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Bedarf es nach PISA 2006 Chancengleichheit?

Eine moralphilosophische Betrachtungsweise

Titre: Bedarf es nach PISA 2006 Chancengleichheit?

Dossier / Travail de Séminaire , 2008 , 44 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Pascal Barth (Auteur)

Travail Social
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Résumé Extrait Résumé des informations

Durch eine kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der 3. PISA-Studie, PISA-2006, wird aufgezeigt, dass sozialschichtspezifische Disparitäten keine rein statistischen Ungleichheiten sind. Sozial ungleicher Kompetenzerwerb und ungleiche Bildungsbeteiligung sind auf konkrete Mechanismen zurückzuführen, welche die Manifestation bildungsrelevanter Fähigkeiten depravierter Bevölkerungsgruppen wirksam unterbinden. Tatsächlich gleiche Chancen auf eine
höhere Bildung ließen sich nur durch gentechnische Manipulation am Menschen sowie eine egalitäre und zugleich rigorose Sozialisation durch den Staat verwirklichen.
Beides kann jedoch nicht gleicher Chancen wegen in Kauf genommen werden. Somit stellt sich die Frage, weshalb es Chancengleichheit überhaupt geben soll. Durch eine differenzierte Be-trachtung des Chancengleichheitsbegriffes wird aufgezeigt, dass „Chancengleichheit“ unabdingbar mit dem Grundwert der „Gerechtigkeit“ verbunden ist. Dieser Umstand eröffnet eine Diskussion auf moralphilosophischer Ebene. Anhand zeitgenössischer Gerechtigkeitstheorien sucht
der Autor die Frage zu klären, ob es nach PISA 2006 Chancengleichheit bedarf. Er zeigt dabei auf, dass John Rawls, Robert Nozick und Michel Walzer in Hinblick auf Notwendigkeit und Ausgestaltung von Chancengleichheit zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Die ethische Fragestellung ist von hoher sozialarbeiterischer Relevanz, als Sozialarbeit eine Profession ist, die sich dem Grundwert der Gerechtigkeit verpflichtet. Zeitgenössische Gerechtigkeitstheorien beanspruchen für sich, konkrete Aussagen zu formulieren welche Verhältnisse als
gerecht und welche als ungerecht zu bewerten sind. Die vorliegende Arbeit ermöglicht eine um-fassende Reflexion der Gerechtigkeitsfrage, da die Essenz von Rawls, Nozicks und Walzers Gerechtigkeitstheorien wiedergegeben und zu einander in Beziehung gesetzt werden.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sozialschichtspezifische Disparitäten nach PISA 2006

