Ziel dieser Arbeit ist es herauszustellen, dass Wahrnehmung-verzerrende Effekte auf Social Media im geringen Maße vorkommen, aber nicht nur auf Algorithmen, sondern auch soziale Effekte und dem individuellen Umgang mit anderen Ansichten zurückzuführen sind.
Hierfür werden zuerst Algorithmen auf Social Media Plattformen im Allgemeinen betrachtet, deren grundsätzliche Funktionsweisen und warum diese notwendig sind. Anschließend betrachten wir die Ansprüche an solche Algorithmen aus den Perspektiven der Nutzer, der Plattforminhaber und anderer Unternehmen. Daraufhin werden Studien zu den tatsächlichen Filterungsverfahren der Algorithmen verschiedener Plattformen analysiert und schlussendlich werden wissenschaftliche Diskurse bezüglich der Wirkung und des Ursprungs des Blaseneffektes und der Polarisation auf sozialen Netzwerken betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Internet und die Filterblase
2. Voraussetzungen und Folgen vom Einsatz der Algorithmen
2.1 Funktionsweisen der Algorithmen
2.2 Die sozialen Netzwerke
2.2.1 Der Nutzer-Faktor
2.2.2 Der Unternehmens-Faktor
2.2.3 Das Eigeninteresse der Plattformen
3. Statistische Analysen zu Algorithmen und dem Filterblasen-Effekt
4. Soziale Phänomene der Polarisation
4.1 Die Theorie des Echokammer-Effekts
4.2 Analyse verschiedener Studien zum Echokammer-Effekt
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die technischen und sozialen Rahmenbedingungen, unter denen auf Social-Media-Plattformen sogenannte „Filterblasen“ und „Echokammern“ entstehen können, und untersucht, inwiefern diese Phänomene die Meinungsbildung der Nutzer tatsächlich beeinflussen und eine Gefahr für die demokratische Diskursfähigkeit darstellen.
- Funktionsweise und algorithmische Filtermechanismen (Collaborative, Content und Social Filtering)
- Einflussfaktoren durch Plattformbetreiber, Unternehmen und das individuelle Nutzerverhalten
- Wissenschaftliche Analyse und Evidenz zum Filterblasen- und Echokammer-Effekt
- Zusammenhang zwischen Homophilie, psychologischer Konsistenz und gesellschaftlicher Polarisation
Auszug aus dem Buch
2.1 Funktionsweisen der Algorithmen
Um zu verstehen, inwiefern ein Algorithmus als objektiv oder subjektiv filternd beurteilt werden kann, stellt sich hier nun erst einmal die Frage, was genau ein Algorithmus ist. In seinem Kern ist ein Algorithmus schlicht „eine Reihe von schrittweisen Befehlen, die durchgeführt werden sollen, um aus einer Eingabe eine Ausgabe zu erzeugen.“
Demnach ist ein Algorithmus sozusagen der Programmablaufplan und bestimmt nach welchen Regeln dieses Programm sich verhalten soll. Diese können für verschiedenste Funktionen eingesetzt werden, wie zum Beispiel die Regulierung von Feed-Zusammenstellungen auf Social Media Plattformen, Chat Bots, generelle Automatisierungen oder Risikoanalysen. Diese dienen damit in erster Linie zur Vereinfachung von Prozessen, um den Nutzer eines solchen Algorithmus Zeit zu sparen.
