Vor dem Hintergrund einer zunehmenden partizipativen Medienkritik innerhalb der vernetzten Öffentlichkeit der Weblognutzer („Blogosphäre“) wird das neue Format der Weblogs hinsichtlich seines Potenzials einer kritischen Medienbeobachtung untersucht.
Im Vordergrund der Analyse stehen dabei deutschsprachige Weblogs, die sich kritisch mit Strukturen und Inhalten der „Mainstream-Medien“ auseinandersetzen.
Am Beispiel der Anfang August 2006 von Blog-Autoren aufgedeckten Manipulation von Pressefotos der Nachrichtenagentur Reuters kann die Wirkungsweise medienkritischer „Watchblogs“ demonstriert und die von diesen Weblogs angestoßene Debatte einer wissenschaftlichen Analyse unterzogen werden.
Die zentrale Forschungshypothese der Arbeit lautet:
„Weblogs ermöglichen neue Formen partizipativer Medienkritik und lassen durch Vernetzung innerhalb der Blogosphäre diskursive Teilöffentlichkeiten entstehen.“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Forschungsproblem
1.2 Zentrale Fragestellung
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Konstitution medial vermittelter Öffentlichkeiten
2.1 Dimensionen des Öffentlichkeitsbegriffs
2.2 Exkurs: Öffentlichkeitstheorien und -modelle
2.3 Strukturmerkmale der Medienöffentlichkeit
2.4 Entstehung von Netzöffentlichkeiten
2.5 Zusammenfassung
3. Funktionen und Inhalte öffentlicher Medienkritik
3.1 Entstehung öffentlicher Diskurse über Medien
3.2 Etablierte Formen kritischer Medienreflexion
3.3 Exkurs: Medienkritische Diskurse und Neue Medien
3.4 Intermediale und medieninterne Kritik im Usenet und WWW
3.5 Zusammenfassung
4. Etablierung von Weblogs in der Netzöffentlichkeit
4.1 Exkurs: Medienformate im World Wide Web
4.2 Entwicklung von Weblogs als Medienformat
4.3 Themenschwerpunkte & Erscheinungsformen
4.4 Typologie von Blog-Autoren und -Lesern
4.5 Konstitutive Merkmale der Blogosphäre
4.6 Zusammenfassung
5. Forschungsdesign
5.1 Hypothesen der Untersuchung
5.2 Untersuchungsgegenstand
5.2.1 Auswahl der Stichprobe
5.3 Methode der Datenerhebung
5.4 Untersuchungsinstrumentarium
5.4.1 Analyse der Weblog-Makroebene
5.4.2 Analyse der Eintragsebene
5.4.3 Ergebnisse der Probecodierung
6. Untersuchungsergebnisse
6.1 Formale Charakteristika der Weblogebene
6.2 Formale Merkmale der Eintragsebene
6.3 Erörterung der Forschungshypothesen
7. Zusammenfassung & Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht den Wandel von Öffentlichkeit im Internet am Beispiel medienkritischer Weblogs. Das Ziel ist es, das Potenzial von Weblogs als Instrumente partizipativer Medienkritik empirisch zu überprüfen und zu analysieren, ob und wie durch Vernetzung in der Blogosphäre diskursive Teilöffentlichkeiten entstehen.
- Strukturwandel von Öffentlichkeit durch neue Internetmedien.
- Funktionsweise und Akteurskonstellationen medienkritischer Diskurse.
- Charakterisierung von Weblogs als neues Medienformat und deren Typologie.
- Empirische Analyse der medienkritischen Auseinandersetzung mit dem "Reutersgate"-Skandal.
Auszug aus dem Buch
1.1 Forschungsproblem
Als sich das Radio in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts zum Massenmedium entwickelte, formulierte Bertolt Brecht die Idee eines emanzipatorischen Medienapparats. Dieser sollte die Hörer nicht auf passive Konsumenten reduzieren, sondern sie zu aktiven und kritischen Teilnehmern formen. In der Realität beschränkte sich jedoch das Engagement des Publikums auf Wunschkonzerte, Ratespiele oder vereinzelte Meinungsäußerungen. Die Radiomacher kontrollierten weiterhin die Kommunikation, wie auch Redakteure innerhalb der Fernsehanstalten und anderer klassischer Massenmedien. Jürgen Habermas bezeichnete daher in den 1960er Jahren die durch Massenmedien konstituierte Öffentlichkeit nicht ohne Grund als „vermachtete Arena“ (Habermas 1990 [1962]), in der ein freier Meinungsaustausch kaum möglich und auf einen von den Medien gesteuerten Diskurs beschränkt werde.
