Die Arbeit beschäftigt sich mit den beiden Hymnen „Prometheus“ und „Ganymed“ von Johann Wolfgang von Goethe, die beide von der Beziehung zwischen Menschen und Göttern handeln. Goethe prägte mit seinen Hymnen die Epoche des Sturms und Drangs.
Während die Worte von Prometheus auf ein verachtendes Verhältnis hindeuten, wirken Ganymeds Worte eher liebevoll. Diese beiden unterschiedlichen Standpunkte lassen eine neue Weltanschauung Goethes und auch die scheinbare Religionskritik erahnen. Die Arbeit untersucht diese beiden Standpunkte Goethes und vergleicht unterschiedliche Forschungsansätze miteinander, geht auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten ein und stellt anschließend einen Zusammenhang zwischen den beiden Hymnen dar. Im Anschluss an die Forschungsergebnisse erfolgt eine eigene Deutung und abschließend eine Einordnung in Bezug auf die Epoche des Sturms und Drangs und inwiefern diese Goethes Selbstverständnis verändert hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die epochale Einordnung der Hymnen
3. Prometheus Interpretation
3.1. Zusammenfassung der Hymne und unterschiedliche Deutungsansätze
3.2. „Bedecke deinen Himmel, Zeus, Mit Wolkendunst!“ – Deutungsansatz
4. Ganymed Interpretation
4.1. Zusammenfassung der Hymne und unterschiedliche Deutungsansätze
4.2. „Alliebender Vater!“ – Deutungsansatz
5. Vergleich der beiden Hymnen in Bezug auf ihr Verhältnis zwischen Göttern und Menschen
6. Schlussteil
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das ambivalente Verhältnis zwischen Menschen und Göttern in Johann Wolfgang von Goethes Hymnen „Prometheus“ und „Ganymed“. Ziel ist es, die unterschiedlichen Standpunkte Goethes herauszuarbeiten, indem Forschungsansätze verglichen, Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede analysiert und die Werke in den Kontext der Epoche des Sturms und Drangs eingeordnet werden.
- Analyse der Religionskritik und des menschlichen Selbstverständnisses
- Gegenüberstellung von rebellischer Distanz und liebevoller Zuwendung zum Göttlichen
- Untersuchung der metaphorischen Gestaltung des Verhältnisses zwischen Schöpfer und Geschöpf
- Einordnung der Hymnen als Ausdruck des genialischen Künstlerselbstverständnisses
Auszug aus dem Buch
Prometheus Interpretation
„Das Gedicht lebt von Mehrdeutigkeit“. Mit diesen Worten beschreibt Matthias Luserke-Jacqui die Komplexität der Interpretationsmöglichkeiten der „Prometheus“-Hymne. Mit den Possessivpronomen in V. 6 „meine Erde“, V. 8 „meine Hütte“ und V. 10 „meinen Herd“ schaffe Prometheus seine eigene Welt unabhängig von den Göttern. In den verachtenden Versen der zweiten Strophe distanziere sich Prometheus erneut von den Göttern. Laut Luserke-Jacqui gehe es bei Goethe „um Machtanspruch und Machtverteilung, ja Gebietsverteilung: den Himmel dem Zeus, die Erde dem Prometheus“.
Der regelmäßige Bezug auf seine Kindheit, soll seine Entwicklung hin zum Rebell demonstrieren, die den Ursprung in der Enttäuschung von Zeus habe. Prometheus handele also nicht intuitiv, sondern aus Erfahrung. Luserke-Jacqui sehe in der dritten Strophe einen deutlichen Bezug zu Korinther 13,11 und Matthäus 11,15, welche den Zusammenhang zu der vermuteten Religionskritik am Anfang darstellen soll. Die Begriffe „Klage“ (V. 26) und „Herz“ (V. 27) seien für ihn ebenfalls aus dem religiösen Begriffsinventar. Zusammenfassend betrachtet er Prometheus als „Widerständler gegen herrschende Normen“ und den Göttervater Zeus als „projizierte Vaterfigur oder als despotischer Landesfürst“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Hymnen „Prometheus“ und „Ganymed“ ein und skizziert die wissenschaftliche Fragestellung bezüglich des Gottesverhältnisses.
2. Die epochale Einordnung der Hymnen: Dieses Kapitel verortet die Werke im Sturm und Drang und erläutert die Relevanz von Gesellschaftskritik sowie individueller Selbstbestimmung für Goethes Selbstverständnis.
