Die vorliegende Arbeit stellt einen Ausblick auf die Entwicklung der Elitenbildung an
Deutschlands Hochschulen dar und überprüft den Zusammenhang zwischen Elite und
Karriere. Hierzu wird die Gruppe der studentischen Elite und ihre unterschiedlichen
Ausprägungen in Frankreich, den USA und Deutschland untersucht. Im Fokus der Arbeit
zum einen die genaue Betrachtung des Elitebegriffes selbst und es wird gezeigt,
dass dieser auf unterschiedlichste Art und Weise interpretiert werden kann. Des Weiteren
werden die unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen für Elitehochschulen in den
drei genannten Ländern sowie die Repräsentation der Absolventen in elitären Positionen
genauer betrachtet. Aus diesen Betrachtungen wird ein Ausblick auf die mögliche Entwicklung
und eine aktuelle Bewertung der deutschen Exzellenzinitiative gegeben. Entgegen
der weitläufigen Meinung eine Ausbildung an einer Elitehochschule sei nur den
Besten vorbehalten, stellt sich heraus, dass habituelle Präferenzen ebenso für die Aufnahme
an eine Elitehochschule von Bedeutung sind wie der Faktor Geld. Weiter wird
gezeigt, dass der Elitebegriff eine hohe Komplexität aufweist, die leicht zu Fehlinterpretationen
führen kann. Abschließend wird der Elitebegriff auf seinen Zusammenhang
zum Begriff der Karriere hin untersucht und es wird festgestellt, dass die Begriffe weder
aufeinander aufbauen noch strikt miteinander in Verbindung stehen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Abgrenzung der Themenstellung
2 Der Elitebegriff
3 Die studentische Elite
3.1 Die studentische Elite der USA
3.2 Die studentische Elite Frankreichs
3.3 Die studentische Elite Deutschlands
4 Die deutsche Exzellenzinitiative
5 Der Zusammenhang von Elite und Karriere
6 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Elitenbildung an Hochschulen und beruflichem Karriereerfolg. Im Fokus steht dabei die Analyse der studentischen Elite in Frankreich, den USA und Deutschland, um vor diesem Hintergrund eine Bewertung der deutschen Exzellenzinitiative vorzunehmen und die Wechselwirkung zwischen Bildungsabschluss und Karrierewegen kritisch zu beleuchten.
- Analyse und Differenzierung des soziologischen Elitebegriffs
- Vergleich der Rekrutierungsmechanismen studentischer Eliten in den USA, Frankreich und Deutschland
- Untersuchung der Bedeutung von habituellen Präferenzen und ökonomischen Faktoren für den Hochschulzugang
- Kritische Evaluation der deutschen Exzellenzinitiative im Kontext des Solidaritätsprinzips
- Reflektion über den tatsächlichen Zusammenhang zwischen Elite-Ausbildung und Karriereverlauf
Auszug aus dem Buch
3.1 Die studentische Elite der USA
Das System der USA ist wohl mit Abstand das bekannteste – wohl nicht zuletzt aufgrund seines öffentlichen Erfolgs. Bei näherer Betrachtung des US-amerikanischen Elitenbildungssystems drängen sich umgehend zwei Schlagwörter in den Vordergrund: Wettbewerb und Studiengebühren. Genau genommen bilden diese beiden Begriffe auch das Grundgerüst des US-amerikanischen Rekrutierungssystems. Es handelt sich im Grunde um ein „Vorleistungsgeschäft“ (Opitz, 2005, 17) seitens der Universitäten, gepaart mit einer hohen Reputation derselben, die den Absolventen zu erstrebenswerten Spitzenpositionen verhilft und der Universität selbst zu einer besseren Wettbewerbsposition.
Die US-amerikanischen Elitebildungseinrichtungen leben von ihren Alumni – nicht nur in Bezug auf deren teils enorme Spendengelder, sondern auch durch deren Engagement gegenüber Dritten und Institutionen. Das über eine lange Zeit hinweg entstandene Hochschulsystem der USA erhält sich selbst durch einen „sich selbst verstärkenden Mechanismus“ (Opitz, 2005, 20), der zustande kommt sobald eine Hochschule in der Arbeitswelt zu erhöhtem Ansehen gelangt. Dies führt zur Motivation weiterer, talentierter und leistungsbereiter Studenten, die aufgrund dieses Ansehens den Weg an genau diese Bildungseinrichtungen suchen. Der aufgrund der Zunahme von Bewerbungen entstandene Qualitätszuwachs der Studenten führt seinerseits wiederum zu „besserer Output-Qualität“ (vgl. Opitz, 2005, 20), was wiederum das Ansehen der Universität steigert. Universitäten, die diesen Kreislauf perfektioniert haben, sind weltweit als die Eliteuniversitäten Harvard, Princeton oder Yale bekannt.
