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Nathalie Sarraute: la lecture dans "l'Ère du Soupçon"

Title: Nathalie Sarraute: la lecture dans "l'Ère du Soupçon"

Seminar Paper , 2007 , 14 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Michael Brendel (Author)

French Studies - Literature
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Im Rahmen des Proseminars „Pratiques de lecture – entre dangers et compétences réceptives“ haben wir uns mit verschiedenen Lektürepraktiken bzw. Leserhaltungen auseinandergesetzt. Eine Literaturtheoretikerin, die in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle spielt, ist die russischstämmige Französin Nathalie Sarraute (1900-1999), die neben ihren literaturtheoretischen Schriften auch zahlreiche Romane, wie z.B. Les Fruits d’or (1963) oder Entre la vie et la mort (1968), veröffentlichte. Eines ihrer bedeutendsten theoretischen Werke, das 1956 bei Gallimard erschien und Aufschluss über ihre literarische Ästhetik gibt, ist eine Essaysammlung, die den gleichen Titel trägt wie der zweite Aufsatz dieses Sammelbandes, nämlich „l’Ère du soupçon“. Dieser Essay wird im Allgemeinen als erstes Manifest des nouveau roman betrachtet und behandelt den Schlüsselbegriff ihres Werkes, den soupçon. Unter dem soupçon versteht Sarraute ein poetologisches Misstrauen, dessen Anfänge sich bereits in der Literatur des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts manifestieren. Ausgehend von den Formen des traditionellen Romans und dessen Leserschaft soll auf den folgenden Seiten erörtert werden, was genau Sarraute unter dem Terminus soupçon versteht und inwiefern dieses Misstrauen die Haltung des Lesers bzw. seine Lektürepraktiken verändert. Außerdem soll gezeigt werden, wie der Romanautor auf die veränderte Leserhaltung im Zeitalter des Misstrauens bzw. des Argwohns reagiert und dadurch beginnt, eine neue Art des Romans, sprich, einen nouveau roman zu schaffen. Zum Abschluss soll dann noch darauf eingegangen werden, was Sarraute unter dem Begriff der „Tropismen“ – einem weiteren Schlüsselbegriff ihres Werks – versteht und welche Techniken des nouveau roman sie benutzt, um diese dem Leser zugänglich zu machen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil

2.1 Der roman traditionnel

2.2 Die Lektüre im Zeitalter des Argwohns

2.3 Der Schriftsteller im Zeitalter des Argwohns

2.4 Konsequenzen für den Roman und die Figur

2.5 Der Begriff der Tropismen

2.6 Conversation und Sous-Conversation

3 Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das literaturtheoretische Konzept des Misstrauens („soupçon“) im Werk von Nathalie Sarraute, insbesondere in ihrem essayistischen Manifest „l’Ère du soupçon“. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie dieses poetologische Misstrauen die Haltung des Lesers verändert und den Übergang vom traditionellen Roman zum „nouveau roman“ sowie die Notwendigkeit neuer Schreibtechniken zur Abbildung psychologischer Realität begründet.

  • Literaturtheoretische Analyse des „nouveau roman“
  • Der Wandel der Leserhaltung und das Konzept des Argwohns
  • Die Transformation der Romanfigur und der Identitätsverlust
  • Die Bedeutung der „Tropismen“ als psychologische Grundeinheiten
  • Die Funktion von Dialogen und die Dichotomie von „conversation“ und „sous-conversation“

Auszug aus dem Buch

2.2 Die Lektüre im Zeitalter des Argwohns

In ihrem Essay „L’Ère du soupçon“ konstatiert Nathalie Sarraute, dass der Leser im Allgemeinen kompetenter und aufgeklärter und somit in vielen Fällen zu einem lecteur compétent geworden ist. Sie attestiert ihm beispielsweise, „so viel und so gut begriffen [zu haben], dass er zu zweifeln angefangen hat, ob der ‚nachgemachte’ Gegenstand, den ihm die Romanautoren anbieten, wohl den gleichen Reichtum birgt wie der wirkliche“ (L’Ère du soupçon, S. 1582). Zudem bescheinigt Sarraute dem Leser die Kenntnis zahlreicher moderner Denker und Schriftsteller sowie deren innovativer Schreibtechniken und Theorien:

Ce qu’il a appris, chacun le sait trop bien pour qu’il soit utile d’insister. Il a connu Joyce, Proust et Freud ; le ruissellement, que rien au-dehors ne permet de déceler, du monologue intérieur, le foisonnement infini de la vie psychologique et les vastes régions encore à peine défrichées de l’inconscient. (L’Ère du soupçon, S. 1581)

Aufgrund dieser Aufgeklärtheit stellt sich beim Leser allmählich ein allgemeines Misstrauen ein. Dieser soupçon richtet sich sowohl gegen den Romancier, als auch gegen dessen personnages. Man kann den soupçon auch ganz allgemein als Misstrauen des aufgeklärten Lesers gegenüber der fiction definieren. Der Leser fängt somit an, die „aufwendigen und kraftmeierischen Handlungen“ zu beargwöhnen, mit Hilfe derer der Autor seine Figuren zurechtformt. Er beargwöhnt außerdem die intrigues, die Verwicklungen, die sich „wie eine Binde um die Romanfigur schlingen, ihr den Anschein lebendigen Zusammenhangs geben, aus ihr aber im Grunde eine starre Mumie machen“ (L’Ère du soupçon, S. 1581).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die literaturtheoretische Relevanz von Nathalie Sarraute ein und definiert den zentralen Begriff des „soupçon“ im Kontext des „nouveau roman“.

