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Wir zwingen den Raum

Identitätsstiftende Raumkonstruktionen in der "Minsker Zeitung" (1942 - 1944)

Title: Wir zwingen den Raum

Thesis (M.A.) , 2007 , 103 Pages , Grade: 1, 3

Autor:in: Magister Artium Dennis Zemella (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Während des Zweiten Weltkrieges wurde im besetzten Weißrussland die deutschsprachige Minsker Zeitung verlegt und erreichte überregionale Verbreitung. Diese Tageszeitung des Dritten Reiches diente als Propaganda – Instrument sowohl für die Besetzer als auch die einheimische Bevölkerung.

In der vorliegenden Arbeit werden die propagandistischen Strukturen und identitätsstiftenden Deutungsmuster unter dem Aspekt der Raumwirkung und -gestaltung betrachtet.
Wie lässt sich die Propaganda einer Tageszeitung mit den tagtäglichen Erlebnissen vereinbaren, die sich unmittelbar in der Umgebung vollziehen? Wie stellt sich die Berichterstattung dar in einem Spannungsfeld aus praktiziertem Terror und propagierter Völkerfreundschaft, zwischen visionärer Utopie und realer Atrophie? Lässt sich erfolgreich über Völkerfreundschaft und Aufbauarbeit schreiben, während das Land und die Bevölkerung zugrunde gerichtet werden? Wie mag die Minsker Zeitung von den Lesern rezipiert worden sein?

Es wird sich zeigen, dass die propagandistisch konstruierte Realität der Minsker Zeitung ganz bestimmte Funktionen erfüllt, die sich speziell an die Verhältnisse im besetzten Osten anpassen.

Es wird deutlich werden, dass physische, soziale und kulturelle Räume in den vorgestellten Artikeln der Minsker Zeitung stets als Teil größerer, allgegenwärtiger Raumordnungsprinzipien dargestellt wurden. In der Minsker Zeitung entfaltet sich der Ausdruck einer teleologischen Raumordnung, in der sich die Ereignisse und Verhältnisse zielgerichtet und schicksalsbestimmt entwickelten und mit der realen Erfahrung wenig überein zu bringen sind.

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

0.1 Themenstellung

1.1 Aufbau

1.2 Analyse propagandistischer Sprachwirklichkeit

1.3 Raum als Erfahrungsraum

2 Historische Darstellung der Besatzungszeit in Weißrussland

2.1 Strukturpolitik in Weißrussland

2.1.1 Ambitionen der Wehrmacht

2.1.2 Aufbau und Ziele der Zivilverwaltung

2.1.3 Resümee

2.2 Rassistische Abgrenzung und kulturelle Identität

3 Formale Untersuchung der Minsker Zeitung

3.1 Aufbau der Minsker Zeitung

3.2 Zielgruppe und Sendung

3.3 Presselenkung und -freiheit der Frontzeitungen

4 Weltliche Raumordnungen in der Minsker Zeitung

4.1 Raumgestaltung als Ordnungskraft

4.1.1 Das künstlerische Raumtiefenerlebnis

4.2 Weissruthenische Landschaft

4.3 Weissruthenische Urbanität

4.4 Deutsche Heimat als inszeniertes Utopia

4.5 Exkurs: Völkermord als Friedens- und Aufbauwerk

4.6 Resümee

5 Transzendente Raumordnungen in der Minsker Zeitung

5.1 Götterdämmerung und Weltuntergang

5.2 Blut-und-Leben-Wall: der Mensch als Opfer des Raumes

5.3 Nekropolische Heimstätte der stummen Kameraden

5.4 Resümee

6 Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert die raumbezogenen Konstruktionen und Identitätsmuster in der Minsker Zeitung zwischen 1942 und 1944, um zu untersuchen, wie die nationalsozialistische Besatzungspropaganda den physischen und ideologischen Raum im besetzten Weißrussland verarbeitete und rechtfertigte.

  • Strukturelle Analyse der Minsker Zeitung als Propagandamedium.
  • Untersuchung der nationalsozialistischen Raumordnungs- und Besatzungspolitik.
  • Analyse der Konstruktion von Identitätsräumen zwischen „kultureller Überlegenheit“ und „zivilisatorischer Mission“.
  • Verarbeitung von Terror und Gewalt durch transzendente Mythen und Weltuntergangsszenarien.
  • Erforschung der psychologischen Mechanismen der Rechtfertigung von Besatzung und Vernichtung.

Auszug aus dem Buch

1 Einleitung

Am 21.9.43 berichtet die Minsker Zeitung über die erfolgreiche Inspektionsreise des Generalkommissars (GK) Wilhelm Kube. Deutschen Lazarettinsassen erklärt er den „Sinn und Zweck“ der „deutschen Aufbauarbeit“ in Weißruthenien und der „Neugestaltung im Sinne der europäischen Ordnung“. Vor weissruthenischen Amtsträgern bringt Kube dann „sein unerschüttertes und grenzenloses Vertrauen zu dem anständigen Kern des weissruthenischen Volkes zum Ausdruck“. Er wünsche sich ein „vertrauensvolle[s] Zusammenarbeiten mit der deutschen Führung, bis der Sieg gesichert ist und für die tapferen Völker ein neues und glückliches Zeitalter heraufkommt“.

