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Erinnern und Erzählen

Zeitgeschichte als literarisches Ereignis im Krebsgang von Günther Grass

Titel: Erinnern und Erzählen

Hausarbeit , 2006 , 20 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Malte Dreyer (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der Arbeit „Erinnern und Erzählen. Zeitgeschichte als literarisches Ereignis im Krebsgang von Günter Grass“ wird in einer textimmanenten Untersuchung die mediale Konstruktionsbedingung von Geschichtserzählungen am Beispiel der Novelle von Grass untersucht. Im Hinblick auf die Debatte über das Buch und die zahlreichen Unterstellungen, der Text folge revisionistischen Tendenzen, wird die These vertreten, dass es in „Krebsgang“ nicht um eine Rekonstruktion geschichtlicher Ereignisse selbst, sondern vielmehr um die Formen ihrer Vermittlunng in einer gemeinsamen kommunikativen Praxis geht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1 Zur Darstellung des geschichtlichen Ereignisses

2.1.1 Die Medialität der Geschichtserzählung

2.1.2 Geschichtskonzeptionen als narrative Prinzipien

2.2 Erzählte Geschichte und erlebte Gegenwart

2.2.1 Geschichtsbild und politisches Weltbild

2.2.2 Theorie und Politik des fatalistischen Geschichtsverständnisses

2.2.3 Der Erzähler. Die Kontingenz der Geschichte

2.3 Fakten der Zeitgeschichte und ihre Auswahl

2.4 Der unbekannte Anleiter

3. Fazit

3.1 Zusammenfassung

3.2 Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht in Günter Grass’ Novelle Im Krebsgang das komplexe Wechselspiel zwischen Fiktion und Zeitgeschichte. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, mit welchen narrativen Strategien zeitgeschichtliche Ereignisse in eine fiktionale Erzählung integriert werden und wie die Medialität der Geschichtserzählung dabei zur Reflexion über deutsche Erinnerungskultur beiträgt.

  • Die Medialität der Geschichtsschreibung und ihr Einfluss auf die narrative Struktur.
  • Gegenüberstellung unterschiedlicher Geschichtskonzepte (fatalistisches vs. kontingentes Geschichtsbild).
  • Die Rolle der Hauptfigur Paul Pokriefke als Medium der Erinnerungsarbeit.
  • Reflexion über die Tabuisierung und politische Instrumentalisierung von deutschem Leid.
  • Analyse der Funktion der „Anleiter“-Figur und ihrer Beziehung zum Erzählprozess.

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Die Medialität der Geschichtserzählung

Geschichte stellt sich uns nie unmittelbar, als direkt erlebtes Ereignis, sondern in der Form ihrer medialen Vermittlung dar. Selbst in Momenten, in denen wir das Gefühl haben, einem besonders bedeutsamen, geschichtsträchtigen Ereignis beizuwohnen, unterscheiden sich die retrospektiv angefertigten Chronologien und Geschichtserzählungen von den Eindrücken, die wir im gegenwärtigen Moment des Geschehens hatten. Neue Quellen werden erschlossen, interpretiert und sorgen für die stete Reformulierung des geschichtlichen Ereignisses und seiner Kontexte. Die so zustande gekommene Geschichte erscheint immer in der Gestalt ihrer medialen Vermittlung: als Bild, Text, Graphik, im Dialog, in Film und Fernsehen oder im mündlichen Vortrag.

