Armenfürsorge in Innsbruck

Geschichte der wichtigsten, heutigen sozialen Einrichtungen


Seminararbeit, 2008
18 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition – Armut kurz und bündig

3 Armenfürsorge heute – Innsbrucks wichtigste soziale Einrichtungen und ihre Funktionen

4 Wie es begann – Geschichte der heutigen sozialen Einrichtungen Innsbrucks

5 Schlussbetrachtung

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit soll einen kleinen Einblick in die neuere Geschichte der Innsbrucker Armenfürsorge geben. Neben meinem persönlichen Interesse an diesem Thema, ging es mir auch darum, erstmals eine Chronologie dieses, literarisch noch nicht sonderlich gut erfassten Themas zu ermöglichen. Ganz bewusst habe ich dabei besonderes Augenmerk auch auf eine detaillierte Beschreibung der wichtigsten heutigen privaten Institutionen der Armenfürsorge gelegt, da diese eine essentielle Rolle in unserem so genannten zweiten (und gleichzeitig auch letzten) sozialen Versorgungsnetzes zu leisten haben. Da diese Arbeit die neuere Geschichte behandeln soll, enden die historischen Beschreibungen der einzelnen Institutionen jeweils bei ihren individuellen Anfängen. Da ich mit meiner Darstellung in der heutigen Zeit beginne und dann bis in die Anfänge der jeweiligen Institution zurückgehe, ergibt sich kein einheitlicher Abschluss mit einem bestimmten Jahr. Es wird vielmehr so sein, dass die Arbeit im jeweiligen Gründungsjahr der einzelnen sozialen Einrichtungen, naturgemäß auch zu unterschiedlichen Zeiten endet.

Um einen besseren Überblick über dieses vielseitige Thema bieten zu können, werde ich meine Arbeit in drei Bereiche trennen.

Zu Beginn möchte ich einige Definitionen des Begriffes der Armut darstellen. Gleichzeitig sollen hier aber auch die historischen Vorstellungen von Armenfürsorge kurz erläutert werden.

Der zweite Teil soll einen Überblick über die einzelnen Institutionen des zweiten sozialen Netzes in Innsbruck ermöglichen, wobei besonders auch auf deren Tätigkeitsfelder eingegangen wird.

Im letzten Abschnitt werde ich mich der Geschichte der heutigen sozialen Einrichtungen zuwenden. Die Beschreibungen können, wie bereits erwähnt, nicht mit einem Fixdatum enden. Sie werden vielmehr unterschiedlich weit in die Vergangenheit zurückreichen.

Da ich für den Raum Innsbruck keine einheitliche Literatur zu diesem Thema finden konnte, war ich Großteils auf Internetberichte, Angaben in Tiroler Zeitschriften und mündliche Auskünfte der einzelnen Institute angewiesen. Auf diese Informationen stützt sich dann zum Großteil auch meine Arbeit. Besonders hilfreich war außerdem eine Diplomarbeit von Ralph Brunner aus dem Jahre 1995, die einen guten, wenn inzwischen auch schon etwas älteren Überblick über die damals aktuelle Armenfürsorge in Innsbruck bot. Für einen genauen Überblick zur älteren, öffentlichen Armenfürsorge in Tirol mit Schwerpunkt Innsbruck, empfehle ich den Aufsatz von Wilfried Beimrohr „die öffentliche Armenfürsorge in Tirol vom 16. bis 19. Jhd.“ (erschienen in der in der Festschrift für Johann Rainer, den Historischen Blickpunkten aus dem Jahr 1988).

2 Definition – Armut kurz und bündig

Zum Begriff der Armut findet man viele Beschreibungen. In Meyers Lexikon wird sie beispielsweise als „wirtschaftliche Situation“ beschrieben, „in der es einzelnen Gruppen, oder ganzen Bevölkerungen nicht möglich ist, sich ihren Lebensunterhalt (Existenzminimum) aus eigenen Kräften zu beschaffen“. Eine präzise Umschreibung dieses kurzen Wortes ist jedoch mit äußerster Vorsicht zu genießen. Denn wer ist wirklich arm? Ist es beispielsweise auch derjenige, der sich arm fühlt?

Nachfolgend soll ein kurzer Überblick über die wichtigsten Einteilungsmöglichkeiten dieses Begriffes gegeben werden, anhand derer es möglich sein sollte, einer Definition näher zu kommen.

Die oben genannte Definition aus Meyers Lexikon erklärt im Großen und Ganzen die Attribute der absoluten Armut. Jemand, der als objektiv arm bezeichnet wird, ist vereinfacht gesagt auch wirklich arm, egal ob er sich so fühlt, oder nicht[1].