Am darauf folgenden Tag wird Kube durch eine Bombe getötet, die seine weissruthenische Haushälterin unter sein Bett legt. Der zitierte Artikel Wir zwingen den Raum!, der zugleich Namenspatron dieser Arbeit ist, bezeichnet daher die zentrale Hybris zwischen Propaganda und Wirklichkeit in der Minsker Zeitung.

Denn das Jahr 1943 war für die deutsche Kriegführung alles andere als erfolgreich. Die Partisanen in Weißruthenien übernahmen immer mehr Kontrolle, die Ostfront war auf dem Rückzug, Afrika und Süditalien waren von den Alliierten erobert worden. Die kommende Niederlage wird immer offensichtlicher. Kube verkündet allerdings seinen „unerschöpflichen Glauben an die Unbesiegbarkeit der nationalsozialistischen Idee“ und die „Überlegenheit der Gesetze Großdeutschlands über die Maßlosigkeit und Gesetzlosigkeit des Ostens“.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur Raumkonstruktion in der Minsker Zeitung sowie der methodischen Herangehensweise anhand von Diskurstheorien und raumtheoretischen Konzepten.

2 Historische Darstellung der Besatzungszeit in Weißrussland: Überblick über die deutsche Besatzungspolitik, die Ambitionen von Wehrmacht und Zivilverwaltung sowie die rassistisch begründete Abgrenzung zur einheimischen Bevölkerung.

3 Formale Untersuchung der Minsker Zeitung: Analyse der Entstehung, des Aufbaus, der Zielgruppen und der propagandistischen Presselenkung im besetzten Weißrussland.

4 Weltliche Raumordnungen in der Minsker Zeitung: Untersuchung der propagandistischen Darstellung von Landschaft, Urbanität und der Konstruktion einer „deutschen Heimat“ als utopischer Gegenentwurf zur Realität.

5 Transzendente Raumordnungen in der Minsker Zeitung: Analyse der mythologischen und apokalyptischen Überhöhung des Krieges sowie der Instrumentalisierung des Todes zur Rechtfertigung der Besatzung.

6 Zusammenfassung: Synthese der Forschungsergebnisse zur Wechselwirkung zwischen propagandistischer Raumgestaltung und der existenziellen Identitätskrise der Besatzer.

Schlüsselwörter

Minsker Zeitung, Nationalsozialismus, Besatzungspolitik, Weißruthenien, Raumkonstruktion, Identitätsstiftung, Propagandatheorie, Terror-Management-Theory, Weltanschauung, Kolonialpolitik, Ideologie, Kulturraum, Vernichtungskrieg, Mythologisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die propagandistischen Mechanismen und Raumdarstellungen in der Minsker Zeitung während der deutschen Besatzung Weißrusslands (1942-1944).

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die NS-Besatzungspolitik, die Konstruktion von Heimat- und Feindbildern, die Rolle der Propaganda und die psychologische Verarbeitung der Kriegssituation durch die Besatzer.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die ideologischen Identitätsmuster und raumgestaltenden Deutungsmuster freizulegen, mit denen die Besatzer ihre Anwesenheit und die katastrophale Kriegslage moralisch zu legitimieren versuchten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein diskursanalytischer Ansatz gewählt, der sich an sprachsoziologischen Methoden und raumtheoretischen sowie psychologischen Diskursen orientiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die formale Analyse der Zeitung, die Untersuchung weltlicher Raumordnungen (Landschaft/Stadt) und die Analyse transzendenter, mythologisch aufgeladener Ordnungsmuster.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Raumkonstruktion, nationalsozialistische Ideologie, Propaganda, Besatzung, Partisanenkrieg und Identitätsstiftung geprägt.

Inwiefern spielt der „Mythos“ eine Rolle für die Besatzer?

Der Mythos dient dazu, die wachsende Kluft zwischen der militärischen Niederlage und dem Propagandabild des „Sieges“ durch eine Flucht in transzendente, heilsgeschichtliche Deutungen zu überbrücken.

Wie unterscheidet sich die Darstellung in der Minsker Zeitung von der Realität?

Die Zeitung konstruiert ein „ideales Deutschland“ und eine „Aufbaueuphorie“, die in direktem Widerspruch zu den realen Zerstörungen, dem Partisanenkrieg und der massiven Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung standen.

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Details

Title
Wir zwingen den Raum
Subtitle
Identitätsstiftende Raumkonstruktionen in der "Minsker Zeitung" (1942 - 1944)
College
Humboldt-University of Berlin
Grade
1, 3
Author
Magister Artium Dennis Zemella (Author)
Publication Year
2007
Pages
103
Catalog Number
V115516
ISBN (eBook)
9783640489916
ISBN (Book)
9783640490684
Language
German
Tags
Propaganda Nationalsozialismus Weißrussland; Zweiter Weltkrieg; Drittes Reich; NS Raum Russland
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magister Artium Dennis Zemella (Author), 2007, Wir zwingen den Raum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115516
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