Der Artikel „Musik und Rhetorik im Barock“ von Arno Forchert aus dem Jahr 1986 ist der Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit.
Die wesentlichen Aussagen Forcherts werden zusammengefasst und in ausführlicher Form referiert.
Inhaltliche Gliederung
1. Einleitung
2. Intention von Arno Forchert
3. Musik und Rhetorik im barocken Bildungssystem
3.1 Rhetorikunterricht an Schulen
3.2 Musikunterricht an Schulen
3.3 Zusammenhang zwischen Musik und Rhetorik
4. Was ist „musikalische Rhetorik“?
4.1 Musiktheoretiker Burmeister (& Calvisius)
4.2 Tonarten als Affektvermittler
4.3 Wandel der Rhetoriklehre außerhalb der Musik
5. Entwicklung der Musik im Verhältnis zur Sprache
5.1 Musik als Textausdeutung (Inventio) oder als Nachahmung der Sprache (Pronuntiatio)
5.2 enge Bindung an die Sprache = Verlust von Gestaltungsmöglichkeiten?
5.3 die Figur Hypotyposis
5.4 „Musik hatte keine Klassiker“
6. kleine Zugabe
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, die Relevanz und den Einfluss der musikalisch-rhetorischen Figurenlehre im Barock kritisch anhand des Artikels von Arno Forchert zu hinterfragen. Dabei wird untersucht, inwieweit die Rhetorik tatsächlich die Kompositionspraxis beeinflusste oder ob es sich primär um ein theoretisches Konstrukt handelte.
- Kritische Auseinandersetzung mit der musikalisch-rhetorischen Figurenlehre
- Rolle der Rhetorik im barocken Bildungskontext
- Verhältnis zwischen theoretischen Traktaten und praktischer Komposition
- Entwicklung der Musik im Spannungsfeld zur Sprache
- Bedeutung von Affektdarstellung und musikalischem Wandel
Auszug aus dem Buch
4. Was ist „musikalische Rhetorik“?
In Kompositionslehren wurde hauptsächlich über Kontrapunkt, Behandlung der Kirchentonarten und die Klausellehre geschrieben. Im 16./17. Jh. kam das Thema der Textbehandlung hinzu. Während in italienischen Traktaten eher nur oberflächlich Anweisungen gegeben wurden, findet man in deutschen Kompositionslehren „häufig Hinweise auf Ähnlichkeiten und Verwandtschaften zwischen Musik und Redekunst“(S.11). Diese sind meist von Schulkantoren verfaßt, die auch Schulrhetorik unterrichten. Der Rostocker Kantor Joachim Burmeister wendete als einer der ersten „Methodik und Terminologie der Rhetorik konsequent auf die Kompositionslehre“(ebd.) an. Er legte damit sozusagen den Grundstein für die musikalisch – rhetorische Figurenlehre. Demnach ist die Musik der Rhetorik gleichzusetzen, „von der sie die Prinzipien ihres Aufbaus und ihre Wirkungsmittel übernimmt.“(ebd.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Musik als „redende“ Kunst und Begründung der subjektiven Herangehensweise an die Quellen.
2. Intention von Arno Forchert: Darstellung der kritischen Position Forcherts gegenüber der musikalisch-rhetorischen Figurenlehre und deren wissenschaftlicher Tradition.
3. Musik und Rhetorik im barocken Bildungssystem: Überblick über die Stellung der Musik innerhalb der artes liberales und deren praktische Umsetzung an den Lateinschulen.
4. Was ist „musikalische Rhetorik“?: Analyse der Rolle von Musiktheoretikern wie Burmeister bei der Übertragung rhetorischer Terminologie auf die Kompositionslehre.
5. Entwicklung der Musik im Verhältnis zur Sprache: Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Textausdeutung, Sprachnachahmung und der Kritik an der Beschränkung kompositorischer Freiheit.
6. kleine Zugabe: Abschlussbetrachtung zum stetigen Wandel und der Vielfalt musikalischer Ausdrucksformen.
Schlüsselwörter
Musik, Rhetorik, Barock, Figurenlehre, Kompositionslehre, Joachim Burmeister, Affektdarstellung, Arno Forchert, Musikwissenschaft, Sprachnachahmung, Kontrapunkt, Textvertonung, Musiktheorie, Hypotyposis, musikalische Form.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die historische und theoretische Verbindung zwischen Musik und Rhetorik im 18. und 19. Jahrhundert, basierend auf einer Auseinandersetzung mit Arno Forcherts Thesen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die musikalisch-rhetorische Figurenlehre, das barocke Bildungssystem, der Einfluss von Musiktheoretikern sowie die Frage nach der praktischen Anwendbarkeit dieser Lehren in der Komposition.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, kritisch zu prüfen, ob die rhetorische Figurenlehre einen tatsächlich maßgeblichen Einfluss auf die Kompositionspraxis hatte oder ob sie lediglich ein theoretisches Modell zur Aufwertung der Musik war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachwissenschaftliche Exzerpt- und Analysearbeit, die die Thesen eines spezifischen wissenschaftlichen Artikels (Arno Forchert) kritisch reflektiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit dem historischen Kontext, der Kritik an der Figurenlehre, der Rolle von Theoretikern wie Burmeister und dem Verhältnis von Musik zu sprachlichen Ausdrucksmitteln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Musikrhetorik, Figurenlehre, Barockmusik, Kompositionspraxis und musikalischer Wandel definieren.
Warum zweifelt Forchert den Einfluss der Rhetorik auf die Komposition an?
Forchert argumentiert, dass viele Theoretiker selbst keine aktiven Komponisten waren und dass der Gebrauch musikalischer Mittel wie Dissonanzen oft unabhängig von expliziten rhetorischen Vorgaben erfolgte.
Was ist die besondere Rolle der Figur „Hypotyposis“?
Sie fungiert in der Musiktheorie als Sammelbegriff für ansonsten schwer definierbare Figuren, was ihre theoretische Schwäche und Abgrenzung zur klassischen Rhetorik verdeutlicht.
- Citation du texte
- Juliane Kühne (Auteur), 2000, Exzerpt zum Artikel von Arno Forchert: Musik und Rhetorik im Barock (1986), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/109969