Personen hingegen, die sich, aufgrund von mangelnder Bedürfnisbefriedigung als arm bezeichnen, aber noch über das Notwendigste zum Überleben verfügen, werden als relativ arm angesehen. Hier kann aber gleichzeitig auch der Begriff der subjektiven Armut angewandt werden, da er Gleiches beschreibt. Eine andere Einteilungsart ist die Unterscheidung zwischen primärer und sekundärer Armut. Diese Unterteilung stimmt vollständig mit der, der objektiven und relativen Armut überein.

Arm ist also nicht gleich arm. Hier gibt es auch enorme regionale Unterschiede. Menschen, die in Österreich als arm gelten, verfügen beispielsweise über das Vielfache der Mittel eines durchschnittlichen, nicht als arm angesehenen Sudanesen. Gleich groß wie die räumlichen Unterschiede sind natürlich auch die Zeitlichen. Die Lebensführung eines Armen Tirolers der frühen Neuzeit, ähnelt in keinster Weise, der eines heutigen Sozialhilfeempfängers. Hier fächern sich die Lebensalternativen in einem breiten Spektrum zwischen Entbehren, Darben und Verhungern[2].

Fast gleich groß sind die Unterschiede bei den Vorstellungen von Armutsbekämpfung. Im Mittelalter halfen sich die Familien oder Sippenverbände, sowie die aufkommenden Zünfte gegenseitig aus. Wo das nicht möglich war, trat die Kirche auf den Plan, die durch das Gebot Gottes zur Nächstenliebe und Barmherzigkeit verpflichtet war[3]. Soziale Hilfeleistung stellte sich hier jedoch eher als Nebenprodukt dar. Wichtiger dürfte wohl gewesen sein, durch barmherzige Taten für sein Seelenheil gesorgt zu haben. Den meisten Armen, die in dieser Zeit wirklich objektiv arm waren, blieb allerdings nichts anderes übrig, als ihren Lebensunterhalt mit Betteln zu bestreiten.

Dies wurde schließlich immer mehr zum Problem. Mit der Herausbildung der Territorialstaaten in der frühen Neuzeit und dem langsamen Aufkommen einer staatlichen Macht, gabt es auch erste landesweite Ansätze der Armenfürsorge. In Tirol äußert sich diese Tendenz erstmals in einem Mandat, dass das Betteln Ortsfremder unterbinden sollte. Wie man daran schon erkennen kann, ging es den weltlichen Machtträgern wieder nicht um soziale Hilfeleistung, sondern vielmehr um die Bekämpfung des Bettelproblems. Weitere Entwicklungen, wie die Ernennung von besoldeten hauptberuflichen Armenpflegern, die wöchentlich Mittel an Arme verteilen sollten, waren zwar sehr lobenswert, hatten allerdings immer nur das gleiche Ziel, die Beseitigung des Bettlerproblems.

Erste langsame Änderungen der Einstellung den Armen gegenüber, geschahen ab Maria Theresia und ihrem Sohn Joseph II.. Die Armenfürsorge trat nun gegenüber der Bettelbekämpfung immer mehr in den Vordergrund. Damit wurde eine neue Ära der Armutsbekämpfung eingeleitet, die nach etlichen Adaptierungen ihren – vorläufigen - Höhepunkt im heutigen Sozialhilfesystem gefunden hat, dessen wichtigstes Ziel es ist, Hilfsbedürftigen die Führung eines menschenwürdigen Lebens zu ermöglichen[4].

Grob vereinfacht kann man sagen, dass es diese drei Grundeinstellungen waren, die in Europa seit dem Mittelalter eine mehr oder weniger kontrollierte Armenfürsorge ermöglichten.

3 Armenfürsorge heute – Innsbrucks wichtigste soziale Einrichtungen und ihre Funktionen

Wie sieht es denn nun aus, dieses Netz, das uns und unsere Mitmenschen vor dem Absacken in die absolute Armut retten soll? Besonders wichtig ist, dass es sich dabei um ein Zusammenspiel der verschiedensten Organisationen handelt, sowohl von Staatlichen als auch von Privaten. Die rechtliche Grundlage für die staatliche Hilfe schafft in Tirol das TGSG, das Tiroler Grundsicherungsgesetz. Das dort definierte Primärziel ist die Garantie der Führung eines menschenwürdigen Lebens für jeden Landesbürger.

