Diese Arbeit befasst sich mit dem Problem des sprachlichen Verstehens. Um das Zusammenspiel von Sprachwissen und Weltwissen beim Textverstehen zu erläutern, habe ich den Loriottext „Das Frühstücksei“ ausgewählt. Es handelt sich um einen Dialog, der der
Textsorte Witz zuzuordnen ist. Es ist ein einfach strukturiertes Textbeispiel, das durch seine Kürze eine Analyse im vorgesehenen Umfang ermöglicht.
Beginnen werde ich mit den Analysebegriffen „Horizont“, „Sprachbesitz“, „Situation“ und „Kontext“, da diese beim Textverstehen eine Rolle spielen. Die Kategorie „Ho rizont“ ist noch
einmal durch „das Witzverständnis“ untergruppiert, da man zwischen den Horizonten der Kommunikationspartner in dem Witz und den Horizonten von Emittent und Rezipient (des Witzes) differenzieren muss. In dem nachfolgenden „Modell des Zusammenspiels von Verstehensfaktoren“ werden die Beziehungen der vier Faktoren erläutert.
Diese Arbeit basiert auf ihrem Buch „Sprache als Text“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Horizont“
2.1 Das Witzverständnis
3. „Sprachbesitz“
4. „Situation“
5. „Kontext“
6. Modell des Zusammenspiels von Verstehensfaktoren
7. Fazit
8. Anhang („Das Frühstücksei“)
9. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das komplexe Zusammenspiel von Sprachwissen und Weltwissen beim Textverstehen anhand des Loriot-Dialogs „Das Frühstücksei“. Ziel ist es, die kognitiven und kommunikativen Prozesse zu analysieren, die bei einem Missverständnis zwischen den Gesprächspartnern ablaufen, und diese in einem theoretischen Modell zu veranschaulichen.
- Analyse der zentralen Verstehensfaktoren: Horizont, Sprachbesitz, Situation und Kontext.
- Untersuchung der Differenz zwischen den kommunikativen Horizonten von Sender und Empfänger.
- Anwendung eines theoretischen Kommunikationsmodells auf ein konkretes Textbeispiel.
- Differenzierung zwischen Sprachwissen und Weltwissen im didaktischen Kontext.
- Deutung von Witzstrukturen als Folge gestörter Kommunikation.
Auszug aus dem Buch
2. „Horizont“
Als „Horizont“ eines Menschen bezeichnet man den Weltausschnitt, den er sich in Leben und Sprache zu Eigen gemacht hat.1
Die „innere Ebene“ bezeichnet die kommunikative Beziehung der Kommunikationspartner, in dem Textbeispiel sind dies der Ehemann und seine Frau.
Der Horizont beinhaltet das Verhältnis der Kommunikationspartner zueinander, welches durch „ihre soziale Rolle, ihre Erfahrungen, Erinnerungen, Erwartungen, [...] ihr Vorwissen und alles woran sie denken“ bestimmt wird. Er ist ein komplexes Gebilde aus Normen, Konventionen, Handlungsmustern etc. Ebenso sind emotionale Einstellungen, alle Wertvorstellungen und ein Teil der „Konnotationen“ dazuzurechen, die die Kommunikationspartner in ihren Äußerungen beeinflussen.2 Der Horizont ist ausschließlich durch innere Bewusstseinsbestände eines Kommunikationsteilnehmers gekennzeichnet. 3 Die Horizonte können durch Integration von „Neuem“ weiter werden oder durch Vergessen abnehmen.4
Bei einem Prozess der Kommunikation entsteht ein möglicher Austausch der Horizonte der Kommunikationspartner. Das latent Verfügbare der Partner wird in einen Text gefasst, d.h. Nicht- Textualisiertes, jedoch sprachlich Verfügbares, wird in einen Text oder eine Rede transformiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Problem des sprachlichen Verstehens und führt den Loriot-Text „Das Frühstücksei“ als Analyseobjekt ein.
2. „Horizont“: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des Horizonts als individuellen Weltausschnitt und analysiert die kognitiven Unterschiede zwischen den Gesprächspartnern.
2.1 Das Witzverständnis: Hier wird untersucht, wie der Rezipient durch die Erkenntnis der divergierenden Horizonte der Protagonisten den humoristischen Aspekt des Witzes erfasst.
3. „Sprachbesitz“: Der Abschnitt beschreibt das sprachliche Gesamtpotential eines Sprachteilnehmers und dessen Rolle bei der Interpretation von Konnotationen.
4. „Situation“: Die Situation wird als wahrnehmungsgebundener Rahmen definiert, in dem sich die Kommunikation vollzieht.
5. „Kontext“: Der Kontext wird knapp als textualisierte Umgebung einzelner Textelemente bestimmt.
6. Modell des Zusammenspiels von Verstehensfaktoren: Es wird ein Modell vorgestellt, welches die Interaktion von Horizont, Sprache, Situation und Kontext grafisch und theoretisch darlegt.
7. Fazit: Das Fazit unterstreicht die Relevanz der Differenzierung von Sprach- und Weltwissen für die pädagogische Arbeit.
8. Anhang („Das Frühstücksei“): Enthält das primäre Textmaterial der Analyse.
9. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Sprachverstehen, Loriot, Textverstehen, Horizont, Sprachbesitz, Situation, Kontext, Kommunikation, Witzverständnis, Konnotation, Sprachwissenschaft, Weltwissen, Kommunikationspartner, Verstehensfaktoren, Linguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen des sprachlichen Verstehens und wie Individuen mit unterschiedlichem Hintergrund Sprache interpretieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Begriffe Horizont, Sprachbesitz, Situation und Kontext sowie deren Zusammenspiel bei der Dekodierung von Texten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, ein Modell zu entwickeln, das erklärt, warum Kommunikation scheitern kann, wenn die Horizonte der Sprecher zu weit auseinanderliegen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine linguistische Textanalyse, basierend auf dem theoretischen Rahmen von Maximilian Scherner („Sprache als Text“).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert schrittweise die vier genannten Verstehensfaktoren und wendet diese exemplarisch auf den Loriot-Dialog „Das Frühstücksei“ an.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Sprachverstehen, Kommunikationshorizont, Situationswahrnehmung und das Modell der Verstehensfaktoren.
Warum wird der Loriot-Text „Das Frühstücksei“ als Beispiel gewählt?
Der Text ist kurz, einfach strukturiert und bietet ein ideales, leicht nachvollziehbares Beispiel für ein klassisches Missverständnis zwischen zwei Personen.
Wie spielt das „Weltwissen“ eine Rolle beim Verständnis des Textes?
Das Weltwissen beeinflusst, wie der Ehemann und die Ehefrau die Intentionen des jeweils anderen bewerten; das Fehlen eines gemeinsamen Horizonts führt im Beispiel zum humorvollen Effekt des Witzes.
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- Tina Brackmann (Author), 2002, Das Zusammenspiel von Sprachwissen und Weltwissen beim Textverstehen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109743