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HAMAS. Eine terroristische Organisation auf dem Weg zu einer „normalen“ politischen Kraft?

Title: HAMAS. Eine terroristische Organisation auf dem Weg zu einer „normalen“ politischen Kraft?

Seminar Paper , 2006 , 31 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Mag Stefan Fersterer (Author)

Politics - Region: Near East, Near Orient
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Summary Excerpt Details

Als die radikalislamische Hamas im Jänner 2006 bei ihrem ersten Antreten
bei nationalen palästinensischen Parlamentswahlen auf Anhieb eine
absolute Mehrheit erreichte und 74 von 132 Sitzen im Parlament eroberte,
ging ein großes Raunen durch die internationale Gemeinschaft. Erwartet
worden war zwar ein knappes Rennen zwischen der bisher regierenden
Fatah und ihrem stärksten Konkurrenten. Überraschend war jedoch für
viele, dass die Palästinenser der im internationalen Umfeld hauptsächlich
durch Selbstmordanschläge bekannten Hamas ein derartiges
Vertrauensvotum aussprachen.
Hingegen fällt bei genauerer Betrachtung auf, dass das Wahlergebnis im
Grunde nicht allzu sehr überraschen dürfte. Während die Hamas ein breit
gefächertes Sozialnetzwerk unterhält, auf regionaler Ebene bereits bei
Lokalwahlen zahlreiche Erfolge eingefahren hat, geschlossen und
konsequent auftritt und für die von Armut gebeutelte und für die der
israelischen Besatzung längst überdrüssig gewordene Bevölkerung in der
Westbank und Gaza die einzig glaubwürdige politische Alternative
darstellt, zeigt sich bei der Fatah ein konträres Bild, dass vor allem durch
Korruption in der Autonomiebehörde, den stockenden Friedensprozess und
der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage geprägt ist.
In Zukunft wird die Hamas die Regierung stellen1 und damit die Leitung
über die palästinensische Autonomiebehörde innehaben. Ob es ihr gelingt,
die essentiellsten Bedürfnisse der Palästinenser besser zu befriedigen als
ihre Amtsvorgänger, kann gegenwärtig noch nicht beurteilt werden. Was
jedoch sehr wohl ihren Erfolg als Regierungspartei beeinflussen wird, ist
die Entwicklung der Beziehungen zu Israel.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I EINLEITUNG

II ABRISS DER HAMAS-ENTWICKLUNG

III THEORETISCHER RAHMEN DER HAMAS (CHARTA VON 1988)

3.1 HISTORISCHES PALÄSTINA

3.2. NATIONALISMUS UND JIHAD

3.3 INTERNATIONALE FRIEDENSBEMÜHUNGEN

3.4 DER FEIND UND DIE WELTVERSCHWÖRUNG GEGENÜBER DEM ISLAM

3.5 DIE ARABISCHEN (NACHBAR)-STAATEN

3.6. DAS VERHÄLTNIS ZUR PLO

3.7. VERHÄLTNIS ZU ANDEREN RELIGIONEN

IV DIE STÄRKEN DER HAMAS

4.1 RELIGION, NATIONALISMUS UND SOLIDARITÄT

4.2 SOZIALE SICHERHEIT

4.3 SCHWÄCHEN DER PLO, CHARISMA UND BASISARBEIT DER HAMAS

V GEWALT

5.1 MILITÄRISCHE GRUPPEN

5.2 ORGANISATION UND REKRUTIERUNG

5.3 ZIELE UND TAKTIKEN

5.4 MÄRTYRER ALS WAFFE

5.4.1 Entwicklung

5.4.2 Ziele und Rechtfertigungen

5.4.3 Persönlichkeitsprofil von Hamas-Selbstmordattentätern

5.4.4 Finanzielle Entschädigung für Familien

5.4.5 Kollaborateure

VI DIE HAMAS ZWISCHEN THEORIE UND PRAXIS

6.1 ZWEI-STAATEN LÖSUNG, FRIEDEN MIT ISRAEL UND DAS ENDE DES BEWAFFNETEN KAMPFES

VII ABSCHLUSSBETRACHTUNGEN

VIII LITERATURVERZEICHNIS

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob sich die Hamas nach ihrem Wahlsieg im Jahr 2006 von einer terroristisch geprägten Organisation zu einer pragmatischen politischen Kraft entwickelt, die Machterhalt und Friedensbemühungen über ideologische Maximalforderungen stellt.

  • Entwicklung und Geschichte der Hamas.
  • Theoretische und ideologische Grundlagen (Charta von 1988).
  • Soziale Basisarbeit und Strategien zur Machtkonsolidierung.
  • Rolle der Gewalt und Selbstmordattentate als politisches Instrument.
  • Transformation zur Regierungsverantwortung und Umgang mit Israel.

Auszug aus dem Buch

5.4.2 Ziele und Rechtfertigungen

Die Hamas unterscheidet bei Angriffen mittlerweile nicht mehr zwischen israelischen Soldaten und Zivilisten, da sie einerseits aufgrund der Wehrpflicht alle israelischen Männer als militärische Ziele sieht. Andererseits hat sie, nachdem die israelische Polizei im Jahr 1990 palästinensische Demonstranten nahe dem Tempelberg attackiert hatte und das Hebron-Massaker 1994 während des Ramadan verübt wurde, den Schluss gezogen, dass sich ganz Israel im Krieg mit der palästinensischen Gesellschaft befindet. Diese Schlussfolgerung wird damit begründet, dass die israelische Gesellschaft die Zerstörung des islamischen Nationalismus unterstützt und der Krieg zwischen Israel und der Hamas daher keine unschuldigen israelischen Zivilisten treffen kann, da die gesamte israelische Bevölkerung als feindlicher Kriegsgegner angesehen wird.

