„Wir bilden uns ein, dass die Einkommensschwachen und die Einkommensstarken den gleichen Zugang zu Gesundheit und Bildung haben; gleichzeitig aber organisiert der Staat die sozialen Sicherungssysteme so, dass es doch darauf hinausläuft, dass der Privilegierte eine bessere Versorgung bekommt“.
Der Begriff der „Zwei-Klassen-Medizin“ wird häufig von den Medien als politische Provokation oder als Angriff auf die Politik verwendet. Die Bürger, welche für die gegenwärtige Entwicklung des Gesundheitssystems stimmen, leugnen dagegen die Existenz einer „Zwei-Klassen-Medizin“.
Gerade in der heutigen Zeit stellen die beiden Systeme GKV und PKV Diskussionsthemen in der Gesundheitspolitik dar. Ferner ergibt sich die Frage der Entwicklung hin zu einer „Zwei–Klassen-Medizin“ und die bevorstehende Einrichtung eines Gesundheitsfonds in den Krankenkassen. Die folgende Hausarbeit soll helfen, sich ein eigenes Bild über die momentane Situation in der Gesundheitspolitik zu verschaffen und die prekären Fragen nach eigenem Ermessen zu beantworten.
Das Aufgreifen des Begriffs des „deutschen Sozialstaatsmodells“ und der „sozialen Sicherung“ leitet den Übergang zur Darstellung der jeweiligen Systeme GKV und PKV ein. Die vorliegende Hausarbeit mit dem Thema „Ein Vergleich zwischen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der Privaten Krankenversicherung (PKV), unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Sozialstaatsmodells“ befasst sich insbesondere mit der Darstellung beider Versicherungstypen sowie deren Unterschiede im Vergleich.
Beantwortet werden im Verlauf Fragen zu den herrschenden Strukturen und Prinzipien in den Krankenversicherungen sowie zur Auswahl ihrer jeweiligen Mitglieder. Auch eine konkrete Gegenüberstellung erfolgt im Hauptteil dieser Arbeit.
Interessant sind zudem die Auswirkungen auf die kranken Versicherungen durch den demographischen Wandel, sowie in naher Zukunft geplanten Reformen im Gesundheitswesen, die im letzten Abschnitt aufgezeigt werden.
Ziel dieser Arbeit ist es, eine ausführliche Information über die gesetzliche beziehungsweise die private Krankenversicherung zu vermitteln, um sich ein Bild über aktuelle Bewegungen im Gesundheitssystem machen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Eine Ableitung: Vom Sozialstaatsmodell zu Krankenversicherung
3 Krankenversicherungen
3.1 Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
3.2 Die private Krankenversicherung (PKV)
3.3 Ein direkter Vergleich zwischen GKV und PKV
4 Auswirkung des demografischen Wandels auf die GKV und die PKV
5 Anstehende Reformen
5.1 Reformen in der GKV
5.2 Reformen in der PKV
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit vergleicht die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die Private Krankenversicherung (PKV) vor dem Hintergrund des deutschen Sozialstaatsmodells. Ziel ist es, die strukturellen Unterschiede der beiden Versicherungstypen aufzuzeigen, den Einfluss des demografischen Wandels zu analysieren und die Auswirkungen aktueller sowie geplanter Reformen kritisch zu beleuchten.
- Strukturelle Gegenüberstellung von GKV und PKV
- Das deutsche Sozialstaatsmodell als normativer Rahmen
- Einfluss des demografischen Wandels auf beide Versicherungssysteme
- Analyse aktueller gesundheitspolitischer Reformvorhaben
- Diskussion über soziale Gerechtigkeit und das Modell der "Zwei-Klassen-Medizin"
Auszug aus dem Buch
3.3 Ein direkter Vergleich zwischen GKV und PKV
An dieser Stelle trage ich die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale beider Versicherungssysteme zusammen und stelle sie einander unmittelbar gegenüber.
Vorab sei festzustellen, dass der GKV eine gesetzliche Versicherungspflicht zugrunde liegt. Der PKV hingegen treten zu Versichernde freiwillig über einen Mitgliedschaftsvertrag bei.
Die gesetzlich geregelte Verpflichtung zur Versicherung dient dem Schutze der Bevölkerung und zeugt von einem sozialen Staat. So haben alle Bürger in Deutschland die Möglichkeit, sich im Falle einer Krankheit versorgen zu lassen, selbst wenn sie finanziell eigentlich nicht in der Lage dazu wären.
Die GKV ist demnach dazu verpflichtet, jedem die Mitgliedschaft zu gewähren. Dies wird erreicht durch das Solidaritätsprinzip, welches vorrangig der GKV zu Grunde liegt. Jeder gesetzlich Versicherte zahlt einen festen monatlichen Beitrag und bekommt dafür bei Bedarf seine Leistung. Der Beitrag ist vom Arbeitsentgelt abhängig, nicht wie in der PKV individuell vom Versicherungsrisiko, welches durch das Äquivalenzprinzip beschrieben wird.
Auch ist es nicht jedem möglich, sich privat vollversichern zu lassen. Bei Versicherungsbeginn behält sich die PKV vor, eine Überprüfung des Gesundheitszustandes durchzuführen. Bei festgestellten Vorerkrankungen können Leistungsausschlüsse, Risikozuschläge oder Ablehnung der kompletten Versicherung die Folge sein.
