Die vorliegende Forschungsarbeit soll die Auswirkungen von Staatsfragilität (dysfunktionale Staaten) auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt eines Staates untersuchen. Dabei geht es im Kern um die Frage, inwiefern ein Zusammenhang zwischen Staatsfragilität und Bürgerkriegsrisiko besteht. Hierfür werden die zwölf Subindikatoren des Fragile State Index 2019, welche den Grad der fragilen Staatlichkeit messen, mit den Ergebnissen diverser empirischer Studien verglichen. Mittels dieses Vergleichs sollen insbesondere die Subindikatoren identifiziert werden, die sowohl die Staatsfragilität als auch das Bürgerkriegsrisiko eine Landes beeinflussen. Das Ziel ist es, mithilfe der identifizierten Subindikatoren, einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Variablen herzustellen. Das Ergebnis der Analyse ist, dass fragile Staaten ein erhöhtes Bürgerkriegsrisiko aufweisen.
Inhaltsverzeichnis
1 Abstract
2 Begriffsdefinitionen
3 Stand der Forschung
4 Hypothesen
5 Datenlage/Datennutzung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Forschungsarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der fragilen Staatlichkeit (dysfunktionale Staaten) und dem Risiko für den Ausbruch von Bürgerkriegen im 21. Jahrhundert, um zu ermitteln, ob fragile Staaten tatsächlich ein erhöhtes Bürgerkriegsrisiko aufweisen.
- Analyse von Staatsfragilität als Ursache für Bürgerkriege
- Einsatz und Auswertung der Subindikatoren des Fragile State Index 2019
- Vergleich von empirischen Studien zur Staatskapazität und Konfliktentstehung
- Untersuchung des Einflusses von Regierungsformen und ökonomischen Faktoren
- Identifikation spezifischer Indikatoren für das Bürgerkriegsrisiko
Auszug aus dem Buch
Bürgerkrieg
In der sozialwissenschaftlichen Kriegsforschung existieren unterschiedliche Vorstellungen darüber, was mit dem Begriff „Bürgerkrieg“ zu verbinden ist (vgl. Deißler 2016, S. 25). Ein möglicher Grund hierfür liegt in der enormen Heterogenität des Begriffs, die es ungemein erschwert, die unterschiedlichen Vorstellungen und paradigmatischen Fälle mit einer Definition abzudecken (vgl. ebd., S. 25). Bürgerkriege stellen bewaffnete Konflikte dar, die, verglichen mit zwischenstaatlichen Kriegen, lange andauern und i. d. R. zwischen zwei oder mehreren Gruppen innerhalb eines Staates ausgetragen werden (vgl. Fürstenberg 2015, S. 170; Waldmann 2002, S. 368).
Die Abteilung für Friedens- und Konfliktforschung der Universität Uppsala beschreibt den Bürgerkrieg als einen „conflict between a government and a non-governmental party, with no interference from other countries.” (PCR o. J.). Bultmann (2017, S. 14) hingegen definiert Bürgerkrieg „als organisierte kollektive Gewalt (…), an der mindestens ein nicht-staatlicher Akteur beteiligt ist.“ Damit umfasst seine Definition auch Konflikte, an denen kein staatlicher Akteur beteiligt ist, weil er beispielsweise vollständig fehlt oder sich die beteiligten Akteure nicht mehr klar zuordnen lassen (vgl. ebd., S. 14).
Die möglichen Gründe für die Entstehung von Bürgerkriegen sind vielschichtig und können beispielsweise ethnischer (z. B. das zerfallende Jugoslawien der 1990er Jahre), religiöser oder ökonomischer (z. B. in Kaschmir oder Nigeria) Natur sein (vgl. Deißler 2016, S. 25). Bürgerkriege können aber auch als Sezessionskriege (wie unlängst in der Ukraine) oder als revolutionäre Kriege (wie in Mexiko zwischen 1910 – und 1920) vorkommen (vgl. Böhm 2017, 246 f.; Osterhammel 2010, S. 193).
Zusammenfassung der Kapitel
Abstract: Dieses Kapitel erläutert die veränderten Muster kriegerischer Konflikte und stellt die Forschungsarbeit vor, die den Zusammenhang zwischen Staatsfragilität und Bürgerkriegsrisiko mittels des Fragile State Index 2019 untersucht.
Begriffsdefinitionen: Hier werden die Kernbegriffe der Arbeit, insbesondere Staatsfragilität und Bürgerkrieg, auf Basis der wissenschaftlichen Literatur definiert und voneinander abgegrenzt.
Stand der Forschung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über aktuelle Forschungsansätze zur Staatszerfallsforschung und diskutiert insbesondere die Rolle der Staatskapazität als Faktor für innerstaatliche Konflikte.
Hypothesen: Basierend auf der theoretischen Literatur werden hier die Forschungsleitfragen in zwei zentrale Hypothesen überführt, die den Zusammenhang zwischen Staatskapazität, Staatsfragilität und Bürgerkriegsrisiko spezifizieren.
Datenlage/Datennutzung: Es wird die methodische Grundlage der Arbeit beschrieben, insbesondere die Nutzung des Fragile State Index 2019 als Instrument zur empirischen Einordnung staatlicher Stabilität.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und bestätigt, dass mangelnde staatliche Kapazitäten und eine daraus resultierende fragile Staatlichkeit das Bürgerkriegsrisiko signifikant erhöhen.
Schlüsselwörter
Staatsfragilität, Bürgerkriegsrisiko, Fragile State Index, Staatskapazität, innerstaatliche Konflikte, Konfliktforschung, Staatszerfall, politische Instabilität, Regierungsformen, Staatskollaps, Sicherheitslage, Governance, empirische Analyse, Friedensforschung, Staatsversagen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Zusammenhang zwischen der Fragilität von Staaten und dem statistischen Risiko für den Ausbruch von Bürgerkriegen im 21. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Staatsfragilität, der Analyse von Staatskapazitäten und der Untersuchung von Risikofaktoren für bewaffnete innerstaatliche Konflikte.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es zu belegen, dass eine schwache staatliche Kapazität und eine damit einhergehende fragile Staatlichkeit die Wahrscheinlichkeit von Bürgerkriegsausbrüchen erhöhen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Untersuchung verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quantitative Analyse, indem sie die Subindikatoren des Fragile State Index 2019 mit Ergebnissen aus der empirischen politikwissenschaftlichen Forschung vergleicht.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Begriffsbestimmung, eine ausführliche Literaturrecherche zum Forschungsstand sowie die Ableitung und methodische Einordnung von Hypothesen zur Staatsfragilität.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Studie?
Neben Staatsfragilität und Bürgerkriegsrisiko sind Staatskapazität, Governance, politische Stabilität und der Fragile State Index die zentralen analytischen Begriffe.
Warum wird der Fragile State Index (FSI) als primäres Messinstrument genutzt?
Der FSI gilt als wichtigstes Instrument der Staatszerfallsforschung, da er durch seine zwölf Subindikatoren reproduzierbare Daten liefert und Staaten hinsichtlich ihres Zerfallsrisikos vergleichbar macht.
Welche spezifischen Indikatoren wurden als besonders risikorelevant identifiziert?
Die Analyse ergab, dass insbesondere wirtschaftliche (E1, E2) und politische (P1, P3) Subindikatoren eine entscheidende Rolle für die Stabilität und damit für das Konfliktrisiko eines Staates spielen.
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- Moustafa Abbas (Autor), 2019, Der Zusammenhang von Staatsfragilität und Bürgerkriegsrisiko im 21. Jahrhundert, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1144709