Die Gestaltung der Unternehmungsstrategie durch das Top-Management und die Einflussmöglichkeiten des Aufsichtsrats


Seminararbeit, 2006
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen: Unternehmungsstrategie und strategische Entscheidungsträger

3. Theoretische Perspektiven strategischer Entscheidungsträger
3.1 Upper-Echelons-Theorie: Strategische Entscheidungsträger nehmen Einfluss auf die Unternehmungsstrategie
3.2 Principal-Agent-Theorie: Governance-Positionen und die Aufspaltung des strategischen Entscheidungsprozesses

4. Corporate-Governance-Strukturen: Das deutsche „Two-Tier“-System und die Einflussmöglichkeiten des Aufsichtsrates auf die Unternehmungsstrategie
4.1 Die klassische Überwachungsrolle des Aufsichtsrates als Gegenstand des deutschen Gesellschaftsrechts
4.2 Zur strategische Rolle des Aufsichtsrates: Das „Taking“ und „Shaping“ von strategischen Entscheidungen durch das Aufsichtsgremium

5. Fazit und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: An Upper Echelons Perspective of Organizations (Hambrick/Mason 1984, S. 198)

1. Einleitung

Der Begriff „Corporate Governance” ist in den letzten Jahren in das Interesse der breiten Öffentlichkeit gerückt. Ausschlaggebend hierfür sind Unternehmensskandale in den USA, wie die der Firmen Enron, Tyco oder WorldCom (vgl. Monks/Minow 2004, S. 501ff.), aber auch in Deutschland, zum Beispiel die Insolvenz der Firma Holzmann oder die Mannesmann-Affäre. Mittelpunkt der Diskussion ist die Kritik an den Mechanismen zur Leitung und Überwachung der Unternehmung, die in den genannten Fällen offensichtlich versagt haben. Im Jahr 2001 wurde in Deutschland der Corporate Governance Kodex verabschiedet, der die gesetzlichen Bestimmungen des deutschen Gesellschaftsrecht „...um Standards guter und verantwortungsvoller Unternehmensführung...“ (Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex 2005, S. 1) ergänzt. Dieser Kodex soll ein Mehr an Transparenz und Vertrauen für nationale und internationale Anleger, Kunden, Mitarbeiter und die Öffentlichkeit im hiesigen Führungs- und Kontrollsystem von Unternehmungen schaffen (vgl. ebd., S. 1). Damit einher geht eine Veränderung des Rollenverständnisses von Vorstand und Aufsichtsrat.

Diese Arbeit zeigt auf, wie das Top-Management einer Unternehmung Einfluss auf die Gestaltung der Unternehmungsstrategie nimmt und wie diese Einflussnahme institutionell verankert ist. Die Überlegungen hierzu fußen auf zwei theoretischen Perspektiven: der Upper-Echelons-Theorie und der Principal-Agent-Theorie. In diesem Zusammenhang soll dargestellt werden, welche Rolle der Aufsichtsrat im deutschen Governance-System einnimmt und wie sich diese im deutschen Gesellschaftsrecht widerspiegelt. Angesichts der Ergänzungen des Aktiengesetzes durch den Deutschen Corporate Governance Kodex stellt sich die Frage, inwiefern das aus dem Gesetz erkennbare Rollenverständnis ausreicht, um die Einflussmöglichkeiten des Aufsichtsrates auf die Gestaltung der Unternehmungsstrategie zu beschreiben oder welche Rollenerweiterungen hierfür notwendig sind.

