In dieser Arbeit zunächst drei Perspektiven dargestellt mit deren Hilfe versucht werden kann Europa zu definieren. Geographische, kulturelle sowie politisch-institutionelle Besonderheiten Europas werden im zweiten Abschnitt dahingehend analysiert, inwieweit sich mit ihnen eine Aussage über die Territorialität Europas treffen lässt. Es wird demnach auf Fragen eingegangen wie: Wo liegen die natürlichen Grenzen Europas? Welche Staaten gehören zu Europa? Wo endet Europa? Welche Kriterien lassen sich finden um Europa zu definieren? Solche Fragen werden vor allem in der Diskussion um die Erweiterung der Europäischen Union immer wieder gestellt. Dass sie aber auch eine ebenso hohe Bedeutung für die Sicherheitspolitik in Europa haben, soll durch eine Auseinandersetzung mit dem „erweiterten Sicherheitsbegriff“ im dritten Abschnitt deutlich werden. Denn Sicherheitspolitik beschäftigt sich nicht zuletzt mit dem Schutz eines Territoriums. Wenn dieses Territorium für Europa allerdings nicht eindeutig definiert wird oder werden kann und wenn die Risiken, durch die die Sicherheit in Europa gefährdet wird, ebenfalls komplexer und vielschichtiger geworden sind, dann sind dies grundlegende Bedingungen für eine europäische Sicherheitsstrategie. Denkbare Schlussfolgerungen, die sich aus dem „Fehlen“ eines europäischen Territoriums und dem „erweiterten Sicherheitsbegriff“ in Bezug auf Akteure, Ziele, Risiken, Mittel und Zweck der europäischen Sicherheitspolitik ziehen lassen, werden im vierten Teil der Arbeit abschließend dargestellt
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Schwierigkeiten Europas Territorium zu definieren
3. Der „erweiterte Sicherheitsbegriff“
4. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die Schwierigkeit, Europa geographisch und politisch eindeutig abzugrenzen, in Verbindung mit dem modernen „erweiterten Sicherheitsbegriff“ die Gestaltung einer effektiven europäischen Sicherheitsstrategie beeinflusst. Ziel ist es, die strukturellen Bedingungen für ein gemeinsames sicherheitspolitisches Handeln der Europäischen Union zu analysieren.
- Die Problematik der territorialen Identität und Definition Europas
- Die Transformation sicherheitspolitischer Herausforderungen im 21. Jahrhundert
- Das Konzept des „erweiterten Sicherheitsbegriffs“
- Die Rolle der Europäischen Union als sicherheitspolitischer Akteur
- Handlungsfelder einer europäischen Sicherheitsstrategie
Auszug aus dem Buch
Die Schwierigkeiten Europas Territorium zu definieren
Der erste und nahe liegendste Ansatz ein europäisches Territorium zu bestimmen ist, nach den geographischen Grenzen des Kontinents „Europa“ zu suchen. Als Erdteil weist Europa gegenüber anderen Kontinenten eine Besonderheit auf. Im Gegensatz zu Afrika oder Australien, die vollständig von Wasser umgeben sind, ist Europa dies lediglich von drei Seiten. Im Süden grenzt das Mittelmeer den europäischen vom afrikanischen Kontinent ab, im Westen und Süden bilden der Atlantik und die Nordmeere eine klare Grenze. Schwieriger ist es dagegen eine solch eindeutige Grenze Europas in Richtung Osten zu finden, da hier der Übergang zu Asien nicht durch ein natürliches Gewässer markiert wird. Es stellt sich in geographischer Hinsicht vor allem die Frage, wo endet Europa im Osten und wo beginnt Asien. Im Schulunterricht wird in der Regel der Ural als östliche Grenze vermittelt. Dass diese Grenze zwar weitestgehend zur gesellschaftlichen Konvention geworden ist, sie aber keineswegs als pauschal richtig akzeptiert werden kann, deutet folgendes Zitat aus dem Brockhaus an:
„Als Grenze E.´s zu Asien gilt seit dem 18. Jh. der Ural, der aber wegen seiner geringen Höhe […] keine wirkliche Barriere darstellt.“
Der Ural ist als Ostgrenze in der neuzeitlichen Forschungsgeschichte nicht unumstritten, ob nun aufgrund seiner zu geringen Höhe oder anderer Merkmale. Denn neben der von Strahlenberg 1730 festgelegten Uralgrenze existieren noch eine Reihe weiterer Vorschläge dafür wie Europa von Asien zu trennen sei, die zum Teil wesentlich weiter östlich verlaufen. Dazu zählt zum einen die Verlegung der Ostgrenze Europas durch Ritter und Reclus Mitte des 19. Jahrhunderts an den Osthang des Uralgebirges, zum anderen die weit in Sibirien liegende Grenze, die Louis 1954 definiert hat. Die Gründe, die für solche östlicheren Grenzziehungen genannt werden, ergeben sich zumeist aus der Betrachtung von Vegetations- oder Agrarzonen und Bevölkerungsverteilungen, welche Kontinuitäten auch über den Ural hinweg aufweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Relevanz der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) ein und umreißt die zentrale Forschungsfrage zur Abhängigkeit der Sicherheitsstrategie von einer territorialen Definition Europas.