Im Krebsgang erzählt sieben solcher Geschichten von Menschen, deren Biographien durch den Untergang des Flüchtlingsschiffes Wilhelm Gustloff miteinander in Beziehung gestellt werden. Die Geschichte von Wilhelm Gustloff, die des nach ihm benannten Schiffes, die von Marinesko und die von David Frankfurter werden uns aber nicht von einem allwissenden Erzähler, im Präsens, mit wechselnden Erzählern der ersten Person und in erlebter Rede oder einer anderen Form der Unmittelbarkeit, sondern, bedingt durch die zeitliche Distanz des Ich-Erzählers zum historischen Gegenstand dieser Novelle, immer als mediale Vermittlungen von Geschichte präsentiert. Die entscheidenden Ereignisse der Handlungen um den Untergang der Wilhelm Gustloff sind somit nur thematisierbar über den Umweg ihrer Darstellung im Film (S.113, S.115, S.136), im Internet (z.B. S.35, S.134), in der Zeitung, in einem Vortrag (S.97), auf Fotos (S.109, S.125, S.207), in einem Buch (S.129) oder in der mündlichen Erzählung – meistens der Mutter des Protagonisten. Dass medial vermittelte Geschichte hierbei nicht etwa als Alternative zur eigentlichen Geschichte begriffen wird sondern durch die Form ihrer Darstellung im Krebsgang sichtbar gemacht wird, dass sie qua medialer Vermittlung existiert, macht die häufige Bezeichnung der Novelle als Bericht und die eingeschobene Reflexion auf ihre Entstehung als Text bewusst.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert das Spannungsfeld zwischen Fiktion und Zeitgeschichte in der Literatur und erläutert die Bedeutung der Narrativität für das Verständnis historischer Ereignisse.

2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die mediale Vermittlung von Geschichte, die verschiedenen Geschichtsbilder der Figuren, die Auswahl historischer Fakten und die Funktion der mysteriösen Anleiter-Figur im Erzählprozess.

3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Novelle Geschichte als mediales Konstrukt begreift und die ständige Neuerzählung als notwendigen Akt der Verteidigung und Auseinandersetzung mit der Vergangenheit hervorhebt.

Schlüsselwörter

Günter Grass, Im Krebsgang, Zeitgeschichte, Fiktion, Narrativität, Wilhelm Gustloff, Geschichtskonzeption, Fatalismus, Kontingenz, Erinnerungskultur, Paul Pokriefke, Medialität, Literaturwissenschaft, Vertreibung, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das literarische Werk Im Krebsgang von Günter Grass unter der Fragestellung, wie historische Ereignisse – konkret der Untergang der Wilhelm Gustloff – in einer fiktionalen Erzählung vermittelt und reflektiert werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Schwerpunkten zählen die Medialität von Geschichtserzählungen, die Problematik von Geschichtsbildern (insbesondere deterministische vs. kontingente Modelle) sowie die Rolle der Erinnerung in der Gegenwart.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, dass Geschichte nicht als starres Faktum existiert, sondern durch literarische Strategien und mediale Prozesse aktiv konstruiert und interpretiert wird.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die auf narratologischen Prinzipien sowie medientheoretischen Ansätzen basiert, um die Erzählhaltung und das Geschichtsverständnis der Romanfiguren zu deuten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der medialen Darstellung, die Analyse der unterschiedlichen Weltbilder der Figuren (z.B. Konrad vs. Paul Pokriefke) sowie die Rolle des "unbekannten Anleiters" als reflektierende Instanz im Schreibprozess.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Fiktionalität, Zeitgeschichte, Erzählbewegung, Medialität, Erinnerungsarbeit und die "Krebsgang"-Metapher als Prinzip der historischen Aufarbeitung.

Welche Bedeutung hat die "Krebsgang"-Metapher im Kontext der Novelle?

Sie symbolisiert die Bewegung des Erzählens selbst, die scheinbar rückwärts in die Vergangenheit gerichtet ist, um dabei neue Erkenntnisse und Fortschritte für die Gegenwart zu gewinnen.

Warum spielt die Figur des "unbekannten Anleiters" eine so wichtige Rolle?

Der Anleiter fungiert als notwendiges Korrektiv im Schreibprozess und entpuppt sich als fiktiver Autor, der die notwendige Auseinandersetzung mit der Geschichte durch den Protagonisten Paul Pokriefke überhaupt erst erzwingt.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Erinnern und Erzählen
Untertitel
Zeitgeschichte als literarisches Ereignis im Krebsgang von Günther Grass
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Veranstaltung
Literatur des 21. Jh
Note
1,7
Autor
Malte Dreyer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V115443
ISBN (eBook)
9783640169733
ISBN (Buch)
9783640172344
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erinnern Erzählen Literatur
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Malte Dreyer (Autor:in), 2006, Erinnern und Erzählen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115443
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Leseprobe aus  20  Seiten
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