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Policy-Netzwerke und ihr Zusammenhang mit dem Wandel des Verständnisses von politischer Steuerung

Title: Policy-Netzwerke und ihr Zusammenhang mit dem Wandel des Verständnisses von politischer Steuerung

Seminar Paper , 2002 , 31 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Lars Vogel (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, die Entstehung von Policy-Netzwerken theoretisch zu erklären. Der Schwerpunkt soll dabei auf der Untersuchung von Bedingungen und Ursachen dieser Genese liegen. Es soll gezeigt werden, dass mit der fortschreitenden funktionalen Differenzierung der Gesellschaft die Entwicklung und Durchsetzung von konkreten Politikinhalten immer besser durch diese Netzwerke geleistet werden kann. Dabei wird folgender Weg beschrieben: Am Anfang steht die Skizzierung eines akteurtheoretischen Steuerungsverständnisses, wie es bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts vorherrschend war und im Alltagsbewusstsein auch heute noch oft anzutreffen ist. Jenes soll durch eine systemtheoretische Kritik geläutert werden, wobei vorher deren Grundlagen, basierend auf den Überlegungen Luhmanns, dargestellt werden. Dabei soll aber der systemtheoretische Standpunkt eines grundsätzlich extrem eng begrenzten Möglichkeitsraums erfolgreicher politischer Steuerung nicht gänzlich übernommen werden, sondern als Ergebnis eine revidierte akteurtheoretische, institutionalistische Sichtweise politischer Steuerung stehen, in der politische Steuerung hauptsächlich durch Policy-Netzwerke, in denen politische und gesellschaftliche Organisationen eingebunden sind, stattfindet.
Dabei bietet nicht nur diese akteurtheoretische Sichtweise Netzwerke als Steuerungsmöglichkeit an. Aber die Gründe, warum sich diese Arbeit eng an jenen Ansatz anlehnen wird, ist zum einen der Rahmen der Hausarbeit, nämlich Policy - Netzwerke als Phänomen politischer Steuerung und da deren Ausarbeitung hauptsächlich durch Renate Mayntz und Fritz W. Scharpf erfolgt ist und beide einen akteurtheoretischen Standpunkt vertreten. Und zum anderen die theoretische Grundannahme, die von der revidierten akteurtheoretischen Sichtweise vertreten wird, nämlich die Vorstellung einer Dialektik zwischen Handeln und systemischer Struktur.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Wandel des theoretischen Verständnisses von politischer Steuerung und der gesellschaftlichen Bedingungen dafür

2.1. Die „einfache“ akteurtheoretische Sichtweise

2.1.1. Von der Planung zur Steuerung

2.1.2. Der „einfache“ akteurtheoretische Steuerungsbegriff

2.2. Die systemtheoretische Kritik

2.2.1. Grundlagen der Systemtheorie Luhmanns

2.2.1.1. Die allgemeine Systemtheorie

2.2.1.1. Der frühe Luhmann

2.2.1.2. Der späte Luhmann und die autopoietische Wende

2.2.2. Kritik des akteurtheoretischen Verständnisses politischer Steuerung

2.2.2.1. Die Kritik des frühen Luhmann

2.2.2.2. Der Kritik des späten Luhmann

2.3. Die revidierte akteurtheoretische Sichtweise

2.3.1. Die Kritik der Kritik – Einwände gegen den Steuerungpessimismus und die Systemtheorie

2.3.2. Organisationen als zentrale Akteure

2.3.3. Der Steuerungsbedarf in der Gesellschaft - Aufgabenzuweisung an die Politik -

2.3.4. Gesellschaftliche Koordinationsformen

2.3.4.1. Koordination durch den Markt

2.3.4.2. Koordination durch die Hierarchie

3. Policy - Netzwerke als Ausdruck des Wandels des steuerungstheoretischen Verständnisses und der gesellschaftlichen Bedingungen

3.1. Teilsysteme als Akteurkonstellationen

3.2. Rolle und Binnenstruktur des politischen Systems

3.3. Policy – Netzwerke als eine angemessene Koordinationsform für die funktional differenzierte Gesellschaft

3.3.1. Steuerung durch Omnipräsenz des Staates in Netzwerken der Selbstorganisation

3.3.2. Steuerung durch Policy – Netzwerke

4. Schlusswort – Zusammenfassung –

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Genese und theoretische Begründung von Policy-Netzwerken im Kontext der funktional differenzierten Gesellschaft zu erklären. Dabei wird untersucht, wie sich das Verständnis von politischer Steuerung vom klassischen Akteurmodell hin zu netzwerkbasierten Koordinationsformen entwickelt hat und welche Bedingungen diese Transformation begünstigen.

  • Wandel des theoretischen Steuerungsverständnisses
  • Systemtheoretische Kritik an staatlicher Steuerungsfähigkeit
  • Revidierte akteurtheoretische Sichtweise (Institutionalismus)
  • Policy-Netzwerke als Koordinationsform
  • Rolle von Organisationen in Akteurkonstellationen

Auszug aus dem Buch

2.2.1.2. Der frühe Luhmann

Nun soll der auf dem Grundprinzip der offenen Systeme aufbauende Ansatz des frühen Luhmann (der diese Theorien auf soziale Systeme übertrug) skizziert werden. Der Mensch ist für Luhmann ein Wesen mit eng begrenzter Möglichkeit seine Umwelt zu verarbeiten.

