dass sich diese Ermittlung als aufterst komplex erweist. So ist es im Sinne der Finanzverwaltung auch wichtig, dass die entwickelte Methode praktisch anwendbar ist und einen angemessenen zeitlichen Rahmen nicht uberschreitet. Zudem muss dies klar definiert sein, um schlussendlich rechtssicher auf alle Steuerpflichtigen gleichermaften angewendet werden zu konnen.34

[...]


1 Vgl. Stober, in: Schon, Sternberg (Hrsg.), Zukunftsfragen des deutschen Steuerrechts III, 121 (124).

2 Vgl. Malms, ErfolgreicheAbschlussarbeiten - Steuern und Rechnungslegung, 113.

3 Vgl. Stober, in: Schon, Sternberg (Hrsg.), Zukunftsfragen des deutschen Steuerrechts III, 121 (124).

4 Vgl. Ebenda, 125.

5 Vgl. Malms, Erfolgreiche Abschlussarbeiten - Steuern und Rechnungslegung, 114.

6 Vgl. Stober, in: Schon, Sternberg (Hrsg.), Zukunftsfragen des deutschen Steuerrechts III, 121 (125).

7 Vgl. Malms, Erfolgreiche Abschlussarbeiten - Steuern und Rechnungslegung, 113.

8 Vgl. Ebenda, 114.

9 Vgl. Stober, in: Schon, Sternberg (Hrsg.), Zukunftsfragen des deutschen Steuerrechts III, 121 (125).

10 Vgl. Stober, in: Schon, Sternberg (Hrsg.), Zukunftsfragen des deutschen Steuerrechts III, 121 (125).

11 Vgl. Ebenda,(126).

12 Vgl. Malms, Erfolgreiche Abschlussarbeiten - Steuern und Rechnungslegung, 111.

13 Vgl. Kremer, Ruf, in: Wirtschaftsdienst 2008, 64 (66).

14 Vgl. Ebenda, (67).

15 Vgl. Malms, Erfolgreiche Abschlussarbeiten - Steuern und Rechnungslegung, 111.

16 Vgl. Stober, in: Schon, Sternberg (Hrsg.), Zukunftsfragen des deutschen Steuerrechts III, 121 (132).

17 Vgl. Liekenbrock, in: Herzig, Watrin (Hrsg.), Management und Bilanzierung von Zinsschrankenrisiken, 5.

18 Vgl. Malms, Erfolgreiche Abschlussarbeiten - Steuern und Rechnungslegung, 115.

19 Vgl. Liekenbrock, in: Herzig, Watrin (Hrsg.), Management und Bilanzierung von Zinsschrankenrisiken, 7.

20 Vgl. Liekenbrock, in: Herzig, Watrin (Hrsg.), Management und Bilanzierung von Zinsschrankenrisiken, 8.

21 Vgl. Ebenda, 5.

22 Vgl. Stober, in: Schon, Sternberg (Hrsg.), Zukunftsfragen des deutschen Steuerrechts III, 121 (126).

23 Vgl. Flick/Wassermeyer/Kempermann in: Flick/Wassermeyer/Kempermann (Hrsg.), Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland-Schweiz, 55. Lieferung 10.2020, Zinsschranke (§ 4h EStG; § 8a KStG), Rn. 40.

24 Vgl. Flick/Wassermeyer/Kempermann in: Flick/Wassermeyer/Kempermann (Hrsg.), Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland-Schweiz, 55. Lieferung 10.2020, Zinsschranke (§ 4h EStG; § 8a KStG), Rn. 41.

25 Vgl. Schon, in: Sternberg (Hrsg.), Zukunftsfragen des deutschen Steuerrechts III, 128. 25 Vgl. Stober, in: Schon, Sternberg (Hrsg.), Zukunftsfragen des deutschen Steuerrechts III, 121 (128).

26 Vgl. Liekenbrock, in: Herzig, Watrin(Hrsg.), Management und Bilanzierung von Zinsschrankenrisiken, 5.

27 Vgl. Wittmann, Die Beschrankung des Betriebsausgabenabzugs, 28.

28 Vgl. Ebenda, 32.

29 Vgl. Wittmann, Die Beschrankung des Betriebsausgabenabzugs, 33.

30 Vgl. Ebenda, 34.

31 Vgl. Bohn, in: Herzig, Watrin (Hrsg.), Zinsschranke und Alternativmodelle zur Beschrankung des steuerlichen Zinsabzugs, 35.

32 Vgl. Bundesministerium der Justiz, Abgabenordnung (AO) § 85 Besteuerungsgrundsatze, erhaltlich im Internet: https://www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/__85.html (besucht am 12.04.2021)

33 Vgl. Bohn, in: Herzig, Watrin (Hrsg.), Zinsschranke und Alternativmodelle zur Beschrankung des steuerlichen Zinsabzugs, 35.

34 Vgl. Ebenda, 37.

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten

Details

Titel
Die Zinsschranke. Analyse und kritische Würdigung des § 4h EStG
Hochschule
Hochschule Merseburg
Note
2.3
Jahr
2021
Seiten
49
Katalognummer
V1044720
ISBN (eBook)
9783346465948
ISBN (Buch)
9783346465955
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zinsschranke, Steuerlehre, Unternehmensbesteuerung, § 4h EStG
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Die Zinsschranke. Analyse und kritische Würdigung des § 4h EStG, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1044720

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