Die Antihomosexuellenpolitik zur Zeit des NS-Regimes

Hat es in der NS-Zeit den jüdisch vergleichbaren "schwulen Holocaust" gegeben?


Hausarbeit, 2019

15 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Nationalsozialismus
2.1 Der jüdische Holocaust

3. Die NS-Argumentation für die Antihomosexuellenpolitik
3.1 Die Verfolgungspraxis der Homosexuellen
3.2 Die Verschärfung des §175

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die Erinnerung an den Nationalsozialismus, welcher Ende des 19. Jahrhunderts ent­stand, Hitlers Theorie der Rassenhygiene und das Streben nach der Aufrechterhaltung der Reinheit der Rasse, ist ein prägendes Ereignis. Über sechs Millionen Juden kostete diese NS-Ideologie das Leben, ganze Bevölkerungsgruppen wurden systematisch ver­folgt und vernichtet. Die Geschichte Deutschlands steht im Schatten der Massenver- nichtung.1 Sich mit dem Holocaust auseinanderzusetzen, bringt das Problem mit sich, ,,das Unbegreifliche - den millionenfachen Massenmord - begreifbar machen zu müssen.''2 Beginnend mit Boykotten von jüdischen Geschäften, die vom Staat organi­siert wurden, über Massenmord bis hin zum Versuch der totalen Vernichtung.3

Doch die Juden sind nur ein Teil der Opfer des NS-Regimes und ,,der totalitären Dikta­tur des Nationalsozialismus''4. Auch Homosexuelle, die als gesellschaftliche Rand­gruppen galten, bekamen die Unterdrückung und Verfolgung zu spüren. Diese drück­ten sich vielfältig aus.5,,Gesellschaftliche Ächtung, gesetzliche Diskriminierung und Kriminalisierung, Einlieferungen in psychiatrische Anstalten, Umerziehung, Kastratio­nen, Gefängnisstrafen, Abkommandierungen in die berüchtigten Strafbataillone und Verschleppungen in Konzentrations- und Vernichtungslager.''6

Zu Beginn dieser Arbeit, wird erklärt was unter dem Nationalsozialismus zu verstehen ist und was im Zentrum der NS-Ideologie stand. In Kapitel 2.1 werden die Gründe er­läutert, warum die Juden als nationalsozialistisches Feindbild angesehen wurden. Ein weiterer Punkt stellt die Radikalisierung der Judenverfolgung und -vernichtung dar. Auch wird der Sachverhalt der Verfolgung von Homosexuellen zur Zeit des NS-Re- gimes näher beleuchtet und warum sie zum Ziel der Verfolgung wurden.

Abschließend ist die Frage zu klären, ob es denn in der NS-Zeit einen jüdischen ver­gleichbaren „schwulen Holocaust'' gab.

2. Der Nationalsozialismus

Nach dem Ende des ersten Weltkriegs 1918, errichtete die Nationalsozialistische Ar­beiterpartei (NSDAP), unter der Führung Adolf Hitlers, 1933 eine totalitäre Diktatur in der Weimarer Republik. Der Nationalsozialismus war eine faschistische Ideologie und Weltanschauung, die als Hauptpunkte den Rassenantisemitismus und eine Vernich­tungspolitik hatten.7 Die Nationalsozialisten waren der Überzeugung unter den Men­schen herrsche eine Ungleichwertigkeit. Dies bezog sich jedoch nicht in Hinblick auf Schichten oder Klassen.8,,Vielmehr stand am Ursprung der Katastrophe die Überzeu­gung, dass Menschen aus distinkten Gruppen oder mit bestimmten Merkmalen, seien sie religiöser, kultureller, rassischer oder körperlicher Natur, unabänderlich weniger wert seien als andere.''9 Ziel des Dritten Reiches, war die Erschaffung einer deutschen ,,Volksgemeinschaft'', bestehend aus Ariern. Diese sollte frei von rassisch Minderwertigen sein, wie z.B. Juden, Zigeunern (Sinti und Roma), politischen Geg­nern, Behinderten und Homosexuellen.10 Dazu wurden die Grundrechte in der Reichs­tagsbrandverordnung 1933 aufgehoben. Dies ermöglichte die Verfolgung und es herrschten grenzenlose Machtverhältnisse der NSDAP.11 Demnach wurde ,,über das Deutsche Reich [...] auf scheinbar legalem Weg ein permanenter, während der NS-Zeit nie aufgehobener Ausnahmezustand verhängt.''12

2.1 Der jüdische Holocaust

Im Mittelpunkt des nationalsozialistischen Regimes stand der Antisemitismus, also der Hass bzw. die Feindschaft gegenüber den Juden.13 Der Grund hierfür war die Annah­me, Juden seien ,,eine homogene zusammenhängende Einheit auf der ganzen Welt [...], die angeblich in einer großen Verschwörung die globale Herrschaft an sich reißen wolle.''14 Im Parteiprogramm der NSDAP, welches von Hitler selbst für ,unabänder- lich' erklärt wurde, ,,heißt es im vierten von insgesamt 25 Punkten bündig: ,Staatsbür- ger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksicht auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein.'''15

