Alle Versuche, die Globalisierung mit einer einzigen Theorie zu bewerten, zu ordnen, zu loben, zu verdammen müssen Schiffbruch erleiden. Sie ist als weltumgreifendes Phänomen zu groß und zu komplex, um sich in eine bestimmte Richtung drängen zu lassen. Sie widersetzt sich ihrer Katalogisierung durch ihren Facettenreichtum. Der Blick aus einer bestimmten Warte ist immer perspektivisch verzerrt und übersieht mehr als er erfassen kann. Somit ist das Unterfangen, eine Arbeit über Globalisierung schreiben zu wollen, zum Scheitern verurteilt.
Ich möchte stattdessen versuchen, Ideen zu sammeln, aufzubereiten und zu kommentieren, um einen Einblick zu bekommen, wie über Globalisierung gedacht wird. Dabei sind Diskurse nachzuzeichnen, die unser Denken beherrschen und die Welt verändern. Auch wenn sich das Phänomen als solches einer umfassenden Betrachtung entzieht, so ist es doch in unserer Zeit allgegenwärtig. Damit sind wir mitten im Thema der Philosophie: Denken über eine sich verändernde Welt im Zeitalter der Globalisierung.
Inhaltsverzeichnis
1. ANFANG
2. DAS PHÄNOMEN GLOBALISIERUNG
GLOBALISIERUNG?
Prozess oder Projekt?
Globalität und Systemtheorie
ALTE UND NEUE GRENZEN
Glokalisierung – Globalität und Lokalität
Entbettung, Hybridkultur und neue Lebensformen
Alles zu negativ?
NEOLIBERALISMUS
IMMER WIEDER KEHRENDE THEMEN UND THESEN
HÖCHST TENDENZIÖS: DER IMF
URSACHEN
Die flache Welt
SEIT WANN SPRICHT MAN VON GLOBALISIERUNG?
3. PHILOSOPHIEREN IN EINER GLOBALEN WELT
ORIENTIERUNGSLOSIGKEIT
Landkarten und Identität
Der Untergang des Abendlandes
Metaphern für die Erdgestalt und Welterklärungen
DAS GLOBALE ZEITALTER
Das Projekt der Moderne
Eine neue Deutung der Gegenwart: die Globalität
Die Begrifflichkeit der Globalisierung
Neue Wege im Globalen
ALTERNATIVEN ZUR ODER INNERHALB DER GLOBALISIERUNG?
Systemalternativen
Offene Fragen
Eine frühe Analyse der westlichen Industriegesellschaft
Haben-Orientierung
Sein-Orientierung
Fromms Utopien
Kritik von unten
Alternativen im gegebenen institutionellen Rahmen
Der Realitätsverlust in der heutigen Wirtschaft
Widerstand gegen die Finanzinstitutionen
Der Nationalstaat als Raum für die Demokratie
Die abhanden gekommene Alternative zum Kapitalismus
4. JEAN-FRANÇOIS LYOTARDS GROßE ERZÄHLUNG
DIE POSTMODERNE
Die Krise der großen Erzählungen
WISSENSCHAFTLICHES UND NARRATIVES WISSEN
POSTMODERNE WISSENSPRODUKTION
DIE GEGENWÄRTIGE FORSCHUNGSPRAXIS
BILDUNG UND DATENBANKEN
5. GANZ UND GAR NICHT POSTMODERN: DIE IDEEN DER EINHEIT UND DER ORDNUNG IN DER CHINESISCHEN UND DER WESTLICHEN PHILOSOPHIE
CHINA UND DIE GLOBALISIERUNG
Die chinesische Philosophie?
Das Ordnungsprinzip
Das Dreieck Staat-Bürger/-innen-Religion
Das Spannungsfeld zwischen Individualrechten und Gemeinschaft
Globale gesellschaftliche Harmonie
Kulturseparatismus versus Verwestlichung.
Die Aufholjagd in Wirtschaft und Technik
Die Konfuzianische Staatstheorie im Kontext der Globalisierung
SYSTEMTHEORETISCHE BETRACHTUNGEN DER GLOBALISIERUNG
6. ALTERNATIVEN ZUM KONZEPT DER POSTMODERNE
GESCHICHTSPHILOSOPHIE
KRITIK AN DER POSTMODERNE
Die Idee der globalen Gerechtigkeit
Transversale Vernunft
DIE SEHNSUCHT NACH ORDNUNG
7. ANFANG UND ENDE: DIE GLOBALISIERUNG ALS GROßE ERZÄHLUNG DES 21. JAHRHUNDERTS
EINE NEUE ERZÄHLUNG
DAS ENDE DIESER ERZÄHLUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Phänomen der Globalisierung nicht als einen einzelnen, abgeschlossenen Prozess zu bewerten, sondern sie als eine "große Erzählung" des 21. Jahrhunderts philosophisch zu hinterfragen und die vielfältigen Diskurse nachzuzeichnen, die unser Denken und unsere Weltwahrnehmung maßgeblich beeinflussen.
