Die Ausarbeitung beschäftigt sich mit der Fragestellung, inwiefern der beobachtete Zusammenhang zwischen Suiziden und Imitationslernen auch zur Suizidprävention genutzt werden kann: Ist eine Form der Effektumkehr möglich? Können die Kenntnisse über die sozialkognitive Lerntheorie in Verbindung mit medialer Berichterstattung auch zur Suizidprophylaxe genutzt werden? Hierbei sollen aphoristisch das Modelllernen sowie im weiteren Verlauf der sogenannte Papageno-Effekt näher beleuchtet werden. Aufgrund des besonderen Schwerpunkts der Ausarbeitung, der nicht die umfassende Beantwortung der Forschungsfrage, sondern eine übersichtliche Darstellung der relevanten Quelleninhalte vorsieht, werden im Folgenden die für die Forschungsfrage essenziellen Begrifflichkeiten definiert und erklärt sowie Herausforderungen und Defizite aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Relevanz
2.1 Der Werther-Effekt
2.2 Die sozialkognitive Lerntheorie und die Rolle der Medien
2.3 Der Papageno-Effekt
2.4 Ausblick
3 Methodisches Vorgehen
4 Fazit
5 Literaturverzeichnis
6 Anlagen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen medialer Berichterstattung über Suizide und den nachfolgenden psychologischen Effekten auf die Bevölkerung, mit dem zentralen Ziel zu klären, inwiefern diese Kenntnisse für die Suizidprävention nutzbar gemacht werden können.
- Analyse des Werther-Effekts als Phänomen der Suizidnachahmung.
- Untersuchung der sozialkognitiven Lerntheorie im Kontext medialer Einflüsse.
- Erforschung des Papageno-Effekts als präventive Effektumkehr.
- Ableitung von Empfehlungen für eine verantwortungsvolle Medienberichterstattung.
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Werther-Effekt
Das soziale Phänomen der imitierten Suizide als Folge suizidthematisierender Berichterstattungen wird im Jahr 1974 durch den amerikanischen Soziologen David Phillips als sog. Werther-Effekt definiert. Im Rahmen erster, im selben Jahr veröffentlichter Studien bzgl. dieses Phänomens, bei welchen über einen längeren Zeitraum hinweg medial thematisierte Suizide prominenter Personen ausgewertet und mit der daraufhin ansteigenden Suizidstatistik abgeglichen worden sind, konnte die Existenz eines Werther-Effekts affirmiert werden (Phillips, 1974, S.340 ff.). Dieser hat bis heute nicht an Aktualität verloren. Jüngere Werther-Effekte konnten bspw. nach dem selbstgewählten Tod des Schauspielers Robin Williams im August 2014 beobachtet werden, welcher in den USA einen Anstieg der Suizidrate um 9,85 Prozent zur Folge hatte (Fink, Santaell, Keyes & Harris, 2018, S.2 ff.). Ferner gab es – die einleitend erwähnte Befürchtung von Expert_innen bestätigend – nach der Ausstrahlung der suizidthematisierenden Serie „13 Reasons Why“ im Jahr 2017 ebenfalls Hinweise auf einen Eintritt des Werther-Effekts (Till & Niederkrotenthaler, 2018, S.26 ff.). Auch aus diesem Grund wurde die Serie im weiteren Verlauf mit detaillierteren Triggerwarnungen und Internetlinks zu suizidprophylaktischen Hilfs-plattformen versehen (Hibberd, 2017, o.S.; s. Abb. 2.2). Der Werther-Effekt ließ sich in abgeschwächter Form auch nach Berichterstattungen über Suizide nicht prominenter Personen feststellen (Stack, 1990, S.195 ff.). Grundsätzlich kann resümiert werden, dass die Korrelation zwischen medial thematisierten Suiziden und darauffolgenden Imitationstaten – trotz der im Rahmen wissenschaftlicher Diskurse mitunter angezweifelten Kausalität – mittlerweile als nachgewiesen gilt (Woltersdorf & Etzersdorfer, 2011, S.142).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der medialen Suiziddarstellung ein und formuliert die zentrale Fragestellung zur Nutzbarkeit von Imitationslernen für die Suizidprävention.
