Die Arbeit soll die theoretischen Aspekte des Themas häusliche Gewalt wie die Definitionen, Formen und Häufigkeiten darlegen. Darüber hinaus werden Situationen aus einer gewaltgeprägten Lebenswelt der Kinder beschrieben sowie die konkreten Auswirkungen aufgezeigt, die sich bei Kindern durch ein Miterleben von häuslicher Gewalt manifestieren können. Ziel ist es, Interventionsmöglichkeiten für die Kinder vorzustellen, die für die Verarbeitung der Gewalterfahrung sowie deren weitere Entwicklung elementar sind. Im Rahmen der Interventionsmöglichkeiten der Erwachsenen müssen ebenfalls die Kinder berücksichtigt werden. Darauf aufbauend soll der begleitete Umgang als Maßnahme der Kinder- und Jugendhilfe in Folge einer Trennung der Eltern hinsichtlich des Gewaltkontextes erläutert werden. Dabei werden verschiedene Phasen des begleiteten Umgangs aufgezeigt. Aus diesen übergeordneten Zielen werden folgende drei Leitfragen abgeleitet:
Wie wirkt sich das Miterleben häuslicher Gewalt auf die Kinder aus?
Welche Interventionsmöglichkeiten gibt es bei häuslicher Gewalt im Hinblick auf die Kinder?
Wie kann der begleitete Umgang zwischen den Kindern und den Eltern gestaltet werden?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2 Häusliche Gewalt
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Formen
2.3 Häufigkeit
3 Kinder als Mitbetroffene häuslicher Gewalt
3.1 Miterleben häuslicher Gewalt
3.2 Auswirkungen auf die Kinder
4 Interventionsmöglichkeiten bei häuslicher Gewalt
4.1 Interventionsmöglichkeiten für die Kinder
4.1.1 Kinder- und Jugendberatung in Mecklenburg-Vorpommern
4.1.2 Projekt „Känguru“ in Niedersachen
4.1.3 Vergleich der Projekte
4.2 Interventionsmöglichkeiten für die betroffenen Mütter
4.2.1 Interventionsstellen
4.2.2 Frauenhaus
4.3 Interventionsmöglichkeiten für die Täter
4.3.1 Caring Dads Programm
4.3.2 Fathering After Violence Modul
5 Gestaltung eines begleiteten Umgangs mit dem Kind und den Eltern
5.1 Gesetzliche Grundlage des Umgangsrechts und des begleiteten Umgangs
5.2 Begleiteter Umgang in Folge häuslicher Gewalt
5.3 Bedürfnisse des Kindes
5.4 Durchführung des begleiteten Umgangs
6 Diskussion und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen häuslicher Gewalt auf Kinder sowie Möglichkeiten der Intervention und die Gestaltung des begleiteten Umgangs nach einer elterlichen Trennung, um die kindliche Entwicklung in diesem belasteten Kontext zu fördern.
- Theoretische Grundlagen und Definitionen häuslicher Gewalt
- Psychosoziale Auswirkungen und Belastungssituationen für Kinder
- Modellprojekte zur Unterstützung von betroffenen Kindern und Müttern
- Täterorientierte Programme zur Verhaltensänderung
- Rahmenbedingungen und Durchführung des begleiteten Umgangs zum Kindesschutz
Auszug aus dem Buch
3.1 Miterleben häuslicher Gewalt
Gelles zufolge liegt das Miterleben von Gewalt „im Schnittpunkt zwischen Kindesmisshandlung und -vernachlässigung und häuslicher Gewalt.“ (Gelles 2002, S. 1058).
