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Das Mittel des Beschreibens in den Geistes- und Sozialwissenschaften

Auseinandersetzung mit Amartya Sens Aufsatz „Description as Choice“

Title: Das Mittel des Beschreibens in den Geistes- und Sozialwissenschaften

Term Paper , 2006 , 12 Pages , Grade: 3,0

Autor:in: Katharina Klinge (Author)

Politics - General and Theories of International Politics
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Unter Geisteswissenschaftlern ist man sich darüber einig, dass rein beschreibend verfasste Arbeiten kein allzu großes Ansehen verdient haben. Konsens scheint auch darüber zu herrschen, dass die Beschäftigung mit der Thematik des Beschreibens an sich nicht wirklich von Bedeutung ist. Dieser Eindruck jedenfalls entsteht, wenn man sich auf die Suche nach Literatur zu diesem Thema begibt und so gut wie nicht fündig wird. Auf den ersten Blick scheint die Disziplin auch keine wirklich intellektuelle Herausforderung darzustellen: Es bedarf schließlich nur der simplen Wiedergabe dessen, was man beobachtet hat. Oder?

Denn auf den zweiten Blick ist es nicht immer ganz so einfach – jedenfalls nicht, wenn es nach Amartya Sen geht. Der in Indien geborene Professor für Wirtschaft und Philosophie unterrichtet an der Harvard Universität und erhielt neben vielen anderen Auszeichnungen 1988 auch den Nobel-Preis für Wirtschaft. 1982 veröffentlichte er mit dem Aufsatz „Description as Choice“ eine intensive Auseinandersetzung mit der Thematik des Beschreibens.

Wie äußert sich Sen darin über das Beschreiben? Was macht seiner Meinung nach eine (gute) Beschreibung aus? Und welche Konsequenzen haben die Erkenntnisse des Autors für jemanden, der eine Beschreibung vornehmen will? Vorliegende Arbeit wird sich im Folgenden mit Sens Abhandlung und Schlussfolgerungen auseinander setzen und versuchen, diese Frage zu klären. Dabei sollen sowohl die Motivation zum Formulieren einer Beschreibung und die Arten von Beschreibungen, als auch der Aspekt der Selektion und die Relevanz des Wahrheitsgehalts behandelt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Motivation und Arten von Beschreibungen

3. Was macht eine gute Beschreibung aus?

3.1. Selektion

3.2. Einflussfaktoren und Kriterien von Selektion

3.3. Relevanz des Wahrheitsgehalts

3.4. Zweckmäßigkeit

4. Schlussbetrachtung

5. Anhang

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit setzt sich mit Amartya Sens Aufsatz „Description as Choice“ auseinander, um den wissenschaftlichen Prozess des Beschreibens kritisch zu hinterfragen und die zugrunde liegenden Mechanismen der Selektion und Zweckmäßigkeit zu verdeutlichen.

  • Die theoretische Fundierung des Beschreibens als Auswahlprozess.
  • Motivationen und unterschiedliche Arten von Beschreibungen.
  • Die Rolle von Subjektivität und Relevanzkriterien in der Wissenschaft.
  • Das Verhältnis zwischen Wahrheitsgehalt und Qualität einer Beschreibung.
  • Konsequenzen für die Forschungspraxis in Geistes- und Sozialwissenschaften.

Auszug aus dem Buch

3.1. Selektion

Was das soeben erläuterte Beispiel verdeutlicht, bringt Amartya Sen mit einem wichtigen Aspekt auf den Punkt:

„Description isn’t just observing and reporting; it involves the exercise – possibly difficult- of selection. … In fact, description can be characterized as choosing from the set of possibly true statements a subset on grounds of their relevance” (Sen 1982: 433).

Mit dieser Aussage formuliert Sen erstmals in der Wissenschaft etwas, das von der Mehrheit seiner Kollegen vermutlich schon immer unwissentlich angewandt wurde: Dem Beschreiben liegt immer eine Theorie - wenn auch meist in Form eines unbewussten Entscheidungsprozesses – zugrunde. In Anwendung dieser Theorie wird festgelegt, welche Aussagen aus dem Set der unendlich vielen möglichen Aussagen über eine Sache auszuwählen sind, um schließlich eine Beschreibung zu formulieren (vgl. Titel: „Description as Choice“):

„It is perhaps not an exaggeration to say that any conscious act of description contains some theory – usually implicit – about the relative importance of the various statements dealing with the subject matter. I shall call this the ’choice basis of description’“ (Sen 1982: 433).

Dass eine Beschreibung somit niemals vollständig sein kann, sieht auch der deutsche Philosoph Nicholas Rescher in seinem Buch „Die Grenzen der Wissenschaft“ (Stuttgart 1985) so:

„Wissenschaft kann die Welt einfach nicht vollständig beschreiben. ... Der Bereich wissenschaftlich relevanter Tatsachen ist zu umfangreich für deskriptive Vollständigkeit“ (Rescher 1985: 69 ff).