2. Grundlagen: Unternehmungsstrategie und strategische Entscheidungsträger

Der Terminus Unternehmungsstrategie ist nach Wheelen und Hunger wie folgt definiert: „A strategy of a corporation forms a comprehensive master plan stating how the corporation will achieve its mission and objectives. It maximizes competitive advantage and minimizes competitive disadvantages” (Wheelen/Hunger 1994, S. 12). Dieser hier dargestellte Strategiebegriff entspringt dem präskriptiven Planungsmodell, das die Formulierung einer Unternehmungsstrategie als systematischen Entscheidungsprozess mit fester Schrittfolge bzw. Phasen thematisiert (vgl. Schreyögg 1984, S. 133). Hiernach werden zuerst die langfristigen Unternehmungsziele festgelegt und nach einer Bestandsaufnahme des bisherigen strategischen Konzepts sowohl die Stärken und Schwächen der Unternehmung als auch die Chancen und Risiken der Unternehmungsumwelt analysiert (vgl. ebd.). Auf Basis dieser Analyse werden Strategiealternativen formuliert, evaluiert und schließlich wird diejenige Strategie ausgewählt und implementiert, welche die Zielkriterien am besten erfüllen kann (vgl. ebd.). Das hier dargestellte Planungsmodell der Unternehmungsstrategie wurde von deskriptiven Strategieforschern stark kritisiert (vgl. ebd., S. 139f.) und einem deskriptiven Modell gegenübergestellt, das Strategie weniger als „Plan“, sondern mehr als „a pattern in a stream of decisions“ erkennt (vgl. Mintzberg 1978, S. 935). Beide Ansätze der Unternehmungsstrategie sehen den Begriff „Strategie“ jedoch aus der Perspektive der Organisation bzw. als Organisationsphänomen (vgl. Fredrickson/Mitchell 1984, S. 400) und weniger aus der Perspektive der strategischen Entscheidungsträger bzw. Top-Manager, obwohl doch wichtige strategische Entscheidungen zu einem bedeutsamen Teil – aber nicht ausschließlich – durch einflussreiche Spitzenführungskräfte getroffen werden (vgl. Finkelstein/Hambrick 1996; S. 1ff.). Das Top-Management kann als Institution an der Spitze einer Unternehmung verstanden werden, die aus Führungskräften, sogenannten „Executives“ besteht, welche die Gesamtverantwortung für die Unternehmung innehaben und durch strategische Entscheidungen die Organisationsergebnisse beeinflussen (vgl. ebd., S. 2). Das Top-Management bzw. die strategischen Entscheidungsträger sind primärer Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit.

3. Theoretische Perspektiven strategischer Entscheidungsträger

Zwei theoretische Perspektiven, die das Top-Management und damit strategische Entscheidungsträger exklusiv zum Untersuchungsgegenstand haben, sind die Upper-Echelons-Theorie und die Principal-Agent-Theorie (Cannella/Monroe 1997, S. 214). Während die Principal-Agent-Theorie die strukturelle Analyse von Governance-Positionen bzw. die Beziehungen zwischen Top-Management, Aufsichtsgremium und den Unternehmungseigentümern betont, fokussiert die Upper-Echelons-Theorie die demographischen und kognitiven Charakteristika von Spitzenführungskräften und deren Wirkungen auf strategische Entscheidungen (Jensen/Zajac 2004, S. 507). Im Folgenden soll auf beide Theorien näher eingegangen werden.

3.1 Upper-Echelons-Theorie: Strategische Entscheidungsträger nehmen Einfluss auf die Unternehmungsstrategie

Die Upper-Echelons-Theorie postuliert, dass Organisationen „...a reflection of its top managers“ (Hambrick/Mason 1984, S. 193) sind und versucht zu erklären, wie strategische Entscheidungsträger einer Unternehmung die Strategieauswahl und die Rentabilität der Unternehmung beeinflussen (vgl. Bresser 1998, S. 111). Die Basis dieser Theorie bildet der „Strategic-Choice“-Ansatz von Child, der strategischen Entscheidungen, die von Top-Managern getroffen werden, das Potenzial attribuiert, Organisationsergebnisse zu beeinflussen (vgl. Child 1972, S. 16).

