In der vorliegenden Arbeit wird das zentrale Problem der Finanzierung von öffentlichen Investitionen behandelt. Insbesondere wird eine Finanzierung durch Kredite im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Öffentliche Investitionen sind dabei Ausgaben von Bund, Ländern oder Gemeinden die dem Erhalt, der Vermehrung oder Verbesserung der Produktionsmittel der Volkswirtschaft dienen. Es soll erarbeitet werden welche Gründe es gibt, die motivieren solche Investitionen durch Kredite zu finanzieren . Dabei werden vornehmlich die ökonomisch relevanten und nicht so sehr die politischen Gründe diskutiert. Zum Beispiel werden Konjunkturprogramme sehr gerne mit Krediten finanziert. Diese Handhabung ist allerdings sehr umstritten. Das Hauptaugenmerk soll auf einen Vergleich der Auswirkungen von Kredit- und Steuerfinanzierung öffentlicher Investitionen auf die Wohlfahrt der Haushalte gerichtet sein. Es wird gezeigt, dass der öffentliche Kapitalstock positive, Steuerzahlungen und Zins- oder auch Tilgungszahlungen dagegen negative Einflüsse auf die Wohlfahrt haben. Er wird anhand eines auf mikroökonomischen Grundlagen basierenden Modells durchgeführt. Es werden dabei die Opportunitätskosten beider Finanzierungsmethoden verglichen. Dabei wird auf die Abhängigkeiten vom Zins und der natürlichen Wachstumsrate eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Warum gibt es öffentliche Investitionen
3. Kreditfinanzierung im gesetzlichen Rahmen
3.1 gesetzliche Verpflichtungen sowie internationale Abkommen
3.1.1 Der Artikel 109 GG
3.1.2 Der Artikel 115 GG
3.1.3 Einschränkung des Kreditrahmens durch die Kriterien von Maastricht
4. Ökonomische Modelle
4.1 Die klassische Theorie
4.2 Das Modell von Keynes und öffentliche Verschuldung
4.2.1 Keynes kurz erläutert
4.2.2 Was haben kreditfinanzierte Ausgabenprogramme gebracht?
4.2.3 Was spricht gegen Keynes?
4.3 Auswirkung von Steuer- und Kreditfinanzierung auf die Wohlfahrt
4.3.1 Modellierung der Grundlagen
4.3.2 Optimale Finanzpolitik des Staates
4.3.3 Optimale Finanzpolitik unter Berücksichtigung einer sozialen Diskontrate
4.3.4 Ergebnisformulierung
5. Aktueller Ausblick
5.1 Das „Problem“ Deutschland – Spagat zwischen §109 GG, dem Abkommen von Maastricht und dem Stabilitätsgesetz
6. Summary
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ökonomische Sinnhaftigkeit und die wohlfahrtstheoretischen Auswirkungen von kreditfinanzierten gegenüber steuerfinanzierten öffentlichen Investitionen. Das zentrale Ziel ist es, unter Verwendung mikroökonomischer Wachstumsmodelle zu erarbeiten, welche Finanzierungsform langfristig zu einer höheren Wohlfahrt führt und unter welchen spezifischen Bedingungen Kredite als Finanzierungsinstrument gerechtfertigt sind.
- Vergleich der Auswirkungen von Kredit- und Steuerfinanzierung auf die Wohlfahrt
- Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen (GG, Maastricht-Kriterien)
- Diskussion der klassischen Theorie und des Keynesianismus
- Mathematische Modellierung der optimalen staatlichen Finanzpolitik
- Beurteilung der Opportunitätskosten bei öffentlicher Investitionstätigkeit
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Keynes kurz erläutert
John Maynard Keynes veröffentlichte erstmals den Gegenstand seiner Theorie 1933 in der Studie „Means to Prosperity“. Keynes versucht dabei zu erklären wie es in einem sich selbst überlassenen Markt zu Konjunkturkrisen kommen kann. Er geht davon aus, dass ein zusätzliches Angebot nicht unbedingt auch zusätzliche Nachfrage nach sich zieht. Das Problem liegt also nicht auf der Angebotsseite, sondern vielmehr auf der Nachfrageseite. Die Nachfrage wird dabei durch private Konsum- und Investitionsausgaben, den Ausgaben des Staates an Konsum und Investitionen und der Auslandsnachfrage bestimmt. Als Ursache für fallende Nachfrage werden die unsicheren Informationen über die zukünftige Entwicklung der zu erwartenden Renditen gesehen. Bei einer pessimistischen Einschätzung der Zukunft führt das zu einem Rückgang der Investitionen.