Auf Social Media Plattformen gibt es hierbei drei verschiedene Arten von Algorithmen, die zum Einsatz kommen. Zuerst gibt es Algorithmen, die „collaborative filtering“ betreiben. Diese dienen zur Analyse von Nutzungsmustern anderer Nutzer und versuchen aufgrund ihrer Erkenntnisse Prognosen zu erstellen, ohne dabei auf die tatsächlichen Inhalte der Aktionen einzugehen. Diese Algorithmen stecken meist hinter Empfehlungen, wie: ‚Nutzer, die wie du diesen Beitrag geliked haben, folgen außerdem diesem Account‘. Zweitens gibt es noch „content filtering“ Algorithmen, die inhaltliche Merkmale vergleichen und auf dessen Basis Prognosen erstellen. Durch diese erhält man beispielweise Empfehlungen wie ‚ähnliche Artikel‘ oder ‚dieser Kanal könnte Ihnen auch gefallen‘. Und als drittes gibt es die „social filtering“ Algorithmen, welche davon ausgehen, dass zwischen verlinkten Personen ähnliche Interessen bestehen. Darauf aufbauend, versuchen sie Prognosen über die Nutzer anhand des Verhaltens des näheren sozialen Umfelds aufzustellen. Zudem gibt es neben diesen drei Grundtypen viele Mischformen, welche als „hybrid filtering“ Algorithmen bezeichnet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Internet und die Filterblase: Einleitende Darstellung der historischen Entwicklung des Internets und Einführung des von Eli Pariser geprägten Begriffs der Filterblase als Phänomen algorithmischer Informationsselektion.
2. Voraussetzungen und Folgen vom Einsatz der Algorithmen: Untersuchung der technischen Funktionsweisen von Algorithmen sowie der divergierenden Interessen von Nutzern, Unternehmen und Plattformbetreibern bei der Gestaltung von Empfehlungssystemen.
3. Statistische Analysen zu Algorithmen und dem Filterblasen-Effekt: Kritische Auswertung verschiedener Studien zu Plattformen wie YouTube, Twitter und Facebook hinsichtlich ihrer tatsächlichen Auswirkungen auf die Diversität der angezeigten Inhalte.
4. Soziale Phänomene der Polarisation: Analyse des Echokammer-Effekts basierend auf dem soziologischen Prinzip der Homophilie und Abgrenzung zum rein algorithmisch induzierten Filterblasen-Effekt.
5. Fazit: Zusammenführende Bewertung der Forschungsergebnisse, die darauf hindeutet, dass Filterblasen und Echokammern primär Randphänomene bei extremen Ideologien sind und keine generelle Bedrohung für die Demokratie darstellen.
Schlüsselwörter
Social Media, Algorithmen, Filterblase, Echokammer, Polarisation, Collaborative Filtering, Content Filtering, Social Filtering, Web 2.0, Homophilie, Meinungsbildung, Nutzerverhalten, Digitale Medien, Informationsselektion, Demokratie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern soziale Medien durch algorithmische Filtermechanismen zur Bildung von Filterblasen und Echokammern beitragen und welche Rolle das menschliche Nutzerverhalten dabei spielt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Funktionsweisen von Empfehlungsalgorithmen, die ökonomischen Interessen von Plattformbetreibern und Werbepartnern sowie die psychologischen Grundlagen menschlicher Informationsselektion.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszustellen, dass wahrnehmungs-verzerrende Effekte auf sozialen Plattformen nicht ausschließlich auf Algorithmen zurückzuführen sind, sondern stark durch soziale Effekte und individuellen Umgang mit Informationen geprägt werden.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich verschiedener empirischer Studien zu den Wirkungsmechanismen von Social-Media-Algorithmen und sozialen Polarisierungseffekten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert zunächst die technischen Filterarten (Collaborative, Content, Social), beleuchtet dann die Interessen der verschiedenen Akteure und vergleicht anschließend statistische Analysen zur Wirkung dieser Algorithmen auf verschiedenen Plattformen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Algorithmen, Filterblase, Echokammer, soziale Polarisation und Homophilie beschreiben.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Filterblase und Echokammer?
Während beim Filterblasen-Effekt dem Algorithmus die Ursache für eine einseitige Informationsdarstellung zugeschrieben wird, sieht der Autor beim Echokammer-Effekt ein soziologisches Phänomen (Homophilie) als primäre Ursache an.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor in Bezug auf die Gefahr für die Demokratie?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass weder Filterblasen noch Echokammern für die allgemeine Bevölkerung eine große Gefahr darstellen, da die Plattformen auch neue Chancen zur Konfrontation mit unterschiedlichen Meinungen bieten.
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- Anonym (Author), 2021, Eine Analyse technischer und sozialer Bedingungen zur Entstehung und Beeinflussung von und durch "Blasen" auf Social Media Plattformen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1153712