Die GKV ist demgegenüber solidarisch organisiert, denn die Wohlhabenden zahlen gewissermaßen für die Einkommensschwächeren mit, beide erhalten bei Bedarf jedoch ähnliche Leistungen. (siehe Abb.3) Wie bereits erwähnt, bekommen die Mitglieder einer GKV für den monatlichen Beitrag ihre Leistungen. Diese werden beispielsweise durch das Versicherungskärtchen vom behandelnden Arzt auf direktem Wege mit der jeweiligen Krankenkasse abgerechnet.
Gegenteilig verläuft die Abrechnung bei den privaten Krankenversicherungen. Hier tritt nicht das soeben beschrieben Naturalleistungsprinzip ein, sondern das Kostenerstattungsprinzip. Die Patienten haben ihre Leistungen folglich vorab selbst zu bezahlen, bekommen den vorgelegten Betrag jedoch, je nach abgeschlossenem Versicherungsumfang, von ihrer privaten Kasse erstattet. Auch hier liegt ein Unterschied zwischen beiden Versicherungen vor. In der GKV werden die Leistungen nach den jeweiligen Bedürfnissen übernommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Krankenversicherungen in Deutschland ein und skizziert die Problematik einer möglichen "Zwei-Klassen-Medizin".
2 Eine Ableitung: Vom Sozialstaatsmodell zu Krankenversicherung: Hier wird das Sozialstaatsprinzip als verfassungsrechtliche Grundlage erläutert und die Einordnung der Sozialversicherung als erste Säule der sozialen Sicherung vorgenommen.
3 Krankenversicherungen: Dieses Kapitel beschreibt detailliert die Strukturen der GKV und PKV, einschließlich ihrer Prinzipien und der unterschiedlichen Voraussetzungen für die Mitgliedschaft.
4 Auswirkung des demografischen Wandels auf die GKV und die PKV: Der Abschnitt analysiert die Herausforderungen, die durch die alternde Gesellschaft auf beide Versicherungssysteme zukommen.
5 Anstehende Reformen: Hier werden die gesetzlichen Reformen, insbesondere die Einführung des Gesundheitsfonds und die Neuregelungen für die PKV, detailliert dargestellt.
6 Fazit: Die Schlussbetrachtung bewertet das Gefahrenpotenzial einer "Zwei-Klassen-Medizin" vor dem Hintergrund des staatlichen Sicherungsauftrags.
Schlüsselwörter
Gesetzliche Krankenversicherung, Private Krankenversicherung, Sozialstaatsmodell, Solidaritätsprinzip, Äquivalenzprinzip, Zwei-Klassen-Medizin, Gesundheitsfonds, Demografischer Wandel, Risikostrukturausgleich, Basistarif, Altersrückstellungen, Sozialversicherung, Gesundheitspolitik, Reformen, Kostenerstattungsprinzip.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den systematischen Vergleich zwischen der Gesetzlichen und der Privaten Krankenversicherung unter Berücksichtigung des deutschen Sozialstaatsmodells.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Strukturunterschiede beider Versicherungssysteme, die Auswirkungen des demografischen Wandels sowie die gesundheitspolitischen Reformen ab 2007/2009.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Vermittlung ausführlicher Informationen über beide Systeme, um dem Leser eine Einschätzung der aktuellen Entwicklung im deutschen Gesundheitssystem zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse und dem direkten Vergleich der Versicherungsprinzipien, gestützt auf Fachliteratur, Gesetze und offizielle Daten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Funktionsweise beider Versicherungen, den direkten Vergleich sowie die Erläuterung der demografischen Herausforderungen und Reformansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialstaatsmodell, Solidaritätsprinzip, Äquivalenzprinzip, Gesundheitsfonds und die Problematik der "Zwei-Klassen-Medizin".
Was unterscheidet das Solidaritätsprinzip vom Äquivalenzprinzip?
Das Solidaritätsprinzip der GKV orientiert sich an der Einkommenssituation, während das Äquivalenzprinzip der PKV die Beiträge nach individuellen Risiken und dem Eintrittsalter bemisst.
Wie verändert der demografische Wandel die Krankenversicherungen?
Er führt zu einer Überalterung der Versichertengemeinschaft und verringert bei gleichzeitig steigendem Leistungsbedarf den Kreis der Beitragszahler, was beide Systeme finanziell belastet.
Was ändert sich für die private Krankenversicherung durch die Reformen?
Unter anderem müssen PKVs Basistarife anbieten, die Gesundheitsprüfung entfällt für bestimmte Gruppen und Altersrückstellungen werden bei einem Wechsel innerhalb eines Unternehmens teilweise portabel.
Kommt die Autorin zu dem Schluss, dass es eine "Zwei-Klassen-Medizin" gibt?
Die Autorin sieht die Gefahr als gegeben an, stellt jedoch fest, dass das Sozialstaatsprinzip durch soziale Sicherungsnetze einen Ausgleich schafft, der eine vollständige Scherenöffnung verhindern soll.
- Citation du texte
- Linda Karakas (Auteur), 2008, Ein Vergleich zwischen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der privaten Krankenversicherung (PKV), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113061