Sofort nach der Machtergreifung begannen die jüdischen Verfolgungen.16,,Sie verlie­fen mehrgleisig, einerseits auf gesetzlichem bzw. administrativem Wege, andererseits in ,,Selbstreinigungsaktionen'' von allerlei Organisationen und in gewalttätigen Aus- schreitungen.''17 Es begann mit Boykotten von Geschäften, die in jüdischem Besitz waren. Jüdische Beamte oder Angestellte, die im öffentlichen Dienst tätig waren, ver­loren ihre Stellung. Des weiteren wurden Gewaltakte gegen Juden ausgeführt, z.B. Angriffe oder Demütigungen vor der Öffentlichkeit.18 Um zu definieren, wer denn als Jude galt, ,,verlegte man sich auf die Religionszugehörigkeit der Großeltern und schuf die absurde Klassifizierung des ,Mischlings'.19 Um die Fortpflanzung von Personen ,,mit vermeintlich schlechten Erbanlagen''20 zu verhindern, führte man die Zwangssterilisation ein, da es für diese Menschen keinen Platz in der solidarischen Volksgemeinschaft gab.21 1940 kam es zur Einrichtung von so genannten Ghettos, also ,,zwangsweise zugewiesene Stadtviertel für Juden''22, wohin die Juden aus dem Reichsgebiet deportiert wurden. Diese Ghettos wurden überwacht und durch Mauern abgeriegelt. Wenn jemand versuchte zu fliehen, war es der Schutzpolizei erlaubt, die Flüchtenden zu erschießen.23 Im Ghetto selbst, herrschte eine ,,extensive Zwangsar- beitswirtschaft''24.

1941 entstand aus der Judenverfolgung die Judenvernichtung. Die Zahl stieg auf mehr als eine halbe Million ermordeter Juden. In dieser Zeit kam es auch zum Aufbau der ersten Konzentrations- und Vernichtungslager.25 1942 begannen daraufhin die ersten Deportationen der Juden, indem sie in Viehwaggons zu den entsprechenden Lagern gebracht wurden. Aufgrund des Umstands, dass bis zu 60 Juden in einen Waggon ge­zwängt waren, starben dort bereits etliche. Ein Großteil der Überlebenden kam letzt­endlich in den Konzentrationslagern durch Kohlenmonoxid um das Leben.26

[...]


1 Sonja M. SCHULTZ, Der Nationalsozialismus im Film. Von „Triumph des Willens” bis „Inglorious Basterds”.Ber- lin 2012, 7.

2 Alexander BRAKEL, Der Holocaust. Judenverfolgung und Völkermord. Berlin-Brandenburg 2008, 11.

3 Dieter POHL, Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933-1945. Darmstadt 2008, 12.

4 Jellonnek BURKHARD, Nationalsozialistischer Terror gegen Homosexuelle. Verdrängt und ungesühnt. Paderborn 2002, 9.

5 Vgl. BURKHARD, Nationalsozialistischer Terror gegen Homosexuelle, 9.

6 Vgl. BURKHARD, Nationalsozialistischer Terror gegen Homosexuelle, 9.

7 Franziska KELCH, Nationalsozialismus 1933-1945, 11.07.2010, unter <https://blog.zeit.de/schueler/2010/07/11/ thema-der-nationalsozialismus/>. 14.08.2019.

8 Vgl. POHL, Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit, 3f.

9 POHL, Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit, 3.

10 Vgl. Franziska KELCH, Nationalsozialismus 1933-1945.

11 Vgl. Arnulf SCRIBA, Etablierung der NS-Herrschaft, 22.06.2015, unter <https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns- regime/etablierung-der-ns-herrschaft.html>, 16.08.2019.

12 SCRIBA, Etablierung der NS-Herrschaft.

13 Vgl. POHL, Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit, 4.

14 POHL, Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit, 4.

15 Till, Bastian, Homosexuelle im Dritten Reich. Geschichte einer Verfolgung. Bremen 2000, 25.

16 Vgl. POHL, Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit, 12.

17 POHL, Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit, 12.

18 Vgl. POHL, Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit, 12.

19 POHL, Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit, 13.

20 POHL, Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit, 13.

21 Vgl. SCRIBA, Etablierung der NS-Herrschaft.

22 POHL, Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit, 65.

23 Vgl. POHL, Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit, 66.

24 POHL, Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit, 66.

25 Vgl. Alexander BRAKEL, Der Holocaust. Judenverfolgung und Völkermord. Berlin- Brandenburg 2008, 60.

26 Vgl. BRAKEL, Der Holocaust, 105.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Antihomosexuellenpolitik zur Zeit des NS-Regimes
Untertitel
Hat es in der NS-Zeit den jüdisch vergleichbaren "schwulen Holocaust" gegeben?
Hochschule
Universität Regensburg
Veranstaltung
Gender Studies
Note
2.0
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V1139573
ISBN (eBook)
9783346514806
ISBN (Buch)
9783346514813
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ns-zeit, holocaust
Arbeit zitieren
Nicole Kramer (Autor:in), 2019, Die Antihomosexuellenpolitik zur Zeit des NS-Regimes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1139573

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