Mit meiner Hausarbeit möchte ich mich speziell der zentralen Kontoverse des
Historikerstreits widmen und zwar der Auseinandersetzung zwischen Hermann
Baumgarten und Heinrich von Treitschke. Ich will versuchen, indem ich mich nah
an die geschichtlichen Quellen halte, besonders die Inhalte dieser Kontroverse in den Vordergrund zu stellen und herauszufinden, inwiefern diese eine Rolle auf den Ausgang und auf die gegenwärtige wissenschaftliche Gesamtbetrachtung des Historikerstreits spielen. Obwohl der Hauptteil meiner Arbeit einem Abschnitt von Biefang´s Aufsatz sehr nahe steht, ist er doch von der Konzepetion anders. Mit einer chronologischen Gegenüberstellung der inhaltlichen Abschnitte versuche ich unabhängig von Biefang Problematiken der Grundpositionen, der Arbeitsweise und der politischen Überzeugungen, sowie emotionale Tendenzen zu vermitteln.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Chronik des Streits zwischen Baumgarten und Treitschke
1. Treitschkes „Deutsche Geschichte“
2. Kritik und Erwiderung
3. Antwort und zweite Erwiderung
4. Umfeld und Ausgang der Kontroverse
III. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die fachwissenschaftliche Kontroverse zwischen Hermann Baumgarten und Heinrich von Treitschke, die sich im Kontext des sogenannten Historikerstreits um den zweiten Band von Treitschkes „Deutscher Geschichte“ entzündete. Ziel ist es, die inhaltlichen Grundpositionen, die Arbeitsweisen der Kontrahenten sowie die politischen Überzeugungen zu untersuchen und deren Einfluss auf die wissenschaftliche Gesamtbetrachtung sowie den Ausgang dieses Konflikts zu beleuchten.
- Analyse der inhaltlichen Differenzen und Kritikpunkte zwischen Baumgarten und Treitschke
- Untersuchung der politischen Hintergründe und deren Einfluss auf die geschichtswissenschaftliche Argumentation
- Darstellung der Rolle und Parteinahme der zeitgenössischen Fachpresse, insbesondere der Historischen Zeitschrift
- Bewertung der Auswirkungen dieses Streits auf das Selbstverständnis des deutschen Liberalismus und das Geschichtsbild im Kaiserreich
Auszug aus dem Buch
1. Treitschkes „Deutsche Geschichte“
Die „Deutsche Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts“ war das Lebenswerk von Heinrich von Treitschke, an dem er bis zu seinem Tod arbeitete. Ziel war es eine umfassende nationale Geschichtsschreibung zu schaffen, die sich vom westfälischen Frieden bis zur Reichsgründung erstrecken sollte. Der fünfte und letzte Band im Jahre 1894 endete allerdings mit dem Vorabend der Revolution von 1848.
Mit seiner Darstellung des neunzehnten Jahrhunderts konnte sich Treitschke kaum auf Vorgänger berufen. Als richtungsweisendes Werk galt hier einzig Gervinus` „Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts seit den Wiener Verträgen“, geschrieben in den Jahren 1855-1866. Der Rahmen der Darstellung bildete Europa und hatte als Grundlage den Wandel von der Monarchie zur Demokratie. Treitschke jedoch war in seiner langen Bearbeitungszeit von 1864 an immer stärker von den Erfolgen Bismarcks beeinflusst worden und symbolisierte den Rechtsruck der Nationalliberalen hin zu konservativen Idealen. Die deutsche Einigung unter der Vormachtstellung Preußens wurde die zentrale Grundlage der „Deutsche Geschichte“.
Dies war konträr mit der Auffassung Gervinus, was Treitschke nicht verleugnete, sondern als Ziel seiner Arbeit sah.
„Wenn ich nicht vorher gewusst hätte, dass meine Deutsche Geschichte die Schüler Gervinus bis aufs Blut ärgern würde, hätte ich sie gar nicht geschrieben.“
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Darstellung der Ausgangslage der Hausarbeit, der Relevanz der Literatur von Andreas Biefang sowie der Forschungsabsicht, die Kontroverse zwischen Baumgarten und Treitschke detailliert zu untersuchen.
II. Chronik des Streits zwischen Baumgarten und Treitschke: Detaillierte chronologische Aufarbeitung der verschiedenen Phasen der inhaltlichen Auseinandersetzung, beginnend bei Treitschkes Werk über die gegenseitigen Kritiken bis hin zur fachwissenschaftlichen Einordnung.
III. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse, die aufzeigt, dass der Streit weniger durch eine inhaltliche Debatte als durch machtpolitische Eingriffe entschieden wurde, was zur Isolation Baumgartens führte.
Schlüsselwörter
Hermann Baumgarten, Heinrich von Treitschke, Historikerstreit, Deutsche Geschichte, Liberalismus, Preußen, Nationalliberalismus, Fachpresse, Historische Zeitschrift, Geschichtsschreibung, Quellenkritik, Kontroverse, Karl von Rotteck, Karl Follen, Metternich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die wissenschaftliche und politische Kontroverse zwischen Hermann Baumgarten und Heinrich von Treitschke Ende des 19. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Kritik an Treitschkes „Deutscher Geschichte“, die Rolle des politischen Liberalismus, die Quellenkritik und der Einfluss parteipolitischer Interessen auf die Historiographie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Analyse, wie die inhaltlichen Grundpositionen und politischen Ansichten der Kontrahenten den Verlauf und Ausgang des Historikerstreits beeinflusst haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor wählt eine chronologische Gegenüberstellung der inhaltlichen Abschnitte, um die Positionen der Kontrahenten unabhängig von bereits existierenden Analysen darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Kritik Baumgartens an Treitschkes Werk, die Erwiderungen Treitschkes, den Verlauf des Streits in der Fachpresse und den schließlich herbeigeführten Ausgang.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Liberalismus, Konservatismus, nationalliberale Geschichtsschreibung, Quellenmanipulation und die Isolierung von Kritikern im deutschen Kaiserreich.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der Historischen Zeitschrift auf den Ausgang des Streits?
Der Autor sieht in dem eingreifenden Handeln der Redaktion und der Vergabe des Verdun-Preises an Treitschke die entscheidenden Faktoren für die Niederlage des liberalen Standpunktes.
Inwiefern spielte der „Tugendbundstreit“ eine Rolle für die Argumentation von Baumgarten?
Baumgarten nutzte diesen Fall, um Treitschkes einseitige Darstellung und die bewusste Auslassung von Informationen zu belegen, die den König in einem besseren Licht erscheinen lassen sollten.
- Citation du texte
- Robert Westermann (Auteur), 2002, Hermann Baumgarten contra Heinrich von Treitschke - Analyse der Kontroverse im Rahmen des Historikerstreits um die Deutsche Geschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/107098