Der Umgang mit Verschwörungstheorien in Literatur und Deutschrap. Vermittlung von Kenntnissen und Kompetenzen im Deutschunterricht


Masterarbeit, 2020

94 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Didaktische Begründung für die Behandlung von Verschwörungstheorien im Deutschunterricht

3. Verschwörungstheorien
3.1 Definitionsansatz
3.2 Unterscheidung von „gemäßigten“ und „totalen“ Verschwörungstheorien .
3.3 Verschwörungstheorien als Textsorte
3.4 Arbeitsdefinition

4. Grenzen von Fakt und Fiktion
4.1 Fiktionale vs. Faktuale Texte
4.2 Fake

5. Lesekompetenzmodelle

6. Medienkompetenz

7. Kenntnisse und Kompetenzen für den Umgang mit konspirativen Inhalten im Deutschrap

8. Analyse
8.1 Shah Reza - „Letzte Wa(h)rnung“ (14.04.2014)
8.1.1 Semantisches Textverständnis
8.1.2 Ästhetische Aufmerksamkeit
8.1.3 Ideolektales Textverständnis
8.1.4 Emotionale Rezeptionssteuerung
8.1.5 Faktuales Fachwissen
8.1.6 Medienkompetenz und Intertextualität
8.1.6.1 „Protokolle derWeisenvonZion"
8.1.6.2 Springmeier (1965) - „Bloodlines of the Illuminati“
8.2 Casper-„Morgellon“ (01.09.2017)
8.2.1 Semantisches Textverständnis
8.2.2 Ästhetische Aufmerksamkeit
8.2.3 Ideolektales Textverständnis
8.2.4 Emotionale Rezeptionssteuerung
8.2.5 Faktuales Fachwissen
8.2.6 Medienkompetenz und Intertextualität

9. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Verschwörungstheorien scheinen im 21. Jahrhundert eine Hochkonjunktur zu erleben. Wo immer man hinblickt, stößt man auf konspirative Ideen über Kondensstreifen, die Menschen vergiften, Impfungen, die Autismus auslösen und Reptiloiden, die die Weltgeschicke lenken. Zusammen mit Fake News scheinen Verschwörungstheorien die Medienlandschaft nachhaltig zu beeinflussen und alles in Frage zu stellen, was sich im Laufe der Zeit zu gefestigtem Wissen entwickelt hat.

Während Verschwörungstheorien lange Zeit aus Angst um die eigene Reputation aus dem wissenschaftlichen Diskurs verbannt wurden, findet seit den 1990er-Jahren eine intensivere Auseinandersetzung mit der Thematik statt. Verschiedene Disziplinen versuchen, dem Gegenstand unter ihrem eigenen Forschungsschwerpunkt gerecht zu werden. So setzt sich auch die Medien- und Literaturwissenschaft vermehrt mit der Thematik auseinander, denn viele der gängigen Definitionen und Forschungsansätze beschreiben Verschwörungstheorien als Erzählung und postulieren, dass Texte Referenzgegenstand von Verschwörungstheorien seien. Hinzukommt die Verwendung von literaturwissenschaftlichem Vokabular, wenn zwischen „realen“ und „fiktiven“ Verschwörungstheorien unterschieden wird.

Nicht nur aus diesem Grund ist eine Auseinandersetzung mit konspirativen Inhalten im Deutschunterricht empfehlenswert, sondern auch deshalb, weil Verschwörungstheorien auch dort auftauchen, wo wir sie nicht erwarten oder in Formen auftreten, in denen sie nicht direkt als solche erkannt werden. Dies kann problematisch sein, denn bei weitem nicht alle konspirativen Ideen haben lediglich das Ziel, auf objektive Art und Weise einen Erklärungsansatz für eine stattfindende Verschwörung zu bieten - auch wenn sie das vorgeben. Stattdessen greifen einige Verschwörungstheorien gefestigtes Wissen an, säen Misstrauen und schaffen Feindbilder, denn häufig wird in ihnen eine bestimmte Gruppe für ein gesellschaftliches Ereignis verantwortlich gemacht und werden ihr dunkle Absichten unterstellt. So fußte beispielsweise der moderne Antisemitismus, der im Nationalsozialismus in dem Genozid Millionen jüdischer Menschen gipfelte, auf der Annahme einer jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung. Dementsprechend wichtig ist es, sich mit der Verbreitung und den Wirkungsweisen konspirativen Denkens auseinanderzusetzen.

In der Forschung wird in dieser Hinsicht vielfach gezeigt, dass hierfür ein präventiver Umgang essenziell ist. Denn Personen, die bereits von der Gültigkeit konspirativer Theorien überzeugt sind, lassen sich durch Argumente oftmals nicht mehr vom Gegenteil überzeugen.

Wie bereits kurz angerissen, tauchen verschwörerische Inhalte häufig dort auf, wo wir sie nicht erwarten oder sie als Verschwörungstheorie nicht direkt erkennen. Besonders für Jugendliche, die keine Erfahrungen mit verschwörungstheoretischen Texten haben, kann es somit zu einer unreflektierten Übernahme konspirativer Inhalte kommen. Ein musikalisches Genre, das sich immer wieder verschwörerischer Inhalte bedient, ist Deutschrap. Hier entsteht eine besondere Schwierigkeit, denn während sich Rap schon immer provozierender sprachlicher Mittel bedient hat, geht es bei der Einbettung konspirativer Ideen nicht nur um ein rhetorisches Mittel, sondern um ein Gesamtthema, das im schlimmsten Fall Feindbilder und Antisemitismus verstärken kann.

Lange Zeit galt Rap als die Musik einer sozial marginalisierten Gruppe, heute füllen Deutschrapper wie Shindy, Capital Bra, RIN oder Apache207 die Top 10-Charts gängiger Streaming-Anbieter und werden millionenfach gestreamt. Deutschrap ist also schon längst kein Genre für eine Randgruppe mehr. Das macht es umso relevanter, sich mit der Thematik zu beschäftigen, denn Musik wird von Jugendlichen häufig unreflektiert konsumiert. Außerdem fehlt ihnen oft das Wissen, um konspirative Inhalte zu entdecken und Quellen kritisch zu hinterfragen, weil dies im Schulunterricht kein Thema ist. Den Lernenden muss an dieser Stelle also das nötige Wissen über konspirative Ideen vermittelt werden. Gleichzeitig müssen sie befähigt werden, Quellen kritisch zu hinterfragen und sich, darauf basierend, eine eigene Meinung zu bilden. Die zentrale Fragestellung, die demnach in dieser Arbeit beantwortet werden soll, lautet: „Welche Kenntnisse und Kompetenzen benötigen Schülerinnen, um im Deutschunterricht für Verschwörungstheorien in Deutschrap und Literatur sensibilisiert und für den Umgang mit konspirativen Inhalten befähigt zu werden?“

Um diese Frage beantworten zu können, wird der theoretischen Auseinandersetzung und späteren Analyse zunächst eine didaktische Begründung vorangestellt, um die Thematisierung von Verschwörungstheorien im Deutschunterricht curricular zu legitimieren. Im zweiten Kapitel wird dann ein theoretischer Überblick über Verschwörungstheorien gegeben, um zu erarbeiten, welche Kenntnisse die Lernenden über konspirative Inhalte benötigen, um entsprechende Texte oder Narrative in Texten erkennen zu können. Auf Basis dieser These ist davon auszugehen, dass es so etwas wie eine Textsorte „Verschwörungstheorie“ gibt, die sich durch festgelegte Merkmale von anderen Textsorten unterscheidet. Das Herausarbeiten dieser Merkmale und das Erstellen einer Arbeitsdefinition soll der erste Schwerpunkt dieser Arbeit sein.

