Ob die Ganztagsschule einen Beitrag zur Kompensation sozialer Ungleichheiten und damit zu einer Verringerung von Bildungsungleichheit beitragen kann, stellt dabei die zentrale Frage der Arbeit dar. Dieser Frage wird in folgenden Schritten nachgegangen: Zur Einführung in die Thematik werden zu Beginn im Rahmen einer Begriffsbestimmung die Begriffe „Soziale Ungleichheit“, „Bildungsungleichheit“ und „Bildungsgerechtigkeit“ näher erläutert, welche die Grundbausteine der Thematik bilden. Daran anschließend werden prägnante Ergebnisse der PISA-Studie kurzbündig nähergebracht, um die Stärken und Schwächen des deutschen Bildungssystems offenzulegen. Im weiteren Verlauf sollen die Gründe für die vorliegende Bildungsungleichheit in Deutschland präsentiert werden. Daran anknüpfend soll im Hauptteil der Arbeit das Konzept der Ganztagsschule, als Mittel zur Überwindung von Bildungsungleichheiten, präsentiert werden. In diesem Kapitel der Ausarbeitung soll hinterfragt werden, ob die Ganztagsschule als mögliche Handlungsperspektive der deutschen Bildungsmisere identifiziert werden kann. Dazu soll die Ganztagsschule definiert und die unterschiedlichen Modelle vorgestellt werden. Nachfolgend werden die aktuellen Zahlen bestehender Ganztagsschulen offengelegt, um die Gegenwärtigkeit von Ganztagsschulen auch im Vergleich zu den anfänglichen 2000ern zu verdeutlichen. Im weiteren Punkt wird argumentiert, warum es als sinnvoll erscheint, ganztägige Schulangebote überhaupt in das deutsche Bildungssystem zu integrieren. Letztlich wird im Hauptteil abschließend die StEG-Studie knapp präsentiert, um mit bisher erzielten Ergebnissen die Wirkung von Ganztagsschulen zu verdeutlichen. Ein Fazit greift in Hinblick auf die zu bearbeitende Fragestellung alle wichtigen Ergebnisse auf.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmungen
2.1 Soziale Ungleichheit
2.2 Bildungsungleichheit
2.3 Bildungsgerechtigkeit
3 Ergebnisse der PISA-Studie von 2000 und 2015 in Bezug auf Bildungsungleichheit
4 Gründe für die Bildungsungleichheit
5 Handlungsperspektive: Ganztagsschulen als Lösungsansatz?
5.1 Definition und Modelle der Ganztagsschule
5.2 Aktuelle Zahlen bestehender Ganztagsschulen
5.3 Ganztagsschulen – Wozu?
5.4 StEG-Studie
6 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das Konzept der Ganztagsschule in Deutschland einen Beitrag zur Kompensation sozialer Benachteiligung leisten und somit zur Verringerung der bestehenden Bildungsungleichheit beitragen kann. Hierbei wird der Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und dem Bildungserfolg kritisch analysiert, um zu bewerten, ob die Ganztagsschule als effektive Handlungsperspektive für die Bildungsmisere fungieren kann.
- Soziale Ungleichheit und Bildungsungleichheit im deutschen Schulsystem
- Empirische Erkenntnisse aus PISA-Studien zur Bildungsbeteiligung
- Strukturelle Ursachen der Bildungsungleichheit (primäre und sekundäre Herkunftseffekte)
- Konzept und Entwicklung von Ganztagsschulen in Deutschland
- Evaluation der Ganztagsschule anhand der StEG-Studie hinsichtlich ihrer Kompensationswirkung
Auszug aus dem Buch
2.1 Soziale Ungleichheit
Im Rahmen der Sozialwissenschaft werden mit dem Wort „Ungleichheit“ nicht bloße – also horizontale – Unterschiede bezeichnet, sondern die Schlechter- oder Besserstellung zwischen den Menschen – die vertikalen Unterschiede. Die definitorische Festlegung lässt sich expliziter fassen. Aus diesem Grund wird sich innerhalb dieser Arbeit auf die Definition von Hradil (2001) gestützt, der soziale Ungleichheit im gesellschaftlichen Kontext als Phänomen verschiedener Ressourcen betrachtet, welche als notwendig wahrgenommen werden. Hradil spricht von sozialer Ungleichheit, wenn die Ausstattungen mit Ressourcen, wie etwa die Höhe des Einkommens oder der Grad der Bildung, oder aber die Lebensbedingungen, wie Wohnverhältnisse, der Menschen aus gesellschaftlichen Gründen so ausgelegt ist, dass gewisse Teile der Bevölkerung durchweg bessere Lebenschancen besitzen als andere Teile der Bevölkerung.
