Italienische Wörter und Wendungen in Théophile Gautiers Werk "Jettatura"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

19 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ansiedlung der Handlung in Neapel

3. Begriffserklärungen
3.1. „Jettatura“
3.2. „Forestier“

4. Vermittlung einer italienischen Atmosphäre
4.1. Geographische Bezeichnungen
4.2. Italienische Anreden und Namen
4.3. Italienische Personenbezeichnungen
4.4. Italienische Wörter aus dem Alltag

5. Symbolik von Personennamen
5.1. Paul d’Aspremont
5.2. Don Felipe Altavilla
5.3. Vicè

6. Symbolik der „Rue de la Fortune“

7. „Vedi Napoli e poi mori“

8. Schluss

Bibliographie

1. Einleitung

In unzähligen literarischen Werken kann man feststellen, dass einige Worte aus anderen Sprachen in den Text aufgenommen wurden. Oft geschah dies aufgrund der Vorherrschaft einer Nation, die zu einem Einfluss in verschiedensten Gebieten andere Nationen führte. In anderen Fällen, kann Grund für die Aufnahme von Wörtern einer bestimmten Sprache, deren Beliebtheit zu einer bestimmten Epoche sein.

Théophile Gautier verwendet in seinem Werk „Jettatura“ zahlreiche italienische Wörter, die er genauso gut in seiner Muttersprache, nämlich dem Französischen hätte ausdrücken können. Nun stellt sich schließlich die Frage, warum er dies tut.

In der folgenden Arbeit sollen die Verwendung italienischer Wörter und Wendungen in Gautiers Erzählung „Jettatura“ im Mittelpunkt stehen. Hierbei soll als Erstes der Grund für die Auswahl von Neapel als Schauplatz dieser phantastischen Erzählung genannt werden.

Danach wird im Allgemeinen auf Erklärungen italienischer Wörter eingegangen. Im Vordergrund werden hierbei zunächst die Begriffe „Jettatura“ und „Forestier“ stehen. Daraufhin werden Gründe für das Vorkommen der italienischen Sprache in der „Jettatura“ veranschaulicht und kontextorientierte Deutungen italienischer im Alltag verwendeter Worte folgen.

Hiernach wird zur Symbolik zweier Familien- und einem Personennamen übergegangen werden.

Abschließend soll eine Interpretation des im Roman vorkommenden Zitats „Vedi Napoli e poi mori“ folgen.

Der Arbeit liegt der Originaltext von Théophile Gautiers „Jettatura“ zugrunde. An einigen Stellen greife ich jedoch auf die Übersetzung ins Deutsche von Alastair zurück.

2. Ansiedlung der Handlung in Neapel

Obwohl Théophile Gautier gebürtiger Franzose war und zeitlebens in seiner Heimat verweilte, siedelt er die Handlung seines Werks „Jettatura“ im Neapel des neunzehnten Jahrhunderts an. Er selbst hatte zwar im Jahre 1850, sieben Jahre vor der Veröffentlichung jenes Romans, eine Reise nach Italien unternommen, dennoch ist die Frage, warum Gautier gerade Italien und insbesondere Neapel als Schauplatz des Geschehens ausgewählt hat, essentiell. Er hätte schließlich, wie die meisten seiner zeitgenössischen Landsmänner, genauso gut die Handlung in einer französischen Stadt spielen lassen.

Um diese Frage zu beantworten, muss man die italiensche Gesellschaft und die Rolle, die sie in Gautiers Roman einnimmt, etwas genauer betrachten.

Wie in unserer Zeit, so war auch die italienische Gesellschaft des neunzehnten Jahrhunderts sowohl durch einen starken Katholizismus, als auch einen, dem Gottesglauben eigentlich widersprechenden, Aberglauben geprägt. Die Mehrheit der Bevölkerung führte demnach bestimmte Alltagsgeschehnisse, die eine Erklärung verlangten, auf das Wirken unsichtbarer Mächte und Geister zurück. Es wurde nur selten versucht, ungewöhnliche Vorkommnisse auf rationale oder wissenschaftliche Art und Weise zu erklären. Aufgrund dieser Auffassung hatten sich im Laufe der Jahrhunderte in Italien zahlreiche Rituale, die zur Beeinflussung der Gesinnung der unsichtbaren Mächte dienen sollen, herausgebildet, die auch noch heute zum Großteil praktiziert werden.

In Frankreich, wie auch den meisten anderen nördlichen Ländern des heutigen Europas, existierte zwar auch ein Aberglaube, jener war jedoch nicht so stark ausgeprägt. Vom Zeitalter der Aufklärung an, gingen die Menschen allgemein wissenschaftlicher an Fragestellungen heran und gaben sich mit mystischen Erklärungen nicht mehr zufrieden.

Italien hingegen, war zu dieser Zeit für den Aberglauben bekannt und insbesondere Neapel war und ist noch heute berühmt für seine Wunder. In Neapel ist alles möglich. Unglaubliches wird in Neapel als Alltägliches abgetan.

