Noch vor einem Jahr arbeitete ich in einer Kindertagesstätte, die ursprünglich von italienischen Eltern gegründet wurde und auch jetzt noch als privater Verein existiert.
Diese Kindertagesstätte besuchen 30 Kindergartenkinder und 10 Schulkinder.
Allerdings war das Konzept dieser Kindertagesstätte anfangs recht ungewöhnlich für mich, da die Kinder dort ihre Tagesplanung und auch die Themen in sehr großem Maße selbst in die Hand nehmen können.
Mit der Zeit merkte ich, dass dies sehr gut funktioniert und war begeistert von dieser Art der Pädagogik.
In Gesprächen mit dem Team erfuhr ich Einiges über die Grundlagen dieser Pädagogik. Es handelt sich hier um die sogenannte
"REGGIO-PÄDAGOGIK"
Die Entstehung dieser Pädagogik geht bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg zurück.
Damals waren kaum Betreuungsplätze für Kinder vorhanden und so gründeten am 25. 04. 1945 einige Frauen aus der italienischen Stadt Reggio Emilia eine Fraueninitiative, die sich diese Notwendigkeit zum Ziel setzte.
Die Frauen verkauften Waffen und Panzer um Materialien für eine eigene Kindertagesstätte aufzubringen. Sie sollte den Kindern ein demokratische Erziehung ermöglichen.
Der Aufbau und die Versorgung dieser Kindertagesstätte wurde durch die ganze Bevölkerung der Stadt getragen und nur so konnte die Tagesstätte überleben.
Der damalige Dorfschullehrer Loris Malaguzzi (1920-1994) war von diesem Engagement so begeistert, dass er sich den Frauen anschloss und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stand.
Da diese Kindertagesstätte im Widerspruch mit der traditionellen, konfessionellen Erziehung stand, gab es allerdings große Probleme mit der katholischen Kirche.
1963 wurde die Trägerschaft schließlich von der Kommune übernommen und 1968 wurde schließlich durch ein neues Gesetz auch die nicht konfessionelle Trägerschaft offiziell erlaubt.
Malaguzzi wählte unter anderem auch die Straße als Lernort und brachte die Arbeit in der Tagesstätte so an die Öffentlichkeit.
Große Bekanntheit erhielt die Reggio-Pädagogik schließlich 1971 als sie in der "News Week" als "Beste Pädagogik der ganzen Welt" bestätigt wurde.
Wie man bereits aus der Geschichte der Reggio Pädagogik ersehen kann, beruht diese Pädagogik zu einem großen Teil auf Selbständigkeit und Demokratie.
Dies ist auch in den Erziehungsprinzipien sehr deutlich erkennbar, nach denen die Reggio - Pädagogik arbeitet [...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Theoretische Grundlagen der Reggio - Pädagogik
1.1. Das Bild des Kindes in der Reggio – Pädagogik
1.2. Die Erziehungsprinzipien
1.3. Elternarbeit in Reggio Emilia
2. Praxis in Reggio Emilia
2.1. Der Tagesablauf der Kindertagesstätte
2.2. Die Räume und ihre Ausstattung
2.3. Das Personal
2.4. Projektarbeit, ein Steckenpferde der Reggio – Pädagogik
Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Reggiopädagogik als reformpädagogisches Konzept aus Italien theoretisch zu fundieren und ihre praktische Umsetzung in Kindertagesstätten zu beleuchten. Die Forschungsfrage widmet sich dabei den zentralen Bildungskonzepten, dem Bild vom Kind sowie der konkreten Alltagsgestaltung nach diesen Prinzipien.
- Theoretische Grundlagen und Menschenbild der Reggiopädagogik
- Die Rolle der Umgebung als „dritter Erzieher“
- Partizipative Projektarbeit und Mitbestimmung der Kinder
- Kooperation zwischen Elternhaus und Kindertagesstätte
- Methodik der Dokumentation und pädagogischen Begleitung
Auszug aus dem Buch
2.4. Die Projektarbeit, ein Steckenpferd der Reggio - Pädagogik
Bei der Projektarbeit stehen eindeutig die Interessen, Fragen und Bedürfnisse der Kinder im Vordergrund. Die Kinder stehen im Mittelpunkt der Projektplanung und bestimmen in sehr großem Maße den Inhalt und den Umfang des Projektes.
Der Umfang eines Projektes kann unterschiedlich sein. Ein Projekt kann sich über eine Woche aber auch über mehrere Monate hinziehen, je nach Interesse der Kinder. Es hat sich herausgestellt, dass das Interesse der Kinder bei solchen Projekten, die sich mit ihrer Umwelt befassen weit größer ist, als bei Inhalten, die die Kinder kaum berühren.