Die Sozialhilfe stellt das so genannte zweite Netz der sozialen Absicherung dar. Sie tritt nur dann in kraft, wenn die anderen Grundformen unseres Sozialsystems nicht mehr greifen. Das heißt, dass die Sozialhilfe erst dann gewährt wird, wenn Sozialversicherungen, sowie staatliche Versorgungsmodelle (Kriegsopfer-, oder Heeresversorgungsgesetz) nicht mehr zur Anwendung kommen. Anders als bei Versicherung und Versorgung sind ihre Leistungen dabei nicht planmäßig und vorhersehbar, sondern den Bedürfnissen des konkreten Einzelfalles angepasst[5]. Das heißt aber gleichzeitig auch, dass die Sozialhilfe jedem gewährt werden muss, dessen Lebensbedarf nicht sichergestellt ist. Dabei spielt in Tirol die Staatsbürgerschaft des Hilfesuchenden keine Rolle. Hier haben auch Ausländer den gleichen Anspruch auf Hilfe[6]. Das ist nicht in jedem Bundesland so. Teilweise gibt es gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Diese sehr uneinheitliche Situation ergibt sich aus den aufgeteilten Kompetenzen. Jedes Bundesland hat seine eigenen Sozialhilfeverordnungen, ist also quasi selbst für seine Armen zuständig.

In Tirol gibt es in jedem Bezirk ein Sozialamt. Zuständig für die Innsbrucker Hilfesuchenden ist das Sozialamt Innsbruck in seinem neuen Amtsgebäude in der Egger-Lienz-Strasse 5. Es ist zuständig für den gesamten Bereich Innsbruck Stadt. Um Ansprüche geltend machen zu können muss der Hilfesuchende also zumindest über einen Meldezettel mit Wohnort Innsbruck verfügen.

Die Gewährung der Sozialhilfe wird außerdem durch den Grundsatz der Subsidiarität bestimmt. Ein Bedürftiger erhält demnach nur dann Hilfe, wenn all seine persönlichen Mittel erschöpft sind, wenn er also wirklich mittellos ist.

Abschließend sind noch kurz die Mittel zu nennen, die dem Sozialamt im Kampf gegen die Armut zu Verfügung stehen. Die häufigste Form der Sozialhilfe ist die so genannte „Hilfe zur Sicherung des Lebensbedarfs“. Darunter versteht man Maßnahmen, wie Lebensunterhaltszahlungen, Krankenhilfe, Hilfe für werdende Mütter und Wöchnerinnen, Pflege Kranker und Schwacher sowie Hilfe bei der Kindererziehung. Auf diese Hilfe besteht ein Rechtsanspruch, sie kann also gesetzlich erkämpft werden[7]. In besonderen Notsituationen, in denen nur eine einmalige Zahlung Abhilfe schaffen könnte, kann „Hilfe in besonderen Lebenslagen“ gewährt werden. Hier übernimmt das Sozialamt beispielsweise Kosten für nicht alltägliche Anschaffungen und vergibt Darlehen oder Aushilfen. Auf diese Unterstützung besteht allerdings kein Rechtsanspruch, ihre Vergabe obliegt der freien Entscheidung des Sozialamtes. Die letzte, aber auch kosten intensivste Form der Sozialhilfe ist die, der Sozialen Dienste. Hier bedient sich das Sozialamt der modernen Praxis des Outsourcing, in dem es bestimmte soziale Aufgaben an private Nichtregierungsorganisationen (NGO) abgibt.

[...]


[1] Ralph Brunner, Armut in Innsbruck, phil. Dis., Innsbruck 1995, S.5.

[2] Wilfried Beimrohr, die öffentliche Armenfürsorge in Tirol vom 16. bis 19. Jahrhundert, in Sabine Weiss (HG.), Historische Blickpunkte. Festschrift für Johann Rainer. Zum 65. Geburtstag dargebracht von Freunden, Kollegen und Schülern, Innsbruck 1988,S.11-33; S. 12.

[3] Wilfried Beimrohr, die öffentliche Armenfürsorge in Tirol vom 16. bis 19. Jahrhundert, in Sabine Weiss (HG.), Historische Blickpunkte. Festschrift für Johann Rainer. Zum 65. Geburtstag dargebracht von Freunden, Kollegen und Schülern, Innsbruck 1988,S. 11-33; S. 12.

[4] Adelheid Pacher, Sozialhilfe, S.4.<http://www.voegb.at/bildungsangebote/skripten/sr/SR-15.PDF>

[5] Adelheid Pacher, Sozialhilfe, S.6. <http://www.voegb.at/bildungsangebote/skripten/sr/SR-15.PDF>

[6] Ralph Brunner, Armut in Innsbruck, phil. Dis., Innsbruck 1995, S.33.

[7] Adelheid Pacher, Sozialhilfe, S.10. <http://www.voegb.at/bildungsangebote/skripten/sr/SR-15.PDF>

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Armenfürsorge in Innsbruck
Untertitel
Geschichte der wichtigsten, heutigen sozialen Einrichtungen
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Institut für Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar in Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Note
2
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V116599
ISBN (eBook)
9783640183203
ISBN (Buch)
9783640183418
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Armenfürsorge, Innsbruck, Proseminar, Wirtschafts-, Sozialgeschichte
Arbeit zitieren
Philipp Strobl (Autor), 2008, Armenfürsorge in Innsbruck, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116599

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