Demzufolge ist die Selektion eine Anwendung, an der man im Zuge von Beschreibungen nicht umher kommt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass das Beschreiben in den Geisteswissenschaften oft unterschätzt wird, und stellt die Forschungsfrage basierend auf Amartya Sens Aufsatz vor.

2. Motivation und Arten von Beschreibungen: Dieses Kapitel erläutert, dass Beschreibungen durch prädiktive oder präskriptive Interessen motiviert sein können und unterschiedliche Zwecke verfolgen.

3. Was macht eine gute Beschreibung aus?: Der Hauptteil analysiert die Notwendigkeit von Selektion, die Einflussfaktoren der Subjektivität und die Frage, ob Wahrheit ein notwendiges Kriterium für Qualität darstellt.

3.1. Selektion: Es wird dargelegt, dass Beschreiben immer einen aktiven Auswahlprozess (Theoriebildung) aus einer Menge möglicher wahrer Aussagen beinhaltet.

3.2. Einflussfaktoren und Kriterien von Selektion: Dieses Unterkapitel beleuchtet, wie Subjektivität und Wertevorstellungen die Auswahl der für eine Beschreibung herangezogenen Aspekte beeinflussen.

3.3. Relevanz des Wahrheitsgehalts: Hier wird diskutiert, dass Wahrheit weder hinreichend noch notwendig für eine gute Beschreibung ist, da der Zweck und die Zielgruppe die Form bestimmen.

3.4. Zweckmäßigkeit: Die Zweckmäßigkeit wird als das zentrale Kriterium identifiziert, das bestimmt, welche Aussagen für eine spezifische Beschreibung als relevant ausgewählt werden.

4. Schlussbetrachtung: Die Ergebnisse werden synthetisiert, wobei betont wird, dass das Beschreiben ein komplexer, theoriegeleiteter Prozess ist, dessen Subjektivität Wissenschaftler anerkennen sollten.

5. Anhang: Der Anhang enthält ergänzende graphische Darstellungen und das Literaturverzeichnis.

Schlüsselwörter

Amartya Sen, Beschreiben, Selektion, Wissenschaftstheorie, Relevanz, Subjektivität, Wahrheitsgehalt, Zweckmäßigkeit, Deskription, Choice basis of description, Forschungspraxis, Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften, Theoriebildung, Methodik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Auseinandersetzung des Beschreibens als wissenschaftliche Tätigkeit, basierend auf dem Aufsatz „Description as Choice“ von Amartya Sen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder sind die Motivation für Beschreibungen, die notwendige Selektion von Aussagen und die Frage, welche Kriterien eine Beschreibung qualitativ hochwertig machen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Beschreiben kein naiver Abbildungsprozess ist, sondern ein komplexer, selektiver Akt, der von Interessen und Zwecken geleitet wird.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Textanalyse von Amartya Sens Aufsatz und vergleicht dessen Thesen mit weiteren erkenntnistheoretischen Positionen, etwa von Nicholas Rescher.

Welche Aspekte werden im Hauptteil detailliert behandelt?

Der Hauptteil behandelt den Selektionsprozess, die Einflüsse von Subjektivität und Werten sowie die kritische Hinterfragung, ob absolute Wahrheit eine Bedingung für eine gute Beschreibung darstellt.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Neben den Namen der Autoren prägen Begriffe wie „theoriegeleitete Selektion“, „Zweckmäßigkeit“ und „subjektive Wahrnehmung“ die inhaltliche Ausrichtung.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen Experten und Laien bei der Beschreibung eine Rolle?

Die Zielgruppe bestimmt, ob eine Beschreibung eher detailliert-fachlich oder vereinfacht-abstrakt sein muss, um ihrem Zweck gerecht zu werden, was die Subjektivität der Auswahl unterstreicht.

Inwiefern beeinflusst das Beispiel von Napoleon Bonaparte die Argumentation?

Das Beispiel verdeutlicht, dass die Relevanz von Informationen vom Interesse des Beschreibenden abhängt: Während für einen Ermittler Äußerlichkeiten zählen, sind für einen Historiker Handlungen und Wirkungen entscheidend.

Warum ist laut der Arbeit „Wahrheit“ allein nicht ausreichend?

Eine Anhäufung von wahren Tatsachen kann für den Empfänger nutzlos sein, wenn sie den eigentlichen Zweck der Beschreibung (z. B. Verständnis oder Orientierung) verfehlt.

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Details

Title
Das Mittel des Beschreibens in den Geistes- und Sozialwissenschaften
Subtitle
Auseinandersetzung mit Amartya Sens Aufsatz „Description as Choice“
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Grundseminar: Politische Theorie
Grade
3,0
Author
Katharina Klinge (Author)
Publication Year
2006
Pages
12
Catalog Number
V113755
ISBN (eBook)
9783640144587
ISBN (Book)
9783640877287
Language
German
Tags
Mittel Beschreibens Geistes- Sozialwissenschaften Grundseminar Politische Theorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katharina Klinge (Author), 2006, Das Mittel des Beschreibens in den Geistes- und Sozialwissenschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113755
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