Die chinesische Bankenreform

Finanzmarktliberalisierung in China


Seminararbeit, 2006
20 Seiten, Note: 5.5 (von 6) - sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Allgemeiner Teil: Die chinesische Wirtschaft und ihre Problemfelder
1. Chinas Wirtschaftsentwicklung seit 1978
2. Sozioökonomische Probleme
2.1. Überalterung der Gesellschaft
2.2. Fehlendes Pensions- und Gesundheitssystem
2.3. Hohe Ausbildungskosten
2.4. Anzeichen einer Deflation
3. Anpassungen und Herausforderungen
3.1. Strukturelle Anpassungen
3.2. Die vier grossen Herausforderungen

B. Besonderer Teil: Die chinesische Bankenreform
1. Die Probleme im Bankensektor
1.1. Die notleidenden Kredite
1.2. Bürokratie und Personalüberhang
1.3. Technologischer Nachholbedarf
1.4. Träger Agrarbereich
2. Die Bankenreform
2.1. Positive Voraussetzungen
2.2. Negative Voraussetzungen
2.3. Bisherige Bemühungen
2.4 Aktionärsreform und Reform der Kreditvergabe
3. Ausländische Beteiligungen am Beispiel von Schweizer Banken
3.1. Aktuelle Situation
3.2. Auflagen
3.3. Probleme
3.4. Positive Aussichten für die ausländischen Akteure
4. Schlussbemerkungen
5. Bibliographie

A. Allgemeiner Teil: Die chinesische Wirtschaft und ihre Problemfelder

1. Chinas Wirtschaftsentwicklung seit 1978

In den 30 Jahren seit Deng Xiaoping am Nationalen Parteikongress 1978 sehr vorsichtig, zunächst mit kleinen "kapitalistischen Experimenten" in Sonderwirtschaftszonen, den Übergang von der zentralen Planwirtschaft zur Marktwirtschaft einleitete, hat sich die chinesische Volkswirtschaft mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von ca. 9.5 Prozent sehr positiv entwickelt.[1]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[2][3]

Als man 1980 als offizielle Zielsetzung die Vervierfachung des Bruttosozialprodukts bis Ende des Jahrtausends propagierte, war man sich selbst von amtlicher Seite her nicht sicher, ob dies überhaupt möglich sei. Dieses Ziel, nämlich bis zum Jahr 2000 ein BIP von 2.8 Billionen Yuan Renminbi (dt: Volkswährung; RMB) zu erreichen, wurde dann aber um ein Mehrfaches übertroffen, indem die Ziffer 2002 die 10 Billionen-Grenze überschritt (ca. 1.2 Billionen US-Dollar).[4] 2005 betrug das BIP gemäss Schätzungen der CIA 1.83 Billionen USD.[5]

Am 16. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas (KPC), vom November 2002 wurde von Staatschef Jiang Zemin, dem Nachfolger Dengs, ein neues Ziel formuliert. Man wollte nun bis 2020 den Aufbau einer so genannten "fairly well-off society", zu Deutsch einer "ziemlich wohlhabenden Gesellschaft", anstreben.[6] Dieser politische Terminus, erklärtes Hauptziel der Kommunistischen Partei, bildet auch heute noch einen der wichtigsten Eckpfeiler der chinesischen Staatsdoktrin, und wird in den heimischen Medien täglich erwähnt.

Per Ende 2005 betrug Chinas BIP laut Schätzungen des CIA World Factbook ca. 1.8 Milliarden USD, was in China einer Kaufkraftparität[7] von 8.2 Billionen USD entspricht. China rangiert somit nach den USA und der EU auf Platz 3 der Weltrangliste, was dieses Land zu einem der grössten Märkte der Welt macht. Nicht zuletzt der somit riesige Finanzsektor bietet deshalb ausländischen Investoren grosse Chancen.[8]

Tabelle: BIP - Weltrangliste nach Kaufkraftparität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[9]

Für das Jahr 2020 sieht man es von behördlicher Seite als ein realistisches Ziel an, das BIP von 2000 nochmals zu vervierfachen, nämlich auf 35 Billionen Yuan RMB (ca. 4.3 Billionen USD).[10] Will man aber der offiziellen Webseite der Chinesischen Regierung (www.gov.cn) glauben schenken, so verfügt China bereits heute über eine "ziemlich wohlhabenden Gesellschaft". Das von Jiang Zemin formulierte Ziel wäre somit also bereits realisiert.