Für den Umgang mit konspirativen (Rap-)Texten wird von den Lernenden eine medienkritische Lesekompetenz gefordert, die sich nicht auf eine reine Informationsentnahme beschränkt, sondern Auffälligkeiten im Text erkennen lässt, die von den Lernenden hinterfragt werden wollen. Im zweiten Schritt ist zu überprüfen, inwiefern die Textsorte ,Verschwörungstheorie‘ mit den bestehenden Lesekompetenzmodellen des Deutschunterrichts adäquat erfasst und bearbeitet werden können. Da sich Verschwörungstheorien nicht eindeutig als fiktional oder faktual beschreiben lassen, sei an dieser Stelle bereits gesagt, dass für den Umgang mit konspirativen Inhalten ein Zugang in Anlehnung an das Modell des „faketionalen“ Erzählens nach Thomas Strässle (2019) erfolgt. Aufgrund der Feststellung, dass Verschwörungstheorien immer auf eine Publikation angewiesen sind und der schnellste und effektivste Verbreitungskanal das Internet ist, widmet sich das darauffolgende Kapitel der Medienkompetenz, die benötigt wird, um beispielsweise die Quellen entsprechender Texte korrekt einordnen oder die vermittelten Werte und Normen kritisch hinterfragen zu können.

Basierend auf den herausgearbeiteten Kenntnissen und Kompetenzen erfolgt dann eine exemplarische Analyse der Songs „Letzte Wa(h)rnung“ des Künstlers Shah Reza und von Caspers „Morgellon“, die sich konkret und unterschiedlich kritisch mit verschwörungstheoretischen Inhalten auseinandersetzen. Außerdem werden Querbezüge zu Kollegahs „Armageddon“ und „Apokalypse“ sowie zu „Eure Führer“ des Rapper-Duos Zugezogen Maskulin hergestellt. Dabei bezieht sich die Analyse nicht nur auf die Lyrics der behandelten Tracks, sondern referiert nach Androutsopoulos (2016)1 auf ein Netzwerk von Texten, die mit dem Songtext in Verbindung stehen, wie dazu entstandene Videos, User-Kommentare oder Interviews, die hierauf Bezug nehmen. Vor diesem Hintergrund werden dann ebenfalls literarische Bezüge erarbeitet und diese Referenztexte auf gemeinsame Inhalte untersucht. Das Ziel ist es herauszuarbeiten, wie konspirative Inhalte in den Tracks vermittelt werden und wie Lernende mithilfe der erarbeiteten Kenntnisse und Kompetenzen für den Umgang mit entsprechenden Texten befähigt werden können.

2. Didaktische Begründung für die Behandlung von Verschwörungstheorien im Deutschunterricht

Setzt man sich wissenschaftlich mit konspirativen Theorien auseinander, begegnet einem früher oder später die These, dass Verschwörungstheoretiker mit reinen Gegenargumenten nicht vom Nicht-Bestehen von Verschwörungen zu überzeugen sind. Stattdessen führt der Versuch, die Nichtigkeit konspirativer Theorien zu beweisen, häufig zu einem noch stärkeren Festhalten an diesen Ideen (vgl. Butter 2018b: 184). Im schulischen Kontext ist es daher hilfreich, einen präventiven Ansatz zu handhaben und Kinder und Jugendliche bereits früh in Medienkompetenz zu schulen, damit sie zwischen seriösen und unseriösen Quellen unterscheiden lernen (vgl. Mischer 2019: 17). Das ist auch deshalb relevant, weil die heutige Gesellschaft zunehmend als postfaktisch beschrieben wird, da den eigenen Gefühlen mehr Relevanz zugesprochen wird als Fakten. So schreibt die Gesellschaft für deutsche Sprache 2016:

„Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen „die da oben“ bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen zu akzeptieren. Nicht der Anspruch auf Wahrheit, sondern das Aussprechen der „gefühlten Wahrheit“ führt zum Erfolg“2

Dass diese Entwicklung problematisch ist, zeigt sich in „alternativen Fakten“ und Verschwörungstheorien, wenn Erklärungsmuster übernommen werden, die besser in das eigene Weltbild passen (vgl. Götz-Votteler & Hespers 2019: 12). Natürlich ist es legitim, herrschendes Wissen immer wieder zu hinterfragen und durch neue Feststellungen anzupassen, denn das ist exakt das, was im wissenschaftlichen Kontext geschieht. Verschwörungstheoretische Inhalte tendieren aber dazu, den gesellschaftlichen Konsens darüber, was gefestigtes Wissen ist, bewusst zu erschüttern. Das ist deshalb problematisch, weil dadurch die Einstellung entsteht, dass man etwas nicht glauben muss, wenn man es nicht will (vgl. ebd.: 42). Hinzukommt, dass bei der Suche nach Schuldigen für Verschwörungen immer wieder die gleichen Gruppen benannt werden, was zu einer Stigmatisierung und schlimmstenfalls sogar zu einem gewaltsamen Vorgehen gegen diese Gruppen führen kann. Es ist Ziel des Deutschunterrichts, die Lernenden dazu zu befähigen, „die Welt zu erfassen und begründet eigene Positionen und Werthaltungen in einer demokratischen Gesellschaft einzunehmen“ (Niedersächsisches Kultusministerium 2017a: 5). Für eine funktionierende demokratische Gesellschaft sind freie und unabhängige Medien unabdinglich, denn sie verfügen nicht nur über eine Informationsfunktion, sondern tragen außerdem zur Meinungsbildung bei und ermöglichen Kontrolle und Kritik (vgl. Götz-Votteler & Hespers 2019: 76). Es ist also die dringende Aufgabe des Deutschunterrichts, Lernende dazu zu befähigen, sich zu informieren und sich eine eigene Meinung bilden zu können, um so gegen Fake News und konspirative Inhalte gewappnet zu sein.

Götz-Votteler & Hespers stellen verschiedene Methoden vor, um mit Fake News und Verschwörungstheorien umzugehen. Zum einen fordern sie, über die Phänomene Bescheid zu wissen und Kontext, Funktion und Zweck einordnen zu können (2019: 174). Außerdem solle die Herkunft der Texte überprüft werden, um mehr über die Autorinnen, deren Hintergrund und möglicherweise über die Motivation zu erfahren. Damit verbunden sei auch die Untersuchung des Publikationsorgans, also beispielsweise die Frage, durch wen der Text veröffentlicht und finanziert wurde (vgl. ebd.: 174f.). Auch die Auseinandersetzung mit dem Inhalt spiele eine wesentliche Rolle. Hier könne beispielsweise überprüft werden, ob und welche Fakten präsentiert werden, ob diese mit Quellenangaben versehen sind und ob eine ausgewogene Darstellung präsentiert wird. Die Glaubwürdigkeit des Inhaltes lasse sich mit einem Faktencheck überprüfen. Außerdem müsse die Sprache auf eventuelle Auffälligkeiten hin überprüft werden, um herauszuarbeiten, welche Narrative verwendet und ob eventuell Interpretationen vorgegeben werden. Auch Bilder können in Fake News und Verschwörungstheorien Verwendung finden und die Interpretation beeinflussen. Sie fordern außerdem, hinsichtlich technischer Verfahren auf dem neusten Stand zu bleiben und Verschwörungstheorien und Fake News sachlich zu begegnen (vgl. ebd.: 175f.).