3. Prometheus Interpretation: Hier werden verschiedene Deutungsansätze zur Prometheus-Hymne diskutiert, die das Werk als Rebellion gegen väterliche Autorität und Ausdruck menschlicher Schöpferkraft betrachten.
3.1. Zusammenfassung der Hymne und unterschiedliche Deutungsansätze: Dieser Abschnitt bietet eine inhaltliche Übersicht der Hymne und analysiert ihre komplexe Mehrdeutigkeit aus Sicht verschiedener Literaturwissenschaftler.
3.2. „Bedecke deinen Himmel, Zeus, Mit Wolkendunst!“ – Deutungsansatz: Die Analyse fokussiert sich auf die einleitenden Verse als programmatische Absage an transzendentale Gottesvorstellungen.
4. Ganymed Interpretation: Dieser Teil widmet sich dem Gegenstück „Ganymed“ und dessen Modus der Verehrung und göttlichen Hingabe.
4.1. Zusammenfassung der Hymne und unterschiedliche Deutungsansätze: Es erfolgt eine Zusammenfassung und Interpretation der schwärmerischen Naturanrede, die eine Vereinigung mit der Gottheit sucht.
4.2. „Alliebender Vater!“ – Deutungsansatz: Die Untersuchung des Schlussverses verdeutlicht die harmonische Verschmelzung von Mensch, Natur und Gott.
5. Vergleich der beiden Hymnen in Bezug auf ihr Verhältnis zwischen Göttern und Menschen: Dieser Vergleich arbeitet das komplementäre Verhältnis zwischen Prometheus und Ganymed heraus, das als Bewegung von der Abkehr zur Zuwendung gedeutet wird.
6. Schlussteil: Der Schlussteil synthetisiert die Ergebnisse und ordnet beide Hymnen final als Ausdruck von Goethes neuem künstlerischen Genieverständnis ein.
Schlüsselwörter
Goethe, Prometheus, Ganymed, Sturm und Drang, Gottesverhältnis, Hymnendichtung, Religionskritik, Subjektwerdung, künstlerisches Genie, Mensch-Gott-Beziehung, Entselbstung, Verselbstigung, Schöpferkraft, Pantheismus, Mythopoesie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das unterschiedliche Verhältnis zwischen Göttern und Menschen, wie es in Johann Wolfgang von Goethes Hymnen „Prometheus“ und „Ganymed“ dargestellt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Rebellion gegen väterliche Ordnungen, die menschliche Schöpferkraft im Kontrast zur Religion sowie die Entwicklung eines neuen künstlerischen Selbstverständnisses während des Sturms und Drangs.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, wie Goethe das Verhältnis zu den Göttern in beiden Werken gestaltet und inwiefern diese Hymnen als Ausdruck einer neuen Weltanschauung zu verstehen sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die durch den Vergleich verschiedener fachwissenschaftlicher Deutungsansätze und die Interpretation des Textkontextes methodisch fundiert ist.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Interpretation beider Hymnen und einen anschließenden Vergleich, der aufzeigt, wie sich die Werke gegenseitig ergänzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie „Sturm und Drang“, „Religionskritik“, „Künstlerselbstverständnis“ und „Mensch-Gott-Beziehung“ charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Zeus in beiden Gedichten?
In „Prometheus“ wird Zeus als eine despotische Vaterfigur abgelehnt und aus dem menschlichen Lebensbereich verbannt, während er in „Ganymed“ als „alliebender Vater“ verehrt wird.
Warum ordnet der Autor die Hymnen in das Konzept von „Systole und Diastole“ ein?
Das Konzept dient dazu, das korrelative Verhältnis der Hymnen zu beschreiben: Prometheus steht für die Abkehr (Systole/Verselbstung) und Ganymed für die Zuwendung (Diastole/Entselbstung) zum Göttlichen.
Inwiefern hat die Arbeit einen autobiografischen Bezug zu Goethe?
Die Figur des Prometheus wird als Abbild von Goethes eigenem künstlerischen Genie interpretiert, das sich am Schreibtisch seine eigene, unabhängige Welt erschafft.
- Citar trabajo
- Pia Ahnefeld (Autor), 2019, Wie ist das Verhältnis zwischen Göttern und Menschen in Goethes "Prometheus" und Goethes "Ganymed" gestaltet?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1168386