1782 veröffentlichte Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos seinen Briefroman „Les liaisons dangereuses ou Lettres recueillies dans une société, et publiées pour l’instruction de quelques autres“. Das Erscheinen seines 175 Briefe umfassenden, weltbekannt gewordenen Romans löste heftige moralische Empörung bei den Lesern aus. Dies lag wohl daran, dass die handelnden Personen dermaßen sittenlos und böse dargestellt wurden, dass es unmöglich schien, dass solche Menschen in dem Jahrhundert der Philosophie und Aufklärung gelebt haben könnten.
Die Figur einer solchen Person - des Vicomte de Valmont - werde ich in dieser Arbeit analysieren.
Am Anfang werde ich Valmont anhand der Meinungen sonstiger Figuren aus dem Roman charakterisieren und entstandene Eindrücke präsentieren.
Danach werden Valmonts Beziehungen zu den Frauen etwas näher erläutert.
Und schließlich werde ich die Arbeit mit dem Tod des Vicomte und mit dem Ausgang dieser interessanten Geschichte abschließen.
Inhalt
1. Einleitung
2. Die Charakteristik Valmonts
3. Valmonts Verhältnis zu …
3.1. … Cécile Volanges
3.2. … Présidente de Tourvel
3.3. … Marquise de Merteuil
4. Der Tod Valmonts
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die literarische Figur des Vicomte de Valmont aus Choderlos de Laclos' Briefroman „Les liaisons dangereuses“. Ziel ist es, seine Charakterstruktur, seine komplexen Beziehungsgeflechte zu den zentralen Frauenfiguren des Werkes sowie die Hintergründe seines schließlichen Todes zu untersuchen, um sein libertines Selbstverständnis im Kontext des 18. Jahrhunderts zu ergründen.
- Die psychologische Analyse des Libertin-Ideals
- Die Dynamik der Machtverhältnisse zwischen Valmont und der Marquise de Merteuil
- Die manipulative Einflussnahme auf die verschiedenen Frauenfiguren
- Die Ambivalenz von Verführung, Kontrolle und eigener Gefühlswelt
- Die Symbolik von Valmonts Tod und sein moralisches Vermächtnis
Auszug aus dem Buch
3.2. … Présidente de Tourvel
Die Présidente de Tourvel ist in diesem Roman die einzige Figur mit treuen und reinen Empfindungen, und man muss sie der anstößigen Welt der Libertins entgegenstellen. Sie zu verführen, sieht Valmont als eine Herausforderung, denn sie ist religiös und verheiratet und damit ein Opfer außerhalb des geläufigen libertinen Kreises. Die Marquise de Merteuil ist allerdings nicht begeistert von seinem Plan, denn sie fürchtet, dass er sich seinen Phantasien hingibt: Selbst wenn sein Plan glattgehen würde, die Présidente zum Seitensprung zu verleiten, wäre das eine vorgetäuschte Bezwingung, da sie sich aufgrund ihres Glaubens niemals hemmungslos ihrer Passion hingeben könnte. Doch gerade diese schwierige Aufgabe möchte Vicomte de Valmont lösen. Mme de Tourvel soll sich ihm in voller Gewissheit ihrer Schuld ergeben:
„Mon projet, au contraire, est qu’elle sente, qu’elle sente bien la valeur et l’etendue de chacun des sacrifices qu’elle me fera; de ne pas la conduire si vite, que le remords ne puisse la suivre; de faire expirer sa vertu dans une lente agonie; de la fixer sans cesse sur ce désolant spectacle; et de ne lui accorder le bonheur de m’avoir dans ses bras, qu’après l’avoir forcée à n’en plus dissimuler le désir. Au fait, je vaux bien peu, si je ne vaux pas la peine d’être demandé.“ (LXX, S. 139)
Zwar bedeutete die Vollziehung des Ehebruches die gesellschaftliche „Hinrichtung“ für die Frauen, die sich früher mit Valmont einließen, doch da sie dem libertinen Personenkreis angehörten, bereitete der Seitensprung an sich keine Unmöglichkeiten. Doch für die fromme Présidente stellt dieser „nicht nur „einfache“ Verbotsüberschreitung, sondern eine Todsünde dar. (…). Valmont sucht neue Formen der Befriedigung, und er findet sie in der christlichen Konzeption der Sünde.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Gegenstands und der Forschungsabsicht, den Vicomte de Valmont im berühmten Briefroman von Choderlos de Laclos zu analysieren.