Didaktisch gesehen geht es also um die Vermittlung von Kenntnissen, um Wissen über Verschwörungstheorien und Kompetenzen, um mit entsprechenden Texten umgehen zu können. Diese Kompetenzen lassen sich in Lesekompetenz und Medienkompetenz untergliedern, denn es geht zum einen um die Auseinandersetzung mit dem konkreten Text, zum anderen um die Auseinandersetzung mit den Medien, in denen sie verbreitet werden. Neben der klassischen Verbreitung als Printmedium finden Verschwörungs­theorien und Fake News besonders im Internet eine schnelle Verbreitung an ein großes Publikum.

Bei der Betrachtung der Bildungsstandards und der Kerncurricula für das Fach Deutsch fällt auf, dass die Forderung nach kritischem Lesen zwar in den Bildungsstandards aller Schulformen vorkommt, konspirative Inhalte oder Fake News in den Kerncurricula allerdings keine Berücksichtigung finden. Da der Umgang mit konspirativen Texten sowohl für die Gegenwart als auch für die Zukunft der Lernenden von erheblicher Relevanz ist und sie für die Teilhabe an einer demokratischen Gesellschaft unbedingt für entsprechende Inhalte sensibilisiert werden müssen, hat der Deutschunterricht auch für diese Art der Bildung Rechnung zu tragen und entsprechende Formen in sein Portfolio aufzunehmen. Dementsprechend sind Kenntnisse über den Aufbau und die Merkmale konspirativer Texte und eine kritische Lese- und Medienkompetenz nötig, um mit entsprechenden Texten umgehen zu können.

Die Auseinandersetzung mit Verschwörungstheorien erfordert ein kritisches Lesekompetenzmodell, denn ein rein informatorisches Leseverstehen wird den Anforderungen dieser Texte nicht gerecht. Die textlichen Merkmale konspirativer Inhalte werden im nächsten Kapitel ausführlich behandelt. An dieser Stelle kann aber schon gesagt werden, dass es für den Umgang mit entsprechenden Texten relevant ist, die gegebenen Informationen und Inhalte kritisch zu hinterfragen und, den Empfehlungen von Götz-Votteler & Hespers (2019: 174f.) folgend, zu untersuchen, wer Autor*in und Herausgeber*in sind und wer eventuell von der Verbreitung profitiert. Da Verschwörungstheorien auf eine außersprachliche Wirklichkeit referieren und Geltungsanspruch erheben, rücke ich verschwörungstheoretische Texte zunächst in die Nähe faktualer Texte, merke hier aber gleich an, dass eine eindeutige Einordnung, beispielsweise durch die Vermischung von fiktiven und faktualen Inhalten, schwierig ist. Eine genauere Verortung findet ebenfalls im folgenden Kapitel statt.

Obwohl in den Bildungsstandards kritisches Lesen klar gefordert wird, wird in den VERA-Lemstandserhebungen deutlich, dass Sach- und Gebrauchstexten ein eindimensionales Lesekompetenzmodell zugrunde liegt, das vor allem auf die Informationsentnahme zielt (vgl. Brüggemann 2019a: 111). Dieser Eindruck wird auch durch einen Blick in die Kerncurricula für den Deutschunterricht verstärkt. Zwar sollen die Lernenden „das Informations- und Unterhaltungsangebot der modernen Medien kritisch“ prüfen und nutzen (Niedersächsisches Kultusministerium 2014: 9) und auch „den informativen Nutzen“ (ebd.: 21) von Quellen überprüfen, aber hier geht es vor allem um die verwendeten Informationen. Eine manipulative Wirkung wird in erster Hinsicht ,,kommentierende[n] und wertendefn] Teile[n] in Medienangeboten“ (ebd.) zugesprochen. Es ist fraglich, inwiefern Verschwörungstheorien hierzu gezählt werden können. Das Kerncurriculum der Integrierten Gesamtschule fordert eine „insgesamt medienkritische Haltung“ (Niedersächsisches Kultusministerium 2017b: 6), welche die Schülerinnen „zu einem reflektierten Umgang mit neuen Medien“ (ebd.) befähigen soll, bezieht sich hier aber in erster Hinsicht auf die Verwendung von sozialen Medien. Hier und im Kemcurriculum des Gymnasiums wird aber immerhin der Tatsache Rechnung getragen, dass „Medienprodukte Ergebnisse eines Gestaltungsprozesses und einer Wirkungsabsicht sind, die kritisch bewertet werden müssen“ (Niedersächsisches Kultusministerium 2015: 6). Nichtsdestotrotz liegt auch hier der Fokus in erster Linie auf der kritischen Überprüfung der Zuverlässigkeit von Informationen in medial verbreiteten Texten. Dies ist sicher auch bei der Auseinandersetzung mit Verschwörungstheorien relevant, reicht aber für den Umgang mit entsprechenden Inhalten nicht aus. In Kapitel 5 und 6 wird der Fokus dementsprechend auf der Lese- und Medienkompetenz liegen, um noch einmal auf die bisher vorherrschenden Herangehensweisen an Sachtexte einzugehen und aufzuzeigen, wie man den besonderen Anforderungen, die konspirative Texte mit sich bringen, gerecht werden kann. Um zu verstehen, wie Verschwörungstheorien wirken und wie im Unterricht mit ihnen umgegangen werden kann, muss zunächst die Begrifflichkeit geklärt werden.

3. Verschwörungstheorien

In den letzten Jahren scheinen Verschwörungstheorien besonders durch die Verbreitung im Internet eine steigende Präsenz zu erfahren, wodurch Beobachter dieser konspirativen Theorien zu dem Schluss kommen, verschwörungstheoretisches Gedankengut sei heute salonfähiger denn je. Das wiederum alarmiert Skeptiker, die diese Verschwörungstheorien unbedingt widerlegen wollen (vgl. Butter 2018a: 11). Hiermit ist bereits ein zentrales Problem benannt, auf das man in der Auseinandersetzung mit Verschwörungstheorien unweigerlich trifft - oft werden sie als für den wissenschaftlichen Diskurs ungeeignet bewertet und als wahnhafte Ideen abgetan, was im Laufe der Zeit zu einer Stigmatisierung des Begriffs geführt hat (vgl. Hepfer 2015; Seidler 2016). Hinzukommt eine gewisse Emotionalität, die Verschwörungstheorien mit sich bringen. Während Verschwörungstheoretiker stark an diesen konspirativen Theorien festhalten, versuchen Kritiker häufig genauso vehement, Verschwörungstheorien zu entkräften und als „falsch“ zu entlarven. Diese Auseinandersetzung schlägt sich in den letzten Jahren in einer Vielzahl von Publikationen zu Verschwörungen, Verschwörungstheorien, Fake News und Postfaktizität nieder, was zumindest den Schluss zulässt, dass der wissenschaftliche Diskurs zu Verschwörungstheorien und den damit assoziierten Themenfeldem stärker in den Fokus der Betrachtung rückt. Auch die Medien- und Literaturwissenschaft zeigt in den letzten Jahren vermehrt Interesse am Gegenstand der Verschwörungstheorien, was sich dadurch begründen lässt, dass Verschwörungstheorien zeitweise auch als Verschwörungserzählungen bezeichnet werden und bestimmte Narrative bedienen (vgl. Götz-Votteler & Hespers 2019: 108f.), die sich literaturwissenschaftlich ergründen lassen. Durch die Vielzahl verschiedener Disziplinen scheint es schwer, eine allgemeingültige Definition für den Begriff festzulegen. Das folgende Kapitel bemüht sich um eine Übersicht gängiger Beschreibungen und um die Erarbeitung einer Arbeitsdefinition.