2.1 Verwendete Indizes

2.2 Soziale Herkunft und Kompetenzerwerb

2.2.1 Sozialer Gradient der naturwissenschaftlichen Kompetenz

2.2.2 Naturwissenschaftliche Kompetenz und Varianzaufklärung durch den sozioökonomischen Status

2.2.3 Lesekompetenz nach EGP-Klassenzugehörigkeit

2.3 Bildungsbeteiligung nach sozialer Herkunft

2.4 Zusammenfassung

3 Schichtspezifische Disparitäten gleich ungleiche Bildungschancen?

3.1 Entstehung und Reproduktion sozialer Ungleichheit der Bildungschancen

4 Faktische Ungleichheit von Bildungschancen und hypothetische Konsequenzen

5 Definitionen

6 Chancengleichheit und das Verhältnis zur Gerechtigkeit

7 Gerechtigkeit

7.1 Gebrauchsvarianten und Systematisierung

7.2 Primärobjekt der Gerechtigkeit

7.3 Unterschiedliche Gestalten von Gerechtigkeitstheorien

7.4 Egalisierungsoptionen und Chancengleichheit

8 Chancengleichheit unter Betrachtung zeitgenössischer Gerechtigkeitstheorien

8.1 John Rawls Theorie der Gerechtigkeit

8.1.1 Das Prinzip der fairen Chancengleichheit

8.1.2 Die endgültigen Gerechtigkeitsgrundsätze und Vorrangregeln

8.2 Robert Nozicks Anspruchstheorie

8.2.1 Chancengleichheit aus anspruchstheoretischer Perspektive

8.3 Michael Walzers Sphärentheorie der Gerechtigkeit

8.3.1 Walzers Gütertheorie

8.3.2 Der Pascal’sche Gedanke

8.3.3 Komplexe Gleichheit als Metaprinzip der Sphärenautonomie

8.3.4 Drei Distributionsprinzipien

8.3.5 Die Sphäre der Bildung und Erziehung

8.3.6 Ergebnisegalitarismus im Elementarbereich

8.3.7 Höhere Bildung

9 Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht auf einer moralphilosophischen Ebene, ob und warum nach den Ergebnissen der PISA-Studie 2006 eine Forderung nach Chancengleichheit im Bildungssystem legitim und notwendig ist. Dabei werden die statistisch belegten sozialschichtspezifischen Bildungsdisparitäten kritisch hinterfragt und in den Kontext zeitgenössischer Gerechtigkeitstheorien von John Rawls, Robert Nozick und Michael Walzer gesetzt.

  • Analyse der PISA-2006-Daten bezüglich sozialschichtspezifischer Disparitäten beim Kompetenzerwerb und der Bildungsbeteiligung.
  • Untersuchung der Mechanismen (primäre und sekundäre Herkunftseffekte) sozialer Ungleichheit.
  • Kritische Diskussion des Begriffs "Chancengleichheit" im Kontext von Gerechtigkeit.
  • Gegenüberstellung und Reflexion der Gerechtigkeitstheorien von Rawls, Nozick und Walzer in Bezug auf die Bildungsfrage.

Auszug aus dem Buch

Die Sphäre der Bildung und Erziehung

Nach Aristoteles ist „der Zweck der Erziehung, .. in jeder Generation denjenigen ‚eigentümlichen Charakter’ zu reproduzieren, der das bestehende System in Gestalt seiner ‚Verfassung’ stützt und erhält, mithin einen speziellen Charakter für die spezielle Verfassung“ (ARISTOTELES 1958: 282 zit. n. WALZER 1994: 288).

WALZER (1994: 288) bezweifelt, dass Einigkeit in der Gestalt der Verfassung bestehen dürfte, sowie stellt die Frage, wie der „eigentümliche Charakter“ zu reproduzieren sei. In der Realität sei mehr als nur eine Charakterausprägung erforderlich. Daraus resultiere der Effekt, dass „Schulen ihre Schüler nicht nur unterrichten, sondern auch eine Auslese unter ihnen treffen; und das ist zwangsläufig ein schwieriges und strittiges Geschäft“ (a. a. O.: 289).

Wäre der Sinn der Schule nur die Reproduktion des gegebenen Zustandes, inklusive bestehender Hierarchien und Ideologien, gäbe es keine Erziehungssphäre mit einer autarken inneren Logik (ebda.).

„Das Bedeutsamste am Schulwesen ist, daß Schulen, Lehrer und Erziehungskonzepte eine neue Kategorie von Sozialgütern begründen, die ihrerseits unabhängig von anderen Gütern entstanden, nun im Gegenzug ein unabhängiges Verteilungssystem mit speziellen Verteilungsmechanismen für sich erfordern“ (ebda.).

Gemäß WALZERS Theorie gilt es nun diese Güter (Lehrämter, Abschlüsse, verschiedene Arten und Stufen von Wissen etc.) zu verteilen. Jedoch nicht „in Kopie der Distributionsmuster aus Wirtschaft und Politik, denn die zur Debatte stehenden Güter sind von anderer Art“ (ebda.).

Sein Postulat lautet, dass „Schulen eine soziale Sonderwelt mit eigenen normativen Strukturen darstellen“ (a. a. O.: 291).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Vorstellung der durch die PISA-Studie 2006 aufgeworfenen Problematik der Chancenungleichheit im Bildungssystem und Einführung der leitenden Fragestellung nach der moralischen Notwendigkeit von Chancengleichheit.

2 Sozialschichtspezifische Disparitäten nach PISA 2006: Empirische Darstellung des Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft, Kompetenzerwerb und Bildungsbeteiligung anhand von PISA-Daten.

3 Schichtspezifische Disparitäten gleich ungleiche Bildungschancen?: Theoretische Analyse der Ursachen von Ungleichheit unter Rückgriff auf das Modell von Boudon, mit Fokus auf primäre und sekundäre Herkunftseffekte.

4 Faktische Ungleichheit von Bildungschancen und hypothetische Konsequenzen: Diskussion, wie Chancengleichheit institutionell hergestellt werden könnte und welche radikalen Konsequenzen dies hätte.

