In den 30 Jahren seit Deng Xiaoping am Nationalen Parteikongress 1978 sehr vorsichtig, zunächst mit kleinen "kapitalistischen Experimenten" in Sonderwirtschaftszonen, den Übergang von der zentralen Planwirtschaft zur Marktwirtschaft einleitete, hat sich die chinesische Volkswirtschaft mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von ca. 9.5 Prozent sehr positiv entwickelt. Als man 1980 als offizielle Zielsetzung die Vervierfachung des Bruttosozialprodukts bis Ende des Jahrtausends propagierte, war man sich selbst von amtlicher Seite her nicht sicher, ob dies überhaupt möglich sei. Dieses Ziel, nämlich bis zum Jahr 2000 ein BIP von 2.8 Billionen Yuan Renminbi (dt: Volkswährung; RMB) zu erreichen, wurde dann aber um ein Mehrfaches übertroffen, indem die Ziffer 2002 die 10 Billionen-Grenze überschritt (ca. 1.2 Billionen US-Dollar). 2005 betrug das BIP gemäss Schätzungen der CIA 1.83 Billionen USD. Am 16. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas (KPC), vom November 2002 wurde von Staatschef Jiang Zemin, dem Nachfolger Dengs, ein neues Ziel formuliert. Man wollte nun bis 2020 den Aufbau einer so genannten "fairly well-off society", zu Deutsch einer "ziemlich wohlhabenden Gesellschaft", anstreben. Dieser politische Terminus, erklärtes Hauptziel der Kommunistischen Partei, bildet auch heute noch einen der wichtigsten Eckpfeiler der chinesischen Staatsdoktrin, und wird in den heimischen Medien täglich erwähnt.
Per Ende 2005 betrug Chinas BIP laut Schätzungen des CIA World Factbook ca. 1.8 Milliarden USD, was in China einer Kaufkraftparität von 8.2 Billionen USD entspricht. China rangiert somit nach den USA und der EU auf Platz 3 der Weltrangliste, was dieses Land zu einem der grössten Märkte der Welt macht. Nicht zuletzt der somit riesige Finanzsektor bietet deshalb ausländischen Investoren grosse Chancen.
Inhaltsverzeichnis
A. ALLGEMEINER TEIL: DIE CHINESISCHE WIRTSCHAFT UND IHRE PROBLEMFELDER
1. Chinas Wirtschaftsentwicklung seit 1978
2. Sozioökonomische Probleme
2.1. Überalterung der Gesellschaft
2.2. Fehlendes Pensions- und Gesundheitssystem
2.3. Hohe Ausbildungskosten
2.4. Anzeichen einer Deflation
3. Anpassungen und Herausforderungen
3.1. Strukturelle Anpassungen
3.2. Die vier grossen Herausforderungen
B. BESONDERER TEIL: DIE CHINESISCHE BANKENREFORM
1. Die Probleme im Bankensektor
1.1. Die notleidenden Kredite
1.2. Bürokratie und Personalüberhang
1.3. Technologischer Nachholbedarf
1.4. Träger Agrarbereich
2. Die Bankenreform
2.1. Positive Voraussetzungen
2.2. Negative Voraussetzungen
2.3. Bisherige Bemühungen
2.4. Aktionärsreform und Reform der Kreditvergabe
3. Ausländische Beteiligungen am Beispiel von Schweizer Banken
3.1. Aktuelle Situation
3.2. Auflagen
3.3. Probleme
3.4. Positive Aussichten für die ausländischen Akteure
4. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den chinesischen Bankensektor vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung seit 1978 und untersucht, wie strukturelle Reformen und die Beteiligung ausländischer Banken dazu beitragen können, die bestehenden systemischen Missstände zu beheben.
