Diese Arbeit untersucht die Frage, inwiefern Lombrosos 'donna' beziehungsweise seine 'donna delinquente' keine innovative Errungenschaft seiner Forschung darstellt, sondern nur aus einer Zusammensetzung von wissenschaftlichem Populismus und zeitgenössischen Stereotypen besteht. Hierzu ist es nötig Lombrosos Frauenbild zu dekonstruieren und anhand prägnanter Quellenausschnitte relevante Eckpfeiler dieser These aufzuzeigen. Als Hauptquelle wird somit natürlich "Das Weib als Verbrecherin und Prostituierte" dienen, während jedoch Exkurse zu Lombrosos zeitgenössischen Kollegen wie Tarnowski und Näckel oder Freud und prägenden Phänomenen wie der Ausstellung Saartje Baartmanns unternommen werden. Anhand von Sekundärliteratur wie von Mariacarla Gandebusch Bondio, Sabine Ritter oder Sander Gilman wird die aktuelle Forschungslage zum Frauenbild des ausklingenden 19. Jahrhunderts eingebracht.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. LOMBROSOS „DONNA DELINQUENTE“ ALS SPIEGEL DES FRAUENBILDS DES AUSGEHENDEN 19. JAHRHUNDERTS
2.1. LOMBROSO ALS FORSCHER SEINER ZEIT
2.2. DER WEIßE MANN – DIE WEIßE FRAU
2.3. ZWISCHEN RASSISMUS UND SEXUALITÄT – DIE „DONNA DELINQUENTE“
3. FAZIT
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das Frauenbild von Cesare Lombroso im ausgehenden 19. Jahrhundert und analysiert, inwieweit sein Werk „Das Weib als Verbrecherin und Prostituierte“ eine innovative wissenschaftliche Errungenschaft darstellt oder lediglich auf zeitgenössischen rassistischen und sexistischen Stereotypen basiert.
- Dekonstruktion des Lombroso'schen Frauenbildes
- Einfluss von Evolutionstheorie und Rassismus auf die Kriminologie
- Die Rolle der „normalen Frau“ als Vergleichsfolie für weibliche Devianz
- Die Prostituierte als kriminologische „Schlüssel der Verderbnis“
- Interdependenz von Sexualität, Pathologisierung und gesellschaftlicher Normbildung
Auszug aus dem Buch
2.2. Der weiße Mann – die Weiße Frau
Der erste Teil Lombrosos Werk zur kriminellen Frau beschäftigt sich mit dem „normalen Weib“23. Dieses wird ausführlich charakterisiert um die Devianz dieser, also die Kriminelle Frau, definierbar zu machen. Allein durch den Umstand, dass in seinem Werk erklärt werden soll warum geborene kriminelle Frauen wesentlich seltener auftauchen als Männer, ist die Einschätzung der Natur der Frau als eine Abweichung vom Mann für ihn unausweichlich. Mit seiner Hauptthese, der Inferiorität der Frau gegenüber dem Mann, findet sich die Frau in seinem schon in vorherigen Werken aufgestellten Entwicklungsstufenschema nach den primitiven Völkern und neben dem weißen Kind wieder.24 Während der weiße Mann als Repräsentant der Kultur dargestellt wird, haftet dem ‚normalen Weib’ etwas gattungsmäßig naturhaft mythisches an und ist somit zutiefst geschlechtsgebunden.25 Die negativ implizierte „Andersheit“26 der Frau, macht Sabine Ritter als Leitfaden in Lombrosos Argumentation aus.
Diese Andersheit wird erzeugt durch die Präsentation von ‚Eigenschaften der Frau’. Die Frau als negativen Gegensatz dem Mann gegenüberzustellen, ist jedoch keine Erfindung Lombrosos Epoche, sondern findet sich beispielweise schon in der Antike mit der Frau als zeugungsunfähigem Mann wieder. Aristoteles stellte beispielsweise fest, dass die Frau kälter sei als der Mann, wenn Wärme für Feuer, Kraft und Leben steht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in das Werk von Lombroso ein, stellt die Forschungsfrage nach dem Ursprung seines Frauenbildes und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie die Bedeutung der Sekundärliteratur.