Bei den Projekten bestimmen auch die Kinder, was sie zu einem Thema machen möchten.
Grundlage für Projekte ist gegenseitiges Vertrauen zwischen Kindern und Erziehern und ein gleichberechtigtes Arbeiten. Der Erzieher soll die Kinder bei ihren Forschungen begleiten und mit ihnen im ständigen Austausch stehen. Er soll gemeinsam mit den Kindern neue Erkenntnisse sammeln. Außerdem soll er offen sein für ihre Fragen und Anregungen. Eine weitere Aufgabe des Erziehers besteht darin, dass er die Kinder während des Projektes beobachtet und diese Beobachtungen dokumentiert und auswertet.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der persönlichen Motivation der Autorin und kurzer historischer Abriss zur Entstehung der Reggiopädagogik.
1. Theoretische Grundlagen der Reggio - Pädagogik: Erörterung des Menschenbildes, der zentralen Erziehungsziele und der Bedeutung der Elternmitarbeit.
1.1. Das Bild des Kindes in der Reggio – Pädagogik: Analyse des Kindes als kompetentes und aktives Subjekt seiner eigenen Entwicklung.
1.2. Die Erziehungsprinzipien: Darstellung der Kernprinzipien wie Autonomie, Solidarität und dem Recht auf schöpferisches Tun.
1.3. Elternarbeit in Reggio Emilia: Beschreibung der strukturierten Einbindung der Eltern in den Einrichtungsalltag und den Elternbeirat.
2. Praxis in Reggio Emilia: Überblick über den institutionellen Alltag, die Rolle des Personals und die räumliche Gestaltung.
2.1. Der Tagesablauf der Kindertagesstätte: Detaillierte Schilderung der Tagesstruktur, inklusive Kinderkonferenzen und Betreuungsphasen.
2.2. Die Räume und ihre Ausstattung: Erläuterung der Gestaltung als „Dritter Erzieher“ und die Funktion von Atelier, Piazza und Küche.
2.3. Das Personal: Beschreibung der Rollenverteilung und Aufgaben von pädagogischem und nicht-pädagogischem Personal.
2.4. Projektarbeit, ein Steckenpferde der Reggio – Pädagogik: Untersuchung der methodischen Vorgehensweise bei kindzentrierten Projekten.
Schluss: Reflexion der Autorin über die Erkenntnisse und den Transfer des Konzepts in den deutschen Kita-Alltag.
Schlüsselwörter
Reggiopädagogik, Reformpädagogik, Loris Malaguzzi, Projektarbeit, Kindertagesstätte, Demokratische Erziehung, Partizipation, Elternarbeit, Dritter Erzieher, Bild vom Kind, Autonomie, Dokumentation, Kindheitspädagogik, Italien, Kompetenzentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Einführung in die Reggiopädagogik, ein renommiertes reformpädagogisches Konzept aus Italien, das auf Partizipation und Selbstbestimmung der Kinder basiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen das Menschenbild, die Gestaltung des sozialen und räumlichen Umfelds, die Rolle der Erzieher sowie die projektbasierte Bildungsarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die theoretischen Wurzeln sowie die konkrete praktische Umsetzung der Reggiopädagogik im Alltag von Kindertagesstätten verständlich darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis von Fachliteratur, ergänzt durch die reflektierte Praxiserfahrung der Autorin.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Bild vom Kind, Erziehungsprinzipien) und eine praxisorientierte Beschreibung (Tagesablauf, Raumgestaltung, Projektarbeit).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Reggiopädagogik, Partizipation, Projektarbeit, das Kind als Konstrukteur seines Wissens sowie der Raum als dritter Erzieher.
Warum werden die Räume als „Dritter Erzieher“ bezeichnet?
In der Reggiopädagogik wird der räumlichen Gestaltung eine aktive pädagogische Rolle zugeschrieben; die Räume sollen Neugier wecken, zum Forschen anregen und die Autonomie der Kinder unterstützen.
Welchen Stellenwert nimmt das Atelier ein?
Das Atelier dient als zentrales Laboratorium, in dem Kinder unter Anleitung eines Künstlers mit vielfältigen Materialien und Ausdrucksformen experimentieren und ihre eigene Kreativität entfalten können.
- Quote paper
- Martina Meyer (Author), 2002, Reggiopädagogik - die Reformpädagogik aus Italien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10961