3.1 Definitionsansatz

Seidler (2016) definiert Verschwörungstheorien dem strengen Wortsinn nach als „Modell zur Erklärung bestimmter Teile von Realität durch das Zustandekommen bzw. das Wirken einer Verschwörung“ (Seidler 2016: 28), wobei diese Verschwörung als „eine von mindestens zwei Akteuren geplante Geheimhandlung“ (ebd.) beschrieben wird. Diese habe typischerweise kein gutes Ende. Seidler verweist an dieser Stelle explizit darauf, dass nach dieser Definition die Wahrheit oder Unwahrheit der entsprechenden Erklärung keine Rolle spiele (vgl. ebd.). Die Definition unterscheidet zwischen der Verschwörung an sich, die von mindestens zwei im Geheimen agierenden Parteien ausgeht und negative Folgen hat und einer Theorie, die hier als „Modell zur Erklärung“ (ebd.) verstanden wird.

Die Definition von Butter (2018a: 21) benennt ähnliche Elemente. Dort heißt es, „Verschwörungstheorien behaupten, dass eine im Geheimen operierende Gruppe, nämlich die Verschwörer, aus niederen Beweggründen versucht, eine Institution, ein Land oder gar die ganze Welt zu kontrollieren oder zu zerstören“. Diese Definition geht einen Schritt weiter und benennt nicht nur die Gruppe der Verschwörer und die Heimlichkeit ihrer Aktivitäten, sondern auch die Folgen, die ihr Wirken hat. In diesem Fall ist es die Kontrolle einer anderen Gruppe, die der Gruppe der Verschwörer gegenübersteht. Butter verweist an dieser Stelle auf Cubitt (1989), der als typische Charakteristika von Verschwörungstheorien Intentionalismus, Heimlichkeit und einen Dualismus von Gut und Böse herausgearbeitet hat.

Auch Hepfer (2015: 24) stellt in seiner Arbeit eine Definition zu Verschwörungs­theorien vor:

„Nimmt man diese Merkmale zusammen, so lässt sich eine Verschwörung' als das geheime Zusammenwirken einer (in der Regel überschaubaren) Gruppe von Personen definieren, deren Absprachen und Handeln darauf zielen, die Ereignisse zu ihrem eigenen Vorteil (und damit zugleich zum Nachteil der Allgemeinheit) zu beeinflussen. Eine Verschwörungstheorie ist entsprechend der Versuch, (wichtige) Ereignisse als Folge derartiger geheimer Absprachen und Aktionen zu erklären.“

Bis hierhin scheinen Begriffsdefinitionen sich hinsichtlich der darin vorkommenden Charakteristika einig zu sein. Besonders der von Cubitt (1989) genannte Aspekt der Heimlichkeit taucht in allen vorgestellten Definitionen auf. Auch der Dualismus zwischen Gut und Böse kommt insofern in allen Definitionen vor, als dass die Beweggründe oder der Ausgang der Verschwörung als negativ beziehungsweise zum Vorteil der Verschwörer und somit möglicherweise zum Nachteil der anderen beschrieben werden. Der Intentionalismus zeigt sich in allen vorgestellten Definitionen durch eine geplante Handlung oder getroffene Absprachen. Es handelt sich bei Verschwörungen demnach nicht um zufällig stattfindende Ereignisse, sondern um im Geheimen geplante Vorkommnisse, die das Ziel haben, eine andere Gruppe zu täuschen oder ihr Schaden zuzufügen. Diese Definitionen geben einen guten Überblick über allgemeine Begriffsbestimmungen von Verschwörungstheorien.

Obwohl der Terminus „Verschwörungstheorien“ durch den verwendeten Theoriebegriff häufig kritisiert wurde, hat sich der Begriff in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung und im alltäglichen Sprachgebrauch durchgesetzt. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle aber auch auf Pfahl-Traughber (2002) verwiesen, der eine Unterteilung in „Verschwörungshypothesen“, „Verschwörungsideologien“ und „Verschwörungsmythen“ vorschlägt, die sich aber im wissenschaftlichen Diskurs nicht etablieren konnte. Stattdessen ist in wissenschaftlichen Auseinandersetzungen weiterhin die Rede von Verschwörungstheorien oder konspirativen Ideen. In dieser Arbeit soll die Begriffskritik nicht unberücksichtigt bleiben, im Weiteren wird aber auch hier mit dem Begriff der Verschwörungstheorien gearbeitet, der sich in der Geschichte und in der Forschung durchgesetzt hat.

Ebenfalls soll an dieser Stelle in aller Kürze angemerkt werden, dass der Begriff „Verschwörungstheorien“ in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung in den letzten Jahren vor allem als Pejorativum3 verwendet und das in ihnen vermittelte Wissen konstant delegitimiert wurde, was dafür gesorgt hat, dass konspiratives Gedankengut häufig schnell als wirre Idee abgetan wurde und aus dem Blickfeld der wissenschaftlichen Betrachtung verschwand (vgl. Hepfer 2015: 12). Dementsprechend wenig Beachtung findet der Gegenstand auch im Schulunterricht. Für die Arbeit mit Verschwörungstheorien ist es wichtig zu wissen, dass diese Delegitimierung und die negative Konnotation bis heute anhalten. Außerdem soll auch darauf hingewiesen werden, dass sich die wissenschaftliche Auseinandersetzung lange Zeit darum bemüht hat, die Unwissenschaftlichkeit entsprechender Theorien hervorzuheben, wodurch eine „merkwürdige Diskrepanz zwischen der gesellschaftlichen Relevanz von Verschwörungstheorien und deren wissenschaftlicher Erforschung“ (Anton et. al. 2014: 9) entstanden ist. Es herrsche die Annahme vor, konspirative Theorien zeichneten sich durch einen „negativen ontologischen Status, respektive fiktiven Charakter“ (ebd.: 10) aus. Dementsprechend würde eine Großzahl der Aufsätze Verschwörungstheorien unter eben diesen Prämissen behandeln, nämlich der Mutmaßung, sie thematisierten falsches oder nicht existentes Wissen (vgl. ebd.). Damit grenzen sich Verschwörungstheorien klar von dem ab, was einer wissenschaftlichen Theorie zu eigen ist, nämlich die faktenbasierte, objektive und nachprüfbare Erforschung einer Fragestellung. Eng damit verbunden ist auch die Frage nach der Wahrheit von konspirativen Theorien. Diese Arbeit maßt es sich nicht an, beurteilen zu wollen, was wahr und was falsch ist und wird entsprechend dem Ansatz von Berger & Luckmann (2004) folgen und sich mit Verschwörungstheorien ungeachtet ihrer Gültig- oder Ungültigkeit auseinandersetzen. Stattdessen soll es darum gehen, kritisch zu reflektieren, zu überprüfen und in der Auseinandersetzung verschiedene Methoden anzuwenden (vgl. Raab et. al. 2017: 172). Dieser Ansatz ist auch für die Auseinandersetzung mit Verschwörungstheorien in der Schule relevant, denn es soll nicht darum gehen, den Lernenden eine ultimative Wahrheit vorzusetzen, sondern sie dazu zu befähigen, Dinge kritisch zu hinterfragen und die objektiv wahrscheinlichste Variante zu finden.

