Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist Teil eines fortschreitenden Strukturwandels. Seit Mitte der 1970er Jahre steht dieser unter stetigem Anpassungsdruck, sodass die Forderungen nach neuen Rahmenbedingungen für veränderte Arbeitsverhältnisse wiederkehrend in beschäftigungspolitischen Debatten gefordert werden. Als Antwort sowie Deregulierungsmaßnahme folgte Mitte der 1980er Jahre das Beschäftigungsförderungsgesetz, welches eine Erleichterung der befristeten Beschäftigung vorsah. Der Diskussion um die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes folgend,
wurden im Jahr 2001 die Teilzeit- und Befristungsgesetze und im Jahr 2003 die sogenannten Hartz-Gesetze erlassen. Die dadurch entstandene Ausweitung der Teilzeitarbeit und die rechtliche Lockerung für unterschiedliche Beschäftigungsformen, ließ den Anteil von atypischen und prekären Beschäftigungen ansteigen. Besonders durch die Expansion dieser Form von Beschäftigungsverhältnissen wird der Arbeitsmarkt mit neuen Problemen konfrontiert. Als
Hauptleidtragende wird dabei der Standard und damit das Normalarbeitsverhältnis (NAV) angesehen. Durch die Anpassungen des Erwerbslebens tritt das NAV zunehmend in den Hintergrund und lässt den Normalitätsgehalt von Beschäftigungsverhältnissen auf dem Arbeitsmarkt schwinden.
Ziel dieser Ausarbeitung ist demnach die Klärung der Frage, ob das NAV durch die Ausweitung atypischer und prekärer Beschäftigungsverhältnisse erodiert und ob weitere Faktoren zur Erklärung des arbeitsmarktpolitischen Strukturwandels herangezogen werden können. Um die inhaltlich relevanten Begrifflichkeiten voneinander abgrenzen zu können, werden zunächst das NAV und die atypische sowie prekäre Beschäftigung definiert. Dabei werden die Ergebnisse des Mikrozensus herangezogen, um den Diskussionsgehalt mit statistischen Daten stützen zu können.
Im Anschluss wird der Fokus auf die Verschiebung des Arbeitsmarktes gelegt, indem zunächst die Entwicklung und das Ausmaß atypischer Beschäftigungen skizziert wird. Darauffolgend widmet sich die Arbeit der Hauptthese der Erosion des NAVs und führt verschiedene Erklärungsansätze an. Die Zusammenführung zuvor gewonnener Erkenntnisse
und ein Ausblick im Kontext der Vereinbarkeit von Flexibilität und sozialer Sicherung schließen die Ausarbeitung ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmungen
2.1 Das Normalarbeitsverhältnis
2.2 Atypische und prekäre Beschäftigung
3 Die strukturelle Verschiebung des Arbeitsmarktes
3.1 Entwicklung und Ausmaß atypischer Beschäftigung
3.2 Die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses
4 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob das Normalarbeitsverhältnis (NAV) durch die Zunahme atypischer und prekärer Beschäftigungsverhältnisse erodiert ist und welche weiteren Faktoren diesen arbeitsmarktpolitischen Strukturwandel in Deutschland beeinflussen.
- Definition und Abgrenzung des Normalarbeitsverhältnisses
- Analyse atypischer und prekärer Beschäftigungsformen
- Statistische Auswertung der Arbeitsmarktentwicklung seit den 1990er Jahren
- Einfluss sozio-kultureller Veränderungen und des wirtschaftlichen Strukturwandels
- Diskussion von Flexibilität und sozialer Sicherung im modernen Arbeitskontext
Auszug aus dem Buch
3.1 Entwicklung und Ausmaß atypischer Beschäftigung
Der Anteil atypischer Beschäftigungsverhältnisse ist seit den frühen 1990er Jahren bis dato stark angestiegen. Von dieser Entwicklung sind insbesondere junge Menschen, Frauen, Alleinerziehende und Geringqualifizierte betroffen. Während der Anteil atypischer Beschäftigte im Jahr 1991 circa 13 % aller Kernerwerbstätigen betrug, wuchs dieser im Jahr 2017 auf ein Niveau von 20 %. Allerdings bleibt der Anstieg ab dem Jahre 2013 konstant auf diesem Prozentsatz. Die einzelnen Formen atypischer Beschäftigung, wie Teilzeitarbeit, befristete Beschäftigungen, geringfügige Beschäftigungen und Zeitarbeit, weisen jedoch unterschiedliche Entwicklungen und Dynamiken auf.
