Diese Arbeit beschäftigt sich damit, welche Faktoren im deutschen politischen System die deskriptive politische Repräsentation der in Deutschland lebenden Muslime im deutschen Bundestag behindern.
Eines der wichtigsten gesellschaftlichen und politischen Themen ist der Umgang mit dem Multikulturalismus. Diese Debatte hat sich nicht erst im Zuge der Flüchtlingskrise oder polarisierenden Parteien, wie der AFD entwickelt, sondern existiert bereits seit in den 1950er und 1960er Jahren Migranten, hauptsächlich aus der Türkei und damit mit muslimischem Hintergrund, als Gastarbeiter nach Deutschland kamen.
Ohne diese Gastarbeiter aus der Türkei, die rekrutiert wurden, um in deutschen Fabriken zu arbeiten, hätte die deutsche Wirtschaft ihren Boom nicht in dem Maße erlebt, wie es der Fall war.
Inhaltsverzeichnis
1 Multikulturalismus und politische Repräsentation in Deutschland
2 Theoretische Rahmung
3 Deskriptive politische Repräsentation in Deutschland lebender Muslime
4 Zusammenfassung und Bewertung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Faktoren im deutschen politischen System, welche die deskriptive Repräsentation von in Deutschland lebenden Muslimen im Bundestag behindern. Ziel ist es, den Forschungsstand zu synthetisieren, die Hürden für eine adäquate politische Teilhabe zu identifizieren und die Notwendigkeit einer stärkeren Integration dieser Bevölkerungsgruppe in parlamentarische Prozesse aufzuzeigen.
- Analyse sozioökonomischer und rechtlicher Barrieren
- Einfluss parteiinterner Selektions- und Rekrutierungsmechanismen
- Diskriminierungserfahrungen und deren Auswirkungen auf das politische Engagement
- Strukturelle Auswirkungen des Wahlsystems auf die Repräsentationschancen
Auszug aus dem Buch
3 Deskriptive politische Repräsentation in Deutschland lebender Muslime
Im Jahr 2019 leben knapp fünf Millionen Muslime in Deutschland, das macht einen Bevölkerungsanteil von ca. sechs Prozent in Deutschland aus (cte/dpa/AP 2017). Laut offizieller Bundestagswebseite sitzen nur drei muslimische Abgeordnete im Parlament, vermutlich sind es tatsächlich allerdings sechs von 709, was im Zuge der Abstimmung über die Homoehe herausgekommen sei (coh 2017). 189 Abgeordnete hätten dabei allerdings keine Angabe über ihre Konfession gemacht (coh 2017). Nach eigener Betrachtung aller Abgeordneten des Bundestags von 2017 bis heute sitzen maximal neun muslimische Abgeordnete im Parlament. Betrachtet wurden die Viten und die darin genannten Eigenschaften: Geburtsort, Name, evtl. Sprachen, Aussehen. Ich maße mir nicht an durch diese Daten es als erwiesen zu sehen, dass diese Abgeordneten sicher zum Islam gehören, allerdings selbst wenn alle neun möglichen Abgeordneten es wären, würden diese einen prozentualen Anteil von 1,27 Prozent von den 709 Abgeordneten ausmachen. Um eine wirkliche deskriptive Repräsentation im Parlament zu gewährleisten müsste es 42 muslimische Abgeordnete geben, nach offiziellen Angaben gibt es also 39 zu wenig. Zudem kann man aufgrund der Tatsache, dass sich die maximal sechs anderen Abgeordneten nicht öffentlich dazu äußern dem Islam anzugehören, davon ausgehen, dass diese keinen großen Wert auf ihren Glauben legen und so auch nicht als effektive Repräsentanten der Interessen von Muslimen in Deutschland verstanden werden können. Wenn man also von tatsächlich nur drei Abgeordneten ausgeht, machen diese einen Anteil von 0,42 Prozent des Bundestags aus.