Entgegen der Erkenntnis des „strategisch-rationalen“ Ansatzes, dass Manager die strategische Situation der Unternehmung analysieren und daraus die logisch folgenden Handlungen ableiten und verfolgen (vgl. Learned et al. 1965, S. 20; Porter 1980, S. 88 ff.), argumentieren Cyert und March, dass Manager bezüglich ihrer Entscheidungen „rational begrenzt“ (vgl. Simon 1957, S. 3ff.) sind, da ihre Informations-Verarbeitungskapazität limitiert ist und sie daher Mechanismen entwickeln, mit denen sie dennoch komplexe Entscheidungssituationen bewältigen können (vgl. Cyert/March 1963). Nach Hambrick und Snow legen Manager daher eine selektive Struktur über die Stimuli aus Umwelt und Organisation. Die selektierten Informationen werden dann subjektiv durch einen „Filter“ aus Werten und der vorhandenen Wissensbasis interpretiert (vgl. Hambrick/Snow 1977, zit. nach Hambrick/Mason 1984, S. 195). Hambrick und Mason haben diesen beschriebenen Perzeptionsprozess in das sogenannte „Upper-Echelons-Modell“ integriert, das exklusiv das Top-Management bzw. das Top-Management-Team (vgl. ebd., S. 196), insbesondere dessen Charakteristika, zum Gegenstand hat und diese in Beziehung zu strategischen Entscheidungen und der daraus resultierenden Unternehmungsperformance setzt (vgl. ebd., S. 197). Das Modell portraitiert, wie in Abb. 3-1 dargestellt, vier zusammenhängende Kernkonstrukte: Externe und interne Situationsmerkmale, Top-Management-Charakteristika, strategische Wahlentscheidungen und Unternehmungsperformance (vgl. ebd.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: An Upper Echelons Perspective of Organizations (Hambrick/Mason 1984, S. 198)

Die externen und internen Situationsmerkmale beeinflussen die Charakteristika des Top-Managements bzw. die Auswahl von Managern, die situationsadäquate Persönlichkeitsmerkmale aufweisen, und wirken sich in Form von Restriktionen auch auf die strategischen Wahlentscheidungen aus (vgl. Hambrick/Mason 1984, S. 197). Von zentraler Bedeutung sind die Top-Management-Charakteristika, die von Hambrick und Mason in eine kognitive und eine demographische Ebene unterteilt werden und sowohl die strategischen Wahlentscheidungen, als auch die Unternehmungsperformance beeinflussen (vgl. ebd.). Die kognitive Ebene besteht aus psychologischen Variablen, genauer gesagt aus der Wissensbasis und den Werten der Manager. Werte sind Präferenzen für menschliches Verhalten, die relativ stabil sind (vgl. Hofstede 1980, S. 19). Die Wissensbasis bzw. „kognitive Basis“ des Entscheidungsträgers besteht aus: Wissen oder Annahmen über zukünftige Ereignisse sowie Wissen über Handlungsalternativen und deren Konsequenzen (vgl. March/Simon 1958, S. 154). Die demographische Ebene besteht aus direkt beobachtbaren Variablen wie Alter, Funktionsbereichszuständigkeit, Berufserfahrungen, Bildung, sozioökonomischen „Wurzeln“, finanzieller Position und den Gruppencharakteristika bzw. Charakteristika des Teams (vgl. Hambrick/Mason 1984, S. 198). Das Konstrukt der strategischen Wahlentscheidungen umfasst formale wie informale Entscheidungen und Nicht-Entscheidungen strategischer Art, interagiert mit den Top-Management-Charakteristika und beeinflusst die Unternehmungsperformance (vgl. ebd., S. 197). Konkret sind dies Entscheidungen wie zum Beispiel Produktinnovationen, Diversifikationen, Akquisitionen, Vor- und Rückwärtsintegration (vgl. ebd., S. 198). Die Unternehmungsperformance bezeichnet die Leistungsfähigkeit einer Unternehmung, die im Upper-Echelons-Modell als Outputmaße wie Rentabilität, Wachstum und Überlebensfähigkeit Niederschlag finden (vgl. ebd., S. 197). Dies ist das Grundmodell der oben beschriebenen Upper-Echelons-Theorie (vgl. Finkelstein/Hambrick 1996, S. 75) und war Ausgangspunkt für zahlreiche empirische Studien (vgl. ebd., S. 356).

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Details

Titel
Die Gestaltung der Unternehmungsstrategie durch das Top-Management und die Einflussmöglichkeiten des Aufsichtsrats
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Management)
Veranstaltung
Seminar: Corporate Governance
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V115717
ISBN (eBook)
9783640181193
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Strategisches Management, Unternehmungsstrategie, Top Management, Topmanager, Vorstand, Aufsichtsrat, Upper Echelons, Agency Theorie, Einflussnahme, Corporate Governance
Arbeit zitieren
Sebastian Gerlach (Autor), 2006, Die Gestaltung der Unternehmungsstrategie durch das Top-Management und die Einflussmöglichkeiten des Aufsichtsrats, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115717

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