Kindheit und Soziale Arbeit. Die Bedeutung der frühkindlichen Bildung am Beispiel Kindergarten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Hauptteil
2.1Lebensalter Kindheit
2.1.1 Definition der Kindheit
2.1.2 Die historische Entwicklung der Kindheit – ein kurzer geschichtlicher Abriss
2.1.3Veränderte Kindheit und ihre Auswirkungen
2.2 Frühpädagogik
2.2.1 Definition Frühpädagogik – Was ist frühkindliche Bildung und welche Aufgaben werden ihr zugeschrieben?
2.2.2 Erläuterungen zum Bildungsbegriff
2.3 Frühkindliche Bildung am Beispiel Kindergarten
2.3.1 Bildungsverständnis und Bildungsauftrag des Kindergartens – Die Bedeutung frühkindlicher Bildungsprozesse
2.3.2 Qualitätskriterien im Kindergarten – Notwendigkeit und Perspektiven der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung im Kindergarten
2.3.3 Voraussetzungen und Rahmenbedingungen frühkindlicher Bildungsprozesse im Kindergarten – Folgen institutioneller Einwirkung in frühkindliche Bildungsprozesse
2.3.4 Der Kindergarten in Zeiten des Umbruchs – Bedeutung der Frühpädagogik am Beginn des 21. Jahrhundert

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Von Bildung und Erziehung wird es abhängen, ob die heranwachsende Generation den Ansprüchen, Herausforderungen und Belastungen gewachsen ist, mit denen sie konfrontiert werden wird.“ (Fthenakis 2007, S. 2). So heißt es im Vorwort einer Studie zum Thema Bildung in früher Kindheit des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. In dieser Aussage liegt der Grundstein der gegenwärtigen bildungspolitischen Reformen im Elementarbereich. Bildung in früher Kindheit ist und war schon immer ein Thema, bei dem sich die Meinungen spalten. Gegenwärtige Bildungsreformen beziehen den Umstand, dass Bildungssysteme der Reform bedürfen, in ihre Programmatiken mit ein. Dabei spiele der Kindergarten eine besondere Rolle, denn augenblicklich finde ein Wandel von Betreuungs – zu Bildungsfunktion statt (vgl. Liegle 2006, S. 7). Ein Grund dafür sei vor allem, „dass Lernprozesse in der frühen Kindheit eine nahezu schicksalhafte Basis für die lebenslange Bildungsbiographie eines Menschen darstellen“ (Liegle 2006, S. 7) würden. „In der frühen Kindheit werden entscheidende Weichen für den Weg durchs Leben gelegt und gestellt.“ (Thole 2008. S. 17). Dass Bildung einer der zentralsten Begriffe für die Entwicklung des Kindes sei, zeige sich an der Tatsache, dass er im Kinder – und Jugendhilfegesetz (KJHG) neben Begriffen wie Betreuung und Erziehung als eine der Aufgaben aufgezählt werde, die Kindertageseinrichtungen zu erfüllen hätten (vgl. Liegle 2008, S. 95). An dieser Stelle kommt also die Frage auf, wie viel Bildung in früher Kindheit notwendig ist und wo die Pädagogik ansetzen kann. Dies werden die zentralen Fragen sein, mit denen sich die vorliegende Hausarbeit auseinandersetzen soll. Dabei wird es nicht Ziel der Arbeit sein auf konkrete Bildungsinhalte in Kindergärten einzugehen, sondern es soll vielmehr darum gehen die allgemeine Bedeutung der elementaren Bildung darzustellen. Insbesondere soll die Frage erörtert werden, wie wichtig Bildung bereits im Kindergarten ist und welche Veränderungen sich als Folge des bildungspolitischen Wandels, innerhalb der Elementarpädagogik, vollzogen haben und voraussichtlich noch vollziehen werden. Zur Beantwortung der Fragen ist es zunächst notwendig, zu definieren, von welchem Kindheitsverständnis in dieser Arbeit ausgegangen wird, bevor dann kurz auf die historische Entwicklung der Kindheit und deren Auswirkungen auf den heutigen Blick auf Kindheit eingegangen wird. Im Folgenden Kapitel wird es um die Bedeutung frühkindlicher Bildung und um die Herausforderungen, mit denen sich die Frühpädagogik konfrontiert sieht, gehen. Daran anschließend soll kurz erläutert werden, von welchem Bildungsbegriff die vorliegende Arbeit ausgeht. Nachfolgend wird es bedeutsam sein den Bildungsauftrag und das Bildungsverständnis des Kindergartens herauszuarbeiten, um im Anschluss daran die Bedeutung frühkindlicher Bildung erörtern zu können. Hierbei werden auch Qualitätskriterien, nach denen die Arbeit im Kindergarten erfolgt, eine große Rolle spielen. Wichtig wird es sein, sich mit den Voraussetzungen und Rahmenbedingungen frühkindlicher Bildung auseinander zu setzen, um Folgen institutioneller Früherziehung in frühkindliche Bildungsprozesse aufzeigen zu können. Im letzten Abschnitt wird es darum gehen, welche Wandlungsprozesse innerhalb des Kindergartens stattgefunden haben und wie der gegenwärtige Stand der Entwicklung ist. Zum Schluss wird daran ein kurzes Fazit anschließen.

