Die Arbeit beschäftigt sich mit den Motivationen für die Teilnahme an sozialen Netzwerken, vor allem am Beispiel Instagram, und den aus der Benutzung resultierenden Emotionen sowie dem damit verbundenen Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen.
Die zunehmende Verbreitung und starke Breitenwirkung, besonders bei Jugendlichen, bedeuten auch neue gesellschaftspolitische, soziale und psychologische Herausforderungen im Umgang mit den verhältnismäßig jungen Plattformen. Denn auch wenn die "highly visual social media" (HVSM), neben anderen Vorzügen, eine Chance sind, die Machtstrukturen der Medienbranche zu demokratisieren, indem sie die Kontrolle über Produktion und Veröffentlichung in die Hände der Nutzer:innen legen, so scheint die gewonnene Kontrolle in verschiedener Hinsicht ihren Preis zu haben. Und es ist noch nicht klar, wer diesen Preis in erster Linie bezahlt.
So kam ein 2017 veröffentlichter Bericht der britischen RSPH zu dem Ergebnis, dass Instagram das soziale Netzwerk ist, das sich am negativsten auf die psychische Gesundheit seiner Nutzer:innen auswirkt. Unter den 14 abgefragten Dimensionen fanden sich unter anderem Auswirkungen auf Ängstlichkeit, Depression, Einsamkeit, Schlaf und die Selbstwahrnehmung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Soziale Netzwerke vs. Social Media
2.2 Verbreitung und Bedeutung von Instagram
2.3 Anschlussmotivation
3 Motive für die Nutzung von Instagram
4 Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen – #werbung
5 Prinzipien der Beeinflussung
5.1 Reciprocity (Reziprozität)
5.2 Commitment and Consistency (Bindung und Konsistenz)
5.3 Social Proof (Soziale Bewährtheit)
5.4 Liking (Sympathie)
5.5 Authority (Autorität)
5.6 Scarcity (Knappheit)
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen Motive für die Nutzung sozialer Netzwerke, insbesondere Instagram, und analysiert den daraus resultierenden Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen und Konsumverhalten.
- Psychologische Grundlagen der Anschlussmotivation
- Digitale Selbstinszenierung und soziale Netzwerke
- Mechanismen der Beeinflussung durch Influencer-Marketing
- Verbindung von Neurowissenschaft und Social-Media-Nutzung
- Ökonomische Dynamiken des Prosumer-Verhaltens
Auszug aus dem Buch
3 Motive für die Nutzung von Instagram
Eine ausgeprägte Anschlussmotivation kann die Frage beantworten was eine Person sich wünscht. Die Motivation allein erklärt aber noch nicht wie jemand das Motiv aus- agiert. So könnte man annehmen, dass besonders Menschen mit geringer Extraversi- on dazu neigen Kontakt zu anderen gerne online zu suchen, wo Schüchternheit und das eigene Auftreten leichter kontrollierbar sind (Heckhausen und Heckhausen, 2018, S. 56). Und tatsächlich zeigen erste Studien einen Zusammenhang von Introversion und der stärkeren Tendenz soziale Online-Netzwerke zu nutzen (Zia und Malik, 2019).
Dar Meshi, Neurowissenschaftler an der Universität Michigan State untersuchte wäh- rend seiner Arbeit an der Freien Universität Berlin Menschen in einem MRT, während sie Facebook benutzten (Meshi, Morawetz und Heekeren, 2013). In der Folge formu- lierten die Forscher 5 grundlegende Verhaltensweisen und versuchten die assoziierten neuronalen Systeme zuzuordnen (Meshi, Tamir und Heekeren, 2015). Die postulierten Motivationen sind (1) das Teilen von Inhalten (2) das Erhalten von Feedback (3) die Beobachtung von Inhalten anderer (4) das Teilen von Inhalten und (5) den Vergleich mit anderen.
