Die Jesuitenmissionen in Japan im 20. Jahrhundert. Das Missionsprojekt der Sophia Universität in Tokyo


Hausarbeit, 2020

26 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Gesellschaft Jesu und das Missionsprojekt Sophia Universität in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
2.1 Die Rückkehr der Jesuiten nach Japan und die Gründung der Sophia Universität.
2.2 Rückschläge für das Missionsprojekt
2.3 Wissenschaftliche Unternehmungen an der Sophia Universität
2.4 Bildungsangebote und sozial-karitative Werke der Missionare in Verbindung mit der Sophia Universität

3 Missionarischer Aufbruch nach dem zweiten Weltkrieg und die weitere Entwicklung der Sophia Universität
3.1 Jesuiten an der Sophia Universität und ihr missionarisches Engagement.
3.2 Ausbau und Wachstum der Sophia Universität

4 Die Sophia Universität und das gewandelte Missionsverständnis

5 Fazit und Ausblick

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Hat das 1913 von Jesuiten in Tokio gegründete Missionsprojekt Sophia Univer­sität dazu beigetragen, im Japan des 20. Jahrhunderts Menschen für den christ­lichen Glauben zu gewinnen und die katholische Kirche in der japanischen Ge­sellschaft zu verankern? Derzeit gehört etwa 1 Prozent der japanischen Staats­bürger christlichen Glaubensgemeinschaften an.

Die Verkündigung des Wort Gottes in Wort und Tat, um Menschen zum christ­lichen Glauben hinzuführen, betrachtet die Kirche als ihre grundlegende Auf­gabe, ihre Mission. Innerhalb der katholischen Kirche hat nicht zuletzt der Orden der Jesuiten sich das Ziel gesetzt, weltweit für eine Verbreitung des Katholi­schen Glaubens mit den Mitteln von Mission, Unterricht und Erziehung, in einer jeweils zeitgemäßen Form, zu sorgen.1 Gleichwertig neben die Aufgabe der Verkündigung der frohen Botschaft und Bekehrung der Menschen zum katholi­schen Glauben ist mit dem II. vatikanischen Konzil (1962-1965) das Apostolat der Förderung der Gerechtigkeit getreten, ein Wandel im Missionsverständnis, der sich auch auf die Gesellschaft Jesu auswirkte, wie das Dekret 4 Punkt 2 der 32. Generalkongregation zeigt.

Missionarische Unternehmungen standen in der Regel unter dem Schutz einer Kolonialmacht und galten als Wegbereiter für eine kolonialherrschaftliche Durchdringung. Generell hatte sich mit der Maximum illud, der nach dem ersten Weltkrieg 1919 veröffentlichten Missionsenzyklika Papst Benedikts XV, ein Um­denken bezüglich des Missionsauftrags entwickelt. Das Schreiben betont:

[...] die notwendige Einwurzelung der Kirche in die jeweiligen Kulturen der Völker und die Anknüpfung an ihre Traditionen, wobei zum Missi­onswerk auch Schulen und karitative Werke gehören. Zur Einwurzelung gehöre aber vor allem die Zulassung und Ausbildung eines einheimi­schen Klerus, der mit seinem Volk kulturell verbunden ist, [. ]2 mit dem Ziel, dass die Kirche nicht als fremder Eindringling erlebt werde.3 In Bezug auf Japan konnte die Zielsetzung der Schaffung eines kolonialherrschaft­lichen Raumes zu Beginn des 20. Jahrhunderts tatsächlich nicht mehr ange­strebt werden. Japan hatte sich innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne nach seiner erzwungenen Öffnung 1852 und einer Phase eines informal empire mo­dernisiert und versuchte seinerseits das Land in imperialistischer Absicht aus­zudehnen und koloniale Ansprüche durchzusetzen.