- Wirtschaftliche Entwicklung Chinas seit 1978
- Sozioökonomische Herausforderungen des Landes
- Analyse der Probleme im Bankensektor (notleidende Kredite, Bürokratie)
- Bankenreform und Modernisierungsstrategien
- Beteiligung ausländischer Investoren am chinesischen Finanzmarkt
Auszug aus dem Buch
1. Die Probleme im Bankensektor
Der chinesische Bankenbereich sieht sich derzeit mit zahlreichen Problemen konfrontiert, ohne deren baldige Lösung eine Fortsetzung des Wirtschaftswachstums in bisherigen Dimensionen nicht mehr möglich sein wird. Die Probleme sind die folgenden:
Das Hauptproblem des chinesischen Bankensektors besteht in den vormalig staatlich angeordneten Kreditvergaben an unrentable Staatsunternehmen. Auch verlustträchtige Staatsbetriebe wurden, ungeachtet ihrer geringen Kapazitäten und schlechter Unternehmensführung, im grossen Stil finanziell unterstützt. Diese, aus marktwirtschaftlicher Sicht unsinnigen Finanzspritzen an die als "to big to fail" angesehenen Staatsfirmen, waren und sind politisch motiviert.
Durch unvorsichtige Kreditvorgaben während der letzten Jahre, vor allem im Immobilienbereich, haben sich die Banken notleidende Kredite in der Höhe von ca. 200 Milliarden US-Dollar auf den Rücken geladen. Diese "faulen" Kredite machten allein bei den vier großen Staatsbanken, welche über 80 Prozent aller Einlagen verfügen, im Jahr 2001 26 Prozent des gesamten ausstehenden Kreditvolumens aus. Nach Angaben der chinesischen Zentralbank (People’s Bank of China, PBC) beträgt die Quote nach internationalen Kreditklassifizierungsstandards sogar ca. 30 Prozent.
Zusammenfassung der Kapitel
A. ALLGEMEINER TEIL: DIE CHINESISCHE WIRTSCHAFT UND IHRE PROBLEMFELDER: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über das wirtschaftliche Wachstum Chinas seit 1978 und thematisiert sozioökonomische Hürden wie Demografie und Deflationsrisiken.
B. BESONDERER TEIL: DIE CHINESISCHE BANKENREFORM: Hier werden die strukturellen Defizite des Bankensektors und die laufenden Reformbemühungen sowie die Rolle ausländischer Investoren detailliert untersucht.
Schlüsselwörter
China, Bankenreform, Wirtschaftsentwicklung, Finanzmarktliberalisierung, notleidende Kredite, Staatsbanken, Investitionen, Weltwirtschaft, Strukturwandel, Bankensektor, Devisenreserven, Marktwirtschaft, Modernisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die notwendige Transformation des chinesischen Bankensektors als entscheidende Voraussetzung für ein weiteres nachhaltiges Wirtschaftswachstum in China.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die Analyse der volkswirtschaftlichen Entwicklung, die Identifikation systemischer Bankprobleme und die Untersuchung der Öffnung gegenüber ausländischen Investoren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll aufgezeigt werden, welche strukturellen Probleme den Bankensektor belasten und wie Reformen sowie ausländisches Kapital dazu dienen, den Sektor zu modernisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse ökonomischer Daten und Hintergrundinformationen sowie auf Experteninterviews, beispielsweise mit NZZ-Korrespondent Dr. Urs Schöttli.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden spezifische Probleme wie notleidende Kredite, Bürokratie und technologischer Nachholbedarf sowie konkrete Maßnahmen der Bankenreform analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bankenreform, Finanzmarktliberalisierung, Staatsverschuldung und ausländische Beteiligungen geprägt.
Welche Bedeutung haben die "notleidenden Kredite" für die Reform?
Diese Kredite stellen das Hauptproblem dar, da sie durch politisch motivierte Vergaben an unrentable Staatsbetriebe entstanden sind und die Stabilität des gesamten Sektors gefährden.
Warum investieren Schweizer Banken trotz hoher Hürden in China?
Trotz strenger Auflagen bietet der Markt durch eine hohe Sparrate der Bevölkerung und das enorme Potenzial von 1,4 Milliarden Kunden attraktive langfristige Geschäftschancen.
- Citation du texte
- stud. phil. I Matthias Jud (Auteur), 2006, Die chinesische Bankenreform, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112326