Das Französische wird seit jeher als Prestigesprache angesehen und fand demnach auch Eingang ins Deutsche. So beginnt der Einfluss des Französischen auf die deutsche Sprache bereits im frühen Mittelalter und hat ihren Höhepunkt im 17. Jahrhundert.
Nun stellt sich aber die Frage, ob dieser stete Einfluss des Französischen in der Vergangenheit auch gegenwärtig bzw. auch in Zukunft Auswirkungen auf die deutsche Sprache hat. Nachdem die konkreten Gründe für den enormen Einfluss des Französischen auf das Deutsche erst im Laufe dieser Arbeit erörtert werden, liegt vorab noch die Vermutung nahe, dass die geografische Lage Deutschlands und die somit einhergehende Nähe zu Frankreich für die hohe Frequenz von Gallizismen in westdeutschen Tageszeitungen ausschlaggebend sind.
Um diese These bewerten zu können, wird im zweiten Teil dieser Arbeit anhand einer korpuslinguistischen Untersuchung für eine bundesweite Repräsentation vier regionale Tageszeitungen analysiert, inwieweit sich die Frequenzen ausgewählter Gallizismen jeweils unterscheiden. Pressetexte als Material für empirische Untersuchungen heranzuziehen, bietet eine große Bandbreite an Optionen der Interpretation hinsichtlich des Auftretens von Fremdwörtern.
Zunächst werden im theoretischen Teil Grundlagen geschaffen, wobei ein Abriss der deutsch-französischen Geschichte skizziert wird und anschließend die Termini Fremdwort und Lehnwort in Abgrenzung zu Gallizismus definiert werden. An dieser Stelle wird der Eingang des Französischen ins Deutsche diachron näher betrachtet, um im Anschluss die Gründe für den Einfluss hervorzubringen. Im weiteren Verlauf werden kommunikative Umgebungen bzw. Wissenschaftsräume, in denen Gallizismen integriert wurden, durchleuchtet. Eine Übersicht über den aktuellen Forschungsstand soll ab-schließend den zu untersuchenden Gegenstand umreißen.
Im Empirie-Teil werden darauffolgend Gallizismen der untersuchten Zeitungen anhand selbst erstellter Themen-Cluster übersichtlich unter Zuhilfenahme von Kreuztabellen gegenübergestellt. Hierbei erweist es sich als besonders beachtenswert, die Themenbereiche zu analysieren, in denen vermehrt Gallizismen auftreten. Dabei werden zunächst das verwendete Korpus sowie das genaue Vorgehen in der Untersuchung vorgestellt.
Ob und inwieweit sich die eingangs formulierte These bestätigen bzw. widerlegen lässt, wird in einer Ergebnispräsentation mit anschließender Diskussion dargelegt.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
I Theoretische Grundlagen
1 Historischer Abriss
1.1 Kultur- und Sprachgeschichtlicher Einfluss des Französischen auf das Deutsche
1.1.1 Entlehnungen im Mittelalter
1.1.2 Entlehnungen im 17. und 18. Jahrhundert
1.1.3 Sprachpurismus und Sprachkritik
1.1.4 Entlehnungen ab dem 19. Jahrhundert
1.2 Das Französische in deutschen Dialekten
1.2.1 Brandenburg
1.2.2 Saarland
2 Fremdwort – Lehnwort - Gallizismus
2.1 Begriffsbestimmungen
2.1.1 Fremdwort
2.1.2 Abgrenzung zum Lehnwort
2.1.3 Gallizismus und Scheingallizismus
2.2 Phonologische, graphematische, morphologische und lexikalisch-semantische Transferenzen und Integrationen
2.2.1 Phonologische Transferenz und Integration
2.2.2 Graphematische Transferenz und Integration
2.2.3 Morphologische Transferenz und Integration
a. Genusintegration
b. Integration von Wortbildungsmechanismen
c. Lexikalisch-semantische Integration
3 Forschungsstand: Fremdwörter und Gallizismen in der Pressesprache und deren Funktion/Wirkung
II Korpuslinguistische Untersuchung
Methodisches Vorgehen
4.1 Forschungssdesign
4.1.1 Forschungsmethode
4.1.2 Forschungsgegenstand und Charakterisierung der untersuchten Medien
4.1.2.1 Forschungsgegenstand
4.1.2.2 Charakterisierung der untersuchten Zeitungen
a. Definition Zeitung
b. Saarbrücker Zeitung
c. Thüringer Allgemeine
d. Stuttgarter Zeitung
e. Berliner Morgenpost
4.1.3 Datensammlung
4.1.3 Analysemethode
5 Datenerhebung
5.1 Politik
52 Wirtschaft
5.3 Feuilleton
.4 Sport
5.5 Weitere Gallizismen (die sich keinem Zeitungsressort zuordnen lassen)
6 Datenauswertung
7 Ergebnispräsentation und Diskussion
8 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Häufigkeit und Verbreitung von Gallizismen in vier ausgewählten deutschen Tageszeitungen zu analysieren, um zu überprüfen, ob eine geografische Nähe zu Frankreich zu einer höheren Frequenz französischer Lehnwörter im deutschen Sprachgebrauch führt.