Ohne Zweifel hat sich die von Habermas beschriebene Medienöffentlichkeit in den letzten vierzig Jahren verändert – und – zumindest in Deutschland – an aufklärerischen und gegenkontrollierenden Funktionen hinzugewinnen können. Neben der sogenannten Alternativpresse, die seit den 1970er Jahren die Entfaltung einer alternativen und autonomen Öffentlichkeit betreibt, beeinflusste vor allem die Entwicklung der Internettechnologie und ihrer interaktiven Medienformate einen strukturellen Wandel der Medienöffentlichkeit. Nach den diskursiven Kommunikationsmedien des „frühen Internets“ ermöglichte das World Wide Web (WWW) in den 1990er Jahren eine aktive Involvierung des Publikums. Es bildeten sich Netzöffentlichkeiten, deren Teilnehmer sich öffentlich über eigene Webseiten, Diskussionsforen oder Chats artikulieren und untereinander in einen Diskurs treten konnten.
Die Vision aktiver und kritischer Medienkonsumenten wurde aber nur teilweise Realität, denn negative Erscheinungen, wie Informationsflut und eine zunehmende Kommerzialisierung und Fragmentierung des öffentlichen Raumes, überschatteten die soziale Einbettung des WWW. Doch durch das enorme Potenzial des neuen Mediums sowie seiner experimentierfreudigen Nutzerschaft entstanden in den letzten Jahren neue Angebotstypen, welche die Schwächen bisheriger Formate im Netz ausgleichen. Dazu gehören – neben leistungsstarken Suchmaschinen und Peer-to-Peer-Angeboten – insbesondere die in dieser Arbeit im Mittelpunkt stehenden Weblogs.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Forschungsthema ein, benennt das zentrale Problem und die Forschungsfrage sowie den Aufbau der Arbeit.
2. Konstitution medial vermittelter Öffentlichkeiten: Hier werden theoretische Grundlagen zu Öffentlichkeit, deren Dimensionen und Strukturmerkmalen sowie die Entstehung von Netzöffentlichkeiten erörtert.
3. Funktionen und Inhalte öffentlicher Medienkritik: Dieses Kapitel widmet sich der Entstehung medienkritischer Diskurse und analysiert etablierte Formen der Medienreflexion sowie neue Ansätze in digitalen Medien.
4. Etablierung von Weblogs in der Netzöffentlichkeit: Es wird die Entwicklung von Weblogs, deren Merkmale, Erscheinungsformen und die Struktur der Blogosphäre als neues Medienformat beleuchtet.
5. Forschungsdesign: Dieses Kapitel leitet die Hypothesen ab, stellt den Untersuchungsgegenstand (den "Reutersgate"-Skandal) dar und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie das Instrumentarium.
6. Untersuchungsergebnisse: Hier werden die empirischen Befunde zur Weblogebene und Eintragsebene präsentiert sowie die aufgestellten Hypothesen diskutiert.
7. Zusammenfassung & Schlussbetrachtung: Dieses abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Ergebnisse im Kontext des Wandels von Öffentlichkeit.
Schlüsselwörter
Weblogs, Blogosphäre, Medienkritik, Netzöffentlichkeit, Strukturwandel, Online-Journalismus, Partizipation, Diskurs, Reutersgate, Internetkommunikation, Medienöffentlichkeit, Gatekeeper, Blog-Autoren, Identitätsmanagement, Vernetzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den strukturellen Wandel von Öffentlichkeit durch neue Internetmedien, mit besonderem Fokus auf der Rolle von Weblogs als Instrumente partizipativer Medienkritik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themenfelder umfassen die Medientheorie, die Entstehung von Netzöffentlichkeiten, die Analyse medienkritischer Diskurse und die empirische Untersuchung von Weblog-Strukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Potenzial von Weblogs für eine partizipative Medienkritik zu bewerten und die Entstehung diskursiver Teilöffentlichkeiten in der Blogosphäre nachzuweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die quantitative Inhaltsanalyse als primäre wissenschaftliche Methode, um sowohl die Weblog-Makroebene als auch die inhaltliche Eintragsebene systematisch auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Öffentlichkeit und Medienkritik, eine Typologisierung von Weblogs und eine empirische Fallstudie anhand des "Reutersgate"-Skandals.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Weblogs, Blogosphäre, Medienkritik, Netzöffentlichkeit, Partizipation und die Untersuchung der Diskursbildung.
Welche Bedeutung hat der "Reutersgate"-Skandal für die Arbeit?
Der Skandal dient als konkreter Untersuchungsgegenstand, um die medienkritische Auseinandersetzung von Bloggern mit Manipulationen durch professionelle Nachrichtenagenturen empirisch zu analysieren.
Zu welchem Ergebnis kommt der Autor bezüglich der Rolle von Weblogs?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Weblogs zwar keine vollständige Ablösung klassischer Medien darstellen, aber neue partizipative Strukturen für Medienkritik bieten und somit den Wandel von Öffentlichkeit im Web maßgeblich beeinflussen.
- Quote paper
- Magister Artium (M.A.) Nils Mammen (Author), 2006, Weblogs und Wandel von Öffentlichkeit im World Wide Web - Eine explorative Studie am Beispiel medienkritischer Blogs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114972