Die beiden Hamas-Begründer, und bis zu ihrer gezielten Tötung durch Israel 2003 bzw. 2004, Führungspersönlichkeiten, Ismail Abu Shanab und Abd al-Aziz ar-Rantisi, betrachten palästinensische Selbstmordattentate nicht als Bekämpfungsmaßnahme gegen Israel sondern als Reaktion auf israelische Attacken: Die Märtyrerattacken stellen demnach also einen Akt der Selbstverteidigung und der Vergeltungsschläge dar. Rantisi führt weiters aus, dass diese Waffe lediglich solange eingesetzt wird, bis die Israelis damit aufhören, palästinensische Zivilisten und Kinder zu töten.

Zusammenfassung der Kapitel

I EINLEITUNG: Darstellung des überraschenden Wahlsiegs der Hamas im Jahr 2006 und der daraus resultierenden Forschungsfrage nach einer politischen Transformation der Bewegung.

II ABRISS DER HAMAS-ENTWICKLUNG: Überblick über die historischen Stadien der Organisation, von ihren Anfängen unter der Muslimbruderschaft bis zur Gründung als Hamas-Arm im Jahr 1987.

III THEORETISCHER RAHMEN DER HAMAS (CHARTA VON 1988): Analyse der ideologischen Kernbotschaften der Charta, insbesondere in Bezug auf das Ziel eines islamischen Staates und die Ablehnung von Friedensverhandlungen mit Israel.

IV DIE STÄRKEN DER HAMAS: Untersuchung der Faktoren, die zum politischen Aufstieg beigetragen haben, wie die Verknüpfung von Religion und Nationalismus sowie der Aufbau eines umfangreichen sozialen Netzwerks.

V GEWALT: Detaillierte Betrachtung des militärischen Flügels und der strategischen Nutzung von Terroranschlägen sowie Selbstmordattentaten als Mittel des palästinensischen Widerstands.

VI DIE HAMAS ZWISCHEN THEORIE UND PRAXIS: Analyse der Spannung zwischen den ideologischen Ansprüchen der Hamas und der politischen Realität, in der pragmatischere Ziele gegenüber Israel an Bedeutung gewinnen.

VII ABSCHLUSSBETRACHTUNGEN: Fazit der Forschungsarbeit mit einer Resümee-Betrachtung der Anzeichen für eine Entwicklung der Hamas zu einer "normalen" politischen Kraft.

Schlüsselwörter

Hamas, Nahostkonflikt, Palästina, Israel, Islamismus, Selbstmordattentate, Intifada, Politische Transformation, Regierungsverantwortung, Muslimbruderschaft, Nationalismus, Jihad, Friedensprozess, Sozialnetzwerk, Ahmed Yassin.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, ob die radikalislamische Organisation Hamas durch ihren Wahlsieg 2006 gezwungen ist, ihren ideologischen Kurs zu ändern und sich in eine pragmatische politische Regierungspartei zu verwandeln.

Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?

Die Arbeit behandelt die historische Genese der Hamas, ihre ideologische Basis in der Charta von 1988, ihre sozialen Wohlfahrtsprogramme sowie die militärische Strategie und Rechtfertigung von Gewalt.

Welches Ziel verfolgt die Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, forschungsleitend zu klären, ob die Hamas bereit und in der Lage ist, ihre ideologischen Visionen eines befreiten Palästinas hinter Machtrealitäten zurückzustellen, um einen Frieden mit Israel zu ermöglichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Seminararbeit, die auf einer fundierten Literaturrecherche, der Analyse zeitgenössischer Dokumente (wie der Charta von 1988) und der Auswertung von Experteninterviews basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Stärken der Hamas bei der Bevölkerung, ihre militärische Organisation, die Rolle von Selbstmordattentaten sowie die Anpassungsprozesse der Hamas-Führung an die politische Realität detailliert beleuchtet.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Schlagworte sind Hamas, Nahostkonflikt, Palästina-Wahlen 2006, politische Transformation, Islamismus und die Spannung zwischen Ideologie und Regierungspragmatismus.

Welche Rolle spielt die Charta von 1988 für die aktuelle Politik der Hamas?

Die Charta bildet den ideologischen Kern, der die vollständige Zerstörung Israels fordert; die Arbeit zeigt jedoch auf, wie die politische Praxis der Hamas in der Autonomiebehörde zunehmend von diesen starren Forderungen abweicht.

Was ist das Ergebnis der Untersuchung bezüglich des Friedensprozesses?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Hamas zwar ihren Rechtsanspruch auf das gesamte Palästina ideologisch kaum aufgeben wird, aber aufgrund politischer Notwendigkeiten und des Drucks der Bevölkerung einen langfristigen Waffenstillstand als pragmatische Lösung anstrebt.

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Details

Title
HAMAS. Eine terroristische Organisation auf dem Weg zu einer „normalen“ politischen Kraft?
College
University of Salzburg  (Institut für Politikwissenschaften)
Course
Politik, Religion und Gewalt – Theoretische Ansätze zum Problem Fundamentalismus und Terrorismus
Grade
1,0
Author
Mag Stefan Fersterer (Author)
Publication Year
2006
Pages
31
Catalog Number
V114623
ISBN (eBook)
9783640162062
ISBN (Book)
9783640163915
Language
German
Tags
HAMAS Politik Religion Gewalt Theoretische Ansätze Problem Fundamentalismus Terrorismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mag Stefan Fersterer (Author), 2006, HAMAS. Eine terroristische Organisation auf dem Weg zu einer „normalen“ politischen Kraft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114623
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