2 Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Unterkapitel, die den Wandel von den traditionellen Romanformen hin zu den psychologisch fundierten Techniken Sarrautes detailliert untersuchen.

2.1 Der roman traditionnel: Das Kapitel beschreibt den traditionellen Roman als ein Gefüge, in dem Personen handeln und der Autor mittels „romanhafter Dichte“ eine Scheinrealität erzeugt.

2.2 Die Lektüre im Zeitalter des Argwohns: Dieses Kapitel thematisiert die Entstehung eines kritischen „lecteur compétent“, der den Fiktionen des Autors mit einem grundlegenden Misstrauen begegnet.

2.3 Der Schriftsteller im Zeitalter des Argwohns: Der Fokus liegt hier auf der Reaktion des Autors, der durch den Argwohn des Lesers verunsichert wird und die Identitätskonzeption seiner Figuren kritisch hinterfragt.

2.4 Konsequenzen für den Roman und die Figur: Hier wird erläutert, wie der „nouveau roman“ die Romanfigur ihrer äußeren Merkmale und Identität beraubt, um den Fokus auf psychologische Prozesse zu lenken.

2.5 Der Begriff der Tropismen: Das Kapitel definiert den von der Biologie entlehnten Begriff der „Tropismen“ als winzige, unwillkürliche psychische Regungen im Inneren des Menschen.

2.6 Conversation und Sous-Conversation: Die Untersuchung behandelt die Dichotomie zwischen den gesellschaftlich reglementierten Äußerungen und den authentischen, verborgenen Gedankengängen.

3 Schluss: Das Fazit fasst den Prozess des Misstrauens zusammen und betont die Notwendigkeit stetiger Innovation in der Literatur, um die psychologische Wirklichkeit abzubilden.

Schlüsselwörter

Nathalie Sarraute, nouveau roman, L’Ère du soupçon, Misstrauen, Tropismen, Leserhaltung, roman traditionnel, psychologische Realität, conversation, sous-conversation, Identitätsverlust, Literaturtheorie, Moderne, Erzähltechnik, Authentizität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die literaturtheoretischen Überlegungen der Autorin Nathalie Sarraute, insbesondere deren Einfluss auf die Entwicklung des modernen Romans.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind der Wandel der Romanästhetik, die Rolle des Lesers, das Konzept des psychologischen Misstrauens und die Abkehr von traditionellen Erzählmustern.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Erläuterung des Begriffs „soupçon“ und dessen Auswirkungen auf die Gestaltung der Romanfigur und der Erzählstruktur bei Sarraute.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturtheoretische Analyse, die auf der Auswertung des Essays „l’Ère du soupçon“ und weiterer Sekundärliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert schrittweise den Übergang vom traditionellen Roman zur neuen Ästhetik, definiert die „Tropismen“ und untersucht die Dialogstruktur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie „nouveau roman“, „soupçon“, „Tropismen“ und die Dichotomie zwischen „conversation“ und „sous-conversation“ definieren.

Was unterscheidet den „roman traditionnel“ vom „nouveau roman“?

Der traditionelle Roman setzt auf greifbare Figuren und eine stringente Handlung, während der „nouveau roman“ diese Strukturen auflöst, um psychologische Komplexität abzubilden.

Wie definiert Sarraute das Verhältnis zwischen Autor und Leser?

Sarraute beschreibt ein gegenseitiges Misstrauen, da der aufgeklärte Leser Fiktionen kritisch hinterfragt und der Autor wiederum auf diese Skepsis mit neuen, abstraktem Schreibweisen reagiert.

Warum spielt der Dialog eine so zentrale Rolle bei Sarraute?

Der Dialog fungiert bei Sarraute als Schnittstelle, um unterschwellige „Tropismen“ als Ausläufer des psychologischen Inneren nach außen zu tragen.

Was bedeutet der Begriff „Tropismen“ konkret?

Tropismen sind unbewusste, winzige psychische Regungen oder Reaktionen, die durch äußere Einflüsse im Menschen ausgelöst werden und die eigentliche, verborgene Realität des menschlichen Erlebens darstellen.

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Details

Title
Nathalie Sarraute: la lecture dans "l'Ère du Soupçon"
College
University of Regensburg  (Institut für Romanistik)
Course
Proseminar "Pratiques de lecture: entre dangers et compétences réceptives"
Grade
1,0
Author
Michael Brendel (Author)
Publication Year
2007
Pages
14
Catalog Number
V113093
ISBN (eBook)
9783640133086
Language
German
Tags
Nathalie Sarraute Soupçon Proseminar Pratiques Argwohn Tropismen Tropismes Conversation Sous-Conversation Lektürepraktiken Infragespräch Ère Zeitalter nouveau roman
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Brendel (Author), 2007, Nathalie Sarraute: la lecture dans "l'Ère du Soupçon", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113093
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