2. Hauptteil

2.1 Lebensalter Kindheit

2.1.1 Definition der Kindheit

Aufgrund unterschiedlicher Aussagen darüber, was Kindheit ist, soll diese Kapitel dazu dienen einen kurzen Überblick zu verschaffen, auf welche der vorhanden Definitionen in dieser Arbeit Bezug genommen wird. Jaszus versteht unter Kindheit die Altersstufen von der Geburt bis zu Beginn der Pubertät, in denen das Kind sich entwickelt und verschiedene Verhaltensweisen erlernt (vgl. Jaszus 2008, S. 134). „Nach diesem Konzept wird Kindheit auch als Phase zur Bewältigung von Entwicklungsaufgaben angesehen, […]“ (Jaszus 2008, S. 134). Kindheit wird nach diesem Verständnis als die wichtigste Phase im gesamten Lebenslauf eines Menschen verstanden, da sie einen nachhaltigen Einfluss darauf hat, was in der weiteren Entwicklung geschieht (vgl. Jaszus 2008, S. 134). Die Kindheit wird weiterhin als eine Altersphase angesehen, „die durch ein Abhängigkeitsverhältnis von Erwachsenen, d.h. durch ein bestimmtes Generationenverhältnis gekennzeichnet ist.“ (Fölling – Albers 2008, S.33). Das Kind solle auch auf die Erwachsenengesellschaft vorbereitet werden (vgl. Fölling – Albers 2008, S. 33). Dieses Verständnis von Kindheit hat sich jedoch erst im Verlauf der Jahrhunderte entwickelt und gewandelt, so dass man nicht von einem einheitlichen historischen Kindheitsbegriff sprechen kann. Darauf soll jedoch im folgende Kapitel genauer eingegangen werden.

2.1.2 Die historische Entwicklung der Kindheit – ein kurzer geschichtlicher Abriss

Durch sozialhistorische Analysen lasse sich beweisen, dass es bis zum Ende des Mittelalters keinen Begriff für die Lebensphase Kindheit gegeben habe (vgl. World Vision Deutschland e. V. 2007, S. 37). „Kinder und Erwachsene lebten in denselben Lebensbereichen, ernährten und kleideten sich ähnlich, verrichteten ähnliche Tätigkeiten.“ (World Vision Deutschland e.V. 2007, S. 37). Der Umgang der Erwachsenen mit den Kindern sei am Arbeitsalltag orientiert gewesen, so dass die Jüngeren von den Älteren benötigte Arbeitsabläufe durch visuelle Imitation erlernten (vgl. World Vision Deutschland e.V. 2007, S 37- 38). Besonders für die von Armut betroffenen Teile der Bevölkerung besäßen die Nachkommen eine existenzielle Bedeutung, denn sie waren „so etwas wie die „Altersvorsorge“ ihrer altershalber arbeitsunfähig gewordenen Eltern“ (Konrad / Schultheis 2008, S. 15). Hier sei erstmalig die Debatte aufgekommen, dass Kinder der Bildung und Erziehung bedürfen, egal von welchem Kindheitsideal ausgegangen werde. Es zeige sich, dass ein Bedeutungszuwachs der Erziehung des Kindes seit dem frühen 18. Jahrhundert stattgefunden habe, der darauf zurückzuführen sei, dass jedes Kind Erziehung benötige und eine prinzipielle Lernfähigkeit mitbrächte (vgl. World Vision Deutschland e.V. 2007, S. 38). Insgesamt lässt sich nach Konrad und Schultheis sagen, dass ein prozesshafter Wandel vom Mittelalter zur Neuzeit stattgefunden hat, der zu einem völlig neuen Umgang mit dem Kind bzw. der Kindheit geführt hat (vgl. Konrad / Schultheis 2008, S. 15 – 16). Dies soll im anschließenden Kapitel noch einmal genauer dargestellt werden.

