Das Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, inwiefern das intendierte Schulbuch „Nils Holgerssons schönste Abenteuer mit den Wildgänsen“ (1906) das Genre der fantastischen Erzählung für Kinder ausformt und sich der eigenständigen Ästhetik eines bestimmten Kindheitsentwurfes im Sinne der Romantik bedient.
Vor dem Hintergrund der Zugvogelreise soll zudem ermittelt werden, inwiefern das Flugsubjekt die narrative Umsetzung des Fliegens selbst beeinflusst und auf welche Weise diese im Kontext der fantastischen Erzählung interpretiert werden kann. Ein weiteres Ziel liegt in der Ermittlung des didaktischen Potenzials des Lesebuchs.
Zu Beginn wird dafür die fantastische Erzählung als eigenständiges, kinderliterarisches Genre definiert sowie dessen romantischer Ursprung und die der Reise zugrundeliegende Thematik des Fliegens in der Literatur erläutert. Es folgt eine Analyse einer ausgewählten Textstelle, welche die Inszenierung des Fliegens in Bezug auf die verschiedenen Figuren zum Gegenstand hat, wobei insbesondere die jeweilige Motivik des Fliegens thematisiert werden soll. Die sich anschließende Interpretation stellt einen möglichen Deutungsansatz der Flugreise dar, welche im Sinne der intendierten erzieherischen Funktion reflektiert wird. Das folgende Kapitel beleuchtet die Befunde der Analyse vor dem Hintergrund der zentralen Frage nach der Tauglichkeit des Geographiebuches für den Einsatz im Unterricht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Hinführung
2.1 Die fantastische Erzählung als kinderliterarisches Genre
2.2 Der romantische Ursprung der fantastischen Erzählung für Kinder
2.3 Modi des Fliegens in der Literatur
3. Analyse einer fantastischen Erzählung: Nils Holgerssons schönste Abenteuer mit den Wildgänsen
3.1 Die Inszenierung des Fliegens in Bezug auf die verschiedenen Figuren
3.1.1 Die Wildgänse
3.1.2 Der Gänserich
3.1.3 Nils Holgersson
3.2 Zielsetzung und Interpretation der Flugreise
4. Implikationen für die mediendidaktische Aufbereitung
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht, wie Selma Lagerlöfs "Nils Holgerssons schönste Abenteuer mit den Wildgänsen" das Genre der fantastischen Erzählung für Kinder prägt und welche didaktische Rolle das zentrale Motiv des Fliegens innerhalb dieser Geschichte einnimmt, um sowohl die kindliche Vorstellungskraft als auch die Vermittlung geografischer Inhalte zu fördern.
- Charakterisierung der fantastischen Erzählung als Zweiweltenerzählung
- Analyse des romantischen Kindheitsentwurfs im Werk
- Untersuchung der Motivik des Fliegens und der Perspektivwechsel
- Didaktische Analyse des literarischen Lernpotenzials
- Beurteilung der Eignung des Werkes für den Unterricht
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Die Wildgänse
Die Wildgänse werden wesensgemäß als über dem Hof kreisende Schwärme eingeführt, welche Lockrufe ausstoßen, um ihre zahmen Verwandten am Boden der Mitreise zu überreden (vgl. Lagerlöf 1998: 18). Das Motiv des Schwarms verweist bereits zu Beginn der fantastischen Kindererzählung auf die mit dem Fliegen einhergehende Mühelosigkeit der Wildgänse:
Schwärme schweben. Sie schweben im Wasser oder in der Luft. Sie sind von der Schwerkraft befreit. Der Zustand des Schwebens ist Voraussetzung für den Verbund des Schwarms, er ist Voraussetzung für seine Beweglichkeit. Schwärme sind Sozialverbände von Fischen oder Vögeln, nicht von Säugetieren. (Pschera 2013: 5)
So werden sie zunächst als hoch oben in der Luft, sich in zwei langen, keilförmigen Reihen fortbewegend beschrieben, senken sich jedoch hinab, sobald sie die zahmen Gänse der Höfe sichten. Als ein zahmer Gänserich nach ihnen ruft, um sie auf ihrer Reise zu begleiten, wenden sich die Wildgänse unbefangen um und fliegen langsam zurück (vgl. Lagerlöf 1998: 18). Die gezielte Bestimmung der Höhe und der Geschwindigkeit ihres Fluges sowie eine flexible Anpassung an bestehende Gegebenheiten scheint ihnen daher keine Schwierigkeiten zu bereiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des Werkes als modernen Kinderbuchklassiker ein und erläutert die Zielsetzung der Hausarbeit, die narrative Umsetzung des Fliegens zu analysieren.