Ein oftmals nicht bedachter Punkt ist die natürliche Begrenzung dieser Eliteeinrichtungen. Ganz gleich, wie stark die Entwicklung der Einrichtungen voran schreitet, eine Elite im Sinne einer Minderheit in Spitzenpositionen ist stets quantitativ beschränkt. Eliten können nur auf der Basis einer beherrschten Klasse existieren, sonst wären sie nicht existent. Im vorliegenden Fall stellen die Universitäten, die im U.S. News and World Report weiter hinten gelistet sind und über die auch weitaus seltener gesprochen wird, diese Basis dar. Es muss hier betont werden, dass dies nicht bedeutet, dass diese Bildungseinrichtungen qualitativ schlecht sind – sie stellen lediglich keine Spitzeneinrichtungen dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Abgrenzung der Themenstellung: Einführung in die Problematik der Elitenbildung und Definition des Zieles, internationale Unterschiede in der akademischen Elite-Ausbildung als Prognosegrundlage für die deutsche Hochschulpolitik zu nutzen.
2 Der Elitebegriff: Untersuchung der soziologischen Komplexität des Elitebegriffs und dessen verschiedene Interpretationen in Wissenschaft und gesellschaftlichem Alltag.
3 Die studentische Elite: Detaillierter Vergleich der Eliten-Rekrutierung in den USA (Wettbewerb/Gebühren), Frankreich (Grandes Écoles/Staat) und Deutschland (Promotionsfokus/Milieu).
4 Die deutsche Exzellenzinitiative: Analyse des staatlichen Förderprogramms unter der kritischen Frage, ob die Schaffung von Exzellenz-Strukturen zu Lasten des Solidaritätsprinzips und der breiten Bildungsqualität geht.
5 Der Zusammenhang von Elite und Karriere: Theoretische Auseinandersetzung mit der These, dass ein Elite-Studium zwangsläufig in eine Spitzenkarriere mündet, unter Einbezug soziologischer Karrieremodelle.
6 Resümee: Fazit der Arbeit, das die enge Kopplung von Elite-Ausbildung und Karriere in der breiten Öffentlichkeit hinterfragt und auf die Bedeutung von habituellen Faktoren verweist.
Schlüsselwörter
Elitebegriff, studentische Elite, Exzellenzinitiative, Hochschulpolitik, Karriere, Humankapital, Habitus, Bourdieu, Studiengebühren, Grandes Écoles, Spitzenpositionen, soziale Herkunft, Bildungssoziologie, Leistungselite, Eliteuniversität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert kritisch das Konzept der Elitenbildung an Universitäten und den vermeintlichen Zusammenhang zwischen dem Besuch solcher Eliteeinrichtungen und dem späteren Erfolg im Berufsleben.
Welche Länder werden im Vergleich hinsichtlich ihrer studentischen Elite untersucht?
Der Fokus liegt auf einem Vergleich der Systeme in den USA, Frankreich und Deutschland, um unterschiedliche Rekrutierungswege und deren gesellschaftliche Auswirkungen aufzuzeigen.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, internationale Unterschiede in der Elitenrekrutierung herauszuarbeiten, um daraus eine Prognose für die Entwicklung der deutschen Hochschullandschaft – insbesondere unter Einbeziehung der Exzellenzinitiative – abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Untersuchung primär verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse auf Basis soziologischer Konzepte, insbesondere unter Rückgriff auf die Habitustheorie von Pierre Bourdieu und die Arbeiten von Michael Hartmann.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsbestimmung von Elite, den Ländervergleich der Elitenbildung, die Analyse der deutschen Exzellenzinitiative sowie die Untersuchung der Verbindung von Karriereverläufen und Elitestatus.
Welche Schlüsselbegriffe sind für das Verständnis der Arbeit essenziell?
Zentrale Begriffe sind Elitebegriff, Habitus, Exzellenzinitiative, soziale Herkunft und das Konzept der Karrieremuster bei Akademikern.
Wie bewertet die Autorin die deutsche Exzellenzinitiative?
Die Arbeit sieht die Exzellenzinitiative kritisch und warnt davor, dass die forcierte Bildung einer "Spitzengruppe" zu Lasten der breiten Hochschulqualität und des Solidaritätsprinzips gehen könnte.
Welche Rolle spielt der sogenannte Habitus für die Karrierechancen?
Die Arbeit legt dar, dass neben der akademischen Qualifikation habituelle Präferenzen und die soziale Schichtzugehörigkeit eine entscheidende Rolle beim Zugang zu Elite-Positionen spielen.
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- B.A. Dominique Blümke (Author), 2008, Karriere, Elite, Exzellenzinitiative - Die studentische Elite im internationalen Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115706