Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Phänomen Terrorismus und stellt dabei verschiedene
Sichtweisen dar. Einer allgemeinen Untersuchung des Phänomens folgt aufgrund der
Unmöglichkeit einer Definition des Terrorismusbegriffs eine typisierende Beschreibung verschiedener
Erscheinungsformen. Eine dieser Erscheinungsformen, der sozialrevolutionäre
Terrorismus, wird anhand der Geschichte der Roten Armee Fraktion (RAF) mit der Praxis
abgeglichen und systematisch mit den vorab entwickelten Schemata erklärt. Bedingungen,
Entstehung, die drei Generationen der RAF und ihre Auflösung werden dabei beschrieben.
Anschließend wird der Forderung nach einer Abstrahierung des Terrorismusbegriffs, um diesen
systemtheoretisch erklären zu können, nachgekommen. Die Abstraktion führt gemeinsam
mit den Praxisdarstellungen und den entwickelten Schemata zu Möglichkeiten, wie dem Terrorismus
entgegnet werden kann.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Aktualität des Themas
2 Terrorismus
2.1 Definitionsproblem
2.2 Beschreibung und Typisierung
3 Terrorismus in der Praxis
3.1 Die Rote Armee Fraktion
3.1.1 Das Fundament
3.1.2 Schlüsselerlebnis
3.1.3 Anfänge des Terrorismus
3.1.4 Die Geburtsstunde der RAF
3.1.5 Das Ende der ersten Generation der RAF
3.1.6. Die zweite Generation der RAF
3.1.7 Die dritte Generation der RAF
3.1.8 Der Niedergang der RAF
4 Terrorismus in der Systemtheorie
4.1 Terrorismus als Netzwerk
4.2 Reaktionsmöglichkeiten und Gegenmaßnahmen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Phänomen Terrorismus jenseits einer rein deskriptiven Betrachtung systemtheoretisch einzuordnen. Durch die Analyse der Geschichte der Roten Armee Fraktion (RAF) soll aufgezeigt werden, wie sozialrevolutionärer Terrorismus strukturiert ist, welche Mechanismen zu seinem Scheitern führen und wie eine systemtheoretische Abstraktion zu neuen Erkenntnissen für den Umgang mit Terrorismus beitragen kann.
- Systematische Einordnung des Begriffs Terrorismus
- Fallstudie: Entwicklung und Auflösung der RAF
- Anwendung systemtheoretischer Ansätze auf terroristische Phänomene
- Untersuchung von Terrorismus als Form der Kommunikation
- Analyse von Reaktionsmöglichkeiten und Gegenstrategien des Staates
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Schlüsselerlebnis
Prägend und gemeinhin als Schlüsselerlebnis gilt der Tod des 26 Jahre alten Romanistikstudenten Benno Ohnesorg. Ohnesorg nimmt am 2. Juni 1967 an seiner ersten Demonstration teil und gerät in die „brutalste Knüppelei, die man bis dahin im Nachkrieg-Berlin erlebt hatte“ (Aust, 2008, 57). Demonstriert wird gegen den Schah von Persien, über dessen prunkvolles, märchenhaftes Leben zuvor in der ’Neuen Revue’ berichtet wurde. Der damaligen antikapitalistischen Einstellung der Studentenbewegung läuft dies völlig zuwider, Proteste sind vorprogrammiert und aufgrund eines Fehlverhaltens der Polizei bzw. des Staates eskaliert die Lage.
Die Polizisten unterstützen in der vom damaligen Polizeipräsidenten Duensing angeordneten so genannten ’Leberwurst-Taktik’, die auf die Studenten einprügelnden Schah-Anhänger und haben Anordnung vermeintliche Anführer festzunehmen. Ohnesorg wird für einen dieser Anführer gehalten. Er versucht zu flüchten und wird daraufhin mit Schlägen übersäht. Aus der entsicherten Pistole des Kriminalobermeisters Karl-Heinz Kurras löst sich ein Schuss, der Benno Ohnesorg aus einem halben Meter Entfernung in den Kopf trifft. Der Student verstirbt noch in der Nacht im Krankenhaus, Kurras wird später freigesprochen.