In der Mitte des 16. Jahrhunderts brachten die ersten Jesuitenmissionare das Christentum nach Japan. Die Generation nach Franz Xaver, dem Mitbegründer der Gesellschaft Jesu, missionierte zunächst sehr erfolgreich, bis die Reduzie­rung der missionarischen Freiheiten ab 1587 zur Ausweisung der Missionare und dem vollständigen Verbot des Christentums führte. In den 1630er Jahren kam es zu einer kontrollierten Abschließung des Landes. Die mit der Auswei­sung von Missionaren sowie der Verfolgung und Hinrichtung von Christen ge­plante radikale Ausrottung des Christentums gelang nicht gänzlich. Das Chris­tentum hatte in der Region Kyushu Wurzeln geschlagen und lebte im Unter­grund weiter. Die Zahl der katholischen Christen, die hier ihren Glauben im Ver­borgenen weiterlebten, soll laut Klaus Luhmer etwa 100 000 betragen haben.4 Interessanterweise leben heute in der Erzdiözese Nagasaki auf der Insel Kyushu prozentual deutlich mehr Katholiken als in den anderen Erzdiözesen Japans. Als ab 1873 wieder Religionsfreiheit herrschte, gaben sich die Kakure Kirishitan, verborgene Christen, zu erkennen. Einige von Ihnen kehrten in die römisch-katholische Kirche zurück. Zu diesem Zeitpunkt war christliche Mission über die Grenzen der Konfession hinweg im Land wieder zugelassen. 1908 nahmen auch die Jesuiten ihre Missionsarbeit wieder auf, möglicherweise mit der Hoffnung an Christianisierungserfolge, die für das 16. Jahrhundert mit 300 000 japanischen Christen beziffert werden, anknüpfen zu können.5

Jesuiten praktizieren ihr Gemeinschaftsleben nicht in klösterlicher Abgeschie­denheit, sondern in Kommunitäten. Sie sind an keinen Ort gebunden. Den Mit­telpunkt des jesuitischen Selbstverständnisses bildet der besondere Papstge­horsam, zum dem sich ausgewählte Kleriker des Ordens mit dem Ablegen des 4. Gelübdes verpflichten. Damit stehen sie für die weltweite päpstliche Sendung zur Verfügung.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entsandte Papst Pius X Jesuiten nach Japan mit der Aufforderung dort eine höhere Studienanstalt zu errichten. Diese grün­deten 1913 in Tokio die heutige Sophia Universität, anfänglich eine katholische Hochschule, die 1928 den Status einer staatlich anerkannten Universität erhielt. In den Anfängen musste das Missionsprojekt einige Rückschläge hinnehmen. Der Aufschwung zur heutigen Eliteuniversität begann nach dem zweiten Welt­krieg. Erziehungs- und Lehrtätigkeiten boten der Jesuitenkommunität die Mög­lichkeit ihren Glauben zu vermitteln.6

Die Forschung bezüglich der Missionsarbeit der Gesellschaft Jesu in Japan, befasst sich primär mit den Anfängen der Jesuitenmission im Japan des 16. und 17. Jahrhunderts, insbesondere mit den Biografien der Ordensgründer. Hin­sichtlich deutscher Forschungsliteratur sind in diesem Zusammenhang bei­spielsweise Werke des Theologen Georg Schurhammer zu nennen, der sich in seiner Forschung schwerpunktmäßig dem Leben und Werk Franz Xavers wid- mete.7 Mit der Biografie des Ordensgründers Ignatius von Loyola hat sich der Theologe Hugo Rahner befasst.8 Weitgehend unerforscht ist bislang die Missi­onstätigkeit der Jesuiten im Japan des 20. Jahrhunderts.

Nach der Einleitung befasst sich die Hausarbeit im zweiten Kapitel mit der Ent­wicklung der Sophia Universität in den Anfangsjahren. Das Kapitel 2.1 behan­delt die Umstände der Universitätsgründung sowie die damit einhergehende, erneute Sendung der Jesuiten nach Japan. Kapitel 2.2 geht auf teilweise exis­tenzbedrohende Rückschläge ein, die das Missionsprojekt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu verkraften hatte. Kapitel 2.3 beschäftigt sich mit aka­demischen Aktivitäten der Sophia Universität wie der Etablierung weiterer Fa­kultäten, die Herausgabe wissenschaftlicher Zeitschriften und Veröffentlichun­gen mit dem Ziel, in japanischen wissenschaftlichen Kreisen anerkannt und als Kirche wahrgenommen zu werden. Kapitel 2.4 zeigt Möglichkeiten auf, mit den Menschen in einen christlichen Dialog zu treten. Das dritte Kapitel thematisiert die Entwicklung der Sophia Universität in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhun­derts. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte ein Aufschwung. Noch mehr Fakul­täten wurden etabliert, unter anderem die Theologischen Fakultät im Jahr 1958. Kapitel 3.1 befasst sich mit dem missionarischen Engagement der Jesuitenkommunität. Kapitel 3.2 geht auf den erfolgreichen weiteren Ausbau und das Wachstum der Sophia Universität ein. Das 4. Kapitel behandelt den Wandel des Missionsverständnisses und wie sich an der Sophia Universität die Erziehungsprinzipien der Gesellschaft Jesu zu diesem Wandel verhalten. Das Kapitel 5 wird eine Antwort auf die eingangs formulierte Frage nach dem Missi­onserfolg der Gesellschaft Jesu, in Verbindung mit dem Missionsprojekt Sophia Universität geben.