2. LOMBROSOS „DONNA DELINQUENTE“ ALS SPIEGEL DES FRAUENBILDS DES AUSGEHENDEN 19. JAHRHUNDERTS: Dieses Hauptkapitel analysiert Lombrosos theoretische Grundlagen, seine Konstruktion der „normalen Frau“ im Vergleich zum Mann und die Verknüpfung von Rassismus und Sexualität bei der Definition der „Donna delinquente“.
2.1. LOMBROSO ALS FORSCHER SEINER ZEIT: Der Abschnitt beleuchtet Lombrosos biographische und akademische Prägung durch Positivismus und Evolutionismus sowie das gesellschaftliche Klima des 19. Jahrhunderts.
2.2. DER WEIßE MANN – DIE WEIßE FRAU: Hier wird die fundamentale These der weiblichen Inferiorität und die Definition der Frau als „unvollkommener Mann“ sowie ihre Rolle als Mutter kritisch hinterfragt.
2.3. ZWISCHEN RASSISMUS UND SEXUALITÄT – DIE „DONNA DELINQUENTE“: Dieses Kapitel zeigt auf, wie Lombroso die Kriminalität der Frau durch atavistische Merkmale und rassistisch konnotierte Vergleiche, etwa mit Saartje Baartmann, zu erklären versuchte.
3. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass Lombrosos Werk eher ein Spiegel zeitgenössischer Vorurteile und gesellschaftlicher Sollensvorstellungen ist als eine objektive wissenschaftliche Entdeckung.
Schlüsselwörter
Cesare Lombroso, Kriminologie, Donna delinquente, Weibliche Devianz, Rassismus, Sexualität, Evolutionstheorie, Prostitution, Frauenbild, Positivismus, Anthropologie, Geschlechterrollen, Saartje Baartmann, Atavismus, Sozialhygiene
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert kritisch das Werk „Das Weib als Verbrecherin und Prostituierte“ von Cesare Lombroso und untersucht, wie dieses Werk das Frauenbild des 19. Jahrhunderts beeinflusste.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Kriminalanthropologie des 19. Jahrhunderts, die biologische Naturalisierung von Geschlechterrollen und die Verschränkung von rassistischen und sexistischen Denkmustern in der Wissenschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu belegen, dass Lombrosos „Donna delinquente“ keine wissenschaftlich innovative Errungenschaft darstellt, sondern eine Zusammenstellung populärwissenschaftlicher Stereotypen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine dekonstruktive Quellenanalyse des Originalwerkes von Lombroso und Ferrero, ergänzt durch einen Diskursvergleich mit zeitgenössischen Kollegen und aktueller Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil behandelt Lombrosos theoretische Einflüsse, die explizite Herleitung der weiblichen Minderwertigkeit und die pathologisierende Verknüpfung von Sexualität und Rassismus bei der Definition abweichenden Verhaltens.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Die Analyse wird besonders durch Begriffe wie Atavismus, soziale Kontrolle, viktorianisches Frauenbild, Pathologisierung und gesellschaftlicher Sozialkörper charakterisiert.
Wie bewertet die Arbeit Lombrosos These der „geborenen Verbrecherin“?
Die Arbeit ordnet diese These als eine Übertragung männlicher Kriminalitätstheorien ein, die durch zeitgenössische Vorurteile und eine ideologische Ablehnung der Emanzipation geprägt war.
Welche Bedeutung kommt dem Beispiel der „Hottentottenvenus“ in der Arbeit zu?
Das Beispiel verdeutlicht, wie rassistische Stereotype und die anatomische Untersuchung „anderer“ Völker dazu genutzt wurden, ein pathologisches und sexualisiertes Bild der kriminellen Frau zu konstruieren.
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- Anton Drutschmann (Autor), 2017, Lombrosos "Donna delinquente". Die europäische Frau und ihre Devianz im ausgehenden 19. Jahrhundert, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1128232