2. Die Charakteristik Valmonts: Untersuchung der facettenreichen Identität Valmonts als Bonvivant, Verführer und Vertreter einer libertinen Lebenshaltung, die auf strikter Selbstbeherrschung basiert.
3. Valmonts Verhältnis zu …: Detaillierte Betrachtung der manipulativen Interaktionen Valmonts mit drei verschiedenen Frauenfiguren, die seine unterschiedlichen Ziele und emotionalen Konflikte spiegeln.
3.1. … Cécile Volanges: Analyse der Ausnutzung der Naivität des jungen Mädchens im Rahmen des Machtkampfes zwischen den Libertins.
3.2. … Présidente de Tourvel: Untersuchung der komplexen Verführung der religiös geprägten Présidente, die Valmonts größte Herausforderung darstellt.
3.3. … Marquise de Merteuil: Analyse der von Rivalität und wechselseitiger Manipulation geprägten Beziehung zur Marquise de Merteuil.
4. Der Tod Valmonts: Erörterung der Umstände seines Ablebens im Duell und der Frage, ob sein Tod als strategische Niederlage oder als bewusster Akt der Selbstbestimmung zu werten ist.
5. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung von Valmonts Lebensweise, seinen Gefühlsambivalenzen und der Konsequenz seines Strebens nach absoluter Autorität.
Schlüsselwörter
Libertinage, Valmont, Les Liaisons dangereuses, Choderlos de Laclos, Verführung, Manipulation, Marquise de Merteuil, Présidente de Tourvel, Cécile Volanges, Machtkampf, Aufklärung, Briefroman, Eitelkeit, Selbstbestimmung, Rollenspiel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die Figur des Vicomte de Valmont in Laclos' Roman „Les liaisons dangereuses“ und analysiert dessen Handlungen, Beziehungen und seine psychologische Entwicklung als Libertin.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das libertine Weltbild, Machtstrukturen in sozialen Beziehungen, die Dynamik von Verführung und der Konflikt zwischen der inszenierten Fassade und dem tatsächlichen Seelenzustand.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Valmonts Handeln objektiv zu beleuchten und zu klären, inwieweit er als manipulativer Libertin agiert und wie seine Beziehungen sowie sein Tod sein Selbstverständnis und seinen Charakter definieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext des Briefromans unter Hinzuziehung zeitgenössischer und fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung Valmonts, eine detaillierte Analyse seiner Beziehungen zu Cécile Volanges, der Présidente de Tourvel und der Marquise de Merteuil sowie eine Untersuchung der Hintergründe seines Todes.
Welche Begriffe beschreiben die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Libertinage, psychologische Manipulation, Machtbeziehungen, literarische Analyse des 18. Jahrhunderts und die Charakteristik des Vicomte de Valmont.
Warum ist die Beziehung zwischen Valmont und der Marquise de Merteuil so entscheidend?
Ihre Beziehung bildet den Kern des Machtkampfes; es ist eine Konkurrenz zwischen zwei Meistern der Verführung, in der die gegenseitige Beeinflussung schließlich zum Verhängnis und Untergang beider führt.
Wie beeinflusst die Présidente de Tourvel Valmonts Charakterbild?
Sie stellt die größte Herausforderung dar, da sie Gefühle in ihm weckt, die außerhalb seines berechnenden libertinen Schemas liegen, was Valmonts Fassade bröckeln lässt.
Ist der Tod Valmonts als bloße Niederlage zu verstehen?
Nein, der Autor der Arbeit deutet an, dass der Tod als bewusste Entscheidung und als letztes strategisches Mittel gewertet werden kann, um die Marquise de Merteuil gesellschaftlich zu vernichten.
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- Viktoria Krasnik (Author), 2004, Die Figur des Vicomte de Valmont in dem Briefroman „Les liaisons dangereuses“ von Choderlos de Laclos, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/111628