Diese Hausarbeit fragt danach, welche Fehler es im Denken gibt, die dafür sorgen, dass Alltagsrassismus auftritt und von den Ausübenden oftmals nicht als solcher erkannt wird. Zunächst wird hierfür der notwendige theoretische Hintergrund erläutert, indem Rassismus definiert wird. Ebenso wird aufgezeigt, wie Rassismus verschiedenen Ansätzen nach aufgebaut ist, um dann die laut Terkessidis “banale Form“ von Rassismus, den Alltagsrassismus, und seinen Aufbau vorzustellen. Anschließend wird das Denken nach Kahneman vorgestellt, um anhand von dem Beispiel Alltagsrassismus nach Terkessidis genauer zu untersuchen, wie die verschiedenen Aspekte von Alltagsrassismus im Denken zustande kommen. Abschließend wird kurz angerissen, wie das Thema Rassismus im Bildungsplan verortet ist.
„Wir sind alle Rassisten – aber das können wir ändern!“ Der von Andrea Dernbach verfasste Kommentar im Tagesspiegel setzt sich mit der Frage auseinander, wieviel Rassist in einem jedem Menschen steckt und welche Maßnahmen bei jedem Einzelnen notwendig sind, um aktiv und möglich ist effektiv gegen Rassismus vorzugehen. Während sie in ihrem Kommentar dafür plädiert, über die eigene Weltsicht nachzudenken und zu versuchen, alle Stereotype aus dem eigenen Denken zu verbannen, argumentieren manche Leser in den Kommentaren gegen ihre Ansicht. So argumentiert ein Leser damit, dass Asiaten bei Noten und Abschlüssen weit vorne dabei sind, während türkische SchülerInnen hingegen eher weder bildungsaffin noch strebsam sind. Wenn etwa Eltern demnach beschließen, ihr eigenes Kind lieber auf eine Schule mit Asiaten zu schicken – um eine bessere Lernumgebung zu schaffen – so handelt es sich dem Kommentar nach um ein „vernünftiges Handeln auf Basis von Fakten[.]“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rassismus
2.1 Die unterschiedlichen Formen von Rassismus
2.2 Alltagsrassismus nach Terkessidis
3. Schnelles Denken, langsames Denken
3.1 System 1 und 2
4. Alltagsrassismus und Denkfehler
5. Verankerung im Bildungsplan
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen Mechanismen des Alltagsrassismus, insbesondere wie Denkfehler und kognitive Verzerrungen die Entstehung und Aufrechterhaltung rassistischer Stereotype im Alltag fördern.
- Analyse theoretischer Rassismus-Konzepte nach Terkessidis
- Anwendung der System-1- und System-2-Theorie von Daniel Kahneman
- Untersuchung von Denkfehlern bei Alltagsrassismus
- Pädagogische Relevanz und Verankerung im Bildungsplan Ethik
Auszug aus dem Buch
Die unterschiedlichen Formen von Rassismus
Rassismus ist „die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher und fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden des Opfers.“ Diese Unterschiede werden dann als Begründung für Privilegien gegenüber der eigenen Gruppe und Benachteiligungen gegenüber vermeintlich Andersartigen genutzt.
Dabei ist Rassismus ein Konstrukt, bei dem die Objekte, auf den der Rassismus sich bezieht, „mittels sozialer Differenzierungsprozesse konstruiert“ werden und oftmals Aggressionen ausgesetzt sind:
Es gibt verschiedene Theorien, wie die Differenzierungsmarkierungen für das Schaffen von Andersartigen überhaupt entstehen. Robert Miles geht von der Annahme aus, dass das Andersartige geschaffen wird, indem auf zwei verschiedenen Ebenen biologischen Unterschieden zwischen Menschen unterschiedliche soziale Bedeutungen zugeschrieben werden. Zunächst werden allgemeine physische Merkmale gesammelt, um diese dann anschließend Hinblick darauf, welche verwendet werden können um angenommene Unterschiede zwischen den Personen zu legitimieren, auszuwählen.
Wulf D. Hund hingegen ist der Ansicht, dass Rassismus kulturelle Argumentationslinien verwendet, „um bestimmte soziale Gruppen zu minderwertigen Anderen zu machen und sie gesellschaftlich auszugrenzen.“ Der Differenzierungsmarker erfolgt laut Hund indem Andersartigen die Vollwertigkeit ihrer eigenen Kultur abgeschrieben wird. Zusätzlich zu dieser Minderwertigkeitszuschreibung werden anschließend physiologische Merkmale genutzt, um die Zugehörigkeit zu der Kultur sichtbar zu machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Alltagsrassismus ein und skizziert die wissenschaftliche Herangehensweise anhand von Denkfehlern und psychologischen Studien.
2. Rassismus: Dieses Kapitel erläutert verschiedene theoretische Ansätze zur Entstehung von Rassismus und definiert diesen als soziales Konstrukt zur Ausgrenzung.
3. Schnelles Denken, langsames Denken: Hier wird das Modell von Daniel Kahneman vorgestellt, welches die menschlichen Denkprozesse in das automatische "System 1" und das kontrollierte "System 2" unterteilt.
4. Alltagsrassismus und Denkfehler: In diesem Kapitel werden konkrete Mechanismen wie Entfremdung und Verweisung mit den psychologischen Denkfehlern in Verbindung gebracht.
5. Verankerung im Bildungsplan: Das Kapitel untersucht, wie das Thema Rassismus im Ethikunterricht der Sekundarstufe in den Lehrplan integriert werden kann.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit bewusster Reflexion zur Überwindung rassistischer Denkstrukturen.
Schlüsselwörter
Alltagsrassismus, Rassismus, System 1, System 2, Daniel Kahneman, Mark Terkessidis, Denkfehler, Kognitive Verzerrung, Bildungsplan, Ethikunterricht, Differenzierung, Diskriminierung, Stereotype, Identität, Vorurteile
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der psychologischen Basis von Alltagsrassismus und der Frage, warum Menschen rassistische Muster in ihrem Denken entwickeln und beibehalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Rassismustheorie nach Mark Terkessidis, die Kognitionspsychologie von Daniel Kahneman sowie die praktische Umsetzung dieser Themen im Ethikunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die kognitiven Ursachen (Denkfehler) hinter dem Alltagsrassismus aufzudecken, um durch bewusste Reflexion eine Distanzierung von diesen Mustern zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der soziologische Rassismuskonzepte mit psychologischen Erkenntnissen über Denkprozesse verknüpft werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie das "schnelle Denken" (System 1) zu unreflektierten Stereotypen führt und wie diese Prozesse durch gezielte Bildungsarbeit im schulischen Kontext reflektiert werden können.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Alltagsrassismus, kognitive Verzerrung, System 1, System 2, Stereotype und pädagogische Reflexion.
Welche Rolle spielt das "System 1" nach Kahneman bei rassistischem Denken?
System 1 arbeitet automatisch und schnell; es greift bei unklaren Situationen auf vorhandene Assoziationen und Vorurteile zurück, was oft zu rassistischen Fehlschlüssen führt.
Warum ist das Thema im Ethikunterricht der Sekundarstufe wichtig?
Es fördert die Identitätsbildung der Schüler und hilft ihnen, die Mechanismen von Ausgrenzung und Vorurteilen zu durchschauen, um ein gerechtes Miteinander zu ermöglichen.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2020, Denkfehler und Alltagsrassismus. Schnelles und langsames Denken, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1130392