Besondere Aufmerksamkeit kam bei der Untersuchung dem Nucleus accumbens zu einer Struktur im Zentrum des Gehirns, die mit der Verarbeitung von Belohnungen etwa in der Form von Nahrungsaufnahme, Geld, Sex und Reputationsgewinn assoziiert ist („FU Berlin“, 2013). Dabei konnte unter anderem gezeigt werden, dass positives Feedback zur eigenen Person den Nucleus accumbens stärker aktivierte, als die, zum Vergleich genutzte, positive Einschätzung einer anderen Person. Je stärker die Akti- vierung bei der eigenen Person und je weniger die Reaktion bei der anderen Person war, desto eher nutzte die Versuchsperson Facebook (Meshi et al., 2013). Daraus ließe sich vorsichtig schließen, dass es neben einer Prädisposition auf Ebene der Persönlichkeit (etwa erhöhtem Narzissmus oder umgekehrt Introvertiertheit) (Zia und Malik, 2019) auch neurologische Voraussetzungen im Belohnungssystem gibt, die eine Tendenz zu intensiver Social-Media-Nutzung begünstigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz sozialer Netzwerke ein und beleuchtet die psychologischen sowie gesellschaftlichen Herausforderungen der digitalen Vernetzung.
2 Grundlagen: Hier werden Definitionen zu sozialen Netzwerken sowie die Verbreitung und Bedeutung von Instagram unter Berücksichtigung der menschlichen Anschlussmotivation erläutert.
3 Motive für die Nutzung von Instagram: Das Kapitel untersucht die psychologischen Beweggründe für die Nutzung der Plattform, inklusive neurologischer Korrelate im menschlichen Belohnungssystem.
4 Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen – #werbung: Hier wird die enorme Marktmacht und Dynamik von Social Media auf Konsumentscheidungen am Beispiel viraler Effekte analysiert.
5 Prinzipien der Beeinflussung: Dieses Kapitel stellt die sechs zentralen Einflussfaktoren nach Cialdini vor und überträgt diese auf die Praxis des Influencer-Marketings.
6 Fazit: Das Fazit resümiert die Auswirkungen der Social-Media-Nutzung auf das Wohlbefinden und betont die Notwendigkeit von Medienkompetenz in der Zukunft.
Schlüsselwörter
Instagram, Soziale Netzwerke, Anschlussmotivation, Social-Media-Marketing, Influencer, Reziprozität, Bindung, Konsistenz, Soziale Bewährtheit, Sympathie, Autorität, Knappheit, Belohnungssystem, Konsumverhalten, Medienkompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den psychologischen Hintergründen der Social-Media-Nutzung, insbesondere von Instagram, und wie diese die wirtschaftlichen Kaufentscheidungen der Nutzer beeinflussen.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die zentralen Themen sind die menschliche Anschlussmotivation, die Mechanismen der Beeinflussung (nach Cialdini) und der Einfluss von Influencern auf den modernen Konsum.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Motivationen für die Teilnahme an sozialen Netzwerken und den daraus resultierenden Einfluss auf Emotionen und wirtschaftliche Entscheidungen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse, die psychologische Theorien, neurowissenschaftliche Studien und aktuelle Medienberichte zusammenführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden psychologische Motive, die Dynamik von #werbung, die Wirksamkeit von Beeinflussungsprinzipien bei Influencern und neurologische Aspekte der Social-Media-Nutzung erläutert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Charakteristische Schlüsselwörter sind Instagram, Anschlussmotivation, Influencer-Marketing, Beeinflussungsprinzipien, Belohnungssystem und Konsumverhalten.
Welche Rolle spielt der Nucleus accumbens bei der Social-Media-Nutzung?
Der Nucleus accumbens, ein Belohnungszentrum im Gehirn, reagiert besonders stark auf positives Feedback zur eigenen Person, was die Tendenz zu intensiverer Social-Media-Nutzung verstärken kann.
Wie nutzen Influencer das Prinzip der Knappheit für sich?
Influencer setzen künstliche Verknappung ein, etwa durch zeitlich begrenzte Rabattcodes oder exklusive Angebote, um den Drang zum schnellen Kauf bei den Followern zu steigern.
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- Alexander Wörndl (Author), 2021, Motivationen für die Nutzung von sozialen Netzwerken und ihr Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen. Am Beispiel von Instagram, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1127567