2.1.3 Veränderte Kindheit und ihre Auswirkungen

Dass sich die Kindheit in den letzten Jahrzehnten stark verändert hat, hängt auch mit den Veränderungen in gesellschaftlicher Hinsicht zusammen. Gründe hierfür finden sich vor allem im generationalen Wandel von Erziehung und Sozialisation, aber auch im Rückgang der Geburtenrate, in veränderten Erziehungszielen und -normen, sowie in gestiegenen Bildungserwartungen von Eltern an ihre Kinder (vgl. Jaszus 2008, S. 135 -136). Ein weiterer Grund, dem an dieser Stelle Beachtung geschenkt werden muss, ist die zunehmende Technisierung und Mediatisierung der Welt. Unsere Lebenswelt werde mehr und mehr virtuell durch die Medien, die uns die heutige Welt zur Verfügung stelle beeinflusst (vgl. Schmetzstorff 2007, S. 54). „Auf diese Weise werden wir ungeübt im Umgang mit der Mühe des Alltags, dem Nächsten usw.“ (Schmetzstorff 2007, S. 54). Von diesem Modernisierungsdrang und gesellschaftlichen Wandlungsprozessen, so Jaszus, wird auch die Entwicklung des Kindes beeinflusst (vgl. Jaszus 2008, S. 136). „Ein Blick in die aktuelle Theorie und Praxis der Erziehungswirklichkeit zeigt, dass das pädagogische Denken und Handeln von Eltern, Erziehern und Lehrern enormen gesellschaftlichen Wandlungsprozessen ausgesetzt ist.“ (Schmetzstorff 2007, S. 51). Aus diesem Grund, und aus den bereits erwähnten, kommt der Frühpädagogik eine tragende Rolle zu. Mit ihr soll es möglich werden allen Kindern, unabhängig von Lebenswelt und Herkunft, gleiche Bildungschancen zu ermöglichen.

2.2 Frühpädagogik

2.2.1 Definition Frühpädagogik – Was ist frühkindliche Bildung und welche Aufgaben werden ihr zugeschrieben?

Wie bereits im vorangegangenen Kapitel erwähnt, kommt der Frühpädagogik im Bildungsdiskurs eine einflussreiche Bedeutung zu. Deshalb soll kurz definiert werden, was unter Frühpädagogik gemeinhin verstanden wird. Der Begriff der Frühpädagogik setzt sich laut Balluseck aus den Begriffen Erziehung, Betreuung und Bildung von Kindern bis zum 13. Lebensjahr zusammen und bezieht sich auf die Arbeitsfelder Kindertageseinrichtungen, Grundschule und die Einrichtungen, von denen die Frühpädagogik gefördert und organisiert wird (vgl. Balluseck 2008, S. 15). Frühkindliche Bildung kann an unterschiedlichen Settings, also beispielsweise Kindergärten, Familie, Spielgruppen oder ähnliches, stattfinden und weist damit zwangsläufig unterschiedliche Charakteristika auf (vgl. Stamm 2008, S. 227). „Sie meint die Anregung aller Kräfte eines Menschen, damit sie sich entfalten können, eine tätige Aneignung der Welt erlauben und zu einer selbst bestimmenden Individualität führen.“ (Stamm 2010, S. 13). Dabei bedarf es der Unterstützung durch die Umwelt, in Form von pädagogischem Personal, was als Betreuung bezeichnet wird (vgl. Stamm 2010, S. 13). Bildung sei hierbei als das Ziel der Erziehung zu verstehen, die „die bewusste Gestaltung der Umwelt des Kindes und die Interaktionen mit ihm“ (Stamm 2010, S. 13) meine und darauf abziele bestimmte Verhaltensweisen zu fördern und unerwünschte zu unterbinden (vgl. Stamm 2010, S. 13). Daraus ergebe sich die Verpflichtung jedem Kind sein Recht auf Bildung und Wohlbefinden zu garantieren (vgl. Stamm 2010, S. 20). Ergebnisse der Kognitions - und der Kleinkindforschung haben gezeigt, so Schäfer, dass vor allem vier Bereichen gesonderte Aufmerksamkeit geschenkt werde (vgl. Schäfer 2004, S. 123): „die Bildung des sinnlichen Körpers […], die Bildung des imaginativen Körpers […], Bildung des Sprechens und der Sprache.[...] Bildung des sozialen Körpers […]“ (Schäfer 2004, S. 123). Frühkindliche Bildung könne deshalb nur gelingen, wenn man Kinder schon in frühen Jahren als Lerner betrachtet, individuell auf die Entwicklung jedes Kindes eingehe, mit ihm spiele und hierbei Lernarrangements mitberücksichtige (vgl. Becker – Stoll 2008, S. 121). Zusammenfassend betont Stamm, dass es die Aufgabe der Frühpädagogik sei auf Probleme in der Entwicklung eines Kindes aufmerksam zu machen und Alternativen zu bieten, die der Entwicklung des Kindes angepasst seien (vgl. Stamm 2010, S. 249) „und damit gesunde Frühförderung durch Elternhaus und Familien - externe Bildung und Betreuung darstellen“ (Stamm 2010, S. 250). Anhand der beschriebenen Aufgabenfelder der Frühpädagogik zeigt sich, dass Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen damit vor neue Herausforderungen gestellt werden, die es zu bewältigen gilt. Darauf wird nach einer kurzen Erläuterung des Bildungsbegriffs näher eingegangen.