- Historische Entwicklung des französischen Einflusses auf das Deutsche
- Differenzierung zwischen Fremdwort, Lehnwort und Gallizismus
- Korpuslinguistische Analyse von Zeitungsressorts wie Politik, Wirtschaft und Sport
- Untersuchung von Integrationsmechanismen (phonologisch, graphematisch, morphologisch)
- Bewertung der aktuellen Rolle des Französischen gegenüber Anglizismen in der Pressesprache
Auszug aus dem Buch
1.1.1 Entlehnungen im Mittelalter
Das französische Mittelalter erfährt im 13. / 14. Jahrhundert einen drastischen Aufstieg des Königtums und damit wiederum einen Aufschwung der höfischen Kultur. So war Frankreich im Hochmittelalter das Kulturzentrum Europas (vgl. Mutz 2009 : 55); Texte wie Erec und Perceval des Autors Chrétien von Troyes waren Wegbereiter für den höfischen Roman und beeinflussten schnell andere Länder hinsichtlich Kultur und Literatur (vgl. Abdelfettah 1989: 1; Kinder/Hilgemann 1964: 157). Im Hochmittelalter galt der Französische Hof samt seiner Literatur demnach als Grundlage und mehr noch als Auslöser für die Blütezeit der deutschen Literatur.
Die Artusepik, wozu die Tristan-, Iwein und Parzivaltexte gehören, aber auch die Übertragung des Rolandslieds und die Lyrik der Troubadours und Trouvères als Vorreiter des Minnesang sind nur einige Beispiele dieses Einflusses (vgl. Eisenberg 2012: 57). Über die Vermittlerrolle des Niederländischen ließen sich Französismen der höfischen Literatur vermehrt auch bei deutschen Dichtern und ihren Werken wiederfinden (z.B. Wolfram von Eschenbach, Gottfried von Straßburg) ( vgl. Mutz 2009: 55). Allerdings konnten sich viele dieser Wörter nicht durchsetzen und verschwanden wieder. In der heutigen deutschen Lexik findet man beispielsweise Wörter aus den Bereichen der Literatur, der Kulinarik, der Kampfspiele, der Unterhaltung, der Kleidung und Luxusgüter: Turnier, Lanze, Wimpel, Tross, Panzer, Visier, Palast, Tanz, Präsent, Manier, Trompete, Laute, Flöte, Juwel, Lampe.
Offensichtlich dominieren Nomina, gleichwohl man Verben und Adjektive des Französischen im deutschen Wortschatz wiederfindet: pressen, passen, prüfen, liefern, parlieren, turnieren, balancieren, galoppieren, malad, vermaledeit, trist (vgl. ebd.: 55f.). Überdies stammen zahlreiche Bildungen im Deutschen wie < frz. -(er)ie, vgl. Aristokratie, Bürokratie, Pedanterie, Garantie, Parfümerie aus dem Französischen (vgl. Flei-
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen und gesellschaftlichen Hintergrund des Sprachwandels und führt die Fragestellung zur Frequenz von Gallizismen in westdeutschen Tageszeitungen ein.
I Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel liefert den historischen Abriss der deutsch-französischen Sprachkontakte und definiert die terminologischen Grundlagen wie Fremdwort, Lehnwort und Gallizismus.