3.2 Unterscheidung von „gemäßigten“ und „totalen“

Verschwörungstheorien

Die bisherige Auseinandersetzung hat gezeigt, dass es verschiedene Formen von Verschwörungstheorien zu geben und der potenzielle Wahrheitsfaktor nach wie vor ein kritisierbares Definitionskriterium zu sein scheint:

„Einige der sich diesem Gegenstand nähernden Autoren trauen sich zu, den Wahrheitsgehalt einzelner Verschwörungstheorien und mithin die Existenz von Verschwörungen zu beurteilen. Solche Urteile werden von mir nicht versucht - aufgrund der hier vertretenen Ansicht, dass Verschwörungstheorien im Allgemeinen in einer nicht verläßlich auslotbaren Grauzone zwischen Fakt und Fiktion operieren.“ (Lutter 2001: 15)

Lutter macht deutlich, dass die Vermischung von Wahrheit und Imagination ein elementarer Teil dieser Theorien sei, was sich in Ausdrücken wie „Verschwörungserzählungen“ zeige (vgl. ebd.). Hier wird bereits ein erster Hinweis aufVerschwörungstheorien als Textsorte gegeben.

Um eine deutliche Differenzierung zu ermöglichen, wird in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung verschiedener Autorinnen zwischen „realen“ oder „gemäßigten“ Verschwörungstheorien und „totalen“ oder „Weltverschwörungstheorien“ unterschieden. Dabei ist mit Rückbezug auf Melley (2016) festzuhalten, dass im gewöhnlichen Sprachgebrauch mit dem Terminus „Verschwörungstheorie“ nur selten eine gemäßigte Verschwörungstheorie gemeint ist, sondern meistens die Rede von dem sei, was im Folgenden als „totale“ Verschwörungstheorie bezeichnet wird. Um diese zwei Formen voneinander abzugrenzen, differenziert Lutter (2001) zwischen „gemäßigten“ Verschwörungstheorien, die sich durch einen örtlich und zeitlich begrenzten Rahmen und ein eingeschränktes Ziel kennzeichnen. So könne beispielsweise Rudolph Giulianis gesundheitsbedingter Rückzug seiner Kandidatur zum Senator des Staates New York als gemäßigte Verschwörungstheorie gelesen werden, da die Konkurrentin Hilary Clinton infolgedessen Favoritin der Senatorenwahl wurde. Als „totale“ Verschwörungstheorie hingegen nennt er die angeblich jahrhundertealten Pläne der Illuminaten, einer New World Order. Anders als in „gemäßigten“ Verschwörungstheorien findet hier keine örtliche oder zeitliche Begrenzung statt - auch das Ziel ist mit dem Erreichen der Weltherrschaft entsprechend hochgesteckt. Auffallend ist dabei, dass erstere eine differenzierte Betrachtung ermöglichen. So werden hier Verschwörungstheorien zwar zugelassen, unterscheiden sich aber hinsichtlich ihres Einflusses auf die entsprechenden Ereignisse. Sie können zudem als korrekturfähig betrachtet werden, denn auch andere Ursachen als die Verschwörung werden als Möglichkeit in Erwägung gezogen. Somit zeichnen sich diese „gemäßigten“, anders als die „totalen“ Verschwörungstheorien, auch durch einen relativ sachlichen Stil aus. Bei Letzteren gebe es weitaus häufiger einen emotionalen oder dogmatischen Stil, da die Verschwörungstheorie als allgemeine Erklärung für jegliche geschichtlich relevanten Ereignisse verwendet werden können. Somit könnten willkürlich alle Ereignisse und Personen, Institutionen oder Organisationen als Teil der Verschwörung gesehen werden (vgl. Lutter 2001: 20). Hepfer (2015: 143) spricht von einer Unterscheidung von „fiktionalen“ und „echten“ Verschwörungstheorien, wobei sich das, was er als „fiktive“ Verschwörungstheorie beschreibt, mit „totalen“ Verschwörungstheorien gleichsetzen lässt. Wichtig ist weiterhin, dass das in Verschwörungstheorien vermittelte Wissen als zweifelhaft in Frage gestellt werden kann4.

Diese Arbeit wird ebenfalls mit der Unterscheidung in „gemäßigte“ und „totale“ Verschwörungstheorien arbeiten und diese zwei Formen, genau wie Lutter (2001), als Pole verstehen, zwischen denen es verschiedene Zwischenformen gibt. Entsprechend der eingangs getroffenen Aussage, dass konspirative Theorien sich in einer nicht genau definierbaren Grauzone zwischen Fakt und Fiktion bewegen, wird in dieser Arbeit von einer Unterteilung in „reale“ und „fiktive“ Verschwörungstheorien, wie Hepfer (2015) vorschlägt, abgesehen.

3.3 Verschwörungstheorien als Textsorte

Erweitert man das Blickfeld der wissenschaftlichen Auseinandersetzung, gibt es auch Definitionen, die mit dem Aspekt des Textbezugs einen weiteren Schwerpunkt setzen. So heißt es bei Raab et. al. (2017) Verschwörungstheorien seien oft fiktional, basierten aber zum Teil auf Fakten. Seidler (2016: 22) hält fest: „Jede Verschwörungstheorie ist eine Erzählung darüber, dass die ,Wahrheit‘ verborgen ist, dass also ein bedeutsames Geheimwissen existiert, das von einer verschwörerischen Macht unterdrückt wird“. Seidler selbst macht deutlich, dass Verschwörungstheorien, abhängig von dem jeweiligen Forschungsschwerpunkt, als „Deutungsmuster, Mythen, Ideologien, Überzeugungssysteme oder auch als kommunikative Gattung“ (Seidler 2016: 32) verstanden werden, deren Gemeinsamkeit Textsorten seien, die implizit als „genuine Referenzgegenstände dieser Definitionen“ (ebd.) fungieren. Dieser Textbezug bleibe in den meisten Definitionen unbeachtet und stelle demnach ein Desiderat dar, das sowohl für Seidler (2016) als auch für die vorliegende Arbeit die Grundlage für eine intensivere Auseinandersetzung bildet.

Dabei soll der Schwerpunkt darauf liegen zu überprüfen, inwiefern Verschwörungstheorien als Textsorte gelten können. Sollte es möglich sein, Verschwörungstheorien als „Textsorte“ zu definieren, muss es ebenfalls Merkmale geben, durch die eine Zugehörigkeit begründet werden kann und auf deren Grundlage Lernende eine Verschwörungstheorie aufdecken können, ohne eine Aussage darüber treffen zu müssen, ob der dargestellte Inhalt der Wahrheit entspricht.

