In dieser Arbeit wird weder versucht, das indische Schauspiel mit dem hinduistischen Ritual zu vergleichen, noch die beiden Phänomene miteinander gleichzusetzen, obgleich sich ähnliche Elemente beobachten lassen. Vielmehr geht es darum, die Evokationsprozesse von Emotionen im Speziellen zu untersuchen, die sowohl im Schauspiel als auch im Ritual vonstattengehen.
Laut dem Natyasastra ist das Gelingen eines Schauspiels dadurch gekennzeichnet, dass es rasa – das ästhetische Gefühl – im Zusehenden evoziert. Es wird nun behauptet, dass eine ähnliche Evokation bei einem gelungenen Ritual zu beobachten ist: die Evokation des transzendentalen Gefühls. Einerseits finden sich in Schauspiel und Ritual viele gemeinsame Momente, und bei beiden ist deren Gelingen durch Strukturen geregelt, andererseits gehen die Erfahrungen, die man als Zuseher beim Schauspiel und als Gläubiger beim Ritual macht, über die alltäglichen Erfahrungen hinaus.
Ein entscheidendes Element, das zur Evokation von Emotionen und somit zur Etablierung eines geteilten Emotionsraumes beiträgt, ist die Materialität. Sowohl im indischen Schauspiel als auch im hinduistischen Ritual kommen Gegenstände zum Einsatz, um das Gelingen der Performanz zu gewährleisten. Angefangen vom Gebäude bis hin zu kleineren Hilfsmitteln sind die Formen der Gegenständlichkeit im Schauspiel sowie im Ritual festgesetzt und bestimmt. Durch die Materialität, die uns umgibt, wird ein neuer Raum geschaffen, der über die Räumlichkeit und die alltägliche Welt hinausgeht. Darüber hinaus lässt sich an der Relevanz der "richtigen" Objekte und deren korrekten Gebrauch erkennen, welche große Bedeutung, der Materialität zukommt.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Das indische Schauspiel
- 2.1. Was ist das ästhetische Gefühl, rasa?
- 2.2. Die Evokation des ästhetischen Gefühls – Aufbau eines gelungenen Schauspiels
- 3. Das hinduistische Ritual
- 3.1. Was ist das transzendentale Gefühl?
- 3.2. Die Evokation des transzendentalen Gefühls - Aufbau eines gelungenen Rituals
- 4. Vergleich der Evokationsprozesse
- 5. Konklusion
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit befasst sich mit den Evokationsprozessen von Emotionen im indischen Schauspiel und im hinduistischen Ritual. Sie untersucht, wie Materialität in diesen Performanzen eine entscheidende Rolle spielt, um sowohl das ästhetische Gefühl (rasa) im Schauspiel als auch das transzendentale Gefühl im Ritual zu evozieren.
- Die Rolle der Materialität in der Evokation von Emotionen
- Vergleich der Evokationsprozesse im indischen Schauspiel und hinduistischen Ritual
- Die Bedeutung von Rasa und transzendentalem Gefühl
- Der Einfluss von Strukturen und Räumlichkeiten auf die Evokationsprozesse
- Das Konzept der Comotion als geteiltes, gemeinsames Gefühl
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Einleitung: Die Arbeit stellt die zentrale These vor: sowohl im indischen Schauspiel als auch im hinduistischen Ritual werden durch Materialität und Strukturen Räume der Comotion geschaffen, die die Evokation von rasa bzw. des transzendentalen Gefühls ermöglichen.
- Kapitel 2: Das indische Schauspiel: Dieses Kapitel behandelt die rasa Theorie und die Interpretation von Abhinavagupta. Es analysiert die Struktur des Schauspiels, einschließlich Bühne, Akteure, Publikum und Requisiten.
- Kapitel 3: Das hinduistische Ritual: Analog zum Schauspiel wird das transzendentale Gefühl im Ritual betrachtet, indem die Struktur, die Räumlichkeit, die Akteure und die Materialität beleuchtet werden.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Themen Materialität, Evokation von Emotionen, indisches Schauspiel, hinduistisches Ritual, Rasa, transzendentales Gefühl, Comotion, Natyasastra, Abhinavagupta, Bühnenraum, Performanz.
- Quote paper
- Katrin Simon (Author), 2020, Die Rolle der Materialität in den Evokationsprozessen von Emotionen. Ein Vergleich zwischen dem indischen Schauspiel und dem hinduistischen Ritual, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1149255