2. Theoretische Hinführung: Dieses Kapitel definiert die fantastische Erzählung als Genre, beleuchtet den romantischen Ursprung der Kinderliteratur und untersucht kulturhistorische Modi des Fliegens.
3. Analyse einer fantastischen Erzählung: Nils Holgerssons schönste Abenteuer mit den Wildgänsen: Das Hauptkapitel analysiert die Figuren (Wildgänse, Gänserich, Nils) hinsichtlich ihrer Flugmotivik und interpretiert die Bedeutung der Flugreise für den Protagonisten.
4. Implikationen für die mediendidaktische Aufbereitung: Hier wird das Potenzial des Romans für den Deutschunterricht sowie für literarisches Lernen in der Grundschule diskutiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Anwendbarkeit des Werkes im schulischen Kontext.
Schlüsselwörter
Nils Holgersson, fantastische Erzählung, Kinderliteratur, Flugmotiv, Selma Lagerlöf, Zweiweltenerzählung, Literarisches Lernen, Vogelperspektive, Geographieunterricht, Romantik, Motivik, Schweden, Didaktik, Kindheit, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die erzählerische Gestaltung des Fliegens in Selma Lagerlöfs Roman "Nils Holgerssons schönste Abenteuer mit den Wildgänsen" und ordnet das Werk genretheoretisch in die fantastische Kinderliteratur ein.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Definition der fantastischen Erzählung, der romantische Ursprung kindgerechter Literatur, die symbolische Bedeutung des Flugmotivs und die mediendidaktische Aufbereitung des Stoffes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie das Schulbuch das Genre der fantastischen Erzählung ausformt, wie das Flugsubjekt die narrative Darstellung beeinflusst und inwiefern der Roman didaktisches Potenzial für den Unterricht besitzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf der Definition der "Zweiweltenerzählung" nach Klingberg basiert und theoretische Konzepte der Literaturdidaktik (Spinner) miteinbezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil steht die Analyse der Figuren – Wildgänse, der Gänserich Martin und Nils Holgersson – im Fokus, wobei insbesondere die unterschiedliche Wahrnehmung und Umsetzung des Fliegens sowie die Interpretation der Flugreise als Reifeprozess beleuchtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nils Holgersson, fantastische Erzählung, Flugmotiv, literarisches Lernen und didaktische Aufbereitung charakterisieren.
Warum spielt die Perspektive der "Vogelperspektive" eine so wichtige Rolle für den Protagonisten Nils?
Die Vogelperspektive ermöglicht es dem Protagonisten, sein Heimatland Schweden in einer neuen, distanzierten und zugleich umfassenden Weise wahrzunehmen, was den Lernprozess und die notwendige Entwicklung vom Lausejungen zum verantwortungsbewussten Individuum unterstützt.
Wie unterscheidet sich die Darstellung des Fliegens zwischen den Wildgänsen und dem Gänserich Martin?
Während das Fliegen für die Wildgänse eine mühelose, spielerische und souveräne Fortbewegungsart ist, steht es für den Gänserich Martin zunächst für den mühsamen Versuch, Leistung zu erbringen und sich innerhalb einer fremden Gruppe zu beweisen.
- Citar trabajo
- Chiara Alina Sachwitz (Autor), 2021, Die narrative Umsetzung des Fliegens in "Nils Holgerssons schönste Abenteuer mit den Wildgänsen", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1132641