In der vorliegenden Seminararbeit soll der Frage nachgegangen werden, ob sich die Jojo-Fibel für den Anfangsunterricht eignet. Aufgrund der geringen Seitenanzahl werden zu Beginn die Methoden nur knapp vorgestellt. Folgend wird die Fibel unter Anbetracht einzelner Aspekte analysiert, um anschließend mit einem Fazit die Frage nach der Eignung beurteilen zu können.
Etwa 20 % der Schülerinnen und Schüler eines Schuljahrganges sind von einer allgemeinen Lese-/Rechtschreibstörung betroffen. Diese exorbitant hohe Zahl erscheint erschreckend, bedenkt man die Auswirkungen für die Betroffenen. Die Schwierigkeiten, welche Kinder mit dem Lesen und/oder Schreiben haben, beschränken sich keinesfalls ausschließlich auf den Deutschunterricht. Sofern die Mathematikaufgaben nicht richtig gelesen werden können, oder der Sachtext nicht entsprechend dekodiert werden kann, sinken auch die Leistungen in diesen Schulfächern. Auch psychosomatische Symptome können hinzukommen.
Als mögliche Ursachen hierfür kommen die Genetik, Umwelterfahrungen, ungünstige soziale Beziehungen, ein Migrationshintergrund und sogar das Geschlecht in Frage. Allerdings ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass auch die Einflussnahme der Lehrkräfte Grenzen hat. So wünschenswert dies auch wäre, vertritt die Lehrkraft nur einen Faktor, wenngleich auch keinen marginalen, im Schriftspracherwerb der Schülerinnen und Schülern. Damit ein erfolgreicher Unterricht gelingen kann, ist die Auswahl der geeigneten Lehrmaterialien ein nicht unwesentlicher Aspekt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methoden
2.1. Methodenüberblick
2.2. Kurzbeschreibung der Methoden
3. Analyse der Jo-Jo Fibel
3.1. Konfektionierung
3.2. Bestandteile und Zusatzmaterial der Fibel
3.3. Aufbau des Leselehrwerkes
3.4. Methodische & didaktische Aspekte
3.5. Buchstabenreihenfolge
3.6. Anlauttabelle
3.7. Mögliche Selbsttätigkeit
3.8. Eignung für spezifische Adressatengruppen
3.9. Aufgegriffene Themen
3.10. Figuren der Fibel
3.11. Textqualität
3.12. Graphische Gestaltung
3.13. Schriftbild
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht kritisch, ob sich die "Jo-Jo Fibel" von Nicole Namour für den Einsatz im Anfangsunterricht der Grundschule eignet. Dabei steht die Frage im Vordergrund, inwieweit das Lehrwerk den Anforderungen an einen erfolgreichen Schriftspracherwerb sowie der zunehmenden Heterogenität der Schülerschaft gerecht wird.
- Analyse der methodischen und didaktischen Ausrichtung des Leselehrwerks.
- Bewertung der inhaltlichen Gestaltung und der Auswahl der Begleitfiguren.
- Untersuchung der Differenzierungsmöglichkeiten für unterschiedliche Lernvoraussetzungen.
- Reflexion über die Themenvielfalt und deren Relevanz für die Lebenswelt der Kinder.
- Einschätzung der praktischen Anwendbarkeit und des Begleitangebots für Lehrkräfte.
Auszug aus dem Buch
3.9.Aufgegriffene Themen
„Die Fibel ist niemals ein Lehrbuch gewesen, das ausschließlich der Einübung der Kulturtechnik Lesen diente. Sie ist immer zugleich ein Spiegel der Sozialisationsweise einer Epoche.“ (vgl. Menzel 1990: 13)
Der erfolgreiche Leseerwerb ist stark an die Motivation des Lesers gekoppelt. Demzufolge fordert Jeuk „Themen, die […] relevant und spannend sind.“ (vgl. Jeuk/Schäfer 2019: 121) und Schrüder-Lenzen vertieft diesen Punkt um das Aufgreifen der Erfahrungswelt der Kinder (vgl. Schrüder-Lenzen 2012: 234).