Die Mehrzahl der gewaltbetroffenen Frauen hat Kinder, welche wiederholt körperliche und seelische Gewalthandlungen gegen ihre Mutter miterleben müssen (vgl. Schröttle und Müller 2004, S. 277). Häufig gehen Eltern davon aus, dass ihre Kinder von alldem, was zu Hause passiert, nichts mitbekommen, weil es in der Nacht, wenn die Kinder schlafen, oder hinter verschlossenen Türen geschieht (vgl. Dlugosch 2010, S. 38). Doch in Wirklichkeit nehmen die Kinder viel mehr wahr, als ihre Eltern denken (vgl. Schäfer-Hohmann 2009, S. 77–78). Sie werden häufig Zeuge, Opfer oder Beteiligte von häuslicher Gewalt (vgl. Dlugosch 2010, S. 37). Dabei erfahren die Kinder die Gewalt auf verschiedenen Sinnesebenen. Sie sehen, wie der Vater die Mutter schlägt, sie hören die Streitigkeiten ihrer Eltern, bemerken wie sich die Mutter gegenüber dem Vater unterordnet, spüren die Wut des Vaters, die eigene Angst, die Angst der Mutter sowie ihrer Geschwister und sehen bei ihrer Mutter die körperlichen Folgen wie Hämatome oder Wunden. Nach der Gewalttat erleben die Kinder die Reaktionen der Mutter wie beispielsweise Handlungsunfähigkeit und Angst und bleiben mit der verletzten Mutter zurück, während der Vater in der Regel das Haus verlässt. Gleichzeitig bekommen die Kinder mit, wie ihre Mutter den Gewaltakt verheimlicht und der Nachbarin erzählt, sie sei auf der Treppe ausgerutscht (vgl. Heynen 2003, S. 6). Außerdem können die Kinder selbst mit in die Konfliktsituation geraten und Opfer der Gewalttaten des Vaters werden. Ältere Kinder versuchen in den Gewaltsituationen ihre Mutter zu schützen, indem sie sich zwischen beide Elternteile stellen (vgl. Schäfer-Hohmann 2009, S. 78).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der häuslichen Gewalt und deren Auswirkungen auf Kinder ein und definiert die zentrale Zielsetzung sowie die drei Leitfragen der Arbeit.
2 Häusliche Gewalt: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Definitionsansätze, Formen und die Häufigkeit häuslicher Gewalt, um eine fundierte Basis für die Arbeit zu schaffen.
3 Kinder als Mitbetroffene häuslicher Gewalt: Es wird das Erleben von Gewalt aus kindlicher Perspektive beschrieben und die vielfältigen, langfristigen Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder aufgezeigt.
4 Interventionsmöglichkeiten bei häuslicher Gewalt: Dieses Kapitel stellt spezifische Beratungs- und Unterstützungskonzepte für betroffene Kinder, Mütter und Täter vor, wobei der Fokus auf niedrigschwelligen Hilfen liegt.
5 Gestaltung eines begleiteten Umgangs mit dem Kind und den Eltern: Hier werden die rechtlichen Rahmenbedingungen und das methodische Vorgehen für einen begleiteten Umgang im Kontext häuslicher Gewalt dargelegt.
6 Diskussion und Ausblick: Das Fazit beantwortet die eingangs aufgeworfenen Leitfragen und gibt einen Ausblick auf notwendige gesellschaftliche und fachliche Entwicklungen im Bereich des Kinderschutzes.
Schlüsselwörter
Häusliche Gewalt, Kindeswohl, Miterleben von Gewalt, Kinder- und Jugendberatung, Intervention, Begleiteter Umgang, Frauenhaus, Täterarbeit, Caring Dads, Erziehungsverantwortung, Traumatisierung, Schutzstrategien, Kinderschutz, Elternverantwortung, Familienrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen häuslicher Gewalt auf mitbetroffene Kinder und untersucht Unterstützungsansätze sowie die Gestaltung des begleiteten Umgangs zum Schutz der betroffenen Kinder.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Miterleben von Gewalt, die psychosoziale Belastung von Kindern, Interventionsmöglichkeiten für Kinder, Mütter und Väter sowie die rechtliche und fachliche Gestaltung begleiteter Besuchskontakte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kinder, die häusliche Gewalt miterleben, unterstützt werden können und wie im Fall einer elterlichen Trennung der Umgang so gestaltet werden kann, dass er nicht zu weiteren Beeinträchtigungen führt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf Basis aktueller Studien, Fachliteratur und Berichten aus Modellprojekten die Interventionsmöglichkeiten und deren Wirksamkeit zusammenfassend darstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Aspekte häuslicher Gewalt, die kindliche Betroffenheit, die Vorstellung verschiedener Hilfsprojekte für Kinder, Mütter und Täter sowie das Phasenmodell des begleiteten Umgangs.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kindeswohl, häusliche Gewalt, Interventionsmöglichkeiten, begleiteter Umgang, Täterarbeit und Schutzstrategien für Kinder.
Warum ist die Arbeit mit den Vätern in diesem Kontext so wichtig?
Die Arbeit mit den Vätern zielt darauf ab, den Gewaltkreislauf zu durchbrechen und die Väter zur Übernahme väterlicher Verantwortung zu bewegen, um eine künftige Gefährdung des Kindes zu minimieren.
Welche Rolle spielt die Trennung der Eltern für das Kindeswohl?
Nach einer Trennung steht das Kind oft in einem Loyalitätskonflikt; der begleitete Umgang soll in dieser Phase Schutz bieten, Stress reduzieren und die Sicherheit des Kindes vor erneutem Gewalterleben gewährleisten.
- Citation du texte
- Alina Schweizer (Auteur), 2021, Häusliche Gewalt und die Auswirkungen auf die Kinder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1128920