Keynes beschrieb dieses Phänomen in seinem Hauptwerk „The General Theory of Employment, Interest and Money“ folgender maßen: „Most, probably, of our decisions to do something positiv, the full consequences of which will be drawn out over many days to come, can only be taken as a result of animal spirits – of a spontaneous urge to action rather than inaction, and not as the outcome of a weighted average of quantitative benefits multiplied by quantitative probabilities.”8 Sinken die Investitionen so bedeutet das gleichzeitig eine geringere Nachfrage. Als Folge entsteht ein Überangebot und die Unternehmen fahren die Produktionen runter. So kommt ein allgemeiner Abschwungprozess in Gang. Da die Löhne und das Preisniveau als stabil angenommen werden lässt sich dieser Prozess nicht durch Lohnsenkungen aufhalten.
Aus diesen Gründen kommt dem Staat die Aufgabe zu den Nachfrageschwankungen durch aktive Fiskalpolitik entgegenzuwirken. In solchen Situationen sollte der Staat seine Nachfrage erhöhen oder dafür sorgen, dass die privaten Konsum- und Investitionsausgaben steigen. Um den privaten Konsum anzuregen oder private Investitionen zu fördern sind Steuersenkungen das geeignete Mittel. Im ursprünglichen Modell von Keynes spielten dabei durch Steuersenkungen angeregte Nachfrageerhöhungen weniger die Rolle. Dennoch sei diese Möglichkeit hier erwähnt da es um die Untersuchung der auf pump finanzierten Programme geht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitung in die Thematik der Finanzierung öffentlicher Investitionen mit Fokus auf Kredite und den Vergleich zur Steuerfinanzierung.
2. Warum gibt es öffentliche Investitionen: Erörterung der Daseinsberechtigung öffentlicher Investitionen aufgrund von Marktversagen und Transaktionskosten.
3. Kreditfinanzierung im gesetzlichen Rahmen: Darstellung der rechtlichen Restriktionen durch das Grundgesetz sowie internationale Abkommen wie das Maastricht-Kriterium.
4. Ökonomische Modelle: Theoretische Herleitung und ökonomische Bewertung unterschiedlicher Finanzierungsstrategien mittels mikroökonomischer Modelle.
5. Aktueller Ausblick: Diskussion der Problematik der Haushaltskonsolidierung in Deutschland im Kontext aktueller wirtschaftlicher Abschwünge.
6. Summary: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse der Arbeit in englischer Sprache.
Schlüsselwörter
Öffentliche Investitionen, Kreditfinanzierung, Steuerfinanzierung, Wohlfahrt, Keynesianismus, Haushaltswirtschaft, Grundgesetz, Maastricht-Kriterien, Wirtschaftswachstum, Opportunitätskosten, Finanzpolitik, Kapitalstock, Staatsverschuldung, Konjunkturpolitik, Mikroökonomisches Modell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das zentrale Problem, wie öffentliche Investitionen durch den Staat finanziert werden sollten, wobei der Fokus auf einem Vergleich zwischen Kredit- und Steuerfinanzierung unter wohlfahrtstheoretischen Gesichtspunkten liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die rechtlichen Grenzen der Verschuldung (GG, Maastricht), die klassische ökonomische Theorie sowie das keynesianische Modell und deren Auswirkungen auf das langfristige Wirtschaftswachstum und die individuelle Wohlfahrt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist zu klären, welche Finanzierungsform – Kredit oder Steuer – wohlfahrtstheoretisch überlegen ist und unter welchen Bedingungen Kredite zur Finanzierung von Investitionen sinnvoll eingesetzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine mikroökonomische Analyse auf Basis eines zwei-Perioden-Lebenszyklusmodells mit Cobb-Douglas-Produktionsfunktion, um die Wohlfahrtseffekte mathematisch zu modellieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine rechtliche Bestandsaufnahme, eine theoretische Modellbildung zur Finanzierung und deren optimale Ausgestaltung sowie eine Diskussion über die Opportunitätskosten der Finanzierungsformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind öffentliche Investitionen, Wohlfahrt, Kreditfinanzierung, Keynesianismus, Opportunitätskosten und Stabilitätsgesetz.
Warum wird im Modell zwischen Jugend- und Altersphase unterschieden?
Die Unterscheidung dient der Abbildung eines Lebenszyklusmodells, um intergenerative Wohlfahrtseffekte und die Auswirkungen von Steuer- und Zinslasten über verschiedene Lebensabschnitte hinweg präzise analysieren zu können.
Welche Rolle spielen die Maastricht-Kriterien in der Argumentation des Autors?
Die Kriterien dienen als reale, restriktive Leitplanken, die den politischen Spielraum für kreditfinanzierte Ausgabenprogramme stark einschränken und den Druck zur Haushaltskonsolidierung erhöhen.
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- Denis Voigt (Author), 2002, Kreditfinanzierung öffentlicher Investitionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11673