2.2.2 Erläuterungen zum Bildungsbegriff

Der Bildungsbegriff, so betont Schäfer, finde seine Prägung vor allem in drei Traditionslinien, die von Wilhelm von Humboldt wie folgt weiter gedacht werden: „Für ihn stellt Bildung ein Verhältnis zwischen dem individuellen Ich und der Welt her. Dabei wird Individualität nur durch die Auseinandersetzung mit dieser Welt gewonnen. Das Subjekt braucht ein Gegenüber, durch das es sich bilden kann.“ (Schäfer 2006, S. 34). Bildung werde demnach durch die Veredelung der individuellen Kräfte der eigenen Natur und durch die Werkzeuge, derer sich das Individuum bei der Aneignung der Welt bediene veredelt. Aus den genannten Merkmalen könne man schließlich Kennzeichen ableiten, die auch für den heutigen Bildungsbegriff von Bedeutung seien: Schäfer betont, dass Bildung auch heute noch von der Selbsttätigkeit des Individuums abhängt und damit nicht von außen erzeugt werden kann. Des Weiteren impliziere Bildung immer auch die Begriffe Handeln, Denken, Wissenschaft und Kunst. So werde Bildung weiterhin in der Auseinandersetzung mit der sozialen Wirklichkeit gewonnen (vgl. Schäfer 2006, S. 34). Bezogen auf Bildung in früher Kindheit lasse sich sagen, dass das Kind in hohem Maß mitbestimme, in wie weit es dieser Selbsttätigkeit gerecht werde (vgl. Schäfer 2006, S. 41). „Damit dies gelingt müssen Kinder die Gelegenheit zum Erfassen von Zusammenhängen haben.“ (Schäfer 2006, S. 42). Ziel sei es dabei, dass Kinder selbsttätig Erfahrungen sammeln können (vgl. Schäfer 2006, S. 42). Alles in allem kann man sagen: „Während unter Erziehung in der Regel ethisch vertretbare Formen eines absichtsvollen Einwirkens auf andere verstanden wird, rückt der Bildungsbegriff eher das eigenwillige und selbstständige Handeln des Individuums bei seinen Lernprozessen in den Mittelpunkt sowie deren Integration in einen übergreifenden soziokulturellen Zusammenhang.“ (Schäfer 2006, S. 34).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Kindheit und Soziale Arbeit. Die Bedeutung der frühkindlichen Bildung am Beispiel Kindergarten
Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V1131291
ISBN (eBook)
9783346511706
ISBN (Buch)
9783346511713
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kindheit, soziale, arbeit, bedeutung, bildung, beispiel, kindergarten
Arbeit zitieren
Alexandra Kreber (Autor:in), 2011, Kindheit und Soziale Arbeit. Die Bedeutung der frühkindlichen Bildung am Beispiel Kindergarten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1131291

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