Um Carl Schmitts „Begriff des Politischen“ besser zu verstehen, soll der Frage nachgegangen werden, warum die Freund- Feind- Unterscheidung und damit das „Politische“ über allen anderen Sachgebieten steht.
Um diese Frage zu beantworten, soll zunächst kurz auf die Unterscheidung Carl Schmitts von „Politisch“ und „Politik“ eingegangen werden. In nächsten Abschnitt wird der „Begriff des Politischen“ anhand der Freund- Feind- Unterscheidung, der realen Möglichkeit des Kampfes, der Unentrinnbarkeit des Politischen und dem jus belli dargestellt. Da sich die Fragestellung dieser Arbeit vornehmlich auf den „ersten“ Teil der Schrift bezieht, soll, damit ein Überblick über das gesamte Werk entstehen kann, im zweiten Abschnitt noch auf den Pluralismus der Staatenwelt, den Völkerbund und Carl Schmitts Kritik am Liberalismus eingegangen werden. Im Anschluss daran wird die Kritik am „Begriff des Politischen“ von Leo Strauss, Karl Löwith und Hermann Heller dargestellt. Im Fazit soll mit einem Resümee auf die Fragestellung geantwortet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Politisch“ vs. Politik
3. Begriff des Politischen Teil 1
3.1 Freund- Feind- Unterscheidung
3.2 Reale Möglichkeit des Kampfes
3.3 Unentrinnbarkeit des „Politischen“
3.4 jus belli
4. Begriff des Politischen Teil 2
4.1 Pluralismus der Staatenwelt
4.2 Völkerbund
4.3 Kritik am Liberalismus
5. Kritik
5.1 Leo Strauss
5.2 Karl Löwith
5.3 Hermann Heller
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert Carl Schmitts Werk „Der Begriff des Politischen“ mit dem Ziel, die fundamentale Unterscheidung von Freund und Feind als Kriterium des Politischen zu erläutern und ihre Sonderstellung gegenüber anderen Sachgebieten des menschlichen Handelns zu begründen.
- Die Differenzierung zwischen „Politik“ und dem „Politischen“.
- Die Freund-Feind-Unterscheidung als zentrales Kriterium.
- Das Verhältnis von politischer Einheit, Souveränität und dem Ernstfall (jus belli).
- Die kritische Auseinandersetzung mit dem Liberalismus und dem Völkerbund.
- Die wissenschaftliche Kritik durch Denker wie Leo Strauss, Karl Löwith und Hermann Heller.
Auszug aus dem Buch
3.1 Freund- Feind- Unterscheidung
Eine Begriffsbestimmung des Politischen kann nach Carl Schmitt nur durch die Aufdeckung der spezifisch politischen Kategorien geschehen. Das Politische hat demnach seine eigenen Kriterien, die gegenüber den anderen Sachgebieten des menschlichen Handelns in eigener Weise wirksam werden. Als die anderen Sachgebiete des menschlichen Handelns bezeichnet Carl Schmitt die Moral, die Ästhetik und die Wirtschaft, da diese zwei Bedingungen erfüllen. Zum einen setzen sie alle eine Unterscheidung voraus, die sie von den anderen Sachgebieten unabhängig macht; die sog. „Letztunterscheidung“.
Die spezifisch politische Unterscheidung, auf die sich alle politischen Handlungen und Motive zurückführen lassen, ist die von „Freund“ und „Feind“. Diese Unterscheidung hat den Sinn, den äußersten Intensitätsgrad einer Verbindung bzw. Trennung zu kennzeichnen. Die Freund- Feind- Unterscheidung kann sowohl theoretisch als auch praktisch bestehen, ohne dass gleichzeitig die Unterscheidungen der anderen Sachgebiete zum Tragen kommen müssen. Der politische Feind muss demnach nicht zwangsläufig moralisch böse, ästhetisch hässlich oder ökonomisch unrentabel sein so wie auch der politische Freund nicht gut, schön und rentabel zugleich sein muss. Der politische Feind ist nach Carl Schmitt immer der Andere, der im existenziellen Sinne Fremde; im extremen Fall sind mit ihm Konflikte möglich, die nicht durch unbeteiligte Dritte lösbar sind. Die Unterscheidung von Freund und Feind ist nach Carl Schmitt auch deshalb eine praktische; da Völker sich durch diese Unterscheidung gruppieren. Der Feind ist demnach eine der realen Möglichkeit nach kämpfende Gesamtheit von Menschen, die einer ebensolchen Gesamtheit gegenübersteht. In diesem Sinne ist der Feind immer nur ein öffentlicher Feind (hostis) und kein privater Gegner (inimicus), da alles was einer Gesamtheit gegenübersteht zwangsläufig öffentlich wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Person Carl Schmitts, den Stellenwert seiner Schrift „Der Begriff des Politischen“ und die Darlegung der zentralen Fragestellung der Arbeit.