Seidler (2016) bezieht sich in seiner Arbeit auf ein erzähltheoretisches Modell von David Kelman (2012), mit dem es möglich sei, Verschwörungstheorien von anderen narrativen Textsorten abzugrenzen. Dieses Modell sei vor allem für die Art konspirativer Theorien von Gültigkeit, die sich selbst als faktisch darstellen und nach Lutter (2001) als „totale Verschwörungstheorie“ gelten (vgl. Seidler 2016: 33). Als Definitionskriterium werden hier eine mindestens nationale Reichweite, dauerhafte Macht, die sich auf eine gesellschaftliche Gruppe beziehe, und eine historisch eingegrenzte Zeitspanne genannt (vgl. ebd.). Seidler (2016) stellt fest, dass konspirative Texte insofern narrativ verfasst seien, als dass sie nicht nur eine Aussage über die Existenz von Verschwörungstheorien treffen, sondern eine Zustandsveränderung beschreiben, die durch konspirative Handlungen erklärt wird. Außerdem seien diese Handlungen normalerweise nicht sichtbar und würden erst durch den Erzähler sichtbar gemacht. Auch nach der Definition von Fludernik (2013) lassen sich Verschwörungstheorien durch die zwei Kriterien, die Seidler (2016) nennt, als Erzählung einordnen. Hier heißt es:

Eine Erzählung [...] ist eine Darstellung in einem sprachlichen und/oder visuellen Medium, in deren Zentrum eine oder mehrere Erzählfiguren anthropomorpher Prägung stehen, die in zeitlicher und räumlicher Hinsicht existenziell verankert sind und (zumeist) zielgerichtete Handlungen ausführen (Handlungs- und Plotstruktur). Wenn es sich um eine Erzählung im herkömmlichen Sinn handelt, fungiert ein Erzähler als Vermittler im verbalen Medium der Darstellung.“ (Fludernik 2013: 15)

Diese Plotstruktur greifen auch Seidler (2016) und Kelman (2012) auf. Seidler spricht davon, dass ein wesentliches Erkennungsmerkmal verschwörungstheoretischer Texte eine Zustandsverschlechterung sei, die durch eine mächtige Verschwörung entstehe. Dabei werde in Verschwörungserzählungen immer eine „eigene ,Methode‘ des Erklärens“ (ebd.: 35) verwendet, die sich durch zwei Plots auszeichne, die antagonistisch gegeneinander wirken. Kelman (2012) führt diese Plotstruktur genauer aus und spricht von einem sichtbaren und einem unsichtbaren Plot. Der sichtbare Plot sei das bekannte Narrativ, also die Version der Ereignisse, die im Allgemeinen als die „offizielle“ Variante verstanden werde. Diesem Plot stehe der unsichtbare Plot gegenüber, in dem sich die Verschwörung abzeichne. Der zweite Plot stelle die Enthüllung dieser Verschwörung dar und markiere somit den sichtbaren Plot als defekt. Dieser angebliche Defekt sei nötig, damit eine Verschwörungstheorie überhaupt entstehen könne (vgl. Kelman 2012: 17f.).

Basierend auf diesen Annahmen können Verschwörungstheorien als Narrativ verstanden werden, woraus die Frage resultiert, inwiefern sie gegebenenfalls ebenfalls als eigene Textsorte gelten können.

Seidler geht in seiner Arbeit davon aus, dass es eine Textart „Totale Verschwörungstheorie“ gibt und stellt seinen Untersuchungskorpus nach der Zugehörigkeit zu dieser Textart zusammen. Dabei betont er, dass eine trennscharfe Gattungszugehörigkeit generell schwer zu treffen sei, da sie „auf der Wahrnehmung von besten Beispielen (Prototypen)“ (2016: 109) beruhe und „kulturrelativ und historisch flexibel“ (ebd.) sei. Basierend auf dieser Annahme zieht er Wittgensteins Konzept der Familienähnlichkeit dem einer klaren Gattungsstruktur vor. Hierbei bezieht er sich aufDunker (2010), der Familienähnlichkeit wie folgt zusammenfasst:

„Als fruchtbares Instrumentarium, sinnvolle systematische Einheiten zu schaffen bzw. zu rekonstruieren, hat sich in den letzten Jahren schließlich der Bezug auf Wittgensteins Konzept der „Familienähnlichkeit' erwiesen. Hier braucht ein einzelnes literarisches Werk nicht alle Merkmale einer Gattung aufzuweisen, sondern lediglich so viele, dass man seine ,Familienzugehörigkeit‘ erkennen kann. Es kann dabei auch mehreren „Familien' zuzurechnen sein [...]. Bei dem Modell der Familienähnlichkeit handelt es sich um ein sehr flexibles System, das die historische Variabilität von Gattungszuschreibungen ebenso zu erkennen gibt wie die offenkundige Konstruktionstätigkeit, die der einzelne Literaturwissenschaftler bei der Zuordnung einzelner Texte unweigerlich betreibt.“ (Dunker 2010: 14f.)

Basierend auf dieser Definition muss es also Merkmale geben, die alle „totalen Verschwörungstheorien“ miteinander teilen, damit sie aufgrund der Übereinstimmung einer Vielzahl dieser Merkmale als familienähnlich gelten können. Seidler (2016) macht deutlich, dass alle von ihm untersuchten Texte rezeptionsästhetisch bereits als Verschwörungstheorien gekennzeichnet seien, zeigt aber auch auf, dass die Zuordnung durch das Konzept der Familienähnlichkeit weiter ergänzt und abgesichert werden könne. Umso mehr verwundert es, dass er die Merkmale, nach denen er die Familienähnlichkeit der untersuchten Texte festgestellt hat, aus Gründen einer „konsequent verfolgten Forschungsfrage, die sich nicht in ausufemden Begründungsdarlegungen verlieren darf ‘ (Seidler 2016: 111) nicht offenlegt. Um diese Lücke zu schließen, sollen im Folgenden Kriterien erarbeitet werden, durch die „totale Verschwörungstheorien“ als familienähnlich bewertet werden können. Dabei besteht eine Besonderheit der verschwörungstheoretischen Texte darin, dass sie nicht als rein faktuale oder fiktionale Texte gewertet werden können, sondern beides in sich vereinen und dementsprechend „nicht nur nach Kriterien der guten Geschichte, sondern auch auf ihre Wissenschaftlichkeit hin betrachtet werden [können]“ (Raab et. al. 2017: 144). Diese Annahme wird auch von Götz-Votteler & Hespers (2019) geteilt.

Pipes (1998: 45f., zitiert nach Lutter 2001: 24) benennt auf inhaltlicher Ebene drei Elemente, die eine konspirative Erzählung ausmachen, nämlich eine böse, verschwörerische Gruppe, die im Geheimen agiert und die Weltherrschaft anstrebt, Mitbeteiligte, die als Handlanger dieses Bestreben vorantreiben und drittens eine Form des Widerstandes durch eine kleine Gruppe oder einzelne Verschwörungstheoretiker. Auch Raab et. al. (2017: 219) benennen durch geheime Gruppen ablaufende Ereignisse als Narrationselement von Verschwörungstheorien und betonen, dass die gegebenen Informationen oft mit „Beweisen“ untermauert werden, die häufig aus öffentlich zugänglichen Quellen stammen, um ihre Wissenschaftlichkeit und Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Zudem werde auf die Intransparenz bestimmter Organisationen hingewiesen, um sie in die Nähe der entsprechenden Verschwörung zu rücken.