2 Die Gesellschaft Jesu und das Missionsprojekt Sophia Univer­sität in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Sorgte der Jesuitenorden nach seiner Gründung 1540 zunächst für Aus- und Fortbildung des Ordensnachwuchses, so folgten schon ab 1546 Schulgründun­gen für Externe. Das Bildungsangebot sollte für alle Interessierten kostenlos zur Verfügung stehen,9 um breitere Bevölkerungsschichten erreichen zu können. Schon damals hatten die Ordensgründer erkannt, dass sich das Betreiben von Schulen und die missionarische Zielsetzung der Glaubensvermittlung verbin­den ließen.10

Als die Missionare der Gesellschaft Jesu 1908 zur Zeit der Meiji Ära (1868­1912) in Japan eintrafen, waren im Land zahlreiche Reformen und Umgestal­tungen angestoßen worden, ein Prozess, der in der Taisho-Ära (1912-1926) zur Stabilisierung der in die Wege geleiteten staatlichen Reformen führte.11 Die Mo­dernisierungsbestrebungen betrafen auch den Erziehungs- und Bildungsbe­reich. Im Jahr 1872 hatte das Erziehungsministerium ein Gesetz verabschiedet, welches ein einheitliches Schulsystem für alle Kinder Japans vorsah. Höhere Schulen in Form von Mittel- und darauf aufbauenden Oberschulen entstanden, sowie ab 1886 an der Spitze dieses Bildungssystems die Etablierung von staat­lichen Universitäten, neben denen auch private Hochschulen, wie die Keio-Uni- versität oder die Waseda-Universität existierten.12

Auf Grund der Bildungsreformen stieg zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Be­darf an Bildungseinrichtungen, deren Angebot mehr als die Vermittlung von Ele­mentarbildung beinhalteten.13 Der Jesuitenorden konnte mit der Errichtung der Sophia Universität, die bis zur staatlich anerkannten Universität 1928 als katho­lische höhere Lehranstalt galt, auf dieses Bedürfnis eingehen. Des Weiteren bot sich der Gesellschaft Jesu mit der Etablierung des Missionsprojektes die Mög­lichkeit, durch Erziehung und Bildung, christliche Werte zu vermitteln. Allerdings hatte im Jahr 1899 das japanische Erziehungsministerium einen Regierungser­lass herausgegeben, welcher die absolute Trennung von Erziehung und Reli­gion beinhaltete und sämtliche religiöse Unterweisung und Zeremonien in den staatlichen Schulen und Universitäten verbot.14 Auch den Jesuiten blieb daher nur die Möglichkeit, ausschließlich diejenigen die es wünschten, in katholischer Religion zu unterrichten.

[. ] that religion would not be part of the school programm, but would be thaught only to those who asked for it.15

2.1 Die Rückkehr der Jesuiten nach Japan und die Gründung der Sophia Universität.

Papst Pius X hatte den Wunsch, dass die Gesellschaft Jesu nach Japan zu­rückkehre, um die Missionsarbeit wieder aufzunehmen und im Hochschulbe­reich tätig zu werden. Ein entsprechendes Postulat lag der 25. Generalkongre- gation16, die 1906 in Rom tagte, vor.17 In Dekret Nr. 6 unter Punkt 2 erklärte die Kongregation ihre Zustimmung im Hinblick auf das besondere Gehorsamsge­lübde bezüglich Mission gegenüber dem Papst und in Erinnerung an Franz Xaver.

„Wherefore, the general congregation by unanimous vote professed it­self fully prepared to undertake both the works as offered, both out of regard for the special obedience involving missions that is due to the supreme pontiff by reason of our constitutions and also in memory of Saint Francis Xavier, apostle of Japan […]18

[...]