2. Die Schwierigkeiten Europas Territorium zu definieren: Dieses Kapitel analysiert die komplexen geographischen, kulturellen und politischen Abgrenzungsversuche Europas und verdeutlicht, dass eine eindeutige territoriale Festlegung wissenschaftlich und praktisch kaum möglich ist.
3. Der „erweiterte Sicherheitsbegriff“: Das Kapitel erläutert den Wandel des Sicherheitsbegriffs von einem rein militärischen Fokus hin zu einer facettenreichen Betrachtung, die heute globale Risiken wie Armut, ökologische Krisen und Terrorismus einschließt.
4. Schlussfolgerungen: Die Schlussfolgerungen leiten aus der Abwesenheit klarer Grenzen und der Ausweitung des Sicherheitsbegriffs die Notwendigkeit ab, einen „europäisierten Sicherheitsraum“ zu definieren und verstärkt auf supranationale Zusammenarbeit zu setzen.
Schlüsselwörter
Europäische Sicherheitsstrategie, GASP, erweiterter Sicherheitsbegriff, Europäische Union, Territorialität, Identität Europas, Sicherheitspolitik, Krisenprävention, geopolitische Grenzen, soft power, internationale Stabilität, Sicherheit, supranationale Integration, Außenpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedingungen für eine europäische Sicherheitsstrategie unter Berücksichtigung der fehlenden klaren territorialen Definition Europas und des modernen erweiterten Sicherheitsbegriffs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die geographische und kulturelle Abgrenzung Europas, die Entwicklung der Sicherheitspolitik nach dem Kalten Krieg und die Handlungsfähigkeit der EU in internationalen Krisen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu verstehen, wie eine europäische Sicherheitsstrategie gestaltet werden kann, wenn Europa als Territorium nicht eindeutig definierbar ist und Sicherheitsrisiken immer komplexer werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse, bei der verschiedene Perspektiven (geographisch, kultur-historisch, institutionell) auf die Identität und Sicherheit Europas zusammengeführt und bewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Problemen der Ostgrenze Europas, dem Vergleich europäischer Institutionen in ihrem Aktionsradius sowie der theoretischen Herleitung des erweiterten Sicherheitsbegriffs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Europäische Sicherheitsstrategie, erweiterter Sicherheitsbegriff, GASP, Territorialität und europäische Identität.
Inwiefern beeinflusst der „erweiterte Sicherheitsbegriff“ die Strategie der EU?
Er zwingt die EU, über klassische militärische Verteidigung hinauszudenken und zivile Instrumente sowie Entwicklungshilfe stärker in die sicherheitspolitische Strategie zu integrieren.
Warum ist das Konzept eines „europäisierten Sicherheitsraums“ für den Autor wichtig?
Da Europa nicht an festen Grenzen endet, schlägt der Autor vor, einen dynamischen Sicherheitsraum zu etablieren, der Nachbarregionen wie Nordafrika oder den Nahen Osten einbezieht, um Stabilität in Europa zu gewährleisten.
- Citar trabajo
- Malte Brink (Autor), 2007, Bedingungen für eine europäische Sicherheitsstrategie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114823