Lutter (2001) macht an dieser Stelle deutlich, dass es in konspirativen Theorien immer zu einer Überinterpretation und Überkohärenz kommt. Dabei werde den operierenden verschwörerischen Gruppen eine außergewöhnlich große Macht mit entsprechend umfangreichen Ressourcen zugesprochen, die „hinter allem“ stecken. Dies bezeichnet er als Überinterpretation und macht deutlich, dass Anhänger von konspirativen Inhalten oft mehr Inhalt in Zeichen hereininterpretieren. Als Überkohärenz bezeichnet Lutter (2001) das Phänomen, wenn einzelne Verschwörungstheorien andere konspirative Texte als Quelle verwenden, in dessen Folge es im Extremfall zu ,,logische[n] Schleifen“ (ebd.: 28) kommt, in denen sie durch die ebenfalls konspirativen Begründungen unwiderlegbar werden. Auf Basis der inhaltlichen Elemente stimmen diese mit den Merkmalen überein, die auch Cubitt (1989) als wesentlich benannt hat, nämlich Intentionalismus, Heimlichkeit und der Dualismus zwischen Gut und Böse. Ein verschwörungstheoretischer Text verfügt also idealerweise über diese Elemente.

Butter (2018a) merkt an, dass ein konspirativer Text des Weiteren immer vom Ende her erzählt wird. Anders als ein wissenschaftlicher Text, der von einer offenen Fragestellung ausgeht, ist der „Schuldige“ bei verschwörungstheoretischen Texten von Anfang an klar. Es gehe hier also nicht um die Suche nach der Ursache und es komme dementsprechend auch kein neues Wissen hinzu. Die Verschwörer können von vornherein benannt werden. Hinzukomme, dass es sich bei konspirativen Texten immer um in sich schlüssige Argumentationen handele. Während bei naturwissenschaftlichen Untersuchungen immer wieder Unregelmäßigkeiten auftauchen, die aber durch andere Faktoren nicht weiter ins Gewicht fallen, dienen diese sogenannten „errant data“ als Ausgangspunkt für konspirative Theorien (vgl. ebd.: 78). Außerdem werde von Verschwörungstheoretikem immer der konspirative Erklärungsansatz bevorzugt, selbst wenn sie angeben, nur alternative Erklärungen zu präsentieren. Dabei komme es teilweise zu einem Verdrehen von Fakten (vgl. ebd.: 87) - auch dies sind wesentliche Elemente, die an einem entsprechenden Text nachzuweisen sind. Durch Faktenchecks auf verlässlichen Internetseiten können verdrehte Fakten schnell überprüft werden. Das Problem bestehe laut Butter (2018a) darin, dass überzeugte Verschwörungstheoretiker sich von Gegenbeweisen selten umstimmen lassen. Für die Arbeit mit konspirativen Texten ist dies dennoch ein elementarer Bestandteil, denn Lernende müssen erkennen, dass auch verdrehte Fakten ein Element verschwörungstheoretischer Texte sind.

Auch Götz-Votteler & Hespers (2019) setzen sich mit den sprachlichen und inhaltlichen Merkmalen von Verschwörungstheorien auseinander und betonen, dass die Art und Weise, wie Sachverhalte versprachlicht werden, nicht nur Aufschluss darüber gibt, wie sie vom Sprecher interpretiert wurden, sondern auch beeinflusst, wie sie von Rezipienten verstanden werden. Auf inhaltlicher Ebene benennen sie hierfür die Narrative, die in Verschwörungstheorien bedient werden und das Framing, also die Art und Weise, wie bestimmte Inhalte hervorgehoben und perspektiviert werden. Da sowohl die bedienten Narrative als auch das verwendete Framing sprachlich umgesetzt werden, lassen sie sich zwischen inhaltlicher und sprachlicher Ebene verordnen. Narrative werden an dieser Stelle als Rahmenerzählung verstanden, also als Gesamtkontext, in den sich eine Verschwörungstheorie einordnen lässt. Dabei bieten diese Narrative den Interpretationsrahmen für die entsprechende konspirative Theorie. Götz-Votteler & Hespers (2019: 119ff.) machen deutlich, dass die Plausibilität einer Verschwörungstheorie davon abhängt, ob sie sich mit einem größeren Narrativ in Verbindung bringen lässt und nennen hier den bereits thematisierten Kampf zwischen Gut und Böse. Da dieses Narrativ aus Literatur und Film bekannt sei, schließe diese Rahmenerzählung an vertraute Motive an und bestehe somit den Plausibilitätstest.

Framings stellen eine Strategie dar, um bestimmte Inhalte hervorzuheben und entsprechend die Perspektive zu beeinflussen, unter denen ein Inhalt betrachtet wird. Dadurch kann zugleich eine favorisierte Deutung vorgegeben werden, da bestimmte Aspekte deutlicher in den Fokus gerückt werden als andere. So können Framings dafür sorgen, dass eine ganze Thematik unter bestimmten Gesichtspunkten betrachtet und die Deutung entsprechend beeinflusst werde, wenn ein verwendetes Framing auch immer weitere damit verbundene Konzepte aufrufe und Erwartungsstrukturen für folgende Informationen aufbaue (vgl. Götz-Votteler & Hespers 2019: 120). Je nachdem, ob von einem Sachverhalt eher die positiven oder die negativen Aspekte beleuchtet werden, werden entsprechende Assoziationen begünstigt und die Interpretation beeinflusst.

Auch auf sprachlicher Ebene lassen sich verschwörungstypische Merkmale erarbeiten, die bei der Identifizierung konspirativer Texte helfen können. So benennt Butter (2018a) Vagheit als erstes Kriterium, denn häufig finde in verschwörungstheoretischen Texten keine direkte Benennung einzelner Täter oder Zeitpunkte statt, was er exemplarisch an einem Text der früheren Tagesschau-Sprecherin Eva Hermann belegt, in dem sie die Einwanderungswelle im Jahr 2015 durch verschwörungstheoretisches Vokabular als bewusst herbeigeführte Katastrophe skizziert. So werden Verschwörer nicht direkt benannt, sondern eine Verwendung des Subjekts wird durch Passivkonstruktionen umgangen. Auch Raab et. al. (2017: 40) nennen „Nebelsprech“5 als sprachliches Element konspirativer Ideen und definieren dies als eine Form geschönter, uneindeutiger Sprache. Vagheit und Plattitüden würden damit den Barnum-Effekt6 auslösen, da sie Aussagen bedienen, in denen sich jeder wiederfinde. Sie machen deutlich, dass Vagheit, Lücken und Widersprüche Verschwörungstheorien nicht nur durch diesen ausgelösten Effekt besonders attraktiv machen, sondern auch weil sie den Rezipierenden die Möglichkeit geben, die Verschwörung selbst aufzudecken (vgl. ebd.: 224).