5 Definitionen: Semantische Klärung des Begriffs "Chance" und der verschiedenen normativen Definitionen von Chancengleichheit.

6 Chancengleichheit und das Verhältnis zur Gerechtigkeit: Untersuchung der engen begrifflichen und moralischen Verflechtung von Chancengleichheit und Gerechtigkeit.

7 Gerechtigkeit: Systematischer Überblick über das komplexe Feld der Gerechtigkeitstheorien und deren Anwendungsebenen.

8 Chancengleichheit unter Betrachtung zeitgenössischer Gerechtigkeitstheorien: Detaillierte Analyse und Gegenüberstellung der Ansätze von John Rawls, Robert Nozick und Michael Walzer bezüglich ihrer Haltung zu Chancengleichheit.

9 Resümee: Synthese der vorangegangenen Argumentationen und Fazit, dass die Notwendigkeit von Chancengleichheit maßgeblich von der zugrunde gelegten Gerechtigkeitstheorie abhängt.

Schlüsselwörter

PISA 2006, Chancengleichheit, Bildungsgerechtigkeit, Soziale Herkunft, Soziale Ungleichheit, Kompetenzerwerb, Bildungsbeteiligung, John Rawls, Robert Nozick, Michael Walzer, Sphärentheorie, Verteilungsgerechtigkeit, Primäre Herkunftseffekte, Sekundäre Herkunftseffekte, Gerechtigkeitstheorien.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die moralische Rechtfertigung und Notwendigkeit von Chancengleichheit im Bildungswesen nach der Veröffentlichung der PISA-Studie 2006 aus der Sicht zeitgenössischer Gerechtigkeitsphilosophien.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen empirische Bildungsforschung (Sozialschichtspezifische Disparitäten), Bildungssoziologie (Boudons Modell der Bildungsungleichheit) sowie moralphilosophische Gerechtigkeitstheorien.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage: "Warum brauchen wir Chancengleichheit?", wobei der Autor kritisch hinterfragt, ob die Forderung nach Chancengleichheit notwendigerweise aus einem Gerechtigkeitsverständnis resultiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die Daten der PISA-Studie 2006 mit philosophischen Theorien von Rawls, Nozick und Walzer kontrastiert und reflektiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert zunächst die empirische Lage der Chancenungleichheit, diskutiert dann die Mechanismen ihrer Reproduktion und führt schließlich eine tiefgehende philosophische Analyse durch.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Bildungsgerechtigkeit, soziale Herkunft, Chancengleichheit, Gerechtigkeitstheorien, PISA 2006 und Sphärentheorie charakterisieren.

Wie unterscheidet sich die Sichtweise von Rawls von der von Nozick?

Rawls vertritt einen egalitären Ansatz, der faire Chancengleichheit und das Unterschiedsprinzip betont, während Nozick eine libertäre Position einnimmt, die Umverteilung zur Erreichung von Chancengleichheit als Verletzung von Eigentumsrechten ablehnt.

Welchen Ansatz verfolgt Michael Walzer mit seiner Sphärentheorie?

Walzer verfolgt einen kommunitaristischen und kulturrelativen Ansatz, bei dem Bildung als eigenständige "Sphäre" gilt, in der das Verteilungsprinzip des "Bedürfnisses" Vorrang hat, um Tyrannei und Monopolbildung zu verhindern.

Was ist das Fazit der Arbeit bezüglich der Bildungsfrage nach PISA 2006?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Entscheidung, ob nach PISA 2006 Chancengleichheit hergestellt werden soll, nicht neutral beantwortbar ist, sondern vollständig von der gewählten Gerechtigkeitstheorie abhängt, die man als moralisch verbindlich erachtet.

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Résumé des informations

Titre
Bedarf es nach PISA 2006 Chancengleichheit?
Sous-titre
Eine moralphilosophische Betrachtungsweise
Université
University of Applied Sciences Ravensburg-Weingarten
Cours
Aktuelle Probleme der Sozialpolitik
Note
1,3
Auteur
Pascal Barth (Auteur)
Année de publication
2008
Pages
44
N° de catalogue
V115905
ISBN (ebook)
9783640176304
ISBN (Livre)
9783640176410
Langue
allemand
mots-clé
Bedarf PISA Chancengleichheit Aktuelle Probleme Sozialpolitik
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Citation du texte
Pascal Barth (Auteur), 2008, Bedarf es nach PISA 2006 Chancengleichheit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115905
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Extrait de  44  pages
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