Hier wird bereits der erste Grund für die deskriptive Unterrepräsentation klar: Das fehlende Selbstverständnis der gesamten islamischen Community und die fehlende Herausbildung einer mehrheitlichen Identität, welche von Nöten wäre, um das Empowerment dieser Minderheit voranzutreiben (Pick 2018). Der spezielle Grund, der dafür sorgt, dass nur drei von max. neun Abgeordneten sich öffentlich zum Islam bekennen, liegt darin, dass Parteien nur die Minderheitenkandidaten fördern, die bestimmte Eigenschaften gemäß der parteipolitischen Ideologie erfüllen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Multikulturalismus und politische Repräsentation in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert den gesellschaftspolitischen Kontext und die historische Entwicklung des Umgangs mit Zuwanderung und Islam in Deutschland, wobei die Problematik der politischen Exklusion und Polarisierung hervorgehoben wird.
2 Theoretische Rahmung: Hier werden grundlegende Konzepte der Konfliktforschung und Repräsentationstheorien, insbesondere nach Pitkin und Mansbridge, dargelegt, um die theoretische Basis für die Analyse der deskriptiven Repräsentation zu schaffen.
3 Deskriptive politische Repräsentation in Deutschland lebender Muslime: Das Kapitel analysiert die aktuelle Unterrepräsentation muslimischer Abgeordneter und identifiziert zentrale Hindernisse wie sozioökonomische Faktoren, parteipolitische Selektion, gesellschaftliche Diskriminierung und institutionelle Aspekte des Wahlsystems.
4 Zusammenfassung und Bewertung: Abschließend werden die erarbeiteten Hindernisse gebündelt und die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen und politischen Umdenkens unterstrichen, um eine weitere Spaltung der Gesellschaft zu verhindern.
Schlüsselwörter
Politische Repräsentation, Muslime in Deutschland, Deskriptive Repräsentation, Unterrepräsentation, Bundestag, Politische Partizipation, Diskriminierung, Wahlsystem, Parteien, Integration, Minderheiten, Identität, Sozioökonomie, Politische Kultur, Empowerment.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Unterrepräsentation muslimischer Menschen im deutschen Bundestag und identifiziert die Barrieren, die eine gleichberechtigte deskriptive politische Repräsentation verhindern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Parteiensoziologie, Repräsentationstheorien, die Auswirkungen des Wahlsystems sowie die sozioökonomischen und kulturellen Rahmenbedingungen der Integration in Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu geben und die komplexen Hindernisse aufzuzeigen, die Muslime an einem erfolgreichen politischen Aufstieg auf Bundesebene hindern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine umfassende Dokumentenanalyse, bei der einschlägige Literatur nach dem Schneeballprinzip gesichtet, ausgewertet und argumentativ synthetisiert wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil untersucht systematisch Barrieren wie sozioökonomische Ungleichheiten, die parteiinterne Selektion, die Rolle des Wahlsystems und die Auswirkungen gesellschaftlicher Diskriminierung auf potenzielle Kandidaten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören politische Repräsentation, deskriptive Unterrepräsentation, muslimische Minderheit, politische Partizipation und strukturelle Barrieren.
Warum spielen Parteien bei der Repräsentation eine so große Rolle?
Parteien besitzen die exklusive Macht bei der Nominierung von Kandidaten; ihre Rekrutierungsstrategien und parteiinternen Dynamiken entscheiden maßgeblich darüber, wer eine Chance auf ein Bundestagsmandat erhält.
Welchen Einfluss hat das Wahlsystem auf die Repräsentation von Muslimen?
Das deutsche Wahlsystem mit seinen Direktmandaten benachteiligt laut Arbeit Minderheitenkandidaten gegenüber rein proportionalen Systemen, da das Erlangen von Direktmandaten für diese Gruppen schwieriger ist.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2019, Die politische Repräsentation der in Deutschland lebenden Muslime, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1147427