Vagheit kann demensprechend als ein erstes sprachliches Kriterium definiert werden. Butter (2018a) spricht außerdem von einem metaphorischen Sprachgebrauch in konspirativen Theorien, durch den die Verschwörer negativ dargestellt würden. Dabei werde entweder die Metapher des Teufels verwendet, um die Verschwörer in ein schlechtes Licht zu rücken oder das Bild der Marionette bedient, um Drahtzieher zu identifizieren. Abgesehen von diesen sprachlichen Mitteln werde ebenfalls oft eine militärische Sprache verwendet, wenn es sich um Verschwörungen handele, die von außen an eine Gesellschaft herantreten, wie es beispielsweise bei der von Eva Hermann vermittelten Verschwörungstheorie der Fall sei. Handele es sich um Verschwörer, die von innen aus einer Organisation oder einem Land heraus agieren und diese/s nun von innen heraus unterwandern, werde oft medizinisches Vokabular verwendet und die Verschwörung mit einer Infektion verglichen, bei der sich Handlanger und Mitläufer anstecken können. Als Beispiel zieht Butter (2018a) Texte heran, die die Salemer Hexenkrise als „Pest“ und „Gift“ beschreiben. Die Menschen, die gefährdet seien sich anzustecken, werden in konspirativen Texten entweder als Schlafende oder als Blinde bezeichnet, weil sie unfähig seien, zu sehen, was vor sich gehe. Zeitweise werden sie auch als Sklaven bezeichnet. Es ist also anzunehmen, dass sich konspirative Texte durch einen hohen metaphorischen Sprachgebrauch auszeichnen, der vor allem negativ konnotiert ist und sowohl die Verschwörer als auch die Menschen, die unfähig sind, die Verschwörung zu sehen, auf die Seite des Bösen stellt. Dadurch wird zugleich wieder der Dualismus zwischen Gut und Böse bedient, denn die Verschwörungstheoretiker stellen sich durch das Aufdecken der versteckten Machenschaften auf die Seite der Guten. Die Verwendung ideologischer Metaphern könne laut Götz-Votteler & Hespers (2019) zu einer unbewussten Übernahme der vermittelten Bilder und zu höherer Akzeptanz der vermittelten Interpretationen führen. Basierend auf dieser Annahme ist es auch deswegen wichtig, Lernenden die inhaltlichen und sprachlichen Elemente nahe zu bringen, durch die sich Verschwörungstheorien auszeichnen, um sie dafür zu sensibilisieren, dass durch die vermittelten Bilder Lesarten und Deutungen subtil vorgegeben werden.

3.4 Arbeitsdefinition

Fasst man die Ergebnisse der bisher genannten Arbeiten zusammen, erscheint es schlüssig, Verschwörungstheorien als zweigeteilten Begriff zu verstehen. Dabei lässt sich „Verschwörungstheorie“ nach Butter (2018a) im Allgemeinen wie folgt definieren: „Verschwörungstheorien behaupten, dass eine im Geheimen operierende Gruppe, nämlich die Verschwörer, aus niederen Beweggründen versucht, eine Institution, ein Land oder gar die ganze Welt zu kontrollieren oder zu zerstören“ (Butter 2018a: 21). Dafür ist es zunächst nicht maßgeblich, ob sich diese Verschwörung bewahrheitet. Es kann von einer Verschwörungstheorie gesprochen werden, wenn sie die Elemente in sich vereint, die Cubitt (1989) nennt, nämlich Intentionalismus, Heimlichkeit und den Dualismus von Gut und Böse. Für die vorliegende Arbeit werde ich dem Vorschlag von Lutter (2001) folgen und Verschwörungstheorien in „gemäßigte“ und „totale“ Verschwörungstheorien unterteilen. Dabei gilt, dass „totale“ Verschwörungstheorien, im Gegensatz zu den „gemäßigten“, tendenziell keine anderen Erklärungsansätze zulassen und dementsprechend nicht korrekturfähig sind. Da in dieser Art konspirativer Texte die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion verschwimmen, ist der Wahrheitsgehalt schwierig anzugeben, deswegen wird die verwendete Arbeitsdefinition von diesem Kriterium absehen. Stattdessen werden konspirative Theorien hier in erster Hinsicht als „totale“ Verschwörungstheorien gesehen, die durch ihre Familienähnlichkeit, basierend auf textinternen inhaltlichen und sprachlichen Merkmalen, als Textart verstanden werden können. Wichtig ist dafür zum einen die Zustandsveränderung, die in konspirativen Theorien durch die Erzählinstanz sichtbar gemacht wird und die damit zusammenhängende Plotstruktur.

4. Grenzen von Fakt und Fiktion

Für Lehrende stellt die Vermischung fiktiver und faktualer Inhalte eine besondere Schwierigkeit dar, denn nicht nur in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung, sondern auch im schulischen Kontext sind Fakt und Fiktion lange Zeit klar voneinander getrennt betrachtet worden. Verschwörungstheorien bilden hier also einen Grenzfall. Um die Kompetenzen zu erarbeiten, die für die Arbeit mit konspirativen Texten nötig sind, ist daher nicht nur das Wissen notwendig, dass Verschwörungstheorien als Textsorte verstanden werden können, sondern auch wodurch sich diese Textsorte auszeichnet und wo sie sich literarisch verorten lässt. Wie bereits im vorigen Kapitel herausgearbeitet wurde, können Verschwörungstheorien als Erzählungen definiert werden, da in ihnen eine Zustandsveranderung beschrieben wird und eine Plotstruktur vorhanden ist, wobei eine Erzahlinstanz einen Defekt des sichtbaren Plots offenlegt.

[...]


1 Androutsopoulos (2016) bezieht sich hierbei auf das Modell von Fiske (1987).

2 Pressebericht nachzulesen unter: https://gfds.de/wort-des-jahres-2016/#postfaktisch (zuletzt abgerufen am 26.06.2020).

3 Zu Verschwörungstheorien als Pejorativum: Seidler (2016: 29f.).

4 Auch Butter (2018a) unterscheidet in seiner Arbeit zwischen verschiedenen Arten von Verschwörungstheorien, nämlich Ereignisverschwörungstheorien, Systemverschwörungstheorien und Superverschwörungstheorien, wobei letztere ein Konglomerat der ersten beiden Arten seien und er lediglich für erstere eine mögliche Bewahrheitung annimmt.

5 Sie referieren hierbei aufHaase (2015).

6 Der Begriff des Bamum-Effekts geht auf den US-amerikanischen Psychologen Paul Meehl (1920­2003) zurück und bezeichnet das Phänomen, vage und allgemeingültige Aussagen als auf die eigene Person zutreffend zu interpretieren.

Ende der Leseprobe aus 94 Seiten

Details

Titel
Der Umgang mit Verschwörungstheorien in Literatur und Deutschrap. Vermittlung von Kenntnissen und Kompetenzen im Deutschunterricht
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
94
Katalognummer
V1166635
ISBN (eBook)
9783346580450
ISBN (Buch)
9783346580467
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verschwörungstheorien, Deutschrap, Rap, Deutschdidaktik, Lesekompetenz, Lesekompetenzmodelle, Deutschunterricht, Deutsch, Fake News, Verschwörung, Antisemitismus
Arbeit zitieren
Tomke Gummels (Autor:in), 2020, Der Umgang mit Verschwörungstheorien in Literatur und Deutschrap. Vermittlung von Kenntnissen und Kompetenzen im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1166635

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