2 Relevanz: Dieses Kapitel erläutert die psychologische und gesellschaftliche Bedeutung der Thematik, insbesondere durch die Darstellung des Werther-Effekts, der sozialkognitiven Lerntheorie und des präventiven Papageno-Effekts.
3 Methodisches Vorgehen: Hier wird der Prozess der qualitätsorientierten Literaturrecherche inklusive der verwendeten Suchbegriffe und Datenbanken detailliert dargelegt.
4 Fazit: Das Fazit reflektiert den Erstellungsprozess der Arbeit, bewertet die getroffenen methodischen Entscheidungen und diskutiert die Herausforderungen bei der Literaturanalyse.
5 Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel listet sämtliche verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen zur Untermauerung der getroffenen Aussagen auf.
6 Anlagen: Die Anlagen enthalten ergänzende Daten, wie Statistiken zu Suizidraten und Übersichten zu randomisierten Studien, zur Veranschaulichung der theoretischen Inhalte.
Schlüsselwörter
Werther-Effekt, Papageno-Effekt, Suizidprävention, sozialkognitive Lerntheorie, Modelllernen, Medienberichterstattung, Imitationslernen, Suizidrisiko, Triggerwarnungen, Medienpsychologie, Gesundheitskommunikation, Suizidalität, Präventionsarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss medialer Berichterstattung über Suizide auf die psychische Gesundheit der Rezipienten und untersucht, wie Medien sowohl negative Nachahmungseffekte als auch positive präventive Wirkungen entfalten können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themenfelder sind der Werther-Effekt, der Papageno-Effekt, die sozialkognitive Lerntheorie sowie die ethischen Anforderungen an die journalistische Berichterstattung über Suizidthemen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu erörtern, inwiefern die Kenntnisse über Imitationslernen in den Medien aktiv genutzt werden können, um anstelle von suizidfördernden Inhalten eine suizidpräventive Wirkung zu erzielen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für diese Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine qualitätsorientierte Literaturrecherche in Fachdatenbanken, um den aktuellen Forschungsstand zu systematisieren und die relevanten Theorien und Effekte einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen zum Imitationslernen nach Bandura gelegt, gefolgt von einer Analyse der Auswirkungen medialer Berichte auf suizidgefährdete Personen, unterteilt in den Werther- und den Papageno-Effekt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Werther-Effekt, Papageno-Effekt, Suizidprävention, Modelllernen und Medienkommunikation geprägt.
Inwiefern spielt die Serie „13 Reasons Why“ eine Rolle in den Ausführungen?
Die Serie dient als aktuelles Fallbeispiel, an dem sowohl die Kritik an suggestiver Darstellung als auch die Notwendigkeit von Triggerwarnungen und präventiven Hinweisen diskutiert wird.
Wie unterscheidet sich der Papageno-Effekt vom Werther-Effekt?
Während der Werther-Effekt das Risiko von Nachahmungstaten durch die mediale Heroisierung oder detaillierte Darstellung von Suiziden beschreibt, bezeichnet der Papageno-Effekt die positive Wirkung medialer Berichte, die erfolgreiche Bewältigungsstrategien in suizidalen Krisen aufzeigen.
Welche Herausforderungen nennt die Autorin bei der Erforschung dieser Effekte?
Die Autorin verweist auf die Schwierigkeit, Suizidmotivationen empirisch eindeutig zu erfassen, da diese äußerst subjektiv sind und experimentelle Studien oft nur Risikofaktoren, aber nicht den Suizid an sich als Variable untersuchen können.
Welche Bedeutung kommt dem „präsuizidalen Syndrom“ zu?
Das präsuizidale Syndrom unterstreicht, dass Suizidversuche oft aus einem Wechsel zwischen Lebens- und Suizidimpulsen resultieren, weshalb jeder positive äußere Einfluss durch verantwortungsvolle Kommunikation lebensrettend wirken kann.
- Arbeit zitieren
- Anna Frieda Brockmann (Autor:in), 2020, Autoaggression und die sozialkognitive Lerntheorie. Die Bedeutung des Imitationslernens für die Suizidprävention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1141826