Um die unterschiedlichen Lebensvorstellungen, welche Menschen individuell als wertvoll betrachten, verwirklichen zu können, sind gewisse Bildungsabschlüsse, Einkommenshöhen oder soziale Kontakte von Notwendigkeit – „bestimmte Güter“ welche innerhalb der Gesellschaft als wertvoll deklariert werden, so Hradil (vgl. Hradil 2001, S. 27-40). Der Besitz vieler wertvoller Güter ermöglicht dem Individuum eine Höher- oder bessergestellte Position und es genießt die damit einhergehenden Vorteile, die seine Lebensbedingungen positiv beeinflussen (vgl. ebd., S. 27). Folglich stehen für Individuen mit weniger wertvollen Gütern nur bedingt Möglichkeiten offen, den angestrebten Lebensstandard erreichen zu können. Somit ergibt sich, dass die Begrifflichkeit „soziale Ungleichheit“ aus der nicht absoluten Gleichverteilung von Ressourcen, welche innerhalb der Gesellschaft als wertvoll erachtet werden, resultiert. Ausschlaggebend für die Entstehung der sozialen Ungleichheit ist somit die ungleiche Verteilung der wertvollen Güter in der Bevölkerung (vgl. ebd., S. 25). Die ungleiche Verteilung der Ressourcen geht wiederum einher mit unterschiedlichen sozialen Positionen. So ist beispielsweise der Verdienst eines Schlossers niedriger als der eines Ingenieurs (vgl. ebd., S. 28).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den durch die PISA-Studie ausgelösten bildungspolitischen Diskurs in Deutschland und führt in die Fragestellung ein, ob Ganztagsschulen zur Verringerung der Bildungsungleichheit beitragen können.
2 Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen theoretischen Grundlagen der Arbeit, insbesondere die Begriffe soziale Ungleichheit, Bildungsungleichheit und Bildungsgerechtigkeit.
3 Ergebnisse der PISA-Studie von 2000 und 2015 in Bezug auf Bildungsungleichheit: Hier werden die Ergebnisse der PISA-Studien analysiert, um die Stärken und Schwächen des deutschen Bildungssystems sowie den engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzerwerb darzustellen.
4 Gründe für die Bildungsungleichheit: Das Kapitel untersucht die vielschichtigen Ursachen der Bildungsungleichheit, wobei insbesondere auf Boudons Modell der primären und sekundären Herkunftseffekte eingegangen wird.
5 Handlungsperspektive: Ganztagsschulen als Lösungsansatz?: Dieses Kapitel beleuchtet das Konzept der Ganztagsschule, stellt aktuelle statistische Daten zur Verbreitung dar und evaluiert deren Wirkung mittels der StEG-Studie.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Ganztagsschule als Instrument zur Stärkung der Chancengerechtigkeit, weist jedoch auf die Notwendigkeit hoher pädagogischer Qualität hin.
Schlüsselwörter
Ganztagsschule, Bildungsungleichheit, PISA-Studie, Soziale Herkunft, Chancengerechtigkeit, StEG-Studie, Bildungsbenachteiligung, Soziale Ungleichheit, Bildungssystem, Schulerfolg, Kompetenzerwerb, pädagogische Gestaltung, Sozialisation, Bildungsreform, Ressourcenausstattung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Ganztagsschulen in Deutschland dazu geeignet sind, soziale Benachteiligungen von Kindern auszugleichen und die bestehende Bildungsungleichheit zu reduzieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg, die Analyse von PISA-Daten sowie die evaluative Betrachtung von Ganztagsschulen als pädagogische Kompensationsinstanz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, inwiefern die Ganztagsschule einen wirksamen Beitrag zur Bewältigung sozialer Benachteiligung und damit zur Verringerung der Bildungsungleichheit leisten kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische und literaturbasierte Analyse, die auf einschlägigen bildungswissenschaftlichen Studien (PISA, StEG) und soziologischen Theorien (z. B. nach Hradil und Boudon) aufbaut.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Gründe für Bildungsungleichheit erörtert, gefolgt von einer Definition des Ganztagsschulkonzepts, statistischen Verbreitungsanalysen und einer detaillierten Auswertung der StEG-Studie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Bildungsungleichheit, Ganztagsschule, Chancengerechtigkeit, PISA-Studie und soziale Herkunft definieren.
Warum sind die primären und sekundären Herkunftseffekte nach Boudon für die Arbeit relevant?
Sie erklären, warum Kinder trotz ähnlicher kognitiver Leistungen aufgrund ihrer sozialen Herkunft unterschiedliche Bildungswege einschlagen, was die Notwendigkeit von Kompensationsmaßnahmen unterstreicht.
Welche Rolle spielt die Qualität der Ganztagsangebote laut der StEG-Studie?
Die StEG-Studie belegt, dass die reine Teilnahme an Ganztagsangeboten nicht ausreicht; erst eine hohe pädagogische Qualität, die an den Interessen der Schüler anknüpft, erzielt positive Effekte.
- Arbeit zitieren
- Charlotte Koschuth (Autor:in), 2019, Soziale Ungleichheit innerhalb des deutschen Bildungssystems, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1157763