Da nun Gautiers Erzählung den „bösen Blick“, einen alten Aberglauben , und die Geschehnisse, die durch ihn hervorgerufen werden, als Hauptbestandteil hat, ist es fraglich, ob die Handlung, wenn sie z.B. in Frankreich angesiedelt worden wäre, nicht an Glaubwürdigkeit verloren, und das Interesse des Lesers gemindert hätte. Gautier sucht sich, indem er die Handlung seines Werks nach Neapel verlegt ein abergläubisches Umfeld, dass die Handlung „glaubwürdiger“ erscheinen lässt. In Neapel gehört der „böse Blick“ neben vielen anderen Phänomenen zum Alltag der Bewohner.

3. Begriffserklärungen

3.1. „Jettatura“

Mit „Jettatura“ (Théophile Gautier, Romans et Contes, S.187) wird die Begabung oder je nach Auslegung der Fluch bezeichnet, mit dem ein Mensch belegt ist, der dazu führt, dass sein Blick beim Anvisieren und Fixieren eines Gegenstandes, eines Tieres oder einer Person, jenen oder jene beeinflussen kann. Dieser Mensch wird „jettatore“ (Théophile Gautier, Romans et Contes S.183) genannt. Die eben erwähnte Beeinflussung kann gegebenenfalls von der Gemütsverfassung und den Absichten des „jettatore“ abhängen. Sie kann allerdings auch ungewollt erfolgen und ohne böse Absichten im schlimmsten Fall zur Vernichtung des anvisierten Objekts oder zum Tod des in Augenschein genommenen Tieres bzw. Menschen führen.

Das italienische Wort „jettatore“ bedeutet „Werfer“[1]. Im Italienischen wird dieses Wort allerdings mit „g“ anstelle des „j“ geschrieben. Gautier hat durch die Abänderung der Schreibung das Wort französisiert. Seine Schreibung des Wortes gleicht dem französischen Substantiv „jeteur“, das die gleiche Bedeutung trägt und somit dem französischen Leser das Verständnis des Wortes erleichtert. Der „jettatore“ ist demnach ein „Werfer eines Fluches“; er kann Gegenstände, Tiere oder Menschen mit einem Fluch belegen. Der seltener im Roman verwendete Plural von „jettatore“ lautet „jettatori“.

Mit dem Wort „jettatura“ bezeichnet man diese Begabung oder Verfluchung, die der „jettatore“ hat. Obgleich der Roman „Jettatura“ heisst, und somit die original italienische Schreibung des Wortes eingehalten wurde, verwendet Gautier im Verlaufe des Textes stets die französisierte Schreibung „jettature“. (Théophile Gautier, Romans et Contes S.228)

Im Zusammenhang zu diesen beiden Begriffen fällt in Gautiers Erzählung an mehreren Stellen das Wort „fascino“. Von der Grundbedeutung her kann „fascino“ „Zauber“, „Scharm“ oder „Zauberei“ bedeuten, wird im Roman jedoch im Sinne von „böser Blick“ verwendet. „[…]il avait lui-même le fascino,[…]“ (Théophile Gautier, Romans et Contes S.202). Interessanterweise wird der gängige italienische Begriff „malocchio“, dt.: „böses Auge“, kein einziges Mal verwendet. In den meisten Gegenden und Ländern des Mittelmeerraumes, in denen dieser Aberglaube existiert, gibt es für diese Wendung des „bösen Auges“ 1:1-Entsprechungen.

3.2. „Forestier“

Im Roman „Jettatura“ wird Paul d’Aspremont neben „jettatore“ auch als ein „forestier“ (Théophile Gautier, Romans et Contes S.181) bezeichnet. „Forestier“ stammt von dem italienischen Wort „forestiero“ und kann je nach Kontext „Fremder“ bzw. „Ausländer“ oder „Gast“ bedeuten. An einigen Stellen des Textes verändert Gautier leicht die Schreibung, in dem er ein „e“ an das Wortende hinzufügt. In der Erzählung wird das Wort „forestier“ im Sinne von „Fremder“ benutzt.

Das Hotelpersonal macht sich über Scazziga, den Kutscher lustig, weil dieser keine Angst vor dem „Jettatore“ hat und ihn, so seine Kollegen, nur das Trinkgeld des Fremden interessiert. Die Angestellten des „Hotel de Rome“ werfen Paul d’Aspremont zudem vor, ein Ketzer zu sein, dessen Trinkgeld als Schmiergeld an gutgläubige Christen gedeutet werden kann.

Es scheint, als ob die Bediensteten, einen Fremden als direkte Gefahr sehen und ihm daher von vorneherein misstrauen und ihm lieber aus dem Weg gehen. D’Aspremont ist ein ungebetener Gast, selbst für die Menschen, die von der Tourismusindustrie leben.

[...]


[1] Alle Bedeutungen italienischer Wörter wurden dem in der Biographie verzeichneten Wörterbuch von Sansoni entnommen

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Italienische Wörter und Wendungen in Théophile Gautiers Werk "Jettatura"
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Phantastische Erzählungen in Frankreich
Note
3,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V116439
ISBN (eBook)
9783640186228
ISBN (Buch)
9783640188178
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Italienische, Wörter, Wendungen, Théophile, Gautiers, Werk, Jettatura, Phantastische, Erzählungen, Frankreich
Arbeit zitieren
Sarah Breitkopf (Autor), 2005, Italienische Wörter und Wendungen in Théophile Gautiers Werk "Jettatura" , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116439

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