Gepaart mit der Entrüstung über die Flächenbombardements der USA in Vietnam seit 1963 und der Ablehnung des Kapitalismus stellt diese Aktion den ’Tropfen dar, der das Fass zum Überlaufen bringt’. Die Studenten sind „geschlagen, verzweifelt und voller Hass“ (Aust, 2008, 60) als Gudrun Ensslin davon spricht, dass „Gewalt nur mit Gewalt beantwortet werden kann“ (Aust, 2008, 60).
Zu diesem Zeitpunkt wird ein Prozess eingeläutet, der von Fritz B. Simon als Form des Krieges bezeichnet wird: die Blutrache. Blutrache soll dazu dienen „eine aus dem Gleichgewicht geratene, ursprünglich einmal symmetrische Beziehung wiederherzustellen“ (Simon, 2001, 120). Vorraussetzung ist lediglich das Mitwirken von zwei Personen. Bestimmte Verhaltenskodexe existieren nicht, bis auf die Einhaltung einer bestimmten Zeitspanne für den Rückschlag. Die Ausführung ist fatal, da sie kein Ende nimmt. „Immer wenn die eine Partei meint, sie habe eine ’offene Rechnung’ beglichen, wird aus der Perspektive der Gegenseite eine neue Rechnung aufgemacht. Das Spiel geht weiter, das Ende bleibt offen…“ (Simon, 2001, 121).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Aktualität des Themas: Einleitung in die gesellschaftliche Bedeutung des Terrorismus und die Schwierigkeit, das Phänomen aufgrund seiner medialen und politischen Allgegenwärtigkeit präzise zu fassen.
2 Terrorismus: Untersuchung der begrifflichen Vielfalt und der Problematik einer eindeutigen Definition, gefolgt von einer Typisierung verschiedener Terrorismusformen.
3 Terrorismus in der Praxis: Detaillierte Darstellung der Geschichte der Roten Armee Fraktion, ihrer Entstehung aus der 68er-Bewegung sowie der drei Generationen und deren jeweiligen Aktionen.
4 Terrorismus in der Systemtheorie: Systemtheoretische Abstraktion des Terrorismus als kommunikatives Ereignis, Betrachtung als Netzwerk sowie Diskussion von Strategien zur Terrorismusbekämpfung.
Schlüsselwörter
Terrorismus, RAF, Systemtheorie, Kommunikation, Gewalt, Sozialrevolutionärer Terrorismus, Rote Armee Fraktion, Stadtguerilla, Blutrache, 68er-Bewegung, Netzwerk, Weltereignis, Gegenmaßnahmen, Politische Gewalt, Ideologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen Terrorismus und versucht, dieses sowohl historisch anhand der RAF als auch theoretisch durch eine systemtheoretische Perspektive zu analysieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Definitionsversuche von Terrorismus, die praktische Ausprägung am Beispiel der Roten Armee Fraktion sowie die Einordnung terroristischer Handlungen als Kommunikationsprozess innerhalb der Weltgesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Terrorismus von einer bloßen Deskription hin zu einer systemtheoretischen Abstraktion zu führen, um daraus fundiertere Erkenntnisse für den Umgang mit diesem Phänomen zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine Literaturanalyse durchgeführt, die theoretische Ansätze (insbesondere der Systemtheorie nach Luhmann) mit der historischen Fallstudie der RAF verknüpft, um Muster und Dynamiken des Terrorismus abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine praxisnahe Aufarbeitung der Geschichte der drei RAF-Generationen sowie eine theoretische Reflexion über Terrorismus als Netzwerk, Kommunikationsform und dessen Rolle in der modernen Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Terrorismus, RAF, Systemtheorie, Kommunikation, Stadtguerilla und asymmetrische Kriegsführung geprägt.
Warum wird die RAF als Fallbeispiel gewählt?
Die Geschichte der RAF bietet aufgrund ihres abgeschlossenen zeitlichen Rahmens und ihrer klaren Ausrichtung als sozialrevolutionäre Gruppierung die ideale Grundlage, um theoretische Erklärungsmodelle auf ihre praktische Validität zu prüfen.
Welche Rolle spielt die Kommunikation in der systemtheoretischen Betrachtung des Terrorismus?
In der Systemtheorie wird Terrorismus als eine Form der Kommunikation betrachtet, die durch Gewalt eine schockartige Unterbrechung von Erwartungsmustern erzwingt, um auf die Gesellschaft einzuwirken.
- Quote paper
- B.A. Dominique Blümke (Author), 2008, Terrorismus. Beschreibung und systemtheoretische Einordnung der RAF, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115707