Seine Umwelt, die Welt, ist hingegen äußerst komplex, im Sinne davon, dass hier prinzipiell alles denkbare und undenkbare möglich und handelbar ist. Damit ist der Mensch überfordert. Soziale Systeme bilden daher eine Brückenfunktion, indem sie die Möglichkeiten der Welt einschränken. Dies tun sie durch Sinnzuweisungen an bestimmte Möglichkeiten und grenzen danach andere Möglichkeiten aus. Es entstehen allgemeine Erwartungen und Kriterien für Handlungen und Wahrnehmungen. Dieser Sinn sorgt auch dafür, dass alle Umweltkontakte nach den Sinnkriterien des Systems, jetzt Handlungssystems, bewertet, selektiert und verarbeitet werden. Durch diese Selektionen gewinnt das System die Differenz gegenüber der Umwelt und seine Identität. Der Mensch ist allerdings nicht zum System gehörig, er gehört zur Umwelt des Systems, denn seine Handlung ist prinzipiell auch durch einen anderen Akteur durchführbar, „seine“ Handlung ist damit Teil des Handlungssystems, aber nicht er selbst.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Definiert das Ziel der Arbeit, die theoretische Erklärung der Entstehung von Policy-Netzwerken unter Berücksichtigung der funktionalen Differenzierung der Gesellschaft.

2. Der Wandel des theoretischen Verständnisses von politischer Steuerung und der gesellschaftlichen Bedingungen dafür: Analysiert den Übergang von einem klassischen akteurtheoretischen Steuerungsbegriff hin zur systemtheoretischen Kritik und deren Folgen.

3. Policy - Netzwerke als Ausdruck des Wandels des steuerungstheoretischen Verständnisses und der gesellschaftlichen Bedingungen: Erläutert Policy-Netzwerke als Antwort auf die Komplexität und Interdependenz funktional differenzierter Gesellschaftssysteme.

4. Schlusswort – Zusammenfassung –: Resümiert die theoretische Herleitung der Netzwerksteuerung und betont die Bedeutung des institutionalistischen Akteuransatzes für das Verständnis moderner Steuerungsprozesse.

Schlüsselwörter

Policy-Netzwerke, politische Steuerung, Systemtheorie, Niklas Luhmann, funktionale Differenzierung, Akteurkonstellationen, Organisationen, Selbstorganisation, Interdependenz, Policy-Forschung, Governance, Korporatismus, Steuerungsobjekt, soziale Systeme.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie sich die Entstehung von Policy-Netzwerken theoretisch erklären lässt und welche Rolle diese Netzwerke im Kontext moderner politischer Steuerung in einer komplexen Gesellschaft spielen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der Wandel des Steuerungsbegriffs, die systemtheoretische Kritik an der Planbarkeit staatlicher Eingriffe und die Bedeutung von Organisationen als zentrale Akteure in Netzwerkstrukturen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, Bedingungen und Ursachen für die Genese von Policy-Netzwerken aufzuzeigen und zu belegen, dass diese eine angemessene Form der Koordination in funktional differenzierten Gesellschaften darstellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die politikwissenschaftliche und systemtheoretische Ansätze (insb. Luhmann, Mayntz, Scharpf) kombiniert und einer vergleichenden Analyse unterzieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung des Wandels des Steuerungsverständnisses, eine kritische Auseinandersetzung mit der Systemtheorie und die Ausarbeitung der Rolle von Policy-Netzwerken als Koordinationsinstrument.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Policy-Netzwerke, funktionale Differenzierung, politische Steuerung, Autopoiesis, Organisationen und Akteurkonstellationen geprägt.

Inwiefern beeinflusst das Luhmannsche Konzept der Systemtheorie die Argumentation?

Die Systemtheorie dient als grundlegende Kritik an der klassischen Steuerbarkeit von Gesellschaft, zwingt die Arbeit jedoch zu einer revidierten, institutionellen Perspektive, da sie den "Steuerungspessimismus" nicht vollständig teilt.

Warum sind Organisationen für die Steuerung wichtiger als Individuen?

Organisationen sind laut der Arbeit kollektiv handlungsfähig, verfügen über Ressourcen und weisen Interessen auf, die durch politische Steuerung adressierbar sind, während individuelle Handlungen zu unvorhersehbar und nicht-systemisch sind.

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Details

Title
Policy-Netzwerke und ihr Zusammenhang mit dem Wandel des Verständnisses von politischer Steuerung
College
http://www.uni-jena.de/  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Politische Soziologie, Theorie: Einführung in die vergleichende Policy-Analyse
Grade
1.0
Author
Lars Vogel (Author)
Publication Year
2002
Pages
31
Catalog Number
V10505
ISBN (eBook)
9783638169073
Language
German
Tags
Policy-Netzwerke Zusammenhang Wandel Verständnisses Steuerung Policy-Netzwerke Zusammenhang Wandel Verständnisses Steuerung Politische Soziologie Theorie Einführung Policy-Analyse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lars Vogel (Author), 2002, Policy-Netzwerke und ihr Zusammenhang mit dem Wandel des Verständnisses von politischer Steuerung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10505
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