Die am weitesten verbreitete Form atypischer Beschäftigung, stellt die Teilzeitarbeit dar. Seit dem Jahr 1991 hat sich dieser Anteil von 2,6 Mio. auf 4,8 Mio. Beschäftigte nahezu verdoppelt. Im Jahr 2007 erreichte die Teilzeitarbeit mit 14,4 % aller Kernerwerbstätigen ihren Höchststand, welcher im Jahr 2017 allerdings auf 12,9 % abfällt. Besonders die Charakteristika der Zeit- und Kostenersparnis der Teilzeitarbeit stehen für die Expansion dieser Erwerbsform. Dazu können Vorzüge aus den gezahlten Lohnkosten für Arbeitgeber attraktiv wirken. Sowohl die im Vergleich zu dem NAV geringen Bruttolöhne als auch nicht gezahlte Leistungen, wie das Urlaubsgeld, stellen Kosteneinsparungsmöglichkeiten dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in den Strukturwandel des deutschen Arbeitsmarktes ein und erläutert das Ziel der Arbeit, die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses kritisch zu hinterfragen.
2 Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe des Normalarbeitsverhältnisses sowie atypischer und prekärer Beschäftigung, um eine Grundlage für die weitere Analyse zu schaffen.
3 Die strukturelle Verschiebung des Arbeitsmarktes: Hier wird die empirische Entwicklung atypischer Beschäftigung analysiert und die These der Erosion des Normalarbeitsverhältnisses vor dem Hintergrund sozio-kultureller und wirtschaftlicher Faktoren diskutiert.
4 Schlusswort: Das Schlusswort fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass zwar eine Erosion des NAV stattgefunden hat, diese jedoch durch eine komplexe Mischung aus strukturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen bedingt ist.
Schlüsselwörter
Normalarbeitsverhältnis, Atypische Beschäftigung, Prekäre Beschäftigung, Arbeitsmarkt, Erosion, Strukturwandel, Teilzeitarbeit, Zeitarbeit, Mikrozensus, Tertiarisierung, Sozialversicherung, Erwerbsbiografien, Flexicurity, Arbeitsmarktpolitik, Erwerbstätigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den strukturellen Wandel des deutschen Arbeitsmarktes, insbesondere den Rückgang des klassischen Normalarbeitsverhältnisses zugunsten atypischer und prekärer Beschäftigungsformen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die Definition von Arbeitsformen, die statistische Entwicklung des Arbeitsmarktes seit den 1990er Jahren und die sozio-kulturellen Ursachen der Erosion des Normalarbeitsverhältnisses.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist zu klären, ob das Normalarbeitsverhältnis durch die Ausweitung atypischer und prekärer Beschäftigung tatsächlich erodiert und ob weitere Faktoren diesen Wandel erklären können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung statistischer Daten des Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Fundierung und eine detaillierte Analyse der strukturellen Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt, inklusive der Untersuchung spezifischer Beschäftigungsformen wie Teilzeit und Zeitarbeit.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Normalarbeitsverhältnis, Atypische Beschäftigung, Prekarität, Strukturwandel und Erwerbsbiografien.
Welchen Einfluss hat die sogenannte Tertiarisierung auf den Arbeitsmarkt?
Die Tertiarisierung beschreibt den Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft, der eine Umstrukturierung der Anforderungen an Erwerbspersonen erzwingt und die Abkehr vom klassischen Normalarbeitsverhältnis verstärkt.
Warum wird trotz Erosion des NAV ein Anstieg der Kernerwerbstätigen beobachtet?
Der Anstieg der Kernerwerbstätigen wird unter anderem durch Zuwanderung und den Eintritt geburtenstarker Jahrgänge in den Arbeitsmarkt erklärt, was trotz des Trends zu atypischer Arbeit für hohe Beschäftigungszahlen sorgt.
- Citation du texte
- Ayleen Seitz (Auteur), 2019, Erosion des Normalarbeitsverhältnisses? Atypische und prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1127735