2. „Politisch“ vs. Politik: Abgrenzung des „Politischen“ als ein das Staatliche übersteigendes, immer vorhandenes Phänomen gegenüber der historischen Erscheinung des Staates.
3. Begriff des Politischen Teil 1: Theoretische Herleitung der Freund-Feind-Unterscheidung, der Bedeutung der existenziellen Intensität, der Rolle des Konflikts und des jus belli.
4. Begriff des Politischen Teil 2: Untersuchung der Konsequenzen für die Staatenwelt, der Problematik eines Weltstaates/Völkerbundes und Schmitts Kritik am Liberalismus.
5. Kritik: Darstellung der Einwände von Leo Strauss, Karl Löwith und Hermann Heller bezüglich der logischen Konsistenz und der moralischen Implikationen von Schmitts Theorie.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Argumente und kritische Reflexion über die Aktualität der Überordnung des Politischen.
Schlüsselwörter
Carl Schmitt, Begriff des Politischen, Freund-Feind-Unterscheidung, Politische Theorie, Souveränität, jus belli, Ernstfall, Liberalismuskritik, politische Einheit, Weimarer Republik, Leo Strauss, Hermann Heller, Existenzialismus, Dezisionismus, Staatstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit setzt sich mit der zentralen politiktheoretischen Schrift „Der Begriff des Politischen“ von Carl Schmitt auseinander und untersucht dessen Bestimmungsversuch des Politischen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Unterscheidung von Freund und Feind, die Souveränität der politischen Einheit, die Kritik am liberalen Staatsverständnis sowie die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Kritikern Schmitts.
Was ist die grundlegende Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der Frage nach, warum die Freund-Feind-Unterscheidung bei Carl Schmitt eine Sonderstellung einnimmt und das „Politische“ über alle anderen Sachgebiete des menschlichen Handelns erhebt.
Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?
Es handelt sich um eine theoriegeleitete Textanalyse, die Schmitts Argumentation systematisch darstellt und sie durch eine Literaturanalyse in einen kritischen Dialog mit anderen Denkern stellt.
Was wird im inhaltlichen Hauptteil der Ausarbeitung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Aufarbeitung von Schmitts Begriffsbildung (Freund-Feind, Kampf, Unentrinnbarkeit) sowie eine Analyse der Kritikpunkte von Strauss, Löwith und Heller.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Freund-Feind-Unterscheidung, politische Einheit, Souveränität, Dezisionismus und Ernstfall beschreiben.
Wie unterscheidet Schmitt laut der Autorin zwischen „Politisch“ und „Politik“?
Schmitt begreift das „Politische“ nicht als eigenes Sachgebiet, sondern als Intensitätsgrad einer Gruppierung, während Politik oft auf staatliche Institutionen reduziert wird, was Schmitts Theorie als zu eng ablehnt.
Welchen Punkt führen die Kritiker (Strauss, Löwith, Heller) primär gegen Schmitt an?
Die Kritiker werfen Schmitt unter anderem vor, dass sein Begriff des Politischen das moralische Verhältnis verschleiere, die Selbstbestimmung der Entscheidung vernachlässige oder die Vielschichtigkeit politischen Handelns auf eine statische Feind-Theorie reduziere.
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- Bachelor of Arts Nina Eger (Author), 2008, Carl Schmittt - Warum stellt Carl Schmitt die Freund-Feind-Unterscheidung und damit das „Politische“ über alle anderen Sachgebieten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116817