1 Historischer Abriss: Es werden die verschiedenen Phasen der Entlehnungen vom Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert sowie der regionale Einfluss in Deutschland, etwa durch Sprachinseln, dargestellt.
2 Fremdwort – Lehnwort - Gallizismus: Dieser Abschnitt widmet sich den theoretischen Abgrenzungen der Begriffe und den verschiedenen phonologischen, graphematischen sowie morphologischen Integrationsarten.
3 Forschungsstand: Fremdwörter und Gallizismen in der Pressesprache und deren Funktion/Wirkung: Hier wird die Rolle von Massenmedien als Einfallstor für Fremdwörter analysiert und die historische Bedeutung von Zeitungen für die Sprachpflege thematisiert.
II Korpuslinguistische Untersuchung: Dieses Kapitel erläutert das methodische Vorgehen, die Auswahl des Korpus sowie die Datenerhebung der quantitativen Untersuchung.
4 Methodisches Vorgehen: Das Kapitel beschreibt das Forschungsdesign, die Definition des Untersuchungsgegenstands und die Charakterisierung der gewählten regionalen Tageszeitungen.
5 Datenerhebung: Hier werden das Gallizismensample festgelegt und die Frequenzdaten aus den verschiedenen Zeitungsressorts wie Politik, Wirtschaft, Feuilleton und Sport präsentiert.
6 Datenauswertung: Die erhobenen Daten werden kritisch reflektiert und erste Tendenzen bezüglich der Nutzung von Gallizismen in Sprachkontaktgebieten aufgezeigt.
7 Ergebnispräsentation und Diskussion: Das Kapitel vergleicht die Ergebnisse der vier Zeitungen und bewertet die anfängliche These im Lichte der statistischen Auswertung.
8 Fazit und Ausblick: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und die abnehmende Produktivität von Gallizismen im modernen Sprachgebrauch diskutiert.
Schlüsselwörter
Gallizismus, Fremdwort, Lehnwort, Sprachwandel, Pressesprache, Korpuslinguistik, Integration, Transferenz, Sprachkontakt, Deutsch, Französisch, Zeitungen, Sprachgeschichte, Sprachpurismus, Diachronie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Vorkommen und die Häufigkeit von französischen Lehnwörtern (Gallizismen) in deutschen Tageszeitungen und deren Entwicklung über verschiedene Jahrgänge.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die historische Sprachgeschichte, die Definition von Fremd- und Lehnwörtern, die linguistische Analyse der Integration von Wörtern sowie die Rolle der Presse als Verbreitungsmedium für Sprache.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage prüft, ob die geografische Nähe zu Frankreich tatsächlich zu einer messbar höheren Frequenz von Gallizismen in regionalen Tageszeitungen führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative korpuslinguistische Methode angewandt, bei der mithilfe des DeReKo-Korpus und der Suchmaschine COSMAS II Frequenzdaten zu bestimmten Lemmata erhoben und in Kreuztabellen ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Sprachkontakten, eine ausführliche Methodik zur Korpusanalyse und die konkrete Auswertung von Daten aus den Ressorts Politik, Wirtschaft, Sport und Feuilleton.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gallizismus, Sprachwandel, Korpuslinguistik, Pressesprache, Integration sowie der historische Sprachkontakt zwischen Deutschland und Frankreich.
Warum spielt das Saarland in der Untersuchung eine besondere Rolle?
Das Saarland wird aufgrund seiner unmittelbaren geografischen Grenznähe zu Frankreich und seiner wechselvollen historischen Zugehörigkeit als potenzielles Zentrum für eine höhere Dichte an Gallizismen betrachtet.
Was ist das Ergebnis der Untersuchung bezüglich der Ausgangsthese?
Die These, dass die geografische Nähe der Hauptgrund für eine höhere Frequenz von Gallizismen ist, wird durch die Daten falsifiziert; die Analyse zeigt jedoch, dass direkter Sprachkontakt grundsätzlich eine gesteigerte Frequenz an Entlehnungen begünstigt.
- Citation du texte
- Emil Dhough (Auteur), 2020, Gallizismen in deutschen Pressetexten. Eine korpuslinguistische Untersuchung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1119007