Dieser Forderung ist die Jo-Jo Fibel in vielerlei Hinsicht mehr als gerecht geworden. Heterogenität gibt es in absolut jedem Bereich: dem Alter, der Nationalität, der Hautfarbe, dem Geschlecht und auch im Hinblick auf die Inklusion.
So werden Großeltern, aber auch Kinder gezeigt. Es werden Kinder mit heller und dunkler Hautfarbe, mit und ohne Migrationshintergrund und auch mit oder ohne körperliche Beeinträchtigungen abgebildet. Eine Präferenz in Bezug auf genderspezifische Themen lässt sich nicht finden. Es werden sowohl Ritter-Geschichten (Namour 2016: 83), als auch Geschichten über Prinzessinnen (ebd.: 37) gezeigt. Allerdings sind die meisten Texte unspezifischer Natur, so eignen sich Themen wie Freizeitunternehmungen, Fantasie-Gestalten (ebd.: 33ff.), Drachen oder Wunschberufe (ebd.: 94), gleichwohl für Jungen und Mädchen. Die öfter vorkommenden Bastelanleitungen und Lieder beugen dem Fibeltrott vor und die Doppelseite, in der die Bücherei vorgestellt wird trägt zur Lesesozialisation bei (ebd.: 102f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Lese-/Rechtschreibstörungen ein und begründet die Relevanz der Wahl geeigneter Lehrmaterialien für den Anfangsunterricht.
2. Methoden: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Schriftspracherwerbs, wie das synthetische, analytische und analytisch-synthetische Verfahren, kurz erläutert.
3. Analyse der Jo-Jo Fibel: Dies ist der Hauptteil der Arbeit, in dem die Fibel hinsichtlich Konfektionierung, methodischer Gestaltung, Themenauswahl und Eignung für diverse Adressatengruppen detailliert untersucht wird.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und bewertet die Eignung der Fibel für eine kompetente Lehrkraft als solide Grundlage.
Schlüsselwörter
Jo-Jo Fibel, Schriftspracherwerb, Anfangsunterricht, Lesekompetenz, Differenzierung, Heterogenität, Didaktik, Analytisch-synthetische Methode, Schulpädagogik, Inklusion, Phonologische Bewusstheit, Begleitfiguren, Grundschule, Lesesozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer fachdidaktischen Analyse des Leselehrwerks "Jo-Jo Fibel" und bewertet dessen Qualität und Eignung für den ersten Lese- und Schreibunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die didaktische Konzeption der Fibel, der methodische Ansatz, die Berücksichtigung von Heterogenität sowie die Relevanz der behandelten Inhalte für die Lebenswelt der Kinder.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob die Jo-Jo Fibel ein geeignetes Arbeitsmaterial für den Anfangsunterricht darstellt, das den vielfältigen Lernvoraussetzungen moderner Schulklassen gerecht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Analyse, die auf aktueller Literatur zum Schriftspracherwerb basiert und das Lehrwerk sowie dessen Begleitmaterialien systematisch untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Aspekte wie die materielle Konfektionierung, den Aufbau des Lehrgangs, die Buchstabenreihenfolge, die Anlauttabelle und eine tiefgehende Betrachtung der behandelten Themen und Figuren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Schriftspracherwerb, Jo-Jo Fibel, Differenzierung, Heterogenität und Anfangsunterricht.
Wie geht die Jo-Jo Fibel mit der Heterogenität der Schülerschaft um?
Die Fibel bietet eine konsequente Dreifach-Differenzierung der Schwierigkeitsgrade in den Texten und integriert verschiedene Lebensrealitäten, wie unterschiedliche kulturelle Hintergründe und Inklusionsaspekte.
Warum wird die Auswahl der Begleitfiguren in der Arbeit positiv hervorgehoben?
Die Autorin betont die ausgewogene Darstellung von Geschlechtern und kulturellen Hintergründen bei den Begleitfiguren, wodurch Identifizierungsmöglichkeiten für eine diverse Schülerschaft geschaffen werden.
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- Stefanie Weber (Author), 2021, Analyse der "Jojo-Fibel". Wissenschaftliche Analyse eines Lehrwerkes für den Anfangsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1045494