"China, economically extremely backward before 1949, has become one of the world's major economic powers with the greatest potential, and the overall living standard has reached that of a fairly well-off society.", so die Zeitung People's Daily, das Sprachrohr der Partei.[11] Es stellt sich natürlich die berechtigte Frage, ob diese offizielle Regierungsdarstellung auch wirklich für alle der ca. 1.3 Milliarden Chinesen der Wahrheit entspricht. Eine nähere Untersuchung zum Thema ginge aber über den Rahmen dieser Arbeit hinaus.

2. Sozioökonomische Probleme

2.1. Überalterung der Gesellschaft

China verfolgt seit den 70er Jahren eine recht strikte Ein-Kind-Politik. Einem Paar mit Kinderwunsch wird von staatlicher Seite nur ein Kind zugestanden. Ausnahmen gibt es, wenn beide Eltern Akademiker sind oder selbst aus Ein-Kind-Familien stammen. Ursprünglich wollte man das Problem der drohenden Überbevölkerung lösen, steuert aber mittlerweile schon der Gefahr einer Überalterung entgegen.[12]

2.2. Fehlendes Pensions- und Gesundheitssystem

Bis zur langsamen Einführung von marktwirtschaftlichen Mechanismen gab es in der Volksrepublik das Prinzip der "eisernen Reisschale", d.h. jedem Mitarbeiter eines beliebigen Art von Betrieb, "Einheit" (Danwei) genannt, wurden kostenlose Gesundheitsversorgung und andere Leistungen zur Verfügung gestellt, oft bis zur Heiratsvermittlung und Wohnungszuteilung. Aus diesem Grund und wegen der traditionellen chinesischen Familienstrukturen war ein Pensions- und Gesundheitssystem nach westlichem Vorbild bisher unnötig. Die Veränderung der chinesischen Gesellschaftsstrukturen jedoch lässt dieses Problem je länger je mehr akut erscheinen.

2.3. Hohe Ausbildungskosten

In einer typischen Familie kümmern sich heute vier Grosseltern zusammen mit 2 Eltern um ein Einzelkind, dass natürlich die bestmögliche Ausbildung erhalten soll.[13] Allerdings sind gute Ausbildungsplätze, z.B. an renommierten Universitäten ein knappes Gut und kosten viel Geld.

[...]


[1] Deutsche Bank Research 2002: 1

[2] http://english.gov.cn/2006-02/08/content_182571.htm: 2005

[3] www.woek.de/china/pdf/china_wirtschaftsdaten.pdf

[4] People's Daily Online: 2002: 12. Nov.

[5] http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/ch.html

[6] http://english.people.com.cn/200211/12/eng20021112_106678.shtml

[7] Eine Kaufkraftparität liegt dann vor, wenn der Wechselkurs so bestimmt wird, dass bei gegebenem Preisniveau in zwei Ländern die Kaufkraft der in- und ausländischen Währung gleich hoch ist. Das heisst nichts anderes, als dass die Preise für dieselben Produkte gleich sind respektive gleich gesetzt werden.

Die Kaufkraftparität ist also eine Vergleichsgrösse, bei der ein repräsentativer Warenkorb weltweit miteinander verglichen wird. So kann man ersehen, wie hoch die Kaufkraft einer gewissen Geldsumme in einem beliebigen Land ist. Weltberühmt ist der Big-Mac-Index der englischen Zeitschrift "Economist". (Online im Internet: http://www.blw.admin.ch/agrarbericht2/d/international/vergleiche.htm [Stand 23.04.2006])

[8] http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/ch.html

[9] http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/DATASTATISTICS/0,,contentMDK:20399244~menuPK:

1504474~pagePK:64133150~piPK:64133175~theSitePK:239419,00.html

[10] http://english.people.com.cn/200211/12/eng20021112_106678.shtml

[11] http://english.gov.cn/2006-02/08/content_182571.htm

[12] Dieses Kapitel beruht im wesentlichen auf einem Interview mit Urs Schöttli, NZZ-Korrespondent Peking, vom 25. Jan. 2006

[13] Dieses Phänomen wird oft als 4-2-1-Problem bezeichnet.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die chinesische Bankenreform
Untertitel
Finanzmarktliberalisierung in China
Hochschule
Universität Zürich  (Politikwissenschaftliches Institut)
Veranstaltung
Theorien der Internationalen Beziehungen
Note
5.5 (von 6) - sehr gut
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V112326
ISBN (eBook)
9783640116942
ISBN (Buch)
9783640117062
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bankenreform, Theorien, Internationalen, Beziehungen
Arbeit zitieren
stud. phil. I Matthias Jud (Autor), 2006, Die chinesische Bankenreform, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112326

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