1 Haub, Rita: Geschichte der Jesuiten. WBG Darmstadt 2007. S. 6

2 Sievernich, Michael: Die christliche Mission. Geschichte und Gegenwart. WBG Darmstadt 2009. S.101. Siehe auch: Benedikt XV.: Enzyklika Maximum illud vom 30.Nov. 1919, insbeson­dere Abschnitte 8-14, In: http://www.vatican.va/content/benedict-xv/de/apost let-

ters/documents/hf ben-xv apl 19191130 maximum-illud.html (Letzter Zugriff 28.12.2020)

3 Sievernich, Michael: Christliche Mission. S. 101

4 Luhmer, Klaus: Die japanische Kirche und die Aufgabe katholischer Universitäten am Beispiel der Sophia Universität in Tokyo. In: Ordenskorrespondenz. Zeitschrift für Fragen des Ordens­lebens Heft 35. Dt. Ordensobernkonferenz Bonn 1994. S. 69-70

5 Sievernich, Michael: Christliche Mission. S. 85

6 Füss, Harald: Deutsche Jesuiten in Japan. In: Japanstudien. Jahrbuch des Deutschen Instituts für Japanstudien. Deutschland in Japan. Bd.17. (Hg) Annette Schad-Seifert und GabrieleVogt. Iudicium-Verlag München 2005. S. 105

7 Schurhammer, Georg: Der heilige Franz Xaver. Herder Freiburg im Breisgau 1925

8 Rahner, Hugo: Ignatius von Loyola als Mensch und Theologe. Herder Freiburg im Breisgau 1964

Exemplarisch für weitere deutschsprachige Forschungsliteratur sind außerdem: Schurhammer, Georg: Das kirchliche Sprachproblem in der japanischen Jesuitenmission des 16. und 17. Jahrhunderts. Ein Stück Ritenfrage in Japan. Tokyo 1928

Schilling, Konrad: Das Schulwesen der Jesuiten in Japan (1551-1614) Teildruck 1931 Winnerling, Tobias: Vernunft und Imperium: die Societas Jesu in Indien und Japan 1542-1574. Göttingen Vandenhoeck und Ruprecht 2014

9 Heute kostet das Studium an japanischen Hochschulen, egal ob staatlich oder privat, Stu­diengebühren. An der Sophia Universität gilt eine ,gleitende Gebührenordnung' nach der sich die jährliche Studiengebühr richtet. Diese beträgt aktuell zwischen 10.000 und 11.000 Euro.

10 Kolvenbach, Peter-Hans: The Jesuit University today. In: Acta Romana Societatis Jesu; Bd.

19. Typispolygl. Vatic. Rom 1985. S. 397

11 Mathias, Regine: Das Entstehen einer modernen städtischen Gesellschaft und Kultur, 1900/1905-1932. In: Geschichte Japans. (Hg) Josef Kreiner 7. aktualisierte Auflage. Reclam Ditzingen 2010, 2019. S. 332

12 Oberländer, Christian: Von den Ungleichen Verträgen zur Großmacht - Japans Weg zum mo­dernen Nationalstaat. In: Geschichte Japans. (Hg) Josef Kreiner 7. Aktualisierte Auflage. Rec­lam Ditzingen 2010, 2019. S. 318 und 319

13 Mathias, Regine: Das Entstehen einer modernen städtischen Gesellschaft und Kultur. S. 358

14 Geppert, Theodor: The early years of Sophia University, Tokyo: Verf. 1993. S. 38

15 Ebd. S. 53

16 Die Generalkongregation ist das wichtigste, gesetzgebende Organ und höchste Autorität des Ordens. In Dekreten, die von der Generalkongregation festgeschrieben werden, zeigt sich die Richtung, in die sich der Orden entwickeln soll.

17 Padberg, John W.; O'Keefe, Martin D.; Mccarthy, John L. (Hg) For Matters of greater Mo­ment. The first thirty Jesuit General Congregations. A brief history and translation of the de­crees. Institut of Jesuit Sources St. Louis 1994. S. 43

18 Ebd. S. 494

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Jesuitenmissionen in Japan im 20. Jahrhundert. Das Missionsprojekt der Sophia Universität in Tokyo
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
26
Katalognummer
V1163927
ISBN (Buch)
9783346580405
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jesuiten, Mission, Japan, Sophia Universität, Glaube, Erziehung, Bildung
Arbeit zitieren
Martina Hölge-Cordier (Autor:in), 2020, Die Jesuitenmissionen in Japan im 20. Jahrhundert. Das Missionsprojekt der Sophia Universität in Tokyo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1163927

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