- Philosophische Auseinandersetzung mit Globalisierung und Globalität
- Systemtheoretische und kritische Perspektiven auf den Neoliberalismus
- Vergleich westlicher und chinesischer Philosophiekulturen in Bezug auf Ordnung und Einheit
- Analyse der post-modernen Wissensproduktion und ihre Auswirkungen
- Suche nach Alternativen innerhalb und außerhalb der globalisierten Strukturen
Auszug aus dem Buch
Die flache Welt
Die technisch überwundene Kugelgestalt der Erde hat Thomas Friedman als Titel seines Globalisierungsbestsellers „The World is Flat“ gewählt. Die Erde ist nun ein ebenes Spielfeld, auf dem sich alle Teilnehmer/-innen mehr oder minder gleichberechtigt miteinander messen und in Konkurrenz treten können und müssen. Vorbei die Zeit der verwinkelten Häuser mit ihren bequemen Nischen und ungünstigen geografischen Gefängnissen. In einer flachen Welt ist alles offen, alte Regeln gelten nicht mehr, Indien und China sind am Weltmarkt ebenso präsent wie die USA. Friedman sieht neben weltpolitischen Veränderungen vor allem die Entwicklung der technischen Infrastruktur als Motor für die Globalisierung an.
Er definiert 10 unübersetzbare „Flattener“, die jeder für sich und besonders in ihrem Zusammenwirken die Globalisierung stark befördert haben und die Welt „flach“ gemacht haben, in dem Sinne, dass das Spielfeld jetzt eingeebnet ist und lokale Rückzugsgebiete, in denen man vor Konkurrenz und Wettbewerb geschützt wäre, nicht mehr existieren. Begonnen hat für ihn der Prozess mit dem Fall der Berliner Mauer und der Ausbreitung des westlichen, demokratischen, kapitalistischen Lebensstils über die ganze Welt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. ANFANG: Eine Einleitung, die das Scheitern des Versuchs einer umfassenden Theorie der Globalisierung konstatiert und stattdessen den Fokus auf die philosophische Reflexion der Diskurse legt.
2. DAS PHÄNOMEN GLOBALISIERUNG: Eine detaillierte Untersuchung der Definitionen, Akteure und systemischen Bedingungen der Globalisierung, ergänzt durch eine kritische Betrachtung wirtschaftlicher Institutionen.
3. PHILOSOPHIEREN IN EINER GLOBALEN WELT: Eine philosophische Analyse der durch Globalisierung ausgelösten Orientierungslosigkeit und die Suche nach neuen ethischen Rahmenbedingungen.
4. JEAN-FRANÇOIS LYOTARDS GROßE ERZÄHLUNG: Eine Auseinandersetzung mit dem Konzept der Postmoderne, der Krise der Metaerzählungen und der veränderten Wissensproduktion.
5. GANZ UND GAR NICHT POSTMODERN: DIE IDEEN DER EINHEIT UND DER ORDNUNG IN DER CHINESISCHEN UND DER WESTLICHEN PHILOSOPHIE: Ein Vergleich chinesischer und westlicher Denkansätze zur Harmonie, Ordnung und gesellschaftlichen Organisation im Kontext globaler Entwicklungen.
6. ALTERNATIVEN ZUM KONZEPT DER POSTMODERNE: Eine Diskussion alternativer geschichtsphilosophischer Ansätze und der Suche nach globaler Gerechtigkeit jenseits postmoderner Beliebigkeit.
7. ANFANG UND ENDE: DIE GLOBALISIERUNG ALS GROßE ERZÄHLUNG DES 21. JAHRHUNDERTS: Eine abschließende Reflexion darüber, warum die Globalisierung als große Erzählung fungiert und welche Bedeutung dies für die Zukunft der Menschheit hat.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Globalität, Philosophie, Moderne, Postmoderne, Neoliberalismus, Ethik, Systemtheorie, Identität, Wissensgesellschaft, Sozioökonomie, Gerechtigkeit, Interkulturalität, Kulturvergleich, Zivilisation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der philosophischen Untersuchung der Globalisierung und betrachtet diese als eine "große Erzählung" des 21. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische und ökonomische Definition von Globalisierung, die postmoderne Philosophie, der Vergleich von westlichem und chinesischem Denken sowie Ansätze zu Alternativen und globaler Gerechtigkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie über Globalisierung gedacht wird und welche Diskurse unser Handeln in dieser Ära beherrschen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine diskursive Analyse und eine vergleichende philosophische Betrachtung verschiedener Theorien zur Globalisierung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Theorien der Globalisierung (wie Projekt vs. Prozess), die Rolle des Neoliberalismus, die Krise der Postmoderne und die chinesische Philosophie in Bezug auf Ordnung und Harmonie diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Globalisierung, Systemtheorie, Postmoderne, Ethik, interkulturelle Philosophie und soziale Gerechtigkeit.
Welche Rolle spielt die chinesische Philosophie?
Sie dient als interessanter Kontrastpunkt zum westlichen Denken, insbesondere im Hinblick auf das Bedürfnis nach Harmonie und Ordnung, und bietet alternative Anknüpfungspunkte für gesellschaftliches Zusammenleben.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des IWF?
Sie betrachtet den Internationalen Währungsfonds als eine tendenziöse Institution, deren neoliberale Politik oft zu sozialen Missständen in Entwicklungsländern beiträgt, anstatt Armut effektiv zu mindern.
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- Dipl.-Ing. Mag. Ulrike Pailer (Autor), 2007, Die Globalisierung als große Erzählung des 21. Jahrhunderts, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113088